Karlsruhe - Filmfestival 2017

15. Stummfilm-Festival Karlsruhe

8. - 12. März, 2017

"Es wäre logischer gewesen, wenn sich der Stummfilm aus dem Tonfilm entwickelt hätte, als umgekehrt."
"It would've made more sense if silent film developed from sound film instead of the other way around"
Mary Pickford

Das fidele Gefängnis

(Ein fideles Gefängnis), Regie:   Ernst Lubitsch, Deutschland - 1917
Produktion: Projektions-AG Union (PAGU) - Produzent: Paul Davidson - Regisseur: Ernst Lubitsch - Drehbuch: Ernst Lubitsch - Kamera: Theodor Sparkuhl - Architekt: Kurt Richter - Darsteller: Erich Schönfelder Egon Storch - Paul Biensfeldt - Käthe Dorsch - Agda Nilsson Stubenmädchen Mizi - Ernst Lubitsch - Hanns Kräly - Harry Liedtke Alex von Reizenstein - Kitty Dewall Alice von Reizenstein, Alex' Frau - Ossi Oswalda - Emil Jannings Frosch -
Inhaltsangabe : Ein Ehemann, der gern bis in die Puppen feiert, wird zu einer Nacht im Gefängnis verurteilt. Unverhofft freigekommen, geht er an einen Maskenball, wo er nichts ahnend seine eigene Frau umwirbt. Wieder im Kerker gelandet, erwartet ihn seine Frau am Morgen danach. Eine freie Adaption der Operette Die Fledermaus und ein grosser Publikumserfolg. (Locarno 2010)

Wo ist Alex? Vergeblich sucht Alice von Reizenstein ihren Gatten, bis sie ihn schließlich sturzbetrunken unter seinem Schreibtisch entdeckt. Kurz darauf überbringt der Postbote den Eheleuten eine gute und eine schlechte Nachricht.

Die Gute: Fürst Zsbrschowsky lädt zum Maskenball; die Schlechte: Alex soll wegen nächtlicher Ruhestörung ins Gefängnis. Alice ist außer sich, doch mit ein paar Geldscheinen für einen neuen Hut stimmt Alex sie wieder versöhnlich. Bei der Anprobe wird ein galanter Herr auf Alice aufmerksam und verfolgt sie auf Schritt und tritt durch die Stadt. Das Katz-und-Maus-Spiel endet für den Herrn mit einer Einladung zum Tee im Hause Reizenstein. Als der Gefängnisdirektor persönlich bei von Reizensteins auftaucht, um Alex zu verhaften, springt der galante Herr für den Gatten ein, um Alice nicht als flirtende Ehefrau zu kompromittieren. Doch das ist erst der Anfang einer Reihe aberwitziger Verwechslungen und Verwicklungen: Auf dem Maskenball des Fürsten werden sowohl Alice als auch Alex in so manche Rolle schlüpfen, um im Schutze der Anonymität neckische Spielchen mit anderen Gästen zu treiben. (www.filmportal.de)
Kritiken : »Eine Verwechslungskomödie, in der die verdrehten Verhältnisse am Ende doch nicht mehr ganz dieselben sind, auch wenn jeder und alles seinen Platz findet: Die Verehrer fliegen die Treppe hinunter samt Blumenstrauss, der Ehering steckt am Finger des Ehemanns, das Dienstmädchen verschwindet mit dem zwielichtigen Galan, die Geliebte entlarvt sich dem Liebenden als seine Ehefrau, und zu allerletzt beglückt Harry Liedtke Kitty Dewall lächelnd mit einem diskreten Versprechen, dessen wortloses Geheimnis wir erahnen dürfen in den vagen Falten des Kinovorhangs.« (Michael Esser) (filmmuseum München, Heft 10, 2006)
Anmerkungen: Ernst Lubitschs lose Verfilmung von Johann Strauss’ Operette "Die Fledermaus" steht beispielhaft für die seichte Kinounterhaltung, die mit zunehmender Dauer des Ersten Weltkriegs mehr und mehr Anklang beim Publikum fand. (www.filmportal.de)

Das Mädchen ohne Vaterland

Regie:   Urban Gad, Deutschland - 1912
Produktion: Deutsche Bioscop GmbH., Berlin - Projektions-AG Union (PAGU) - Regisseur: Urban Gad - Drehbuch: Urban Gad - Kamera: Guido Seeber - Darsteller: Fred Immler - Paul Meffert General Czepow, Festungskdt. - Asta Nielsen Zidra - Max Wogritsch Lt. Sergej Ipanoff -
Inhaltsangabe : In den Gebirgswäldern am Balkan liegt eine kleine aber wichtige Grenzfestung, die der Feind zur Eroberung ausspionieren möchte. Als Spionin von durchschlagender Wirkung wird eingesetzt Zidra, die schönste Blüte eines Zigeunerstammes. (www.filmportal.de)

Der brennende Acker

Regie:   Friedrich Wilhelm Murnau, Deutschland - 1922
Associate Producer: Erich Pommer - Regisseur: Rochus Gliese - Friedrich Wilhelm Murnau - Drehbuch: Arthur Rosen - Willy Haas - Thea von Harbou - Kamera: Karl Freund - Fritz Arno Wagner - Schwenker: Robert Baberske - Musik: Alexander Schirmann - Architekt: Rochus Gliese - Kostümbild: Rochus Gliese - Darsteller: Albert Patry - Rolf Prasch - Eugen Rex Ackerkäufer - Magnus Stifter - Leonie Taliansky Zofe der Gerda - Emilie Unda Marfa, eine alte Dienerin - Eduard von Winterstein Graf Rudenberg - Elsa Wagner Magda - Robert Leffler - Emilie Kurz Grossmagd - Werner Kraus Rog, der alte Bauer - Stella Arbenina Helga, 2te Frau des Grafen - Hellmuth Bergmann Kutscher - Hans Bernecker - Gustav Botz Prof. Butkin, Sachverständiger - Lya de Putti Gerda, Tochter aus 1er Ehe - Grete Diercks Maria, junge Bäuerin (AKA Greta Dierks) - Olga Engl - Unda Faliansky - Harry Frank - Vladimir Gajdarov Johannes, 2er Sohn Rogs - Leonhard Haskel Pferdehändler - Adolf Klein - Eugen Klöpfer Peter, Rogs Sohn - Alfred Abel Baron Ludwig von Lellevel -

Der Gang in die Nacht

Regie:   Friedrich Wilhelm Murnau, Deutschland - 1920
Produktion: Goron-Films, Berlin - Verleih: Progress-Film GmbH, Berlin - Produzent: Sascha Goron - Regisseur: Friedrich Wilhelm Murnau - Drehbuch: Carl Mayer - Nach einer Vorlage von: Harriet Bloch Der Sieger - Kamera: Max Lutze - Architekt: Heinrich Richter - Darsteller: Erna Morena Helene - Clementine Plessner - Conrad Veidt blinder Maler - Olaf Fønss Prof. Dr. Eigil Boerme - Gudrun Bruun Stephensen Tönzerin Lily -
Inhaltsangabe : Der Augenarzt Eigil Boerne verlässt seine Verlobte Helene für die Tänzerin Lilly und zieht mit ihr in ein Fischerdorf. Er heilt dort einen blinden Maler, für den Lilly wiederum ihn verlässt. Boerne kehrt verbittert in die Stadt zurück. Als Lilly eines Tages bei ihm auftaucht und ihn um Hilfe für den Maler bittet, der neuerlich zu erblinden droht, fordert er sie im Affekt auf, sich umzubringen – dann sei er zur Rettung ihres Geliebten bereit. Sie nimmt ihn beim Wort und tötet sich. Der Maler will nun nicht mehr geheilt werden, denn, so erklärt er Boerne, Lilly war alles auf der Welt, was er habe sehen wollen. (www.filmportal.de)
Kritiken : Für die Decla-Bioscop AG erwirbt Murnau das Manuskript «Büxl», nach der Komödie von Arno Holz und Oskar Jerschke; das Vorhaben einer Verfilmung wird nicht realisiert. Murnau und Veidt kaufen das Manuskript «Hände», von dem vermutlich Motive in Robert Wienes 1924 mit Veidt gedrehten Film ORLACS HÄNDE eingehen. Nach einem Drehbuch von Mayer, einer freien Bearbeitung des dänischen Filmszenariums «Der Sieger» von Harriet Bloch, inszeniert Murnau im Herbst 1920 DER GANG IN DIE NACHT: «Die Handlung? Ein Minimum von einem Minimum. Zwei Frauen, zwei Männer. Ein Spiel von Leidenschaften, was sie zueinander treibt, und sie wieder voneinander wegtreibt. Das nebeneinander; hier sind die subtilsten Differenziertheiten des Menschenlebens, die der Kurzsichtige nur 'Inkonsequenzen' nennen wird: Der Gute wird in der Verzweiflung böse, mörderisch böse: er fordert Selbstmord. Die Lächelnd-Selige wird von irgendeiner Unendlichkeit angerührt, eine Angst wirbelt sie herum, ein neues Licht löst sie in eine noch höhere, noch einfachere Seligkeit auf, das alles in Handlung gebracht, das alles in Menschengesichter geprägt, das alles in das Unbeschreibliche, Feinste der Bewegung gelegt denn die Titel, wunderbar schlicht gefasst, geben in diesem Film schon nichts mehr als ganz entfernte Andeutungen.» (W. Haas, Film-Kurier, 14.12.1920).

«Der früheste erhaltene Film von F. W. Murnau ist paradoxerweise der einzige seiner Filme, von dem das originale Kameranegativ vorhanden ist. Von diesem ausserordentlichen Material ausgehend, hat das Münchner Filmmuseum eine ausserordentliche Restaurierung gemacht: einen Film, der zum ersten Mal eine genaue Vorstellung vermittelt von Murnaus innovativer, höchst ausdrucksvoller Lichtführung. Die Story – ein bedeutender Arzt erliegt dem Zauber einer skrupellosen Tänzerin – wird in der ganzen Weimarer Zeit ihren Widerhall finden, Sternberg inklusive.» (Museum of Modern Art, New York, Nov. 2016)

«Ein spontanes Gespür entwickelt sich für jenen eigenen filmischen Rhythmus, der nicht bestimmt wird von der Logik des Erzählens. (…) Ein Film über das Sehen, über das Sich-Verschauen. Demonstrativ schaut Eigil im Varieté weg, er scheut den Blick auf die Szene. (…) Automatisch kommen einem bei diesem komischen Professor Freud-Texte in Erinnerung. Den anderen sehen machen, so sah auch Freud seinen Job.» (Fritz Göttler, in: Frieda Grafe u. a.: Friedrich Wilhelm Murnau, Hanser 1990)

«Von den neun Filmen, die Murnau vor Nosferatu drehte, haben nur zwei mehr oder minder vollständig überlebt. (…) Nun liegt Der Gang in die Nacht, Murnaus siebter Film, in einer digitalen Restaurierung vor – und welch einer Restaurierung! Das Team des Münchner Filmmuseums hat eine der schönsten Ausgaben eines Stummfilms geschaffen, die ich je gesehen habe. (…) Man schaut sich diese Einstellungen an und realisiert, dass die meisten Stummfilmfassungen in keiner Weise dem gerecht werden, was das Publikum damals sah. (…) In jenen Tagen wurden die Vorführkopien in der Regel direkt vom Kameranegativ gezogen, das heisst, was aufgezeichnet war, gelangte auch auf die Leinwand. Diese neue Münchner Restaurierung erlaubt es uns, in jedem einzelnen Bild alles zu sehen, mit einer wunderbaren Klarheit und Detailgenauigkeit.» (David Bordwell, www.davidbordwell.net/blog)

Der Golem, wie er in die Welt kam

Regie:   Paul Wegener, Deutschland - 1920
Regisseur: Carl Boese - Paul Wegener - Drehbuch: Henrik Galeen - Rochus Gliese - Paul Wegener - Kamera: Martin Knoops - Guido Seeber - Karl Freund - Schwenker: Robert Baberske - Musik: Karl-Ernst Sasse (Neue Musik - 1977) - Architekt: Walter Röhrig - Hans Pölzig - Rochus Gliese - Darsteller: Loni Nest - Ernst Deutsch Gehilfe des Rabbi - Fritz Feld - Otto Gebühr Kaiser - Paul Wegener Golem - Hanns Sturm Rabbi Jehuda - Albert Steinrück Rabbi Löw - Lothar Müthel Junker Florian - Greta Schröder - Lyda Salmonova Rabbi Löws Tochter Mirjam - Dore Paetzold Geliebte -
Inhaltsangabe : Als ein Edikt des Kaisers die Juden zum Verlassen der Ghettostadt auffordert, ist für Rabbi Löw die Zeit gekommen, nach den Regeln magischer Überlieferung aus Lehm die Gestalt des Golem zu formen, der zum Retter der Juden werden soll. Der kaiserliche Bote, Graf Florian, verliebt sich in Löws Tochter Mirjam. Während Rabbi Löw zur Audienz am Hof ist, wo er den Golem vorstellt, nutzt Florian die Zeit zu einem Schäferstündchen mit Mirjam.
Von Golem begeistert, fordert der Kaiser in seiner Euphorie magische Schauspiele von Löw. In einer Vision beschwört Löw den Gang der Juden aus Ägypten, fordert aber für seine Vorstellung absolute Ruhe, da sonst ein Unheil geschehe. Als das Gebot der Stille von Mitgliedern des Hofstaates durchbrochen wird, schwindet die Erscheinung, die magische Kräfte freisetzt und den kaiserlichen Palast in ein Trümmerfeld zu verwandeln droht.
Löws Golem rettet den Kaiser vor dem Verderben, der aus Dankbarkeit den Juden Schutz verspricht. Der Golem hat seine Pflicht erfüllt. Löw entfernt den segenspendenden "Schem", damit die Zauberkraft sich nicht gegen die Juden wende.
Aber der auf Florian eifersüchtige Famulus belebt erneut die Lehmfigur, um seinen Rivalen bei Mirjam auszuschalten. Jetzt entzieht sich der Golem dem menschlichen Willen und bringt Verderben und Zerstörung über die Ghettostadt. Noch einmal gelingt es Löw, die Stadt zu retten, während der Golem das Tor öffnet und in den Kreis spielender Kinder tritt. Ein kleines Mädchen entwindet ihm im Spiel den "Schem". Seiner Kraft beraubt, fällt die Lehmfigur zu Boden... (arte Presse)


Kritiken : "Alt, dennoch neu. Keine Historie, sondern ein Traum von einer fernen Vergangenheit. Traumhaft urmächtig ragen die Bauten, Alleen schroffer Felsblöcke vergleichbar, mit Höhlen statt der Tore und toten Fensteraugen im kahlen Gemäuer...
Traumhaft. Nicht Körper, eher so etwas wie Verdichtungen toller, visionärer Wolken am Abendhimmel. Grauenvoll die Strassen der Judenstadt: Gebirgsplateau, übersät von riesenhaft gespenstischen Steinbrocken, vorweltlich, wie das Geschlecht, das in ihnen haust. Sind das noch Strassen, von Menschen erbaut? Über Wendeltreppen steigt man, die wie die verschlungenen Gänge in Knochenschädeln sich emporwinden; auf Türme, Felsnadeln, gen Himmel starrend...
Traumhaft, urweltlich: so hat Hans Pölzig die Judenstadt gebaut. [...] Im Mittelpunkt aber steht kein Mensch, sondern ein Tonklotz. Diesen Tonklotz auf das Primitivste einem Menschenkörper nachgebildet, spielt Paul Wegener.
Er schlägt die Augen auf: ein erster Blick in die Welt. Können Klötze blicken? Sie müssten so blicken: Fragend, unbehilflich, leer... Es ist nicht der Blick eines Menschen, noch nicht einmal der Blick eines Kindes: sondern wirklich ein zögernd-tröger Augenaufschlag der unbeseelten Natur zum Beseelten hin... Dann geht er einige Schritte, stelzenhaft, plump. Ein Meisterwerk... [...]
Welches wunderbare Motiv: Natur, zwischen Seelenlosigkeit und Seele schwebend, Körper zwischen Tonklotz und lebendem Organismus. "Du sollst zu Erde werden, denn aus Erde bist du gebaut", das ist der Mensch. Auch der Golem ist Erde, aber er hört niemals ganz auf, Erde zu sein: denn sein Schöpfer ist nicht Gott, nur ein Mensch. Und wie Erde und Meer hängt er rätselhaft mit den Konstellationen der Gestirne zusammen, die ihn wild macht zuzeiten, und zuzeiten milde: Ebbe und Flut. [...]
Halb seelenhaft, halb unbeseelt; wie aus Urtagen der Schöpfung selbst...
Das Bild: Alles; mehr als der Mensch. Jede einzelne Szene streng auf das Bildhafte hin abgestimmt. Fast zu streng, zu bildhaft; die Menschengestalt ist so rücksichtslos dem Bilde eingeordnet, dass sie sich mehr als einmal zur Groteske forcieren muss.
Doch über alle Begriffe, über alle Beschreibung schön die Bilder als Bilder, die Karl Freund mit einer nicht mehr zu überbietenden Meisterhaftigkeit gedreht hat." (Film-Kurier vom 30.10.1920)

«Paul Wegener hat mit diesem Werk seinem bisherigen Schaffen auf dem Gebiete des Kunstfilms die Krone aufgesetzt. Was wir zu sehen bekamen, war nicht nur bisher absolut unübertroffen, sondern auch für lange Zeit hinaus unübertreffbar, es sei denn, daß Wegener späterhin über sein Meisterwerk hinauswächst. Alles war so gewaltig, diese Bildersprache von einer so eindringlichen Wucht, daß Worte hier eigentlich viel zu schwach sind, um den Eindruck wiederzugeben, den der "Golem" auf einen macht. Ich habe auch nicht einen einzigen gehört, der es gewagt hätte, das eine oder andere daran kleinlich zu bekritteln, und das will immerhin schon allerhand heißen, wenn man bedenkt, daß bekanntlich die liebe Konkurrenz besonders bei allen auch nur halbwegs guten Filmen sich nur zu gern in der lieblichen Tätigkeit des Miesmachens übt.
Die Geschichte jenes rätselvollen Wesens, Golem genannt, das auf Grund von in uralten Schriften gefundenen Angaben von Menschenhand geschaffen, den Prager Juden durch ein Wunder die Befreiung, die Gleichberechtigung bringt. Es ist unerhört, wie Paul Wegener diesen Stoff zu gestalten wußte, und vor allen Dingen, wie er die Hauptfigur selbst spielte. Das ist schauspielerisches Können, wie es ihm keiner nachmachen dürfte, eine ganze Welt mit ihren Höhen und Tiefen liegt in dem Mienenspiel dieses Golemgesichts, man muß diesen Golem gesehen haben, wie er mit breitem Grinsen seines irdischen Schöpfers lacht, muß ihn gesehen haben, wie er gigantisch im Kaisersaal den Deckeneinsturz aufhält, muß ihn gesehen haben, wie er mit übernatürlicher Kraft den Blasebalg in Bewegung setzt, wie er die Liebenden in der Kammer überrascht, wie er fackelschwingend Brand und Verheerung verbreitend die Straßen hindurcheilt und gleich darauf, wie er sich mit mildem freundlichen Lächeln zu den Kindern neigt u.a.m. All das sind schauspielerische Glanzleistungen, die schlechthin vollendet sind.
Einen einzigartigen Rahmen für diese Handlung schuf Prof. Poelzig. Diese malerischen Gassen und Gäßchen mit ihren krummen Stiegen, den verräucherten Häusern, die in ihrem ganzen Ausmaß mit den kleinen Fensterchen und den winkligen Ziegeldächern etwas wiedergeben von der Gedrücktheit, in dem ihre Bewohner lebten, all das war schlechthin der Rahmen für diese Handlung, in jedem anderen wäre sie beinahe unmöglich gewesen, hier wirkte sie wie selbstverständlich, alles zerschmolz in eine einzige große Einheit, die gewaltige Szene der Erschaffung des Golem mit ihrem übernatürlichen Höllenspuk ebenso wie die Vision der Erzväter, die Synagogenszenen wie überhaupt die ganze Ausmalung des Prager Ghetto. Nicht zuletzt war es aber auch die Kunstphotographie von Karl Freund, die in Verbindung mit wundervollen Beleuchtungseffekten (so z. B. gleich im ersten Akt der besternte Himmel und die Synagogenbeleuchtung) eine bis dahin unerreichte Stileinheit schuf. Störend wirkten die zwar stilvollen (soweit deutsche gotische Schrift als stilvoll jüdische Schrift bezeichnet werden kann) aber dafür sehr oft völlig unleserlichen Titel. – Dieser Film ist eine Errungenschaft, die uns mit freudigem Stolz erfüllen kann. » (Fritz Olimsky, Berliner Börsen-Zeitung, 23.10.1920)

«Nun haben wir Wegeners "Golem" erlebt. Zwei Stunden lang war die Welt um uns her versunken; zwei Stunden war unser Ich aufgelöst in einer Sphäre, die aus brausenden Bächen uns überströmte. Wir haben in tiefster Seele gezittert, wir haben gejauchzt, geknirscht, Wunder bestaunt und vor Gott gebetet – nicht um unsertwillen, sondern weil wir – wie in einem Traum – einer anderen Welt zu eigen gehörten, die uns packte, die uns schüttelte, die uns zwang.
Unmittelbar nach der Wucht eines solchen Erlebnisses gibt es keine Analyse, keine klug ausgedachten Worte. Nur eine Frage drängt sich auf unsere Lippen: Ist so etwas möglich? Ist es dann denkbar, dem Filmband eine solche Gewalt – eine Zaubermacht, die allein höchsten Kunstschöpfungen innewohnt, einzuhauchen?
Paul Wegener hat es vollbracht. In seinen kurzen Worten vor Beginn des Spiels erzählt er uns, wie er immer wieder auf den Golem-Stoff zurückgekommen sei, weil er die Gestalt des Golem lieb habe. Nur seine Liebe, das Herzblut, das ein großer Mensch und Künstler in diesen Film hat strömen lassen, konnte ein solches Werk zustande bringen.
In der Tat: Dieser Film ist Wegeners leibliches Kind, Er spiegelt alle Eigenheiten seiner Gestalt, seines Wesens, seiner darstellerischen Individualität getreu wieder. Die Schöpfung kann ihren Vater nicht verleugnen; sie hat die Wegnerschen Charakterzüge: gedrängteste Wucht, monumentale Knappheit, äußerste, zwingende Expression im Bau der Handlung, der Bilder, im Spiel der Künstler Wegener, Lyda Salmonova, Steinrück, Deutsch und jedes einzelnen. Nirgends ein Jota zu viel oder zu wenig; jede Einzelheit so, daß sie anders, besser nicht denkbar wäre.
Und als wir aus den jagenden Visionen wieder zum irdischen Dasein erwachten, als wir rund um uns hundert Gesichter sahen – ein jedes wohl bekannt in Kunst-Berlin und im Film-Berlin, da jauchzte in unseren Herzen das sieghafte Wissen: im Wettstreit der Völker um die flimmernde Kunst ist das blue ribbon für diesmal unser...
Auf die prachtvolle Golem-Musik Dr. Landsbergers, die ein hoher Genuß für sich war, wird unser Musikkritiker im nächsten Heft ausführlich eingehen. » (Hans Wollenberg, Lichtbild-Bühne, Nr. 44, 30.10.1920)

"16. Jahrhundert: Rabbi Löw, der geistliche Führer der jüdischn Gemeinschaft in Prag, ein Magier und Meister der schwarzen Kunst, haucht einer Lehmstatue Leben ein. Der Koloss rettet dem Kaiser das Leben, worauf dieser ein Dekret, das die Vertreibung der Juden aus Prag verordnet, widerruft. Als der Golem sich infolge einer verhängnisvollen Konstellation der Gestirne gegen seinen Schöpfer auflehnt, bricht ein kleines Mädchen seine Lebenskraft. - Wegeners Film war einer der künstlerisch wie gesellschaftlich grössten Erfolge der deutschen Stummfilmproduktion, dessen aussergewöhnliche, von Jugenstil und Expressionismus bestimmte Bild- und Dekorgestaltung nichts an suggestiver Wirkung eingebüsst hat." ( Film-Dienst)

«Bildgewaltiger, eindringlicher Horrorstreifen...» (tele 21/2009)
Anmerkungen: »Parallelen und Nachahmungen zur Sagenverfilmung um den Prager Rabbi Judah Löw finden sich angefangen in "Das Cabinet des Dr. Caligari", bei dem Maschinenmenschen in "Metropolis" bis hin zu "Frankenstein". Mit seiner verwinkelten Stadt wurde "Golem, wie er in die Welt kam" zum Synonym für expressionistische plastische Filmarchitektur und gilt als der expressionistische Film schlechthin. "Es ist nicht Prag, was mein Freund, der Architekt Poelzig, aufgebaut hat. Sondern es ist eine Stadt-Dichtung, ein Traum, eine architektonische Paraphrase zum Thema Golem. Die Gassen und Plätze sollen an nichts Wirkliches erinnern, sie sollen die Atmosphäre schaffen, in der der Golem atmet", schrieb Paul Wegener. (Zitiert nach: Verleihkatalog Stiftung Deutsche Kinemathek, Berlin)
Der Film wurde im Sommer 1920 im Ufa-Union-Atelier und auf dem Ufa-Freigelände in Berlin-Tempelhof gedreht. Der Stoff von Paul Wegener war bereits 1914 von Henrik Galeen mit Paul Wegener in der Titelrolle verfilmt worden; parallel - aber unabhängig vom Film - schrieb Gustav Meyrink 1914 seinen Roman "Der Golem". Als "Nebenprodukt" drehte Paul Wegener 1917 den Film "Der Golem und die Tänzerin" (mit sich und Lyda Salmonova).» (arte Presse)

Zum Film existiert auch eine Musikfassung von Dmitrij Shostakovich und Ernest Bloch, bearbeitet von Aljosha Zimmermann. gespielt vom Gilman Quartett.

Was ist der Golem?
[Er ist der] Homunculus des tragischen Volkes [...] nicht aus chemischen Elementen destilliert, sondern aus Ton geformt wie jener erste gottnahe Mensch, den ein Mythos zum erhabensten aller Wesen macht [...] nicht durch das Vielleicht der Wissenschaft mit Teufels Hilfe; belebt durch den puren Geist, den wirkenden Namen Gottes, den Schem [...] kein lebendiges Wesen [...], sondern ein undurchdrungenes, nur physisch bekräftetes Wesen [...] der Knecht, der Golem; dumpf, gehorsam, ohne Vergangenheit, ohne Zukunft, ohne Dauer, ohne Gedächtnis, ein schauerliches Ding, das nur Gegenwart besitzt und Kraft der Arme, dessen Welt hinter den Augen erlischt, lebendig ohne zu leben, gegenwärtig ohne Seele, menschengestaltet und kein Mensch.
Der Golem der Legende ist ein gefesselter und niedriger Engel, ein Dämon, eine aktive göttliche Kraft, eingesperrt in Lehm. Die Trauer, die um ihn ist, ist die Trauer des Verbannten, des Geknechteten, des Herrschers als Knecht (Arnold Zweig)

Diese Tragik manifestiert sich im Ende des Kolosses, besiegt von der Unschuld eines Kindes, ein beliebtes Filmmotiv (u.a. in Frankenstein, 1931), das Wegener in seiner Romanfassung des Stoffes noch deutlicher herausarbeitet:
In der Wiese aber spielten blonde Kinder. Die hatten Kränze auf den Köpfen, und sie sangen und tanzten einen Ringelreihen wie die lieben Engelein auf der Himmelswiese.
Den Golem ergriff ein tiefes Sehnen, da hinauszutreten in Sonne und Licht. Er fasste den Balken, der die Torflügel sperrte, zerbrach ihn wie einen dürren Ast und schob langsam die schweren Torflügel auseinander. [...] Da erschraken die Kinder [...]. Schreiend liefen sie alle fort, und keines wagte auch nur, noch einmal zurückzuschauen.
Nur ein blondes Mägdlein hatte der Vorgänge nicht geachtet. Es sass still und verträumt mitten in der Blumenwiese, einen roten Apfel in der Hand. Der Golem sah verwundert den anderen Kindern nach, [...] doch dann fiel sein Auge auf das blonde Mägdlein [...]. Der Golem neigte sich ganz tief herab und sah dem Mägdlein in die blauen Kinderaugen. Dann fasste er es mit seinen gewaltigen Armen und hob es hoch empor an seine Brust. Unheimlich ward dem Kinde zumute, doch es bezwang sich und sah dem Koloss nah ins Gesicht und fühlte, dass er es gut mit ihr meine. Der Golem aber schaute das Kind unverwandt an [...] und staunte über das zarte, fremde Gebild. Und es ging ein Zucken über sein tönernes Antlitz. In diesem Augenblick soll er zum ersten Male ganz still und leise gelächelt haben.

Zur Musik
1995 erhielt Betty Olivero den Auftrag, für Giora Feidman und das Arditti Quartet eine neue Musik zu Paul Wegeners berühmten Stummfilm Der Golem, wie er in die Welt kam zu schreiben, die im April 1997 in Wien uraufgeführt wurde.
Die Komposition gibt einen musikalischen Kommentar zu einem der grundlegenden Konflikte des Golem-Mythos - Ist der Mensch fähig, Gott seiner Schöpferexklusivität zu entheben, darf er wagen, Gott gleich zu werden? - mit der Verwendung der aschkenasischen Melodie "Kol Nidre" für das ahnungsvolle Thema des mit der Erschaffung des Golems befassten Rabbi Löw. Dieses uralte Gebet steht zu Beginn der jüdischen Liturgie an Jom Kippur: die versammelte Gemeinde bittet Gott um die Erlaubnis zu beten, auch wenn sich Missetäter in ihrer Mitte befinden. Und sie bittet um Vergebung für alle Nichtbeachtung der Gebote, denn sie sind unwillentlich oder unwissend geschehen. So sind in dieser grossen Melodie bereits die Zweifel symbolisiert, die Rabbi Löws Gewissen bedrängen, schon während er seine Handlung vollzieht. Eingebunden in diesen Urgrund der Komposition sind die expressiven, dramatischen Motive der Musik - die Liebesszenen zwischen der Tochter des Rabbi und Junker Florian, die Zerstörung des kaiserlichen Palastes, Mord und Raserei des Golem, apokalyptische Feuersbrunst und die betende Menge in der Synagoge. / StummFilmMusikTage Erlangen

"Die Idee zu dem Film kam Regisseur Paul Wegener, ein Filmpionier der ersten Stunde, bei seinen Dreharbeiten zu "Der Student in Prag". Bei seinem Aufenthalt in der böhmischen Metropole hörte er erstmals die Legende vom Golem, die ihn so sehr faszinierte, dass er 1920 "Der Golem - wie er in die Welt kam" inszenierte. Wegener spielt ausserdem selbst die Hauptrolle des unheimlichen Wesens aus Lehm. Der Streifen war einer der grössten internationalen Kassenerfolge des deutschen Stummfilms.

Dabei hält sich die Handlung des Films nicht gerade strikt an die tatsächliche Legende des Golem. Sie spielt in einer Art jüdischem Ghetto, allerdings ist nicht zu erkennen, dass es in Prag liegt. Aber auch hier ist der weise Rabbi Loew der Erschaffer der Kreatur. Die Stellung der Sterne am Himmel haben dem Rabbi gezeigt, dass seinem Volk grosses Unheil droht. Und tatsächlich erscheint bald der Junker Florian mit einer schriftlichen Anweisung des Königs, der die Juden auffordert, die Stadt zu verlassen.

Der Rabbi sieht nun die Zeit dafür gekommen sein bisheriges Geheimnis, die Erschaffung eines Menschen aus Lehm, offen zu legen. Mit Hilfe seines Famulus erweckt Loew den Golem zum Leben. Dazu wird ihm ein Davidstern, der ein Pergament mit dem Wort "EMET" (Wahrheit) enthält in die Brust gesteckt. Das magische Wort hatte der Rabbi zuvor in einer wild inszenierten Schwarzen-Magie-Orgie einem Hausgeist entlockt.

Zum Leben erwacht unternimmt der Golem seine ersten Schritte, sehr ungelenk und für die anderen Juden zu Tode erschreckend. Bald aber kennt jeder den Golem, der für den Rabbi Holz hackt, Besorgungen erledigt und sich im Haushalt nützlich macht. Bei einer Audienz, die Rabbi Loew vor dem König gewährt wird, erweist er dann seinen wirklichen Nutzen. Das Schloss stürzt ein und der Golem rettet dem König und seinem Gefolge das Leben. Der König verspricht dem Rabbi sogleich das Bleiberecht für sein Volk.

Der Golem hat sich jedoch mittlerweile verändert. Während der Rabbi und alle anderen ein Fest vorbereiten um ihr Bleiberecht zu feiern, treibt der Golem sein Unwesen. Angestachelt vom Famulus des Rabbis, der rasend vor Eifersucht ist, bringt er den Junker Florian um, der bei Miriam, der Tochter des Rabbis ein Schäferstündchen gehalten hat. Bei dem Versuch den Golem zu besänftigen gerät das Haus in Flammen. Erst einem kleinen Mädchen, das der Golem beim Spielen antrifft als er sich gerade aus der Stadt macht, gelingt es per Zufall, das Amulett mit dem magischen Wort zu entfernen, der Golem fällt leblos zu Boden.

Die Kamera führte kein geringerer als Karl Freund, der nach seiner Übersiedlung in die USA dort 1933 mit "Die Mumie" einen der Horror-Klassiker schlechthin inszenierte. Auch die Spezialeffekte von Carl Boese sind für diese Zeit beachtlich, wie z.B. die tanzenden Feuer bei der Anrufung des Hausgeistes oder der Einsturz des Schlosses. Statt Pappwänden und Papierbemalung liess Paul Wegener den Architekten Hanns Poelzig auf dem Ufa-Gelände eine verwinkelte Stadt bauen, die zum Synonym für expressionistische plastische Filmarchitektur wurde. "Es ist nicht Prag, was mein Freund, der Architekt Poelzig, aufgebaut hat. Sondern es ist eine Stadt-Dichtung, ein Traum, eine architektonische Paraphrase zum dem Thema Golem. Die Gassen und Plätze sollen an nichts Wirkliches erinnern, sie sollen die Atmosphäre schaffen, in der der Golem atmet." (Paul Wegener, zitiert nach: Verleihkatalog Stiftung Deutsche Kinemathek, Berlin)


Der verlorene Schatten

Regie:   Paul Wegener, Deutschland - 1920
Produktion: Wegener-Union Film - Projektions-AG Union (PAGU) - Regisseur: Paul Wegener - Rochus Gliese - Drehbuch: Paul Wegener - Nach einer Vorlage von: Adalbert von Chamisso novel - Kamera: Karl Freund - Schwenker: Robert Baberske - Architekt: Kurt Richter - Rochus Gliese - Kostümbild: Rochus Gliese - Darsteller: Wilhelm Bendow - Paul Wegener Musiker Sebaldus - Hannes Sturm Zauberkünstler Dapertutto - Greta Schröder Gräfin Dorothea Durande - Werner Schott Graf Durande - Adele Sandrock - Leonhard Haskel Bürgemeister - Lyda Salmonova Dorotheas Pflegeschwester Barbara -
Inhaltsangabe : Ein Musiker verkauft seinen Schatten gegen eine Geige, um das Herz eines Mädchens zu gewinnen. Alle wenden sich von ihm ab, da er im Pakt mit dem Teufel steht, aber schliesslich gelingt es ihm, mit Hilfe des Mädchens, seinen Schatten wieder zu finden.
Kritiken : "Das Technische an diesem Film ist hervorragend herausgearbeitet und schafft die beabsichtigte mystische Atmosphäre. Das Ausschneiden und Aufrollen des Schattens, das plötzliche Fehlen des Schattens bei Sebaldus, während alle neben ihm ihre Schatten im grellen Sonnenlicht werfen, ist von verblüffender Wirkung..." (Der Kinematograph)

Die Finanzen des Grossherzogs

Regie:   Friedrich Wilhelm Murnau, Deutschland - 1923
Regisseur: Friedrich Wilhelm Murnau - Drehbuch: Fritz Wendhausen (/xx/) - Thea von Harbou - Nach einer Vorlage von: Frank Heller Roman - Kamera: Franz Planer - Karl Freund - Schwenker: Robert Baberske - Architekt: Rochus Gliese - Erich Czerwonski - Edgar G. Ulmer Assistant (--??--) - Darsteller: Max Schreck Seltsamer Verschwörer - Hermann Vallentin Hr. Binzer - Robert Scholz - Walter Rilla - Harry Liedtke Don Ramon XX - Georg August Koch Gefährlicher Verschwörer - Guido Herzfeld Markowitz - Hans Hermann Buckliger Verschwörer - Ilka Grüning Augustine - Julius Falkenstein Ernst Isaacs - Adolphe Engers Don Esteban Paqueno - Mady Christians Olga - Alfred Abel Philipp Collins -
Inhaltsangabe : Don Ramon, der junge Regent des fiktiven Zwergenstaats Abacco, lebt ein sorgloses Leben auf der schönen Mittelmeerinsel - wären da nicht die hohen Staatsschulden und der schäbige Schuldeneintreiber Marcowitz. Zwar taucht der raffsüchtige Geschäftsmann Bekker im Schloss auf und bietet ihm eine Menge Geld für einen kleinen Teil der Insel an, doch Ramon lehnt aus idealistischen Gründen ab, denn dies würde die Lebens- und Arbeitsverhältnisse seiner Bewohner gefährden. Letzte Möglichkeit scheint eine Heirat mit der jungen russischen Großfürstin Olga zu sein, die begeistert von Ramons humanitärem Engagement ist. Leider haben sich die beiden noch nie getroffen, und Olgas großer Bruder lehnt eine Ehe ab. Ramons Finanzminister Don Esteban nutzt diese mögliche Verbindung dennoch, um bei Marcowitz eine weitere Frist zu erhalten. Über Marcowitz wird der mysteriöse Abenteuerer Philipp Collins alias Professor Pelotard - beides nicht seine wirklichen Namen - auf die Geschehnisse in Abacco aufmerksam und beschließt, einzugreifen. Währenddessen machen sich Ramon und sein Finanzminister auf, um Olga zu suchen, die wiederum auf der Flucht vor ihrem Bruder auf Collins trifft. Als eine Gruppe von Verschwörern, die im Auftrag von Bekker den Sturz des Großherzogs plant, dessen Abwesenheit nutzt, um in Abacco die Republik auszurufen, eilen alle Beteiligten zurück auf die Insel ... (arte Presse)
Anmerkungen: «"Die Finanzen des Großherzogs" findet bei der Untersuchung von Friedrich Wilhelm Murnaus Werk, der für viele als der beste Regisseur der Weimarer Republik gilt, meist wenig Beachtung - zu Unrecht. Zwar zeigt sich in seiner einzigen Komödie wenig von dem, was heute als typisch für den Regisseur gilt, dafür bietet der Film die Möglichkeit, Murnaus Talent von einer anderen Seite zu sehen. So schreibt Kritiker Heinz Michaels nach der Premiere des Films im Januar 1924: "Schon seit Monaten war man gespannt, wie Murnau, der Grübler und Sinnierer, diesen auf federnde Grazie gestellten Stoff bewältigen würde. Und siehe da, das Experiment - denn als solches war es anzusehen - ist überraschend geglückt. Der Problematiker erweist sich als Causeur, der sich auf das Parlando einer flüssigen Konzentration versteht. Ja, das ist es, diese Szenen sind hingeplaudert mit der Geste eines Menschen, der die Gabe hat, die Dinge dieser Welt auch einmal von der leichten Seite zu nehmen, der es vermag im Bilde zu ironisieren." (Film-Kurier, Nr. 7, 08.01.1924) Die berühmte Drehbuchautorin und jahrelange Mitarbeiterin und Ehefrau von Fritz Lang, Thea von Harbou, adaptiert den Roman des Schweden Frank Heller alias Gunnar Serner, der 1934 von Gustaf Gründgens ein weiteres Mal verfilmt wird. In der vielgelobten Rolle des Abenteurers Philipp Collins ist Alfred Abel ("Metropolis"), der bereits in mehreren Murnau-Produktionen mitwirkte, zu sehen, und "Nosferatu" Darsteller Max Schreck gibt den "Unheimlichen Verschwörer".» (ARTE Presse)

Die Liebe der Maria Bonde

Regie:   Emmerich Hanus, Deutschland - 1918
Produktion: Astra-Film, Berlin - Regisseur: Emmerich Hanus - Drehbuch: Friedel Köhne - Darsteller: Martha Novelly Maria Bonde - Paula Eberty Frau Bonde - Eva Maria Hartmann Gunne - Ursula Hell Anella - Emmerich Hanus Martin Steinert - Kurt Vespermann Baron Fedja Bronikow -
Inhaltsangabe : Fräulein Maria Bonde wird verehrt von Baron Fedja Bronikow aus Sofia. Maria ist aber in den Verlobten ihrer Schwester, Martin Steinert, verliebt, der ihre Gefühle erwidert. Marias Schwester Gunne ist, wie ihr Verlobter, Kunstreiterin im Zirkus und schwer krank. Nach einem Zusammenbruch tritt Maria statt ihrer Schwester mit Martin im Zirkus Panelli auf. Er gesteht Maria erneut seine Liebe und die beiden heiraten heimlich. Als Gunne dies herausfindet, stirbt sie mit gebrochenem Herzen. Nach der Geburt ihres ersten Kindes kränkelt Maria, daher springt ihre jüngere Schwester Anella bei den Zirkusproben mit Martin für sie ein. Wird sich die Geschichte wiederholen? (Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen)
Kritiken : «(...) Maria quält fortan die Angst, dass sich alles wiederholen könnte. […] Ihre Perspektive führt eine Einstellung vor, in der die Kamera aus dem dunklen Treppenflur durch die verglaste, obere Hälfte der geschlossenen Haustür blickt: In dem hellen Viereck, zwischen hölzernen Streben, sieht man Martin und Anella - Marias eingeschränkte Sicht macht aber nur sie selbst zur Gefangenen.(...)» (Rot für Gefahr, Feuer und Liebe. Frühe Deutsche Stummfilme, Berlin 1995, S. 65 f.)
Anmerkungen: www.filmportal.de gibt die Länge des Films mit 36 Minuten an, die im DIF erhaltene Kopie hat allerdings eine Länge von 50 Minuten

Faust

(Faust - eine deutsche Volksage), Regie:   Friedrich Wilhelm Murnau, Deutschland - 1926
Produktion: Universum-Film AG (UFA), Berlin - Produzent: Erich Pommer - Regisseur: Friedrich Wilhelm Murnau - Drehbuch: Hans Kyser - Gerhart Hauptmann Zwischentitel - entfernt - Nach einer Vorlage von: Ludwig Berger Manuskript - Story : Christopher Marlowe - Johann Wolfgang Goethe - Kamera: Carl Hoffmann - Architekt: Robert Herlth - Walter Röhrig - Darsteller: Hanna Ralph Herzogin von Parma - Frieda Richard Mutter - Eric Barclay Herzog von Parma - Lothar Müthel Mönch - Emil Jannings Mephisto - Camilla Horn Gretchen - Yvette Guilbert Martha - Werner Fuetterer Erzengel - Wilhelm Dieterle Valentin - Gösta Ekman Faust -
Inhaltsangabe : Murnaus `Faust' weist enge Parallelen zu Goethes Bühnentragödie "Faust" auf. Um deutlich zu machen, daß der Film jedoch nur Elemente des Goethschen Stücks enthält und zusätzlich auf noch ältere literarische Quellen zurückgreift, trägt der expressionistische Stummfilm jedoch zusätzlich den Untertitel "Eine deutsche Volkssage" . Murnau siedelt den metaphysichen Kampf zwischen Gut und Böse an der Zeitwende des Mittelalters an. Um der wütenden Pest Herr zu werden, vor der der christliche Glaube versagt zu haben scheint, wendet sich Faust der Zauberei und den Dämonen zu, zunächst nur für einen Probetag lang. Die Pest verschwindet. Dann aber kann er der Versuchung nicht widerstehen, durch einen Pakt mit Mephisto Jugend und Macht zu erlangen. Nach einigen Auschweifungen und Abenteuern mit Mephisto, die ihn aber bald zu langweilen beginnen, lernt Faust das tugendhafte Gretchen beim Kirchgang kennen und verführt sie. Der Probetag ist abgelaufen, Faust auf Gedeih und Verderb dem Teufel verpflichtet. Der heimgekehrte Bruder Gretchens, Valentin; ertappt Faust und Gretchen in flagranti, es kommt zu einem Handgemenge zwischen den beiden, in dessen Verlauf Faust durch das Zutun Mephistos Valentin tötet. Gretchens Mutter stirbt darufhin an einem Schock. Gretchen nun ohne Familie, entehrt, ausgestoßen und schwanger, gebiert ihr Kind schließlich allein und irrt durch eine bitterkalte Schneelandschaft. Infolge einer Traumphantasie, in der sie ihr Kind in eine warme, weiche Wiege legt, läßt sie in Wahrheit den Säugling im kalten Schnee erfrieren. Als vermeintliche Kindsmörderin wird sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Faust bekennt sich in letzter Minute doch noch zu seinem Gretchen und erlöst sich von dem Pakt mit dem Teufel, in der er mit ihr auf dem Scheiterhaufen stirbt. (./. nach Uni-Giessen)
Anmerkungen: Ursprünglich war Lilian Gish für die Rolle des Gretchens vorgesehen;
"Bei der ersten Berliner Aufführung (26,8.1926) lief eine Fassung mit gereimten Zwischentiteln von Gerhart Hauptmann, die in der endgültigen Verleihfassung ersetzt wurden. Der Kameramann Karl Freund bereitete den Film mit vor, mußte ihn wegen Beinbruchs abgeben. Der Filmhistoriker Luciano Berriatúa hat fünf unterschiedliche Fassungen deutsche, je eine amerikanische und französische Version) identifiziert und 1994 für die Filmoteca Española, Madrid, ein Video hergestellt, das die Abweichungen (Titel, Takes, Kamerastandpunkte) dokumentiert. 1981 Kurz-Dokumentarfilm., Camilla Horn sieht sich als Gretchen in Murnaus Stummfilm «Faust», Regie: Hans Sachs, Hedda Rinneberg. Murnaus beide nächsten Filme, die mit großem Aufwand realisierten Bühnen-Verfilmungen TARTÜFF und FAUST, zeigen vor allem die handwerkliche Kunst seiner Schauspielerführung. Zeitgenössische Kritiker reagieren auf FAUST, der zunächst mit Zwischentiteln von Gerhart Hauptmann versehen war, zwiespältig. Der französische Regisseur und Kritiker Eric Rohmer hingegen hebt die seiner Meinung nach exemplarische «Organisation des Raums» in diesem Film hervor. Und der Filmpublizist Klaus Kreimeier weist einerseits auf die technische Virtuosität des Films hin, der wie «ein mit allen Raffinements. der Neubabelsberger Ateliers produzierter Experimentalfilm aus der Schule der nach-expressionistischen Abstraktionskunst» wirke, andererseits aber auch als ein Gegenpol der Modernität gesehen werden könne. «Romantische Nachklänge des deutschen Mittelalters wurden so, in der hochmodernen Filmfabrik von Neubabelsberg, zum Spielmaterial einer abermals romantisierenden, verklärenden Sicht auf Geschichte und Wirklichkeit: wie durch bemalte Glasplatten hindurch suchten die Augen der Architekten in der Kunst der Jahrhunderte nach einem vagen Sehnsuchtsziel und nannten es 'Mittelalter'. Die Kehrseite jener gerade in der Filmindustrie hochgezüchteten Technizität und Modernität war - Flucht vor der Moderne: ein Eskapismus, der in den ideologischen Unterströmungen der Weimarer Republik tief verwurzelt war.» (Die UfaStory, 1992). TARTÜFF und FAUST, wie DER LETZTE MANN mit großem Aufwand von der Ufa unter der Verantwortung von Erich Pommer produziert, bringen nicht den erwarteten geschäftlichen Erfolg. 1925/26 gerät die Ufa in eine Krise, Pommer tritt vor Beendigung der Dreharbeiten von FAUST als Produktionsleiter zurück. Über die Zwischentitel von FAUST kommt es zu einem offenen Streit mit Gerhart Hauptmann, der auf Betreiben des Ufa-Vorstands Verse verfaßt, gegen die der Drehbuchautor Hans Kyser Einspruch erhebt. Hauptmanns Beiträge werden aus dem Film entfernt, die Ufa läßt sie aber als Broschüre drucken und in den Kinos zur Vorführung des Films verkaufen. 1995 präsentiert der spanische Filmhistoriker Luciano Berriatúa eine Rekonstruktion der von Murnau intendierten FAUST-Fassung. Bei seinen langjährigen Recherchen in internationalen Filmarchiven kann er vier - in Einstellungen und Takes - abweichende Fassungen des Films identifizieren und in einem Video dokumentieren. Murnau gilt - neben Fritz Lang und Ernst Lubitsch als exponiertester Vertreter des deutschen Stummfilms, dem es gelingt, Einflüsse des Expressionismus - der Literatur, der Malerei und des Theaters - in seine Filme zu integrieren, zugleich aber sich von diesen zu emanzipieren und zu einer künstlerischen Selbständigkeit zu finden. «Für ihn ist mit der Kamera nicht bloß ein Menschheitstraum in Erfüllung gegangen. Auch hat die Kamera nicht nur Gemälde, Skulpturen, Architektur, die aus der Starre hinausdrängten, in Bewegung gesetzt. Die Bewegungen, die Erregungen selbst sind darstellbar geworden, die Welt wird nicht mehr gefaßt von starren Formen. Seine Filmkörper pulsieren und bewegen den Zuschauer auf unerhörte Weise, mechanisch.» (Grafe, 1979). " (Goethe-Institut)
"Murnaus "Faust"-Verfilmung kombiniert Motive des alten Volksbuchs "Historia von Doktor Johann Fausten - dem weitbeschreyten Zauberer und Schwarzkünstler" (veröffentlicht 1587 in Frankfurt) mit Aspekten der ersten Dramatisierung des Stoffes durch Christopher Marlowe und der Gretchen-Tragödie von Goethes "Faust"-Adaption. Murnau inszeniert diese Motive zu einer visionären Bilderfolge, die ganz auf dem bewegten Spiel von Licht und Schatten aufgebaut ist. Zeitgenössische Kritiker reagierten zwiespältig auf die Verwebung der unterschiedlichen Quellen und Motive. In der heutigen Rezeption des Films werden - neben der Organisation des Raums - insbesondere die optischen Tricks und Effekte sowie der Einsatz der Requisiten betont. In der Tat zeigt der Film eine außerordentliche Virtuosität beim Einsatz der filmischen Möglichkeiten. Murnau hat sich hier schon an dem hohen technischen Standard amerikanischer Filmproduktion orientiert. Die Expressivität von Licht, Bewegung und Formen ist dennoch unverkennbar der Tradition des deutschen Stummfilms verpflichtet. "Faust" ist Murnaus letzter Film in Deutschland. Die Ufa hatte eine internationale Starbesetzung geplant. Neben Gösta Ekman und Yvette Guilbert sollte auch Lilian Gish zu sehen sein. Sie sagte ab, weil sie nur mit ihrem Kameramann drehen wollte. An ihrer Stelle spielte Camilla Horn das Gretchen und galt als große Entdeckung. "Faust" war der Auftakt ihrer Karriere. Das Drehbuch entstand nach Motiven einer alten Volkssage, den dramatischen Bearbeitungen von Johann Wolfgang von Goethe und Christopher Marlowe sowie nach dem Manuskript von Ludwig Bergers "Das verlorene Paradies". Von Murnaus "Director's Cut" waren zwar Kopien vorhanden, aber nicht als solche identifiziert. Das Ursprungsmaterial für die meisten kursierenden Fassungen stammte aus einer zweitklassigen deutsch-amerikanischen Exportversion, die im wesentlichen aus ausgemusterten Takes bestand. Der entscheidende Punkt bei der Restaurierung war die Entdeckung von Luciano Berriatua, dass Murnau bei der Herstellung der amerikanischen Originalversion nur "seine" Takes verwenden wollte und dass er dafür die deutsche Originalfassung duplizieren ließ. Damit hatte Berriatua bei dem im Bundesarchiv Berlin vorliegenden amerikanischen Negativ die Gewähr, dass es sich um die von Murnau ausgesuchten Takes handelt. Zur Feststellung der Szenenfolge der deutschen Originalfassung orientierte sich Berriatua an einer Nitrokopie des dänischen Filmarchivs. Die restaurierte Kopie enthält also im wesentlichen das Material der amerikanischen Originalfassung, geschnitten nach der Nitrokopie des dänischen Filmarchivs. Fehlende oder beschädigte Szenen wurden aus anderen Kopien ergänzt. Mit dem brillanten Bildmaterial und der neuen Schnittfassung hat der Film zu seinem verlorenen Rhythmus und zu seiner ursprünglichen Montage zurückgefunden. Die Uraufführungsmusik von Richard Heymann ist nicht erhalten. Überliefert aus der Stummfilmzeit ist nur eine Liste von Titeln empfohlener Begleitmusik, die Paul Hensel im Auftrag der Ufa zusammenstellte. Diese Liste wurde der Verleihkopie beigelegt, wobei es jedem Kino überlassen blieb, diese Titel zu spielen oder eine andere Filmmusik aufzuführen. Der Berliner Komponist Bernd Schultheis schrieb seine "Faust"-Musik, nachdem die Restaurierung des Films durch Luciano Berriatua fertiggestellt war. Die Musik ist für sinfonische Besetzung komponiert und wurde in São Paulo 1999 im Rahmen der Kunst-Biennale uraufgeführt. Die Komposition ist aus dem allegorischen Charakter der Film-Erzählung entwickelt. Bernd Schultheis baut seine Musik auf dem Spiegel-Motiv auf, das für ihn das zentrale Gestaltungsmoment im Film ist. Ein weiteres Motiv, das die Musik aufnimmt und fortführt, ist das Pendel, das Kreisen zwischen zwei Polen, das Murnau in symbolische Bilder übersetzt. Der Berliner Komponist Bernd Schultheis, geboren 1964, beschäftigt sich seit Jahren mit Stummfilm-Musik. Seine Filmmusiken werden weltweit gespielt, wie seine Komposition für "Metropolis", die seit ihrer Premiere im Jahre 2001 auf der Berlinale inzwischen mehrfach mit großen Sinfonie-Orchestern wieder aufgeführt wurde. Die Einspielung der neuen Filmmusik von Bernd Schultheis mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Frank Strobel ist eine Koproduktion von ZDF/ARTE, dem DeutschlandRadio und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin." (arte Presse)

Le Printemps

Regie:   Louis Feuillade, Frankreich - 1909
Produktion: Société des Etablissements L. Gaumont - Verleih: Société des Etablissements L. Gaumont - Produzent: Léon Gaumont - Regisseur: Louis Feuillade - Darsteller: Louis Feuillade - Henrie Duval - Christiane Mandelys - Maurice Vinot - Alice Tissot -

Les quatre cents farces du Diable

(Die vierhundert Streiche des Teufels), Regie:   Georges Méliès, Frankreich - 1906
Produktion: Star Films, Paris - Regisseur: Georges Méliès -

Marizza, genannt die Schmugglermadonna

(Ein schönes Tier, Das schöne Tier (AT, Die Schmugglermadonna, Grüne Augen), Regie:   Friedrich Wilhelm Murnau, Deutschland - 1921
Produktion: Helios-Film Erwin Rosner, Berlin - Produzent: Erwin Rosner - Regisseur: Friedrich Wilhelm Murnau - Drehbuch: Hans Janowitz - Nach einer Vorlage von: Wolfram Geiger Die gelben Augen - Kamera: Karl Freund - Architekt: Heinrich Richter - Heinrich Richter - Darsteller: Max Nemetz Grischuk, ein Schmuggler - Toni Zimmerer Haslinger, ein Zöllner - Hans Heinrich von Twardowski Antonio Avricolos - Albrecht Viktor Blum Mirko Vasics, ein Schmuggler - Tzwetta Tzatschewa Marizza - Greta Schröder Sadja - Adele Sandrock Mme Avricolos - Harry Frank Christo Avricolos - Leonhard Haskel Pietro Scarzella - Maria Forescu Yelina -
Inhaltsangabe : Liebesmelodram, Aufstieg und Fall einer Schmugglerdirne.

«Die verführerische Marizza arbeitet im Kartoffelfeld einer Schmugglerin und hat die Aufgabe, die Grenzsoldaten abzulenken. Sie will ein neues Leben auf dem Landgut von Frau Avricolos beginnen, aber dort wird sie fortgejagt, nachdem sie ein Verhältnis mit Avricolos` Sohn Christo beginnt.

Marizza flieht gemeinsam mit Christos Bruder Antonio, der in sie verliebt ist. Sie bringt Christos Kind zur Welt und arbeitet wieder für die Schmuggler. Schliesslich tötet sie einen Grenzsoldaten, mit dem der eifersüchtige Antonio einen Kampf beginnt. Antonio nimmt die Tat auf sich, aber die Hütte, in der Marizza ihr Kind gelassen hat, gerät in Brand. Sie stürzt hinein, und erst im letzten Augenblick werden Mutter und Kind von Christo gerettet.» (www.filmportal.de)
Kritiken : «Marizza, das Zigeunermädchen ist ihres Berufes (die Ziegen zu betreuen) und ihres Nebenberufes (den Grenzwächtern die Köpfe zu verdrehen) überdrüssig. Diese können dadurch ihre ungeteilte Aufmerksamkeit den Schmugglern zuwenden, sehr zum Nachteile der Geschäfte eines Grosskaufmannes, dessen Tochter jenen Gutspächter heiratet, in dessen Dienste Marizza getreten ist und mit dessen Bruder sie durchbrennt, obgleich doch das Baby eigentlich von dem anderen ist, während der Bruder den Grenzwächter aus Eifersucht beinahe töten würde, wenn ihm nicht Marizza zuvorkäme, wohingegen er die Schuld auf sich nimmt, während sie ihr Kind gerade noch rechtzeitig dem Flammentod entreisst, indem – also die Geschichte ist reichlich kompliziert, wird aber in der geschickten Bearbeitung von Hans Janowitz und unter Murnaus vortrefflicher Regie zu einem durchaus verständlichen, niemals langweiligen Helios-Film. Die rassige Tzwetta Tzatschewa verkörperte die Hauptrolle, wirksam unterstützt von Twardowski, Haskel und der Sandrock. Besonders erfreulich die ausgezeichnete Photographie Karl Freunds.» (hir., Lichtbild-Bühne, Nr. 4, 21.1.1922) - zitiert nach www.filmportal.de

Nosferatu, der Vampyr

(Eine Symphonie des Grauens, Die zwölfte Stunde), Regie:   Friedrich Wilhelm Murnau, Deutschland - 1922
Produktion: Prana Film - Produzent: Albin Grau - Enrico Dieckmann - Regisseur: Friedrich Wilhelm Murnau - Drehbuch: Henrik Galeen - Nach einer Vorlage von: Bram Stoker Dracula - Kamera: Fritz Arno Wagner - Musik: Hans Erdmann Originalpartitur - Hans Posegga Neufassung ZDF 1988 - Architekt: Albin Grau - Kostümbild: Albin Grau - Darsteller: Albert Venohr Zweiter Seemann - Hardy von Francois Arzt im Krankenhaus - Gustav von Wangenheim Hutter, Knocks Angestellter - Gustav Botz Gemeindearzt Dr. Sievers - Heinrich Witte 2. Matrose (oder Wärter im Irrenhaus ??) - Greta Schröder Ellen Hutter - Max Schreck Graf Orlok - Nosferatu - Georg Heinrich Schnell Reeder Harding - Westrenka - Max Nemetz Kapitän - Ruth Landshoff Ruth Hardin - Lucy Westrenka - Guido Herzfeld Gastwirt - Wolfgang Heinz Erster Seemann - Alexander Granach Häusermakler Knock - John Gottowt Prof. Bulwer - Karl Etlinger 1. Matrose -
Inhaltsangabe : Als Sekretär eines Häusermaklers fährt der junge Thomas Hutter 1838 in die Karpaten, um dort mit Graf Orlok über den Kauf eines Hauses in Bremen zu verhandeln. Aus dem 'Buch der Vampire' erfährt er, dass sein unheimlicher Gastgeber der Vampir Nosferatu ist, der nachts sein Lebenselixier, frisches Blut, aus menschlichen Körpern saugt. Nur die telepathischen Kräfte seiner liebenden Frau Ellen bewahren Hutter davor, Opfer des Grafen zu werden. Dieser macht sich in einem Sarg auf die Reise nach Bremen. Dort lässt er sich in einem Lagerhaus nieder und geht in der Stadt auf Menschenjagd. Die Warnungen des zurückgekehrten Hutter will niemand hören. Nur seine Frau ist bereit, den tödlichen Spuk zu beenden. Sie bietet sich Orlok an, um ihn dadurch in die Strahlen der aufgehenden, für ihn tödlichen Sonne zu locken.
Kritiken : "Der beste Film aus Murnaus erster Schaffensperiode ist NOSFERATU, DER VAMPIR aus dem Jahre 1922, eine Adaptation des Romans DRACULA von Bram Stoker. Murnaus Mitarbeiter Henrik Galeen (Drehbuch) und Fritz Arno Wagner (Kamera) stammen aus der Schule des deutschen Expressionismus: Galeen hatte zweimal bereits den Golemstoff bearbeitet, in der Fassung von 1920 selbst Regie geführt und war vom STUDENT VON PRAG (1912) her mit den Themen der E.T.A. Hoffmannschen Welt vertraut. Wagner dagegen hatte bei Murnau bereits in SCHLOSS VOGELÖD seine Meisterschaft unter Beweis gestellt. Murnau selbst zog aus den expressionistischen Elementen und dem Realismus des durch die Schweden beeinflussten Filmstils eine Synthese: bevorzugt er in den Aussenaufnahmen eine kühle realistische Gestaltung, so setzt er ihr in den Sequenzen des Schlosses Nosferatus eine seltsame Mischung expressionistischer Bauten und Ausleuchtung mit durchaus real konzipierten Objekten entgegen. Ein Grundstückmakler sendet seinen Buchhalter zu einem Grafen in die karpatischen Wälder: der Graf ist in Wirklichkeit niemand anders als Nosferatu, Begründer einer Vampir-Dynastie, der in Viborg ein Haus kaufen will. In einem Sarg tritt er die Reise übers Meer nach Viborg an, die Besatzung des Schiffes kommt in der Pest um, das Geisterschiff läuft in den Hafen ein, mit sich Ratten und Pest führend. Unterdessen ist der jungverheiratete Buchhalter zurückgekehrt, mit sich bringt er ein altes Buch über die Vampire. Nina, seine Frau, erfährt, dass nur ein freiwilliges Opfer die Welt von Nosferatu befreien könne. Sie bietet sich an, und "dabei geschieht ein letztes und höchstes Wunder" (Kracauer): im Licht der morgendlichen Sonne löst sich der Vampir in nichts auf. Der Spuk ist vorbei, die Pest ist gebannt. In eine geschickte Beziehung setzt Murnau die Zwischentitel, die allein schon in ihren Wortlaut eine stark suggestive Wirkung besitzen. "Nachdem er die Brücke überschritten hatte, kamen ihm die Geister entgegen" heisst es, da der Buchhalter den Besitz des Grafen betritt. Doch mit dem Überschreiten der Brücke - dies wird im Zwischentitel deutlich - hat er nicht bloss einige Schritte getan, sondern vor allem jenen entscheidenden, der ihn ins Land der Magie führte: ein Reich anderer Masstäbe, deren Werte von den unsern verschieden sind. Murnau aber bleibt nicht bei diesem Text allein, sondern setzt ihn nun ins Bildhafte um: der Kutscher - in Wirklichkeit niemand anders als Nosferatu selbst - bietet dem Buchhalter den Wagen an, um ihn ins Schloss zu führen. Die Reise geht durch unheimliche Wälder - Murnau zeigt sie als Negative ihrer selbst - in unerträglichem Tempo: Nosferatu selbst erwartet im finsteren Schloss seinen Gast, um ihm vorzuwerfen, er komme zu spät. Ein einsames Mahl um Mitternacht, welches Murnau Gelegenheit gibt, die Spannung zu steigern, der Kamera, die kleinen Einzelheiten zu entdecken, in eindrücklichen Grossaufnahmen das undurchsichtige Gesicht Nosferatus zu ergründen, den Buchhalter beim Essen zu beobachten... Murnau nannte seinen Film eine SYMPHONIE DES GRAUENS, und dieser Untertitel ist die beste Charakterisierung, die man ihm zu geben vermag. Denn das Grauen, das sich des Zuschauers bemächtigt - und hier unterscheidet sich NOSFERATU von jenen zahllosen Vampirfilmen - bleibt keineswegs vordergründiger Selbstzweck, sondern wird wie eine Orchesterstimme in das Weltbild Murnaus gestellt: eine Konzeption, in welcher die Liebe am Ende über alles Grauen, über alle Weiten zu triumphieren weiss. Die Erzählweise des Films wirkt gedrängt, Montage und Kameraeinstellungen sind virtuos erdacht und durchgeführt. So hat heute dieser Film kaum jene Alterserscheinungen aufzuweisen, die etwa Robert Wienes CABINETT DES DOCTOR CALIGARI belasten können." (ür in Freie Innerschweiz 2. April 1965) "Die Schrecken, die NOSFERATU verbreitet, gehen aus von einem Vampir, der die Pest verkörpert. Verkörpert er wirklich die Pest oder soll vielmehr ihr Bild ihn beschwören? (...) Gleich Attila ist Nosferatu eine Geissel Gottes und nur als solche gleichzusetzen mit der Pest. Es ist eine blutrünstige, aussaugerische Tyranneifigur, die im Reich der Mythen und Märchen haust. Es ist sehr bezeichnend, dass die Einbildungskraft der Deutschen zu jenem Zeitpunkt, gleich in welcher Ausgangslage, immer wieder - wie unter dem Zwang einer Hassliebe - diesen Figuren zutrieb" (Siegfried Kracauer) "Als Hutter die Brücke überschritten hatte, kam er in das Land der Phantome. Das Überwirkliche, das am anderen Ende der Brücke auf uns wartet, ist voller Verheissungen, und an den Himmel des von Nosferatu beherrschten Landes ist in riesigen, flackernden Lettern das Wort Liebe geschrieben. Übet die sich in ihrem tiefsten Innern willig hingebende Frau beugt sich das Monster, um ihr Blut zu saugen: ein Sexual-Symbol und Bild der Leidenschaft, so dicht wie die Atmosphäre des Merkur." (Ado Kyrou) "Das Neue, bisher Unübertroffene dieses Films ist, dass er die latente Poesie der Natur sich zu Dienste macht. Das ist auch seine besondere künstlerische Bedeutung. Das spezfisch Filmmässige dieses Werkes liegt nämlich darin, dass es am stärksten nicht durch den gedanklichen Inhalt seiner Fabel, sondern durch den Stimmungsinhalt seiner Bilder wirkt." (Bela Balász, Der Tag 9. März 1923)
Anmerkungen: Aussenaufnahmen zum Schloss des Grafen NOSFERATU wurden in der Burg von Orava (Oravsky Hrad) und Umgebung in der heutigen Slowakei gedreht, wie Lotte Eisner von einem Gespräch mit dem Kameramann Fritz Otto Wagner berichtete. Weitere Aussenaufnahmen entstanden in Wismar, Lübeck (Salzspeicher), Lauenburg, Rostock, Helgoland, die Atelieraufnahmen entstanden im Jofa-Atelier Berlin-Johannistal. Die Produktionsgesellschaft PRANA-FILM geriet kurz nach der Uraufführung des Films in finanzielle Schwierigkeiten, am 8. Juli 1922 wurde gegen sie das Konkursverfahren eröffnet. Probleme scheint es auch gegeben zu haben mit dem Copyright-Inhaber von Bram Stokers Roman.

Nachtaufnahmen zu "Nosferatu"

Am Donnerstag wurden im Jofa-Atelier die letzten Scenen des Pranafilms "Nosferatu" gedreht. U.a. war im Freien ein Teil des Hafens Galatz aufgebaut. In malerischer Anordnung lagen alte Weltmeer-Segler vor Anker, und am Kai lagen Ballen und Fässer, Hafenarbeiter taten ihre Arbeit – auf allen schien der Druck von etwas Unheimlichem, Grauenhaftem zu lasten –, und in gespensterhaftes Licht getaucht, in pechrabenschwarzer Nacht, machte die Scene selbst auf den Fachmann hervorragenden Eindruck, der gewöhnt ist, hinter die Kulissen des Films zu schauen. – Unweit der Segler stand ein Flugzeug auf dem Erdboden; der Motor gab dem Propeller Schwung, und – im Hafen blähen die Segel sich mächtig, und die Fähnlein und Wimpeln flattern lustig im Wind. – Wie immer, wird auch hier jede Scene, bevor sie dem Regisseur Murnau kurbelreif übergeben wird, vom künstlerischen Direktor der Firma, Herrn Albin Grau, nach psychologischen und malerischen Grundsätzen bis ins einzelne hinein peinlich durchgearbeitet, vor dem Aufbau in künstlerischer Zeichnung zu Papier gebracht. Jede Geste, jedes Kostüm (um 1840 herum), jeder Schritt und jede Bewegung muß nach den Gesetzen psychologischer Wirkung auf den Zuschauer abgezirkelt sein. Grau und Murnau leisten dabei eine beachtenswerte Filigranarbeit, ohne das Großzügige ihres Werkes außer acht zu lassen. ( Der Film, Nr. 43, 23.10.1921)

Murnaus Nosferatu vollständig rekonstruiert.

"Der Stummfilmklassiker Nosferatu von Friedrich Wilhelm Murnau ist am Samstagabend in einer rekonstruierten Fassung anlässlich der Berliner Fllmfestspiele in Potsdam wiederaufgeführt worden. Der expressionistische Vampirfilm war nach seiner Uraufführung vor 71 Jahren wegen ungeklärter Rechte der Verfilmung des "Dracula"-Romanes von Bram Stoker auf richterlichen Beschluss hin vernichtet worden. Nur einige Sequenzen blieben erhalten, ebenso Partiturteile der von Hans Erdmann für den Film geschriebenen Phantastisch-romantischen Suite". Enno Patalas, Leiter des Münchner Fllmmuseums, rekonstruierte Nosferatu - eine Symphonie des Grauens in jahrelanger Kleinarbeit aus allen verfügbaren Quellen, so dass nun die beinahe vollständige, original colorierte Fassung gezeigt werden konnte. Der Berliner Filmmusiker Berndt Heller besorgte die Rekonstruktion der Musik, die in Potsdam von der Brandenburgischem Philharmonle unter seiner Leitung gespielt wurde. (dpa Südddeutsche Zeitung Nr. 44 /1993 Seite 15).
- Unter der Zensurkarte 27446 vom 14. November 1930 wurde eine Tonfilmversion mit dem Titel "Die zwölfte Stunde. Eine Nacht des Grauens" in der künstlerischen Bearbeitung von Dr. Waldemar Roger eingereicht, als Produktion wird eine "Deutsch Film Produktion" genannt. Es handelt sich um eine Tonfassung von Nosferatu ohne Namensnennung von Murnau, ergänzt mit einigen neuen Szenen und anderem Schnittmaterial, die Musik wurde von Schallplatten im Organon-Verfahren zugespielt. (vide Eisner, pg 233; Lamprecht 1921/22 pg 335; siehe auch unter DIE ZWÖLFTE STUNDE)
"Der Stummfilm 'Nosferatu', inspiriert von Bram Stokers 'Dracula', ist ein Meisterwerk der Filmgeschichte. Trotz der vielen späteren Roman-Adaptionen, unter denen die von Werner Herzog und Francis Ford Coppola herausragen, hat Friedrich Wilhelm Murnaus Klassiker nichts von seiner Faszination verloren. Murnau und seinem Kameramann Fritz Arno Wagner ('M - Eine Stadt sucht einen Mörder', 'Spione', 'Das Testament des Dr. Mabuse') gelang es, die Originalschauplätze in Deutschland und das Karpatenschloss Oravsky durch den Einsatz von Licht und Schatten und mit einer subtilen Kameraführung in unheilsschwangere Szenerien zu verwandeln. Damit schuf er auch ein düsteres Spiegelbild kollektiver Ängste in der Weimarer Republik. Lange Jahre gab es wegen umstrittener Autorenrechte - Drehbuchautor Henrik Galeen hatte aus Kostengründen die Dracula-Geschichte umgeschrieben und nach Deutschland verlegt - einen erbitterten Rechtsstreit um den Film. Bram Stokers Witwe erreichte schließlich die offizielle Zerstörung des Films und seiner Kopien, nur einige wenige konnten gerettet werden. Zeitweise kursierte eine Version mit dem Titel 'Die zwölfte Stunde'. Unter der Leitung des Filmhistorikers Enno Patalas wurde im Münchner Filmmuseum fast zehn Jahre lang an der Rekonstruktion der Originalfassung gearbeitet. Die moderne Begleitmusik stammt von der französischen Avantgarde-Band 'Art Zoyd'." (WDR Presse) «Mit dieser Version des Klassikers liegt ein historischer Film in digitaler Bearbeitung vor. Grundlage zu einer solchen Restaurierung ist die sogenannte Filmabtastung, die zur Umwandlung des mechanisch vorbereiteten 35mm-Negativs in ein hochauflösendes digitales Bildformat dient. Dabei erfährt der Film die ersten Bearbeitungen von Helligkeit und Dichte. In einem weiteren Arbeitsschritt wird das Bild stabilisiert und zugleich feiner Filmschmutz entfernt. Der Film liegt nun in digitalen Einzelbildern vor und wird in ein Restaurierungsprogramm eingespielt. Aufwendige Bildstörungen und Verschleißartefakte, wie zum Beispiel Filmrisse, Verletzungen, Laufschrammen, Schlieren oder Schmutz sowie Helligkeits- und Dichteflackern werden behoben. Daraufhin wird der Film von Koloristen viragiert, wird also je nach Stimmung der jeweiligen Szene in einer entsprechenden Farbe eingefärbt. "Nosferatu" wurde 2005/2006 von Luciano Berriatúa für die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung Wiesbaden restauriert. Als Grundlage diente eine viragierte Nitrokopie der Cinémathèque Française Paris von 1922 mit französischen Zwischentiteln. "Nosferatu" war die einzige Filmproduktion der 1921 von Enrico Dieckmann und Albin Grau gegründeten Prana-Film. 1922 verklagte Bram Stokers Witwe die Produktionsfirma, die die Rechte an Stokers Roman "Dracula", nicht ordnungsgemäß erworben hatte. Das Verfahren brachte die Prana in erhebliche finanzielle Nöte, und 1925 wurde schließlich die Vernichtung aller Negative und Kopien des Films angeordnet. Kameramann Fritz Arno Wagner arbeitete zunächst als Fremdsprachenkorrespondent in der Schweiz und später in Paris, wo er ab 1910 für Pathé Frères in der Fabrikation und Filmbearbeitung tätig war.» (arte Presse)

Porcelaines tendres

(Die lebenden Porzellanbilder), Regie:   Emile Cohl, Frankreich - 1909
Regisseur: Emile Cohl -

Sunrise

(Sonnenaufgang - Lied von zwei Menschen), Regie:   Friedrich Wilhelm Murnau, USA - 1927
Produktion: Fox Film Corporation - Regisseur: Friedrich Wilhelm Murnau - Drehbuch: Carl Mayer - Nach einer Vorlage von: Hermann Sudermann Die Reise nach Tilsit - Kamera: Karl Struss - Charles Rosher - Musik: Hugo Riesenfeld - Architekt: Rochus Gliese - Edgar G. Ulmer Assistent - Alfred Metscher Assistent - Darsteller: Bodil Rosing die Magd - Ralph Sipperly Coiffeur - George O'Brien Der Mann - Ansass - Barry Norton - Herman Bing - J. Farrell MacDonald Photograph - Margaret Livingston Vamp - Arthur Housman Ein Herr - Janet Gaynor Die Frau - Indra - Sally Eilers - Gina Corrado - Eddie Boland Ein liebenswürdiger Mann - Jane Winton Manicure -
Inhaltsangabe : Eine elegante Dame aus der Stadt verdreht einem verheirateten Mann aus dem Dorf den Kopf. Sie überredet ihn, seine Frau bei einer Bootsfahrt zu ertränken und es als Unfall darzustellen. In letzter Minute scheut der Mann vor dieser Tat zurück. Seine Frau aber wird misstrauisch und flüchtet sich in eine Trambahn. Ihr Mann folgt ihr. So gelangen beide in die Stadt. Gemeinsam entdecken sie in der schillernden Welt der Grossstadt ihre Liebe wieder. Auf der Heimfahrt über den See geraten sie in einen Sturm, bei dem ihr Boot kentert. Der Mann kann sich retten, doch seine Frau scheint ertrunken zu sein. In dem Glauben, ihr Geliebter habe den Mord ausgeführt, sucht die Städterin den Mann auf. Der steht kurz davor, sie zu erwürgen und lediglich die Meldung, dass seine Ehefrau noch lebt, hindert ihn daran. (arte Presse)
Kritiken : "Eine einfache Geschichte ist 'Sunrise', aber die Inszenierung ist so unnachgiebig und bedeutsam, so bedächtig und kompliziert wie in 'Der letzte Mann' oder 'Faust', mit Bildern so dicht, dass sie den Blick des Zuschauers immer wieder abgleiten lassen." (Fritz Göttler. In: Peter W. Jansen und Wolfram Schütte (Hrsg.): Friedrich Wilhelm Murnau. Reihe Film 43, Carl Hanser Verlag, München/Wien 1990, S. 197)

"Alle jene Eigenschaften, die Murnau in seinen deutschen Filmen entwickelt hat, sein subtiles Gefühl für Einstellungen, Kamerabewegungen, Ausleuchtungen, Valeurs von Tönungen, für Bildrhythmus und Bildkomposition, seine wacher Sinn für Atmosphäre und seelische Reaktionen, kommen in diesem ersten amerikanischen Film zum Ausdruck. Und wenn mitunter die allzu reichen Mittel, die ihm Fox zur Verfügung stellte, ihn zu gewissen, ihm im Grunde fremden Abwegen und Übertreibungen verführt haben und die Gags mehr Raum einnehmen, als der tragische Vorwurf zulässt, so vergisst man diese Unzulänglichkeiten über dem vollendeten Ganzen." (Lotte H. Eisner: Murnau.
Ffm. 1979, S. 271)

"Die Atmosphäre der halb vom Nebel, halb vom Mond erfüllten Nächte, der Trubel der Stadt, das ist hohe Filmkunst. Visionen, sonst kitschig und widerlich, werden bei Murnau wirklich zum Albdruck. Nur fährt er Stillosigkeiten, System Hollywood, leider willig nach. Wir sind kaum einem Mord entronnen und sollen nun über einen Friseur lachen ?" (Deutsche Republik, 25. Dezember 1927)


Anmerkungen: Drehbuch nach der Erzählung "Die Reise nach Tilsit" von Hermann Sudermann

Restaurierung 2002: Twentieth Century Fox mit Archiv-Materialien

"Sonnenaufgang - Lied von zwei Menschen" ist der erste Film von Friedrich Wilhelm Murnau in Amerika. Das nachgebaute Dorf erinnert an Dörfer aus Murnaus Heimat. Dank einer grandiosen Kameraführung gelingt es, die Atmosphäre der offenen Landschaft und der lichtdurchfluteten Grossstadt in feinen Abstufungen von Hell und Dunkel einzufangen. Wie bereits in Murnaus früheren Filmen zeigt sich auch hier sein genauer Blick für Details. Der für die Kulisse zuständige Rochus Gliese berichtet, dass ein riesiger Baum aufgestellt und mit Tausenden künstlichen Blättern behängt werden musste, um der Natur ein wenig nachzuhelfen. Kameramann Charles Rosher versuchte eine Woche lang unter freiem Himmel den perfekten Sonnenaufgang zu filmen, um Murnau zufrieden zu stellen. Schliesslich entschied dieser sich für Aufnahmen im Atelier. Von den amerikanischen Kritikern wurde "Sonnenaufgang - Lied von zwei Menschen" begeistert aufgenommen. Finanziell war der Film jedoch ein Misserfolg. Die Einnahmen deckten nicht einmal die Produktionskosten. Die deutschen Kritiker lobten die Stimmungswerte des Films, äusserten jedoch, er enthalte zu viel von der Melodramatik Hollywoods." (arte Presse)

Taki no shiraito

(Die weissen Fäden des Wasserfalls), Regie:   Kenji Mizoguchi, Japan - 1933
Regisseur: Kenji Mizoguchi -

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