Pordenone - Filmfestival 2011

Le Giornate del Cinema Muto - Pordenone

October 1 to October 8, 2011

Reihe: Chaplin

Easy street

(La strada della paura), Directed by:   Charles Chaplin, USA - 1917
Director: Charles Chaplin - Scenario: Charles Chaplin - Director of Photography: Roland H. Totheroh - William C. Foster - Editor: Charles Chaplin - Cast: Milton Berle Mission Visitor and Policeman - Loyal Underwood Small Father and Policeman - John Rand Mission Visitor and Policeman - Tom Wood Chief of Police - Edna Purviance Missionary - Charlotte Mineau Ungrateful Woman - James T. Kelley - Frank J. Coleman Policeman - Charles Chaplin Vagabond Police Recruit - Eric Campbell Scourge of Easy Street - Henry Bergman Anarchist - Lloyd Bacon Drug Addict - Albert Austin Clergyman and Policeman -
Remarks and general Information: Chaplin über Easy Street
Die letzten vier Filme, die Chaplin für Mutual dreht, gehören noch immer zu seinen besten. Mit Easy Street erweckt er die Methley Street Süd-Londons, in der er aufgewachsen war, zum Leben. Das enge T am Ende der Strasse bietet dort noch heute das gleiche begrenzte und schmuddelige Bild, das sich einst dem jungen Charlie und seiner Mutter bot. Chaplin nutzt diese Kulisse, um eine Parodie der viktorianischen "Reform"-Melodramen zu inszenieren. Ein potentielles Problem liegt darin, dass der vom Publikum geliebte Tramp hier die Seiten wechselt und zum 'Feind', d.h. der Ordnungsmacht, überwechselt.

Chaplin erklärt dazu 1917 in der Zeitschrift Reel Life: "Wenn es einen Menschentyp gibt, auf den es irgendjemand auf der ganzen weiten Welt mehr abgesehen hat als auf irgendjemand andern, dann ist das der Polizistentyp. Natürlich kann man den Polizisten nicht wirklich dafür verantwortlich machen, dass die Öffentlichkeit Vorurteile gegen seine Uniform hat - das ist nur die normale menschliche Abneigung gegen jede Art von Autorität-, aber trotzdem sieht es jeder gern, wenn's dem 'Copper' an den Kragen geht. Also muss ich mich erst einmal beliebt machen, indem ich meinen Freunden zu verstehen gebe, dass ich gar kein richtiger Polizist bin, sondern nur einen Spezialauftrag auszuführen habe - nämlich einen üblen Rabauken ordentlich die Leviten zu lesen. Natürlich habe ich alle Hände voll zu tun, mit so einem Auftrag fertigzuwerden, und ich habe die Sympathie des Publikums auf meiner Seite, aber ich habe auch das Element der Spannung, das in einer Filmhandlung unerlässlich ist. Man geht natürlich davon aus, dass der Polizist den kürzeren zieht, und man ist äusserst gespannt, wie ich meinem offensichtlich ungleichen Kampf mit dem Wüterich Campbell abschneiden werde. Ein weiterer Kontrast besteht zwischen meinem komischen Gang und den allgemeinen komischen Zwischenfällen - und der herkömmlichen Vorstellung von der Würde, die ein uniformierter Polizeibeamter ausstrahlen sollte."

The adventurer

Directed by:   Charles Chaplin, USA - 1917
Production: Lone Star Corporation - Distribution: Mutual Film - Director: Charles Chaplin - Scenario: Charles Chaplin - Director of Photography: Roland H. Totheroh - William C. Foster - Cast: James T. Kelley Old Man (/xx/) - Toraichi Kono Chauffeur (/xx/) - John Rand Guest (/xx/) - Tiny Sandford Policeman (/xx/) - Janet Sully Marie (/xx/) - Loyal Underwood Guest (/xx/) - Marta Golden Mrs. Brown - Girl - Monta Bell Man (/xx/) - Phyllis Allen Governess - May White Lady - Edna Purviance The Girl - Frank J. Coleman Prison Guard - Charles Chaplin The Convict - Eric Campbell The Suitor - Henry Bergman The Father - Albert Austin The Butler -
Reviews in German: Von Chaplins Produktionen für Mutual besitzt THE ADVENTURER die meisten Slapstick­Szenen und das größte Tempo. Doch der Film unterscheidet sich von dem Chaos in den frühen Keystone­Comedies durch eine genaue Konstruktion der Geschichte, die präzise Zeichnung der Personen und die Eleganz von Chaplins Bewegungen. Seine Flucht vor den Gefängniswärtern unterscheidet sich von üblichen Verfolgungsjagden durch ihre Originalität (z.B. Chaplins improvisierte Pose als Stehlampe) und Chaplins tänzerische Qualitäten, denen er später, unter dem Einfluß vieler wohlmeinender Kritiker, dann viel zu viel Gewicht in seinen Filmen einräumen sollte. (Glenn Mitchell: The Chaplin Encyclopedia; B.T. Batsford Ltd., London 1997) In THE ADVENTURER glaubt Charlie, er hätte sich die ihn verfolgenden Wärter vom Hals geschafft, indem er sie von der Spitze eines Steilhanges mit Steinen bombardierte. Die Wärter liegen alle mehr oder weniger bewußtlos unten am Boden. Doch statt die Gelegenheit zu nutzen und einen Tag Abstand zwischen sich und die Verfolger zu legen, amüsiert er sich damit, mehr Steine nach ihnen zu werfen, Kieselsteine diesmal, um seine Operation noch etwas zu verfeinern. Während er das tut, merkt er nicht, daß ein weiterer Wärter hinter ihn getreten ist und ihn beobachtet. Als er wieder nach einem Stein greift, berührt er mit der Hand den Schuh des Wärters. Seine Reaktion ist einfach wunderbar. Statt zu versuchen wegzulaufen, was sowieso zwecklos gewesen wäre, oder sich in Erkenntnis seiner verzweifelten Lage dem Beamten zu ergeben, bedeckt Charlie den Unglücksschuh mit einer Handvoll Sand. Sie lachen, genau wie Ihr Nebenmann. Zuerst klingt alles Lachen gleich. Aber ich habe bei diesem Gag in wohl zwanzig verschiedenen Filmtheatern zugehört. Wenn das Publikum, oder wenigstens ein Teil davon, aus Intellektuellen bestand, aus Studenten zum Beispiel, folgte binnen kurzem eine zweite, andersartige Welle des Gelächters. In diesem Augenblick war der Saal nicht mehr von dem ursprünglichen Gelächter erfüllt, sondern von einer ganzen Reihe Echos, einem Grundsee des Gelächters, reflektiert von den Gedanken der Zuschauer wie vom unsichtbaren Wall einer tieferliegenden Wasserschicht. Diese Echowirkungen sind nicht immer hörbar; in erster Linie hängen sie von den Zuschauern ab, vor allem aber liegt es daran, daß Charlies Gags von so kurzer Dauer sind, daß man sie gerade eben »mitbekommen« kann, und ihnen keine tote Pause folgt, die einem Zeit zum Nachdenken läßt. Charlie hat seine Komik sehr verfeinert und lehnt es ab, dem Publikum in irgend einer Weise willfähig zu sein. Der Zwang zur Einfachheit und Wirksamkeit erfordert von dem Gag bei aller Unvollkommenheit die größte Verständlichkeit. Charlies Gags haben eine Art endgültiger Vollkommenheit erreicht, die höchste Stufe ihres Stils. Chaplin brauchte das Medium des Films, um die Komik ganz von den räumlichen und zeitlichen Beschränkungen zu befreien, die von Bühne und Zirkusarena diktiert werden. (André Bazin: Qu'est­ce que le cinéma?; Editions du Cerf, Paris 1958) (zitiert nach www.bonnerkinemathek.de)
Remarks and general Information: Chaplin über The Adventurer The Adventurer war Chaplins letzter Film für die Mutual, bevor er einen Fünfjahresvertrag bei der First National unterzeichnete. In einem Artikel im American Magazine analysiert Chaplin selbst detailliert die Grundzüge seiner Komik anhand einer Szene des Films: "Meine Filme sind alle um die Idee herumgebaut, daß ich in Schwierigkeiten gerate und damit die Chance bekomme, mich verzweifelt ernsthaft darum zu bemühen, als normaler kleiner Herr zu erscheinen. Deshalb ist es mir auch so wichtig, egal wie hoffnungslos meine Lage auch sein mag, meinen Stock festzuhalten, meine Melone geradezurücken und meine Krawatte zu richten, auch wenn ich gerade auf dem Kopf gelandet bin. Ich bin mir in dem Punkt so sicher, daß ich nicht nur versuche, mich in peinliche Situationen zu bringen, sondern auch bestrebt bin, die anderen Figuren des Films mithineinzuziehen. Dabei bemühe ich mich stets, sparsam mit den Mitteln umzugehen. Damit meine ich, wenn ich mit einem Ereignis zwei große, getrennte Lacher erzielen kann, dann ist das viel besser als zwei getrennte Ereignisse. In The Adventurer erreiche ich dies, indem ich mich erst einmal auf einen Balkon setze und mit einem Mädchen Eis esse. Direkt unter den Balkon platzierte ich eine untersetzte, würdevolle, gutangezogene Dame an einen Tisch. Beim Eisessen fällt mir dann ein Stück Eis von meinem Löffel, rutscht durch meine weiten Hosen und fällt vom Balkon hinab in den Nacken dieser Frau. Der erste Lacher galt meiner Verlegenheit über mein eigenes Malheur, der zweite und viel größere Lacher kam, als das Eis im Nacken der Dame landete und sie kreischte und anfing herumzuhopsen. Es war nur ein Ereignis, aber es brachte zwei Leute in Schwierigkeiten und außerdem zwei große Lacher. So einfach dieser Kunstgriff auch erscheinen mag, so macht er sich doch zwei Grundzüge der menschlichen Natur zunutze. Zum einen bereitet es dem Durchschnittsmenschen stets Vergnügen, wenn Wohlstand und Luxus in Schwierigkeiten geraten. Zum andern hat der Mensch die Neigung, selbst unmittelbar nachzuempfinden, was er auf der Bühne oder der Leinwand sieht. Daß es jedermann befriedigt, wenn den Reichen übel mitgespielt wird, bekommt man bei der Bühnenarbeit sehr schnell mit. Das liegt natürlich daran, daß neun Zehntel der Menschen auf der Welt arm sind und dem übrigen Zehntel den Wohlstand insgeheim neiden. Wenn das Eis zum Beispiel einer Putzfrau in den Nacken gefallen wäre, dann hätte das keinen Lacher ergeben, sondern Mitleid mit der Frau hervorgerufen. Und weil eine Putzfrau keine Würde zu verlieren hat, wäre diese Pointe auch nicht witzig gewesen. Wenn reichen Frauen Eis in den Nacken fällt, bedeutet das dagegen für das Publikum, daß die Reichen nur das bekommen, was sie verdienen"

The Circus

Directed by:   Charles Chaplin, USA - 1928
Production: United Artists - Producer: Charles Chaplin - Director: Charles Chaplin - Assistant Director: Harry Crocker - Scenario: Charles Chaplin - Director of Photography: Roland H. Totheroh - Jack Wilson 2. Kamera - Composer: Charles Chaplin - Editor: Charles Chaplin - Cast: Jack Pierce - John Rand - Tiny Sandford Requisiteur - Armand Triller - Steve Murphy Taschendieb - Betty Morrissey Eine Artistin - Bill Knight Polizist - Merna Kennedy Die Kunstreiterin - Allan Garcia Der Zirkusdirektor - George Davis Magier - Harry Crocker Rex, der König der Lüfte - Charles Chaplin Charlie - Henry Bergman Der alte Clown -