Locarno - Filmfestival 2008

61. Film Festival von Locarno


vom 6. bis 15. August 2008

Reihe: Retrospektive

A Fost sau n-a fost?

(Jenseits von Bukarest), Regie:   Corneliu Porumboiu, RO - 2006
Regisseur: Corneliu Porumboiu - Drehbuch: Corneliu Porumboiu - Musik: Grupul Rotaria - Kostümbild: Monica Raduta -
Inhaltsangabe : Im kleinen Nest Vaslui östlich von Bukarest findet im Lokalfernsehsender eine Livediskussionsrunde statt. Das Kammerspiel entwickelt sich nach und nach zu einer Farce um verdrängte rumänische Geschichte und Identität. Tiberiu Manescu ist Geschichtslehrer in einer rumänischen Provinzstadt. Zum Ärger seiner Frau geht sein gesamter Lohn für die Begleichung der Schulden drauf, die er regelmäßig in seiner Stammkneipe anhäuft. Zusammen mit dem einsamen Rentner Emanoil Piscoci, der seinerseits der altgediente Weihnachtsmann der Kleinstadt Vaslui ist, wird er vom Chef des Lokalsenders Virgil Jderescu zu einer Diskussion vor laufender Kamera geladen. Zum 16. Jahrestag der Rumänischen Revolution am 22. Dezember 2005 soll es mit diesen illustren Gästen um die Frage gehen: "Gab es eine oder gab es keine?" - so die wörtliche Übersetzung des Originaltitels. Gab es eine Revolution im kleinen Vaslui, noch bevor die Menschen in Bukarest auf die Straße gingen? Die Frage, ob es in der beschaulichen Provinzstadt eine "Revolution" gegeben hat - ob also schon vor dem offiziellen Sturz Ceausescus am 22. Dezember 1989 um 12.08 Uhr Menschen auf dem Stadtplatz demonstriert haben - ist gar nicht so leicht zu klären. Denn wie sich bald herausstellt, steht der wohlgemeinten Aufklärung, dem rationalen Diskurs, einiges im Weg. Da ist zum einen die Technik: Immer wieder wackelt die Kamera, verrutscht der Bildausschnitt oder knistert der Ton, weil der nervöse Piscoci vor seinem Mikrofon Papierschiffchen bastelt und Manescu, der Held der frühen Stunde, mit Papierfetzchen spielt. Der Moderator, als ehemaliger Textilfabrikant ein relativer Novize im Fernsehgeschäft, ist mit der Gesprächsführung und seinen Platon-Zitaten überfordert. Und dann stellt sich die Darstellung der Ereignisse aus Sicht der Gäste rasch als zumindest angreifbar heraus. Denn wo Manescu stur darauf beharrt, mit anderen ehrbaren Lehrern auf dem Stadtplatz demonstriert zu haben, wollen mehrere Studioanrufer nur das Gepöbel einer Gruppe von Betrunkenen bemerkt haben - oder gar niemanden. Als sich schließlich auch noch der ehemalige Geheimdienst Securitate in Form eines zugeschalteten Anrufers einmischt, wird die Wahrheitsfindung endgültig unmöglich ... "Draußen schneit es, wie früher!", sagt eine Anruferin den Studiogästen, und bringt damit zum Ausdruck, was auch die Studiogäste empfinden: Vergangenheit und Gegenwart durchdringen sich. Die Frage 'Was geschah wirklich auf dem Stadtplatz?' wird zunehmend unwichtiger. Der Film, ein reines Kammerspiel, wird zu einer gelungenen Farce um die ungeleistete Vergangenheitsbewältigung, die Identitätsprobleme und auch die Narben nicht nur dieses Städtchens, sondern einer ganzen Nation. (Arte Presse)
Anmerkungen: «"12:08 Uhr Jenseits von Bukarest" gewann 2006 in Cannes die Caméra d'Or für den besten Debütfilm und zählt zu den Filmen des Neuen Rumänischen Kinos, das soziale Problematiken vor und nach dem Regime Ceausescus in den Mittelpunkt rückt...» (arte Presse)

Aprile

Regie:   Nanni Moretti, Italien, Frankreich - 1998
Regisseur: Nanni Moretti - Drehbuch: Nanni Moretti - Darsteller: Daniele Luchetti Daniele - Andrea Molaioli Andrea - Agata Apicelle Moretti Agata - Nanni Moretti Nanni - Silvio Orlando Silvio -
Inhaltsangabe : Italien im Herbst 1995: Die Rechten sind endlich gestürzt, und Nannis Frau Silvia ist schwanger. Nannis Freude über die Neuigkeit weicht schon bald gewaltigen ängsten, zur Vaterschaft nicht fähig zu sein - ganz zu schweigen von seiner generellen Panik vor der Anwesenheit im Kreißsaal. Aber auch auf beruflichem Gebiet fühlt sich Nanni überfordert: Sollte er nicht einen Dokumentarfilm machen über die anstehenden Neuwahlen? Aber eigentlich hat er mehr Lust auf ein Musical. Erfüllt von Selbstzweifeln und Verwirrung bricht er immer wieder die Vorbereitungen für neue Filmprojekte ab. Am 18. April 1996 schließlich kommt der kleine Pietro zur Welt. Es ist außerdem der Tag der Parlamentswahlen, die Italien seit langem wieder einen Sieg der Linken bescheren. Ein Tag der Freude für Nanni und ein Tag des Stolzes: Er ist im Kreißsaal nicht ohnmächtig geworden. Von nun an erhält Nanni bei seinen Recherchen die tatkräftige Unterstützung von Klein-Pietro.... (3Sat Presse)
Anmerkungen: "Nanni Moretti gilt als einer der originellsten und erfolgreichsten Regisseure Italiens, als eine Art 'römischer Woody Allen'. Seine Filmstoffe entnimmt er meist seinen eigenen, sehr persönlichen Erlebnissen. Indem er die Bereiche Familie, Arbeit und Politik vermischt, gibt er immer wieder erstaunliche Einblicke in Leben und Alltag des heutigen Italien. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die preisgekrönten Filme 'Die Messe ist aus', 'Wasserball und Kommunismus' und 'Liebes Tagebuch'." (3Sat Presse)

Bianca

Regie:   Nanni Moretti, Italien - 1984
Produktion: Faso Film - Regisseur: Nanni Moretti - Drehbuch: Sandro Petraglia - Nanni Moretti - Kamera: Luciano Tovoli - Musik: Franco Piersanti - Schnitt: Mirco Garrone - Darsteller: Enrica Maria Modugno - Claudio Bigagli - Remo Remotti - Roberto Vezzosi - Laura Morante - Nanni Moretti -

Il Caimano

(Der Italiener), Regie:   Nanni Moretti, Italien, Frankreich - 2006
Produktion: Bac Films - Sacher Film - Stéphan Films - France 3 Cinéma - Regisseur: Nanni Moretti - Drehbuch: Nanni Moretti - Francesco Piccolo - Federica Pontremoli - Kamera: Arnaldo Catinari - Musik: Franco Piersanti - Schnitt: Esmeralda Calabria - Darsteller: Danile Rampello Andrea - Tatti Sanguineti Jerz Sturovski - Elio De Capitani Il Caimano (1) - Nanni Moretti Il Caimano (2) - Antonello Grimaldi - Giuliano Montaldo - Michele Placido Marco Pulici - Jasmine Trinca Teresa - Margherita Buy Paola - Silvio Orlando Bruno - Antonio Petrocelli Anwalt von Caimano -
Inhaltsangabe : Seit den 1970er-Jahren dreht Bruno Bonomo mit ebenso viel Enthusiasmus wie Chuzpe Billigfilme für die Videothek. Doch seine besten Tage als König des Trash-Kinos scheinen vorüber; der totale Flop seines letzten Filmes hat den Produzenten beinahe ruiniert. Auch privat sieht es düster aus, seine Ehe mit Paola, einer Schauspielerin, die früher für ihn vor der Kamera stand, ist längst zerrüttet. Das Familienleben wird aber der Kinder wegen weiterhin mühsam aufrechterhalten.

Ein Hoffnungsschimmer ist der Vertrag mit dem italienischen Fernsehsender RAI zu einer Produktion über "Die Heimkehr des Christoph Columbus". Doch als der vorgesehene Regisseur Franco Caspio sich von dem Projekt verabschiedet, ist Bonomo gezwungen, dem Studio auf die Schnelle ein Ersatzprojekt schmackhaft zu machen. Da erinnert er sich an die junge Filmemacherin Teresa, die ihm auf einer Retrospektive des B-Films eine Kopie ihres neuen Drehbuchs überreicht hatte.

Beim Überfliegen der ersten Seiten erhält Bruno den Eindruck, dass es sich bei "Il Caimano" um einen soliden Thriller handelt, und er bietet den Stoff dem Sender an. Dass es sich in Wirklichkeit um eine filmische Abrechnung mit dem zu der Zeit amtierenden italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi (Elio De Capitani) und dessen Verstrickungen in das organisierte Verbrechen handelt, merkt er erst, als er nicht mehr aussteigen kann. Das Thema ist den Fernsehverantwortlichen viel zu heiß, bezahlt doch Berlusconi vielen die Brötchen. Aber Bonomo hat all seine Hoffnungen in dieses Projekt gesetzt und gibt nicht auf. Und tatsächlich kann er den polnischen Financier Jerzy Sturovsky dafür gewinnen. Doch der will sich nur beteiligen, wenn es Bonomo gelingt, den Filmstar Marco Pulici für die Rolle des Berlusconi zu verpflichten, der jedoch nicht zieht. Der Geldfluss droht endgültig zu versiegen. Und der lustlose Ersatz-Kaiman - dargestellt von Nanni Moretti - räsonniert pessimistisch über die Zwecklosigkeit, einen kritischen Film über Berlusconi in einem Italien zu machen, in dem er alle Fäden in der Hand hat und trotz aller medial ausgeschlachteten Skandale unantastbar zu sein scheint. Was die Sache noch schlimmer macht: Bonomos Ehe steuert unaufhaltsam auf Scheidung zu. (ARD Presse)
Anmerkungen: Seit seiner Jugend ist Nanni Moretti nicht nur ein begeisterter Wasserballspieler, sondern auch ein politisch engagierter Bürger. Er gehörte und gehört wohl wieder zu den schärfsten Kritikern Berlusconis. Er organisierte Demonstrationen gegen Berlusconi, forderte die Linksparteien auf, sich für dessen Ablösung zu koordinieren und mobilisierte Kollegen und die nicht korrumpierten Medien. Moretti war es wichtig, dass sein Film seinen "Gegenstand" aus einer gewissen Distanz betrachten sollte: "Der Blick von außen ist etwas sehr Wichtiges," erklärt er, "zumal wir uns ja schon an Mancherlei gewöhnt haben, was in einer Demokratie eigentlich undenkbar wäre, angefangen bei der Tatsache, dass der Regierungschef drei Fernsehgesellschaften besitzt."

In seinem "Alter Ego" Silvio Orlando hat Nanni Moretti den idealen "Bonomo" gefunden - kein Wunder, denn das Team Orlando/Moretti hatte schon zuvor in "Wasserball und Kommunismus" (1989), "April" (1998) und zuletzt in "Das Zimmer meines Sohnes" (2001) perfekt zusammengearbeitet. In Italien hatte Moretti es geschafft, dass "Il Caimano" am 26. März 2006, zwei Wochen vor den Parlamentswahlen, in den Kinos anlief und die Zuschauer scharenweise in die Kinos lockte: Berlusconi -Jahrgang 1936 - wurde abgewählt. Doch die Berlusconi-freie Zeit dauerte nicht allzu lange. Bei den Parlamentswahlen im April 2008 gewann Berlusconis Mitte-Rechts-Bündnis mit deutlichem Vorsprung im Abgeordnetenhaus und im Senat und konnte in beiden Parlamentskammern die Regierung bilden. Am 8. Mai 2008 trat Silvio Berlusconi mit der Vereidigung seines vierten Kabinetts zum dritten Mal in 14 Jahren das Amt des italienischen Ministerpräsidenten an. Und das hat er bis heute inne - obwohl die Justiz nicht locker lässt, die Skandale nicht abreißen und seine Gegner von seinem Untergang träumen.

"Nanni Moretti schuf einen heiter-melancholischen Film, der sich im Gewand einer Liebes- und Familienkomödie durch den "Film im Film" raffiniert mit dem 'Phänomen Berlusconi' befasst und satirisch Kritik am politischen Einfluss geballter Medienmacht übt. Durch die Reibung zwischen den Wirklichkeitsebenen wird der Zuschauer zum Nachdenken und Hinterfragen angeregt" (LIF).

"In erster Linie ist 'Der Italiener' eine Tragikomödie - und zwar eine verdammt gute. Wie in seinen früheren Filmen fährt Moretti auch hier wieder seine altbekannte, aber nichtsdestotrotz immer hervorragend funktionierende Mischung aus genauer Beobachtung, tiefem Verständnis und feinem Humor auf, um sein Publikum auf allerhöchstem Niveau zu unterhalten. Dabei erweist sich vor allem sein Hauptdarsteller Silvio Orlando ... als absolut perfekte Besetzung. Seine Darstellung des gescheiterten Mannes weist genau jenes Verhältnis von leisem Humor und bewegender Tragik auf, mit dem seit Charlie Chaplin und Buster Keaton die ganz Großen der Komikerzunft für Furore sorgten - schlichtweg grandios. Fazit: Nanni Moretti gelingt es mit 'Der Italiener' meisterlich, die tragikomische Geschichte eines gebrochenen Produzenten mit einer ambitioniert-satirischen Berlusconi-Schelte zu kombinieren. Was auf den ersten Blick unsinnig erscheint, entpuppt sich auf den zweiten als seltener Geniestreich" (Christoph Petersen). (ARD Presse)

Caro diario

(Liebes Tagebuch), Regie:   Nanni Moretti, Italien, Frankreich - 1993
Regisseur: Nanni Moretti - Darsteller: L Alessandri ein Vater - Jennifer Beals Jennifer Beals - Renato Carpentieri Gerardo - C della Seta eine Mutter - Nanni Moretti Nanni - Antonio Neiwiller Bürgermeister - Alexandre Rockwell -

Ecce Bombo

Regie:   Nanni Moretti, Italien - 1978
Produktion: Filmalpha - Regisseur: Nanni Moretti - Drehbuch: Nanni Moretti - Kamera: Giuseppe Pinori - Musik: Franco Piersanti - Schnitt: Enzo Meniconi - Architekt: Massimo Razzi - Kostümbild: Fabrizia Magnini - Lina Nerli Taviani - Darsteller: Lina Sastri - Piero Galletti - Susanna Javicoli - Cristina Manni - Nanni Moretti -

Guide to Recognizing your Saints

Regie:   Dito Montiel, USA, Grossbritannien - 2006
Regisseur: Dito Montiel -

L' imbalsamatore

Regie:   Matteo Garrone, Italien - 2002
Regisseur: Matteo Garrone - Drehbuch: Ugo Chiti - Matteo Garrone - Massimo Gaudioso - Darsteller: Lina Bernardi - Pietro Biondi - Ernesto Mahieux - Valerio Foglia Manzillo - Elisabetta Rocchetti -

Io sono un Autarchico

Regie:   Nanni Moretti, Italien - 1976
Produktion: Nanni Moretti - Regisseur: Nanni Moretti - Drehbuch: Nanni Moretti - Kamera: Fabio Sposini - Musik: Franco Piersanti - Schnitt: Nanni Moretti - Darsteller: Nanni Moretti - Simona Frosi - Andrea Pozzi - Fabio Traversa - Giorgio Viterbo - Paolo Zaccagnini -

Lásky jedné plavovlásky

(Liebe einer Blondine), Regie:   Miloš Forman, ČSSR - 1965
Regisseur: Miloš Forman - Drehbuch: Miloš Forman - Ivan Passer - Jaroslav Papousek - Kamera: Miroslav Ondricek - Musik: Evzen Illín - Darsteller: Hana Brejchová Andula - Vladimir Pucholt Milda - Vladímir Mensik - Milada Jezkova - Josef Sebanek -
Inhaltsangabe : Andula ist eines von vielen hundert Mädchen, die in einem kleinen Ort vor den Toren Prags in einer Schuhfabrik arbeiten und in einem Wohnheim leben. Die Arbeit ist eintönig, die Feierabende und Wochenenden ebenso. Die Mädchen träumen von liebesabenteuern und ersinne welche, die sie gar nicht gehabt haben. Aber der Orst hat akuten Männermangel, und um die Mädchen in den Fabriken zu halten, beschliesse die Stadtfunktionäre, eine Garnison ins Städtchen zu holen. Zur Enttäuschung der Mädchen sind die soldaten ältliche Reservisten. Entsprchend reserviert fällt auch der erste Tanzabend aus. Nur andula ist glücklich. sie hat sich in den Pianisten Milda verliebt und verbringt die Nacht mit ihm. Später, als sie Milda überraschend bei seinen Eltern besucht, muss sie feststellen, dass sich Milda an ihrer Begegnung nicht mehr erinnern will. Enttäuscht fährt sie ins Wohnheim zurück. Dort erzählt sie ihren Freundinnen, wie nett es mit Milda und seinen Eltern war...
Kritiken : "Präziser, komisch-melancholischer Zweitling von Forman, der 1967 als bester fremdsprachiger Film für den OSCAR nominiert war" (tele)
"Stand immer im Schatten von Milos Forman's Erstlingswerk DER SCHWARZE PETER" (lhg)

Lola

(Lola, das Mädchen aus dem Hafen), Regie:   Jacques Demy, Frankreich, Italien - 1961
Produzent: Carlo Ponti - Regisseur: Jacques Demy - Regieassistent: Bernard Toublanc-Michel - Drehbuch: Jacques Demy - Kamera: Raoul Coutard - Musik: Michel Legrand - Architekt: Bernard Evein - Darsteller: Alan Scott Franckie - Marc Michel Roland - Corinne Marchand - Margo Lion Marie - Anouk Aimée Lola - Elina Labourdette - Jacques Harden Michel - Carlo Nell Dancing Teacher -
Inhaltsangabe : Die Nachtclubsängerin Lola wartet in Nantes auf Michel, den seit Jahren verschwundenen Vater ihres Sohnes. Dabei läuft vor ihrem inneren Auge noch einmal die Vergangenheit ab. Währenddessen träumt ihr Jugendfreund Roland vergeblich von einer gemeinsamen Zukunft mit ihr. Jacques Demys Film machte nicht nur wegen der fließenden Kamerabewegung als "Musical ohne Musik" von sich reden.

Unter dem Pseudonym Lola umgarnt die bildschöne Cécile die Gäste einer Hafenbar in Nantes. Ihr Jugendfreund Roland träumt von einer gemeinsamen Zukunft mit ihr. Cécile aber wartet seit sieben Jahren auf ihre große Liebe Michel, den Vater ihres Sohnes. Solange Michel nicht auftaucht, tröstet sie sich mit dem amerikanischen Matrosen Franckie. Der sieht ihrem Geliebten wenigstens ein bisschen ähnlich. (arte Presse)
Anmerkungen: «Regisseurin Agnès Varda restaurierte das Debüt ihres 1990 verstorbenen Mannes Jacques Demy. Unter dem Einfluss seines Mentors Jean-Luc Godard ging dieser 1961 formal ungewöhnliche Wege: Aus Geldnot drehte er ohne Ton und Beleuchtung, verzichtete auf Ausstattung und Kostüme. Lolas Vergangenheit und Zukunft montierte Demy in parallel verlaufenden Handlungssträngen. Seinen fließenden Kamerabewegungen verdankt der Film das Prädikat ein "Musical ohne Musik" zu sein.

Zwei Jahre vor "Die Regenschirme von Cherbourg" (1963) wollte Jacques Demy bereits einen Musical-Film machen, aber noch war seine Stunde nicht gekommen. "Ich konnte 'Lola' nur dank Jean-Luc Godard drehen. Jean-Luc hatte einen sehr sympathischen Mann namens De Beauregard aufgetan, der zwar keinen Pfennig Geld hatte, aber einen Film von Newcomern für ein gutes Geschäft hielt, besonders, wenn sie ein bisschen verrückt waren. Er war wie wir ein Abenteurer. [...] Es [ein Musical] hätte damals 250 Millionen Francs gekostet, in Farbe und Cinemascope, mit Ballett- und Tanzeinlagen, viel Gesang, Kostümen und einer Menge Requisiten. De Beauregard sagte zu mir: "Hören Sie, Ihr Projekt ist ja ganz nett, aber "Außer Atem" hat nur 32 Millionen gekostet. Wenn Sie Ihren Film für 35 Millionen drehen können, bin ich einverstanden. Ansonsten kommt es nicht infrage. [...]" (Jacques Demy in dem Porträtfilm von Agnès Varda, "Die Welt ist ein Chanson - Das Universum des Jacques Demy).

Demy drehte den Film tatsächlich mit diesem kleinen Budget in nur fünf Wochen, ohne Ausstattung, ohne Kostüme und ohne Beleuchtung. Er hatte eigentlich nur das Filmmaterial, eine Kamera und die Schauspieler. Michel Legrand, Komponist, erinnert sich: "Der Film war ohne Ton gedreht worden. Er (Demy) sagte, er habe kein Geld für Tontechniker gehabt. Bei der Vorführung sprach Jacques daher für mich den Text aller Schauspieler, Frauen wie Männer, und ich war schlichtweg überwältigt. Mir gefiel der Film wahnsinnig gut, und ich fand, dass er schon als Stummfilm eine sehr musikalische Qualität hatte."» (arte Presse)

La messa è finita

(Die Messe ist aus), Regie:   Nanni Moretti, Italien - 1985
Regisseur: Nanni Moretti - Drehbuch: Sandro Petraglia - Nanni Moretti - Kamera: Franco di Giacomo - Musik: Nicola Piovani - Darsteller: Vincenzo Salemme Andrea - Nanni Moretti Giulio - Dario Cantarelli Gianni - Enrica Maria Modugno Valentina, die Schwester - Marco Messeri Saverio - Eugenio Masciari Antonio - Margarita Lozano Die Mutter - Ferruccio De Ceresa Der Vater - Roberto Vezzosi Cesare -

Nema-ye Nazdik

Regie:   Abbas Kiarostami, Iran - 1990
Regisseur: Abbas Kiarostami -

Nihon no yoru to kiri

Regie:   Nagisa Oshima, Japan - 1960
Produktion: Shochiku - Produzent: Tomio Ikeda - Regisseur: Nagisa Oshima - Drehbuch: Nagisa Oshima - Kamera: Noboru Kawamata - Musik: Riichiro Manabe - Schnitt: Keichi Uraoka - Darsteller: Hiroshi Akutagawa - Miyuki Kuwano - Fumio Watanabe -

Nostra Signora dei Turchi

(Unsere Liebe Frau von den Türken), Regie:   Carmelo Bene, Italien - 1968
Regisseur: Carmelo Bene -

Palombella rossa

(Der rote Wasserball), Regie:   Nanni Moretti, Frankreich, Italien - 1989
Regisseur: Nanni Moretti - Darsteller: Asia Argento Valentina - Eugenio Masciari Schiedsrichter - Nanni Moretti Michele - Silvio Orlando Trainer - Raoul Ruiz - Mariella Valentini Journalistin -

The Rain People

(Les Gens de la Pluie), Regie:   Francis Ford Coppola, USA - 1969
Regisseur: Francis Ford Coppola - Drehbuch: Francis Ford Coppola - Kamera: Wilmer Butler - Musik: Ronald Stein - Carmine Coppola - Darsteller: Shirley Knight - Robert Duvall - Tom Aldredge - James Caan - Marya Zimmett -

Riff Raff

Regie:   Kenneth Loach, Grossbritannien - 1991
Regisseur: Kenneth Loach -

Rogopag - La Ricotta

(La Ricotta), Regie:   Pier Paolo Pasolini, Italien - 1962
Regisseur: Pier Paolo Pasolini - Kamera: Tonino Delli Colli - Darsteller: Laura Betti - Mario Cipriani - Orson Welles Regisseur - Edmonde Aldini - Ettore Garofolo -

Saturday Night and Sunday Morning

(Samstag Nacht bis Sonntag Morgen), Regie:   Karel Reisz, Grossbritannien - 1961
Regisseur: Karel Reisz - Regieassistent: Tom Pevsner - Drehbuch: Karel Reisz - Alan Sillitoe - Story : Alan Sillitoe novel - Kamera: Freddie Francis - Musik: John Dankworth - Darsteller: Frank Pettitt Mr. Seaton - Colin Blakely - Elsie Wagstaffe Mrs. Seaton - Ann Field Doreen - Albert Finney Arthur - Norman Roissington Bert - Rachel Roberts Brenda - Edna Morris Mrs. Bull - Robert Cawdron Robboe - Bryan Pringle Jack - Hylda Baker Tante -
Inhaltsangabe : Von Montag bis Samstag schuftet Arthur Seaton (Albert Finney) in einer lärmenden Fabrik an der Drehbank. Da er jung und flink ist, verdient er nicht schlecht. Doch die Arbeit interessiert ihn nicht. Arthur weiß genau, was er will: sich nicht tot arbeiten und nicht so werden wie die anderen Duckmäuser im Betrieb oder die spießigen Nachbarn in der trostlosen Backsteinsiedlung. Der "halbstarke" Rebell erwartet mehr vom Leben als seine resignierte Mutter (Elsie Wagstaffe), die allwöchentlich sein Kostgeld kassiert, und sein Vater (Frank Pettitt), der nur stumpf in die Röhre glotzt. Arthur will seinen Spaß haben und sich amüsieren. Am Samstagabend fließt das Guinness in Strömen. Selbst wenn er nach dem obligatorischen "Kampftrinken" im Pub die Treppe herunterpurzelt, findet Arthur das noch immer lustig. Gemeinsam mit Cousin Bert (Norman Rossington) lüftet er am Sonntagnachmittag beim Angeln den Brummschädel aus. Geheiratet wird, wenn überhaupt, erst mit 40. Vorerst genießt Arthur in vollen Zügen seine heimliche Daueraffäre mit Brenda (Rachel Roberts), der Ehefrau seines mickrigen Kollegen Jack (Bryan Pringle). Als Brenda schwanger wird, stiehlt Arthur sich klammheimlich aus der Verantwortung. Der gehörnte Gatte kommt hinter das Verhältnis seiner Frau und lässt den Nebenbuhler von Freunden zusammenschlagen. Doch Arthur ist hart im Nehmen; er kennt die Spielregeln und weiß, wann die Zeche gezahlt wird. Außerdem geht er seit einiger Zeit mit der kecken Doreen (Shirley Ann Field). Sie ist unglaublich schön und anders als alle Mädchen vorher. Außerdem ist sie nicht auf den Mund gefallen, und wie Arthur weiß sie genau, was sie will. Mit ihr geht er vielleicht sogar aufs Standesamt - wenn er nur dann und wann über die Stränge schlagen kann..... (ARD Presse)
Kritiken : "Einer der Schlüsselfilme des 'New British Cinema' !" (lhg) «Ein sensibel beobachtetes Alltagsprotokoll» (tele 12/2009)
Anmerkungen: "Der erste Spielfilm des gebürtigen Tschechen Karel Reisz, der zusammen mit Tony Richardson und Lindsay Anderson das sozialkritische "British Free Cinema" begründete, überzeugt noch heute durch den sensibel-detaillierten Blick auf soziale Hintergründe, mit dem er den Alltag eines jungen englischen Fabrikarbeiters in seinem typischen Umfeld schildert, und er in seiner Zerrissenheit stellvertretend für die englische Nachkriegsgeneration steht. Der junge Albert Finney erlangte durch die kraftvolle Verkörperung des gebrochenen Helden Weltruhm. Karel Reisz machte auch in Hollywood Karriere ("Spieler ohne Skrupel"; "Geliebte des französischen Leutnants"), bevor er am 25. November 2002 verstarb. Die Britische Filmakademie wählte "Samstagnacht bis Sonntagmorgen" kürzlich zu den "20 besten britischen Filmen aller Zeiten"." (ARD Presse)

Sogni d'Oro

Regie:   Nanni Moretti, Italien - 1981
Produktion: Rai Uno - Opera Film Produzioni - Regisseur: Nanni Moretti - Drehbuch: Nanni Moretti - Kamera: Franco di Giacomo - Musik: Franco Piersanti - Schnitt: Roberto Perpignani - Architekt: Giovanni Sbarra - Darsteller: Laura Morante - Alessandro Haber - Nicola Di Pinto - Dario Cantarelli - Remo Remotti - Nanni Moretti - Piera degli Esposti -

Sovversivi

Regie:   Vittorio Taviani, Italien - 1967
Regisseur: Paolo Taviani - Vittorio Taviani - Drehbuch: Vittorio Taviani - Paolo Taviani - Kamera: Giuseppe Ruzzolini - Giovanni Narzisi - Musik: Giovanni Fusco - Schnitt: Franco Taviani - Kostümbild: Lina Nerli Taviani - Darsteller: Raffaele Triggia Ermannos Vater - Barbara Pilavin Ermannos Mutter - Lidija Juracik Paola - Fabienne Fabre Giovanna - Ferruccio De Ceresa Ludovico - Maria Cumano Quasimodo Ludovicos Mutter - Lucio Dalla Ermanno - Marija Tocinoski Giulia -

La stanza del figlio

(Das Zimmer meines Sohnes), Regie:   Nanni Moretti, Italien, Frankreich - 2001
Produktion: Sacher Film - Produzent: Angelo Barbagallo - Nanni Moretti - Regisseur: Nanni Moretti - Drehbuch: Heidrun Schleef - Nanni Moretti - Linda Ferri - Kamera: Giuseppe Lanci - Musik: Nicola Piovani - Darsteller: Sofia Vigliar Arianna - Stefano Abbati - Claudia Della Seta Raffaella - Jasmine Trinca Irene - Stefano Accorsi Tommaso - Giuseppe Sanfelice di Monteforte Andrea - Silvio Orlando Oscar - Nanni Moretti Giovanni - Laura Morante Paola - Silvia Bonucci Carla -
Inhaltsangabe : In seinem vielfach preisgekrönten Melodram "Das Zimmer meines Sohnes", erzählt Nanni Moretti davon, wie das Glück einer Familie zerbricht, als der Sohn ums Leben kommt. Mit viel Sensibilität widmet er sich den emotionalen und psychischen Erschütterungen, die der Todesfall bei den einzelnen Familienmitgliedern auslöst.

Giovanni Sermonti arbeitet als Psychoanalytiker und lebt zusammen mit seiner Ehefrau Paola und den beiden Kindern Irene und Andrea ein glückliches Mittelstandsleben in der italienischen Hafenstadt Ancora. An einem Sonntag sind Giovanni und sein Sohn Andrea zum Joggen verabredet. Doch aus der Verabredung zwischen Vater und Sohn wird nichts, als sich einer von Giovannis Patienten mit einem dringenden Problem meldet. Da der Mann bereits einen Suizidversuch hinter sich hat, besucht ihn Giovanni. Andrea geht derweil mit Freunden tauchen. Als Giovanni nach Hause zurückkehrt, erfährt er, dass sein Sohn bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Der unerwartete Todesfall trifft alle Familienmitglieder schwer. Da das Leben jedoch weitergehen muss, nimmt Giovanni bald seine Arbeit wieder auf. Doch schnell merkt er, dass nichts mehr so ist wie zuvor. Giovanni beginnt immer öfter, über die verpassten Chancen zu grübeln, Zeit mit Andrea zu verbringen. Auch das Verhältnis der Eheleute wird immer angespannter. Erst die Begegnung mit einem Mädchen, das Andrea flüchtig kannte, führt dazu, dass die Familie in ihrer Trauer zusammenfindet. (BR Presse)
Anmerkungen: Seit fast vierzig Jahren zählt der heute 58-jährige Regisseur und Hauptdarsteller Nanni Moretti zu den bedeutendsten Filmemachern Italiens. In den letzten Jahren erwies sich der auch politisch aktive Regisseur als einer der schärfsten Kritiker des ehemaligen Regierungschefs Silvio Berlusconi (BR Presse)

Svoboda eto rai

(Freiheit ist ein Paradies), Regie:   Sergej Bodrov, UdSSR - Sowjet Union - 1989
Produktion: Mosfilm - Regisseur: Sergej Bodrov - Darsteller: Aleksandr Burejev - Valeri Epifanow - Swetlana Gajtan - Wolodja Kosyrew - S Schkaliakow - V Tomkus -

Vanya

Regie:   Louis Malle, Frankreich - 1994
Regisseur: Louis Malle -

La ville est tranquille

(Die Stadt frisst ihre Kinder), Regie:   Robert Guédiguian, Frankreich - 1999
Produktion: Diaphana - Regisseur: Robert Guédiguian - Drehbuch: Robert Guédiguian - Jean-Louis Milesi - Kamera: Bernard Cavalié - Darsteller: Jacques Pieiller Yves Froment - Christine Brücher Viviane Froment - Pascale Roberts Pauls Mutter - Jean-Pierre Darroussin Paul - Gérard Meyelan Gérard - Julie-Marie Parmentier Fiona - Pierre Banderet Claude - Véronique Balme Ameline - Alexandre Ogou Abderramane - Ariane Ascaride -
Kritiken : "zur gewaltigen Metapher für soziale Entfremdung verdichtet... mit der Poesie der Verzweiflung" (NZZ Ticket)

Walkower

Regie:   nicht genannt, Polen - 1965
Regieassistent: Henryk Kluba -

When we were Kings

Regie:   Leon Gast, USA - 1997
Regisseur: Leon Gast - Darsteller: George Plimpton -

Zapadavskaja Premjera

Regie:   Viktor Bokharov, Russland - 2003
Regisseur: Viktor Bokharov - Darsteller: Aleksandr Shirjajev Aleksandr Shirjajev -

Die zweite Heimat - Chronik einer Jugend

Regie:   Edgar Reitz, Deutschland - 1991
Herstellungsleiter: Inge Richter - Regisseur: Edgar Reitz - Drehbuch: Edgar Reitz - Kamera: Gerard Vandenberg - Gernot Roll - Christian Reitz - Musik: Nicos Mamangakis - Josef Anton Riedl - Schnitt: Susanne Hartmann - Architekt: Franz Bauer - Kostümbild: Bille Brassers - Nikola Hoeltz - Maskenbildner: Mia Schöpke - Tonmeister: Heiko Hinderks - Rainer Wiehr - Manfred Banach - Darsteller: Anke Sevenich Schnüsschen - Michael Seyfried Ansgar - Heide Simon - Daniel Smith Juan - Michael Stephan Clemens - Johanna Bittenbinder Erika - Veronica Ferres Dorli - Peter Weiss Rob Stuermer - Andreas Voss Folge 12: Manni - Edward Brigadier - Franziska Traub Renate - Anna Thalbach Trixi - Fred Stillkrauth Kohlenjosef - Noemi Steuer Helga - Michael Schönborn - Tana Schanzara Oma Aufschrey - Henry Arnold Hermann - Martin Maria Blau Jean-Marie - Carolin Fink - Rainer Furch - Hannelore Hoger Elisabeth Cerphal - Salome Kammer Clarissa - László I. Kish Reinhard - Karl Knaup - Hanna Köhler Frau Moretti - Sven Kramer - Hartmut Kunze Polizist Wulff - Reinhold Lampe Dr. K. - Susanne Lothar Esther - Götz Otto - Irene Kugler - Frank Röth Stefan - Manfred Andrae Gattinger -