San Francisco Silent Film - Filmfestival 2016

Reihe: Retrospektive

A Woman of the World

(Eine mondäne Frau), Regie:   Malcolm St. Clair, USA - 1925
Regisseur: Malcolm St. Clair - Darsteller: Pola Negri - Charles Emmett Mack - Holmes Herbert - Blanche Mehaffey - Chester Conklin - Lucille Ward -
Kritiken : Pola Negri und Ernst Lubitsch waren die ersten großen Persönlichkeiten, die nach Hollywood gelockt wurden. Mordaunt Hall schrieb in der New York Times: „Zu sehen, wie die talen- tierte Pola Negri ihre bezaubernde Präsenz einem von derbem Humor gezeichneten Lichtspiel leiht, versetzt uns einen rechten Schock. Und doch geschieht genau dies in ihrem neuen Film, EINE FRAU VON WELT, der zum größten Teil wahrhaft unterhaltsam ist, trotz plötzlicher Umschwünge von Posse zu Drama.“ Photoplay war erheblich enthusiastischer: „Negri-Fans, aufgewacht aus eurer langen Siesta! Die faszinierende Europäerin Pola ist wieder unter uns. Sie ist eine gefährliche, zynische, ungestüme italienische Gräfin mit einer Tätowierung – Zeichen eines Liebesabenteuers. Regisseur Mal St. Clair gebührt Anerkennung für die Zurückhaltung, mit der er die Kleinstadtszenen und -typen behandelt, die zur Übertreibung hätten verführen können.“ (Kevin Brownlow, Il Cinema Ritrovato, Bologna 2016)
Anmerkungen: Die in Polen geborene Pola Negri wurde in Deutschland als Hauptdarstellerin in Filmen von Ernst Lubitsch zum Weltstar und folgte 1922 dem Ruf Hollywoods, wo sie ihre Karriere erfolgreich fortsetzte. Die Komödie EINE FRAU VON WELT spielt geschickt mit ihrem Image als unangepasste Femme Fatale mit fremdländischer Herkunft: Eine europäische Gräfin, die in der Öffentlichkeit raucht und Make-up trägt, kommt zu Besuch in eine amerikanische Kleinstadt und eckt mit der puritanischen Moral der Bewohner an. (Förderverein Filmkultur Bonn)

Anders als die Andern

(§ 175, Sozialhygienisches Filmwerk II), Regie:   Richard Oswald, Deutschland - 1919
Produktion: Richard Oswald-Film GmbH, Berlin - Produzent: Richard Oswald - Regisseur: Richard Oswald - Drehbuch: Richard Oswald - Magnus Hirschfeld Wissenschaftl. Beirat - Kamera: Max Fassbender - Architekt: Emil Linke - Darsteller: Karl Giese Paul Körner als Kind - Alexandra Wiellegh Körners Mutter - Ilsa von Tasso-Lind Körners Schwester - Conrad Veidt Paul Körner, Violinvirtuose - Reinhold Schünzel Franz Bollek - Fritz Schulz Kurt Sievers - Clementine Plessner Kurts Mutter - Ernst Pittschau Körners Schwager - Leo Connard Körners Vater - Wilhelm Diegelmann Kurts Vater - Helga Molander Frau Hellborn - Magnus Hirschfeld ein Arzt - Anita Berber Else, Kurts Schwester -
Inhaltsangabe : Zentrales Thema des Films ist die Debatte um § 175 StGB, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellt. Anders als die Andern beschreibt den "tragischen Lebenslauf eines homosexuellen Opfers eines Erpressers, wie er nur im Konflikt mit dem Strafgesetzbuch möglich war" (ZT). Bereits als Jugendlicher gerät Paul Körner (Conrad Veidt) in Schwierigkeiten, da er sich zu seinem besten Freund hingezogen fühlt. Als dies entdeckt wird, muss er das Internat verlassen und beginnt ein zurückgezogenes Leben als Violinvirtuose. Als er seinen junger Bewunderer Kurt Sivers (Fritz Schulz) als Lieblingsschüler und Geliebten aufnimmt, scheinen Einsamkeit und Isolation überwunden. Doch bald wird Paul vom zwielichtigen Franz Bollek (Reinhold Schünzel) wegen seiner Homosexualität erpresst, nachdem er diesem Geld für eine Liebesnacht geboten hatte. Verzweifelt sieht er vor seinem geistigen Auge den Zug seiner "unglücklichen Schicksalsgenossen" aus vergangenen Zeiten vorüberziehen. Er konsultiert einen Sexualforscher (Magnus Hirschfeld), der ihn aufklärt, dass Homosexualität eine "reine und edle" Veranlagung darstellen könne, die darüberhinaus naturgegeben sei.
Als Körner seinen Erpreser schliesslich anzeigt, wird er selbst zu einer Haftstrafe verurteilt. Von nun an ist er gesellschaftlich geächtet, sein Liebhaber hat ihn nach Bolleks Demütigungen verlassen. Ruiniert und vereinsamt nimmt sich Paul das Leben. Der Film endet mit einem Appell Hirschfelds, in dem er sein Publikum bittet zu helfen, solche Tragödien in Zukunft unmöglich zu machen. Die letzte Einstellung zeigt den jungen Kurt Sivers, dessen Hand den § 175 aus dem Gesetzbuch wischt (nicht erhaltene Szene).

Der Geigenvirtuose Paul Körner fördert das musikalische Talent des jungen Kurt Sivers, dessen Eltern das schwärmerische Verhältnis der beiden mit Misstrauen beobachten. Körner wird wegen seiner Homosexualität vom Ganoven Bollek erpresst. Schließlich zeigt Körner den Erpresser an, der sich mit einer Anzeige wegen § 175 revanchiert.
In einer Rückblende berichtet Körner Else, Sivers' verständnisvoller Schwester, seine Entwicklung und besucht mit ihr einen Vortrag von Sanitätsrat Dr. Magnus Hirschfeld über die wissenschaftlichen Hintergründe der Homosexualität. Das Gericht schickt den Erpresser ins Zuchthaus, muss aber auch Körner wegen der Rechtslage zu einer Woche Gefängnis verurteilen. Von allen geächtet, begeht Körner Selbstmord. (www.filmportal.de
Kritiken : Anders als die andern

«Die Aufführung vor "geladenem Publikum" war etwas wie eine Sensation. Aus zwei Gründen: erstens des Themas wegen und zweitens – des Publikums wegen. Es ist heikel, über das alles zu schreiben, hat man bisher gesagt. (Vielleicht findet nur ein "anderer" die richtigen Töne.) Wenn man das aber sah, sagte man sich: es ist nicht heikel. Es war eine Ovation. Es wurde zur grossen Versammlung der "anderen". Die merkwürdig vielen Frauen, die vermutlich Pikanterien witterten, wurden enttäuscht. In der Minderzahl, wurde man belehrt, dass man das alles nicht einmal amüsant finden dürfe, geschweige denn unnatürlich oder gar verdammenswert. So war die ganze Stimmung also eine höchst – ja, ich weiss nicht, wie ich sagen soll.

Was will der Film? Aufklären – Klarheit bringen, verkündete Dr. Magnus Hirschfeld in den einleitenden Worten, die bestimmt und klar ausgingen und denen Beifall folgte. (Beifall war hier spontan.)

Über die Frage, überhaupt ein solches Thema als Film zu wählen, ist entschieden; man hat es gewählt. Man will also Verständnis erwecken und den weitesten, allerweitesten Kreisen (Film!) sagen: seht her, versteht, lasst gewähren! Chacun à son goût. (Wie bei den Frauen ja stillschweigend.) Das Motiv ist verständlich und nichts dagegen zu sagen.

Hier das dünkt mir mehr. Man ist vom Thema abgewichen. Man hat sich in "Leidenschaft" dazu hinreissen lassen, mehr zu tun, als eben nur erträglich. Man sagte mehr als nur: "Lasst uns in Ruh". Man wirft sich in die Brust: da: der geistreiche Platen, der grosse Winkelmann, der berühmte Wilde. Sehr, die waren alle so! Solche Leute! (Ein kleiner Schluss: gerade die geistreichsten Leute. Also: Apothese. "Gerade".)

Es ist da eine werbende Geste. Es klingt da etwas wie Propaganda durch. Das verstimmt. (...)

Der Film ist dramaturgisch nicht gelungen, rein als Film. Nur das Thema hält ihn. Die leisen Schwächen von "Prostitution" sind hier vergröbert, zum System gewählt. Man "malt" immerfort. (Beispiel: das endlose Geigenspiel im 1. Akt.) Es geht nichts vor. Das ist im Film zu vermeiden, trotz allem "Literarischem". (Eine noch zu schreibende Filmdramaturgie wird es aufdecken.) Die Technik der Grossaufnahmen beherrscht Oswald erstklassig. Wenn auch Veidts Gesichtsausdruck und seine Augen unerhört für den Film sind, auf die Dauer von sechs langen Akten "gewöhnt" man sich daran. Bei der Schlägerei (Spezialität?) stand einer davor. Die Darsteller sind denkbar glücklich gewählt. Reinhold Schünzel, einer unserer allerbesten Filmschauspieler, (Spezialität: Zuhälter, Erpresser, Apache) verblüfft durch Kleinigkeiten, insbesondere durchgeführte Bewegungen, Nuanzen. Er spielt nicht, er lebt. Es geht ein Raunen durch's Publikum, wenn er erscheint. Veidts Spiel ist milieuecht durchgeführt ("huch nein!"); stiess auf tiefgehendes Verständnis. Anita Berber hat man noch zu sehr von "Prostitution" im Gedächtnis, dass man ihr ihre neue Rolle nicht recht glaubt. Alles übrige war zweckentsprechend besetzt.

Wenn das von den Grenzfällen stimmt, so hätten klassisch-schöne Menschen in dem Film diesen oder jenen nachdenklich stimmen können. Hier nimmt man einen Degoût mit. Und Mitleid, dass das die "anderen" nicht auch sehen. » (B. E. Lüthge, Film-Kurier, Nr. 1, 31.5.1919)



Anders als die andern

«Ein heikler Film. Im Lessing-Theater am Gänsemarkt wird zurzeit ein Film gegeben, der sich "Anders als die Andern" benennt und das Problem der Homosexualität zum Vorwurf hat. Es ist am Freitag dort bei der Erstaufführung zu einem starken Widerspruch des Publikums, ja, zu Empörungskundgebungen gekommen, und da es Pflicht der Presse ist, nach bestem Ermessen und vorsichtiger Abwägung zu der moralischen oder unmoralischen Wirkung einer Darbietung Stellung zu nehmen, wenn das öffentliche Interesse, und sei es durch einen Irrtum der Beteiligten, verletzt erscheint, so sahen wir uns gestern nachmittag den Film einmal ;an, versetzten uns ganz in den leicht verletzten geistigen Habitus eines prüden Beschauers, um auch dem empfindlichsten Gemüt gerecht werden zu können. Wir waren demnach keineswegs objektiv, sondern wie man will, mehr oder weniger als dies. Wir hatten also ein zimperliches um das Wohl der Öffentlichkeit aufs äusserste besorgtes Kriterium, und sassen da.

Wir schicken voraus: Homosexualität ist eine in Deutschland ganz besonders unglückliche Naturanlage. Denn der § 175 verbietet sie unter schwerer, entehrender Strafe, wohl verstanden aber nur unter Männern, nicht bei Frauen, die sicher ebenso, wenn nicht stärker, verbreitet ist als die männliche. Das Gesetz macht, konstruiert also ein moralisches Verbrechen, das von Natur aus als solches nicht vorhanden ist, sondern nur eine Variation der Geschlechtsveranlagung darstellt, die an sich wohl krankhaft erscheint, aber durchaus keine Krankheit ist. Niemand hat das Recht, eine Abnormität zu bestrafen; für die der Betroffene nichts kann, zumal der § 175 sicher mehr Unheil angerichtet hat als wenn er nicht vorhanden wäre. Denn kein wirkliches, aus roher Gesinnung und Menschenunwürdigkeit entstandenes Verbrechertum ist so dem Denunziantenwesen und Erpressertum ausgesetzt wie eben die Homosexualität. Und wenn ein Paragraph, auf dem nicht die Todesstrafe steht, zu soviel Selbstmorden trieb wie gerade dieser, so ist er unsittlich. Zudem sind Homosexuelle oft genug feingeistige Leute, denen eine körperliche Annäherung sowohl des Mannes wie des Weibes im Grunde widerlich ist, die ein höchst sensibles Seelenleben führen und eigentlich mit ihren Leistungen schon von vornherein die Anspeiungen parieren könnten. Das weibische Getue vieler Homosexueller indessen stösst selbstverständlich auch uns ab, auch preisen wir hiermit keineswegs das Anormale zu ungunsten des Normalen, wir verlangen nur, dass die Ungerechtigkeit, die darin liegt, dass man eine schon als Unglück zu betrachtende Veranlagung entehrend bestraft, aus dem Gesetzbuch verschwinde.



Dies ist auch der ehrliche und, wie wir uns nach strengstem Massstab überzeugt haben, durchaus wissenschaftliche Zweck des Films im Lessingtheater, ja wir erkennen im Gegenteil an, mit wieviel Dezenz, Takt und Haltung das Problem dort keineswegs breitgetreten, sondern ernst erörtert und sachlich wie künstlerisch in gediegener Form einem Publikum dargeboten wird, von dem die Direktion des Lessing-Theaters den sachlich-wissenschaftlichen Anstand voraussetzt, den es in seiner Masse nicht hat, nicht haben kann. Dies ist der einzige Vorwurf, der die Leitung trifft, neben dem, dass sie letzthin unter dem weit dehnbaren Begriff der Aufklärungsfilms doch manche Schlüpfrigkeit mit durchgehen liess – bei welchen Gelegenheiten allerdings niemand pfiff oder sich sonstwie gegen Un- und Halbmoral "einsetzte". Uns scheint der Widerspruch gegen diesen wirklich rein wissenschaftlich gehaltenen Film, in welchem der bekannte Sexualforscher Max Hirschfeld selbst die Rolle des Arztes spielt, entspringt törichter Voreingenommenheit gegen ein solches Thema überhaupt, einerlei, ob es dezent dargestellt wird oder nicht. Und die Furcht, es könnten Jugendliche durch diese Darbietung in abnorme Gefühlswelten geraten, ist aus zwei Gründen lächerlich: erstens kann ein Film, selbst wenn er die Richtung auf das eigene Geschlecht priese (was doch gar nicht geschieht), in keinem Menschen eine Veranlagung erzeugen, die er nicht hat, zweitens wird hier das Leiden dieser abnorm Fühlenden so erschütternd erwiesen, dass eine krasse Abschreckung erreicht wird, also ein nur moralischer Zweck, der von der Bühne aus nicht möglich wäre.

Die erste Stufe des Urteils ist die der Partei, die zweite die der Einsicht, die dritte die der Übersicht und Gerechtigkeit. Suchen wir auf der höchsten zu stehen und überlassen wir das Geschrei nach unüberlegter Moral denen, die erwiesenermassen eine unglückliche Veranlagung, die sie nicht verstehen und ablehnen, in eine Linie setzen mit der Unmoral, die sie sehr gut verstehen und nicht ablehnen ... » ( L. B., Neue Hamburger Zeitung, zit. nach Lichtbild-Bühne, Nr. 36, 6.9.1919)



Anders als die andern

«Gar nützlich sehr und angenehm Ist stets das Sexualproblem. Dem einen dient’s für Seel‘ und Leib Zu allbeliebtem Zeitvertreib, Der andere macht, wenn es sich trefft, Damit ein glänzendes Geschäft. So leuchten denn von allen Teilen Der buntbeklebten Litfasssäulen In ganz gigantischem Formate Die allerneusten Filmplakate. Hier lockt die "Prostitution" Uns alle mit Sirenenton, Dort gibt’s für Männer und für Frauen "Die Sünde einer Nacht" zu schauen, Hier ist gar "Sünd’ges Blut" zu sehn, Doch "Sündenlust" ist auch ganz schön; "Die Kupplerin" winkt in der Nähe, Dort lädt man uns zu " Lillis Ehe", Ich wette, ebenso gefällt’s, Besieht man sich " Venus im Pelz". Man sieht " Das mysteriöse Bett", "Das Gift im Weib" ist grad‘ so nett Und "Nach dem Mann der Schrei" nicht minder; Das "Fräulein Mutter" schreit um Kinder. Wie lieblich wirkt in diesem Tanz Der gute, alte "Myrthenkranz". Natürlich erst, wenn er zerrissen, Wie wir durch "Die Verführten" wissen. Daneben fällt uns auf beim Wandern Ein Drama "Anders als die Andern". Auch dies betätigt mit Genuss Sich ganz in Sexualibus. Und wenn ich sehe, wie ringsum So einstürmt auf das Publikum In wilder Flut Erotik nur Unter dem Mantel der Kultur, Denk' ich: "Wenn ich ‘nen Film nur wüsst', Der 'Anders als die Andern' ist!" » (Job, Film-Kurier, Nr. 13, 20.6.1919)
// Kritiken zitiert nach www.filmportal.de


Anmerkungen: "Aufklärungsfilm" über die Homosexualität; einige Szenen sind erhalten geblieben in dem Film "Gesetze der Liebe" von Magnus Hirschfeld, 1927


Neue Restaurierungen des Filmmuseums (München):
"(...) ANDERS ALS DIE ANDERN überlebte nur in einer ukrainischen Version einer Kurzfassung, die wiederum von der russischen Zensur gekürzt wurde. Hier hat das Filmmuseum anhand von Dokumenten, Zensurprotokollen und Standfotos die originale Fassung des Filmes wiederhergestellt, der das einzige erhaltene Beispiel der vielen Aufklärungsfilme darstellt, mit denen Richard Oswald Ende der zehner Jahre bekannt wurde. - ANDERS ALS DIE ANDERN ist der erste Film der Filmgeschichte, der sich explizit mit dem Thema Homosexualität auseinandersetzt und dementsprechend von der deutschen Zensur sofort verboten wurde. Er erzählt die Geschichte eines Violinvirtuosen, der sich in seinen begabten Schüler verliebt, aber einem Erpresser in die Hände fällt und wegen Verstosses gegen den Paragraphen 175 vor Gericht landet. Der Sexualforscher und Co-Autor Dr. Magnus Hirschfeld tritt selber auf und fordert die Abschaffung des Paragraphen 175, der Homosexuelle kriminalisiert." (Filmmuseum München, 2005)



Zensur des Films

Mit ANDERS ALS DIE ANDERN hat Richard Oswald den ersten Homosexuellen-Film der Filmgeschichte geschaffen. Der Film wurde am 18.8.1920 verboten ,mit der Massgabe, dass die Vorführung zugelassen wird vor bestimmten Personenkreisen, nämlich Ärzten und Medizinalbeflissenen, in Lehranstalten und wissenschaftlichen Instituten". Solche Vorführungen fanden auch tatsächlich im Berliner Institut für Sexualforschung von Magnus Hirschfeld statt.

Dass sich von Oswalds Film überhaupt Material erhalten hat, ist einem anderen Film zu verdanken: Magnus Hirschfeld drehte 1927 einen Dokumentarfilm, GESETZE DER LIEBE, und schnitt für die Schlussepisode eine Kurzfassung VON ANDERS ALS DIE ANDERN; zwar verlangte abermals die Zensur, genau diese Episode zu entfernen; doch hat die Passage in einer ukrainischen Exportkopie die Zensur überlebt und gibt nun, mit einem Viertel der Länge der ursprünglichen Fassung, zumindest einen Eindruck von Richard Oswalds Aufklärungs-Film, der auf einzigartige Weise künstlerische Qualität und sozialpolitisches Engagement verbindet.

Ein Genre unter Zensur: die Sitten- oder Aufklärungsfilme im Deutschland der Stummfilmzeit

Mit ANDERS ALS DIE ANDERN und DER EWIGE ZWEIFEL stellt ARTE zum ersten Mal im Fernsehen einen Regisseur vor, der zu seiner Zeit sehr populär und in vielen Bereichen bewandert war, Filmproduzent und Künstler in einer Person. Mit einem sicheren Instinkt für publikumswirksame Stoffe, aber auch grosser Seriosität, drehte Richard Oswald als Pionier (siehe auch DER EWIGE ZWEIFEL S. 27) sogenannte Aufklärungsfilme: Keine nüchternen Lehrfilme, sondern Sexualaufklärung eingebettet in eine spannende Geschichte.

Von 1916 bis 1921 entstanden u.a. ES WERDE LICHT (Teil 1-4), TAGEBUCH EINER VERLORENEN, ANDERS ALS DIE ANDERN, DIE PROSTITUTION, DIE SICH VERKAUFEN und SÜNDIGE MÜTTER. Bei jedem dieser Sittenfilme holte sich Oswald kompetente Beratung, u.a. von Magnus Hirschfeld, der ebenfalls Pionierleistungen auf dem Gebiet der Sexualaufklärung leistete.

Nachdem schon während des Ersten Weltkriegs Geschlechtskrankheiten ein sozialpolitisch brisantes Thema geworden waren, entstand ein grosser Aufklärungsbedarf, dem verschiedene Kulturfilmer nachzukommen versuchten. Als nach dem Krieg vorübergehend die Filmzensur aufgehoben war, sprossen in der Nachfolge von Oswalds erfolgreichen Aufklärungsfilme jede Menge anderer Sittenfilme aus dem Boden, die durch die Verheissung lasziver Titel auf schnellen kommerziellen Erfolg aus waren: DAS PARADIES DER DIRNEN, SKLAVEN DER LIEBE oder DER RUF DER SÜNDE. Oswald wurde von der zeitgenössischen Kritik für diese Flut pseudo-aufklärerischer Sittenfilme immer wieder verantwortlich gemacht, obwohl seine Filme künstlerisch weit über dem Niveau dieser Filme lagen und er von Seiten progressiver Mediziner nachhaltige Unterstützung erfuhr.

Zur gezeigten Fassung: Rekonstruktion im Münchner Filmmuseum


Das Münchner Filmmuseum machte sich mit Hilfe von schriftlichem Sekundärmaterial, wie der erhalten gebliebenen Zensurkarte und Protokolle von Verhandlungen der Film-Oberprüfstelle, an eine Rekonstruktion; dabei wurden die ukrainischen Zwischentitel gegen die deutschen ausgetauscht und leichte Korrekturen im Szenenablauf vorgenommen. Damit ist die Episode in Magnus Hirschfelds Film wiederhergestellt.

Die Originalfassung war in ihrer Mischung aus inzenierten und semidokumentarischen Elementen weit komplexer; zentral ist ein Vortrag von Magnus Hirschfeld, dem Paul Körner beiwohnt, und der in einem alle Konventionen sprengenden Text von zwei Minuten Lese-Länge wiedergegeben wurde. Da sich alle Texte der Originalfassung erhalten haben, wäre es möglich, eine Studienfassung zu erstellen, die mit erklärenden Zwischentiteln und Photos die komplexe Erzählstruktur des Films nachzeichnet und seine aufklärerische Intention vermittelt: ,Im Mittelpunkt steht der Vortrag. Um ihn herum rankt sich eine schlichte Lebensgeschichte..." beschrieb Oswald sein ,sozial-hygienisches Filmwerk'.

Zur neuen Musik

Bernd Schultheis, der junge Komponist, der schon für Stummfilme von René Clair und Michael Kestesz Musiken komponierte, schrieb zu dieser Studie eines Lebens in sozialer Diskriminierung eine Musik, die äusserst subtil Gefühlszustände artikuliert und die in ihrer Modernität das zeitkritische Engagement von Richard Oswald unterstreicht. Geschrieben für eine Trio-Besetzung
Der Film, der allgemein nur als sozialpolitisches Dokument Erwähnung findet, wird durch diese Musik zu einer veritablen cineastischen Entdeckung, die durch ihre konzentrierte Erzählung und die grosse schauspielerische Leistung von Conrad Veidt beeindruckt. (ARTE)

Der Fall Anders als die Andern

Das Ende des ersten Weltkriegs bedeutete in Deutschland zugleich auch ein Ende der staatlichen Filmzensur. Der Bedarf nach spektakulären Themen und riskanten Darstellungen liess den Markt für sog. Sittenfilme boomen. Prostitution, Geschlechtskrankheiten und Drogenmissbrauch waren beliebte Sujets solcher Aufklärungsfilme. In diesem liberalen Klima konnte zunächst auch Anders als die Andern, der als erster Schwulenfilm Deutschlands gilt, veröffentlicht werden. Sein Regisseur Richard Oswald und der am Drehbuch beteiligte Hirschfeld verstanden ihn als Anklage gegen den berüchtigten § 175, der unbescholtene Bürger kriminalisierte und häufig in den Ruin oder Selbstmord trieb.
Magnus Hirschfeld, berühmter Sexualforscher und Verfechter einer Linie, die Homosexualität als Naturveranlagung verstand, die nicht bestraft werden könne, hatte bereits 1897 vor dem Reichstag für eine Abschaffung des Paragraphen plädiert. In Anders als die Andern tritt er nun selbst vor die Kamera und legt seine Ansichten dar, die durch das tragische Schicksal Paul Körners dramatisch unterstrichen werden.
Der Film wird ein kommerzieller Erfolg, nicht zuletzt wegen der Kontroversen, die seine Aufführung begleiten. 1920 wird jedoch die staatliche Filmzensur wieder eingeführt und der Film verboten. Zur Begründung heisst es, man versuche "aus Gründen der Volkserhaltung eine Beeinflussung gleichgeschlechtlicher Neigungen zu verhindern". Die Vorführung ist von nun an nur noch vor einem Publikum aus "Ärzten und Medizinalbeflissenen" gestattet, unter ihnen auch Hirschfeld, der den Film an seinem Berliner Institut für Sexualforschung zeigt.
1927 ist es wiederum Hirschfeld, der den Film der Öffentlichkeit zugänglich zu machen versucht. Er kürzt den Film von 90 auf 40 min und fügt ihn unter dem Titel "Schuldlos geächtet: Tragödie eines Homosexuellen" als Schlussepisode in seinen Aufklärungsfilm Gesetze der Liebe ein. Im Oktober desselben Jahres wird auch dieser Film verboten. Die Film-Oberprüfstelle erklärt in ihrem Urteil, die "homosexuelle Propaganda [sei] insbesondere mit Rücksicht auf die heranwachsende Jugend und die Möglichkeit, schlummerndes Sexualempfinden auf die Homosexualität abzuleiten [...] geeignet, die Volksgesundheit zu schädigen." Erst nach Kürzung der Episode wird der Streifen wieder freigegeben.
1933 schliesslich wird Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft von den Nazis geschlossen, die im Institut gelagerten Kopien des Films zerstört. Die Kartei seiner Patienten und Unterstützer wird zur Todesliste vieler Homosexueller im Dritten Reich. Hirschfeld kehrt nach einem Aufenthalt in der Schweiz nie mehr nach Deutschland zurück, Regisseur Richard Oswald, Conrad Veidt und Reinhold Schünzel emigrieren ebenfalls in den folgenden Jahren. Der § 175 bleibt bis ins Jahr 1964 unverändert bestehen und erst 1994 endgültig abgeschafft.
Lange Zeit galt Anders als die Andern als verschollen, bis 1979 eine ukrainische Exportkopie von Gesetze der Liebe gefunden wurde, in der "Schuldlos geächtet" noch enthalten war. Dieses 40-minütige Fragment ist die einzige Version des ersten deutschen Schwulenfilms, die heute erhalten ist. (StummFilmMusikTage Erlangen)

Beggars of Life

(Bettler des Lebens), Regie:   William A. Wellman, USA - 1928
Produktion: Paramount Pictures, Inc. - Regisseur: William A. Wellman - Drehbuch: Benjamin Glazer - Kamera: Henry Gerrard - Darsteller: Robert Brower - Edgar Blue Washington - Robert Perry - Wallace Beery - Guy Oliver - Johnnie Morris - H.A. Morgan - George Kotsonaros - Roscoe Karns - Louise Brooks - Mike Donlin - Andy Clark - Jacque Chapin - Frank Brownlee - Richard Arlen -

Behind the door

Regie:   Irving Willat, USA - 1919
Produktion: Thomas H. Ince Corporation - Verleih: Famous Players-Lasky Corporation - Paramount Pictures, Inc. - Produzent: Thomas H. Ince - Regisseur: Irving Willat - Regieassistent: Ernest Pasque - Drehbuch: Luther Reed - Irving V. Willat - Kamera: James O. Taylor - Frank M. Blount - Architekt: Harry Oliver (technical director) - Darsteller: Lloyd Hughes (--??--) - Dick Wain McQuestion - Jane Novak Alice Morse - Wallace Beery Lt. Brandt, submarine commander - James Gordon Jim MacTavish / McTavish - Richard Wayne McQuestion (AKA Richard Wain) - J.P. Lockney Matthew Morse - Gibson Gowland Gideon Blank - Otto Hoffman Mark Arnold - Tom Ashton A Fishing Boy (/xx/) - Fred Kohler Gideon Plank (/xx/) - Hobart Bosworth Oscar Krug -

Cops

(Buster zieht um), Regie:   Buster Keaton, USA - 1922
Produzent: Joseph M. Schenck - Regisseur: Edward F. Cline - Buster Keaton - Drehbuch: Buster Keaton - Edward F. Cline - Kamera: Elgin Lessley - Darsteller: Buster Keaton - Virginia Fox - Edward F. Cline - Joe Keaton - Joe Roberts - Freeman Wood -

Den Starkaste

(Der Stärkste), Regie:   Alf Sjöberg, Schweden - 1929
Produktion: Svensk Filmindustri AB - Regisseur: Alf Sjöberg - Axel Lindblom - Drehbuch: Alf Sjöberg - Axel Lindblom - Kamera: Åke Dahlqvist - Axel Lindblom - Architekt: Vilhelm Bryde - Darsteller: Anders Henrikson Ole - Maria Röhr Ingeborg's Grossmutter - Hjalmar Peters Skipper Larsen - Kare Pedersen - Bengt Djurberg Gustaf - Gösta Gustafson - Gunn Holmqvist Ingeborg - Sivert Braekemo -
Inhaltsangabe : Zwei Männer fahren auf Schiffen in die Arktis und konkurrieren nicht nur bei der Jagd auf Robben und Eisbären, sondern auch im Werben um die Gunst der Tochter des Besitzers eines der Schiffe. Der wenig bekannte Debütfilm von Alf Sjöberg, der zusammen mit Kameramann Axel Lindblom Regie führte und in den 1950er Jahren mit seinen Filmen Weltruhm erlangte, besticht durch eindrucksvolle authentische Aufnahmen von der Jagd im Boot und auf Eisschollen. [www.internationale-stummfilmtage.de]
Kritiken : «Ein Spielfilm über die drei Hauptpersonen, in dem die dokumentarisch verstandene und wiedergegebene Umgebung gleichzeitig dramatisch mitspielt. Sie weist die Richtung und ist ein wesentlicher Bestandteil in der dramaturgischen Struktur des Films. Axel Lindblom war ein außerordentlich begabter Kameramann mit einem Blick sowohl für die realistische als auch für die „exotische“ Umwelt, den er in der Mitte und am Ende der 20er Jahre mehrfach beweisen durfte. Alf Sjöberg war auch schon zu diesem Zeitpunkt vom Bild und den Möglichkeiten des Bildes zu suggestivem Ausdruck „besessen“ – es hieß, dass er vom Expressionismus des neuen russischen Films und von Eisensteins und Pudowkins Montagetheorien beeinflusst war. Im Hinblick auf mehrere seiner Theaterinszenierungen während der 30er Jahre und seine spätere Filmarbeit ist dies nicht unwahrscheinlich.» [Gösta Werner: Die Geschichte des schwedischen Films. Frankfurt am Main, 1988]

Der müde Tod

(Ein deutsches Volkslied in 6 Versen), Regie:   Fritz Lang, Deutschland - 1921
Produktion: Decla-Bioscop AG., Berlin - Produzent: Erich Pommer - Regisseur: Fritz Lang - Regieassistent: Alfred Zeisler - Drehbuch: Thea von Harbou - Fritz Lang - Kamera: Erich Nietzschmann - Fritz Arno Wagner - Kamera Assistent: Bruno Mondi - Musik: Giuseppe Becce - Karl-Ernst Sasse (Neue Musik) - Schnitt: Fritz Lang - Architekt: Hermann Warm - Walter Röhrig - Robert Herlth - Darsteller: Hans Sternberg Bürgermeister - Edgar Pauly - Walter Janssen Der junge Mann / Franke / Francesco / Liang - Louis Brody Mohr (AKA Lewis Brody) - Karl Huszar-Puffy Der Kaiser (AKA Karl Huszar) - Paul Biensfeldt Ahi - Paul Neumann Henker - Karl Platen - Edgar Klitzsch Der Arzt - Bernhard Goetzke Der Tod / El Mot / Bogner - Lil Dagover Die junge Frau / Zobeide / Fiametta / Tiaotsien - Rudolf Klein-Rogge Derwisch / Girolamo - Erika Unruh - Eduard von Winterstein Der Kalif - Max Adalbert Notar / Schatzmeister - Carl Rückert - Wilhelm Diegelmann - Erich Pabst Lehrer - Hermann Picha - Lothar Müthel Vertrauter - Paul Rehkopf - Max Pfeiffer - Georg John Bettler - Grete Berger - Lydia Potechina - Lina Paulsen -
Inhaltsangabe : Ein geheimnisvoller Fremder, niemand geringerer als der Tod (Bernhard Goetzke), nimmt einer jungen Frau (Lil Dagover) den Geliebten. In ihrer Überzeugung, dass die Liebe stärker sei als der Tod, fordert die Frau den Geliebten (Walter Jansen) zurück. In einem Meer von flackernden Kerzen, Millionen von sprichwörtlichen Lebenslichtern, wird ihr der Wunsch gewährt, jedoch nur unter der Bedingung, dass es ihr gelänge, drei der Flammen am Erlöschen zu hindern.
In drei Episoden, die im Bagdad der Kalifen, im Venedig der Renaissance und im alten China spielen, verwebt der Film nun diese Aufgabe mit dem Kampf junger Frauen um die Leben ihrer Verlobten. Doch keine der Flammen überdauert die ihr zugestandene Zeit, und so geht die Frau schließlich auf ein letztes unmögliches Angebot des Todes ein.. (3Sat Presse)
Kritiken : «Der müde Tod» - ein deutsches Volkslied
Es liegt ein Städtchen irgendwo
Im Tale traumversunken,
Derein zogen liebestrunken
Zwei Menschen jung und lebensfroh.
Doch von den Bäumen allen
Die goldnen Blätter fallen
Wie Tränen dicht im Abendrot...
Am Kreuzweg, wo schon viel geschah,
Steht ihrer wartend, schweigsam da
Der Tod...

Die Eingangsworte zu dem prächtigen Film, durch den sich die Poesie wie eim goldenes Band schlängelt. Das zarte Sommerlaub fällt von den Bäumen. Der umbarmherzige Tod schreitet über die Erde. Wie der Wirbelwind das dürre Laub von den Bäumen reisst, so zerstört der Tod ein junges Liebesglück, indem er den Geliebten der Braut entreisst. Annemarie will das hohe Lied der Liebe erproben, weil Liebe stärker ist als der Tod. Silbernes Mondlicht über der schlafenden Stadt. Der Nachtruf von der elften Stunde schleicht durch die Strassen. Da hebt die trauernde Braut den Giftbecher zum Munde - im selben Augenblick steht sie vor der Mauer des Todes, durch die ihr Geliebter verschwunden ist. Die hohe Pforte öffnet sich vor ihr. er Tod selbst empfängt sie, führt sie in sein Reich, in dem Tausende von Lebenslichtern flackern. Ihr Flehen erweicht das Herz des Todes. Er führt sie zu drei Lichtern. Gelingt es ihr, eine dieser Kerzen vor dem Erlöschen zu bewahren, so soll sie den Geliebten wiedergeschenkt bekommen. So erlebt Annemarie die phantastische Geschichte der drei Lichte. Das Reich von Tausendundeiner Nacht ersteht und enthüllt die ganze Pracht des Orients. Der tosende Karneval der italienischen Renaissance, in dem die schönste Frau Venedigs, Monna Fiametta, entzückende Bilder stellt. Der chinesische Märchenteil ist hier ganz auf Zauberkünste und plastische Phantastik eingestellt. Der Kerzen verlöschen.
Im Kampfe siegreich blieb der Tod...
Jedoch des Schicksals Wende
Legt er in ihre Hände
Noch einmal lächelnd ihrer Not...

Bringt sie ihm in einer Stunde ein Menschenleben, das sie gegen das ihres Geliebten eintauschen kann, dann soll ihr Wunsch in Erfüllung gehen. Sie irrt durch die Nacht. Ein Hoffnungsstrahl belebt sie. Im Siechenhaus gibt es viele müde Seelen, die darauf warten, von der Erbärmlichkeit dieses Lebens befreit zu werden. Vom zähen Lebenswillen erfüllt, fahren sie verstört auseinander, als Annemarie mit der Bitte um ein Menschenleben unter sie tritt. Bei der hastigen Flucht fällt eine Kerze aus dem Leuchter. Das morsche Gebälk wird ein Raub der Flammen. Das Wimmern eines Kindes dringt aus der Feuersbrunst an Annemaries Ohr. Das ist ja das Leben, das sie dem Tod bringen will. Sie stürzt hinauf, hält das Kind in den Armen. Der Tod steht vor ihr. Sie will ihm das Kind überreichen, als das Klagen der Mutter zu ihr hinaufdringt. Um diesen Preis kann sie den Tod nicht überwinden, sie gibt ihm ihr eigenes Leben, denn ohne den Geliebten ist es ihr weniger als nichts.
Dieser Film fällt vollkommen aus dem Rahmen seinesgleichen. Er geht seinen eigenen Weg. Ohne Mühe wird er sich die Welt erobern. Jeder Vers, jedes Bild ein Trick, das dem Ganzen ein edles, erhabenes Gesicht verleiht. Mit einem Wort: Er ist etwas Neues, nie Dagewesenes. Die Handlung, die auf so fester Basis ruht, die raffinierte Technik, die vorzüglichen Aufnahmen, das vollkommene Aufgehen des ganzen Künstlerstabes in der Aufgabe, machen den Film zu einem sehenswerten Kunststück. Wird die künstige Filmarbeit auf diesem Wege fortgesetzt, so kann man mit Recht sagen, dass der Film in den Wehen einer neuen, zukunfstreichen Geburt liegt. Lil Dagover spielt die Hauptrolle. Ihre faszinierende Schönheit, ihr hingebungsvolles Spiel geben dem Film eine besondere Tönung. Sie erscheint wie ein funkelndes Juwel in weichem Sammetetui. Ebenso versteht es Bernhard Goetzke als der Tod, seine Rolle vollkommen als ein inneres Erleben wiederzugeben. Auch das Spiel der übrigen Künstler passt sich ganz der künstlerischen Darstellung der Hauptkräft an.» (K.H., Der Welt-Film, Nr. 10/11, Jahrgang 1921, 5.Nov. 1921, pg 204f)


«Das Leben und der Tod sind in diesem Film nicht durch einen Schnitt getrennt, sondern durch überblendungen. Es geht um die Durchlässigkeit einer unhintergehbaren Ordnung, für die ein Haus steht, das ein geheimnisvoller Mann auf dem Gottesacker eines altdeutschen Dorfs errichtet. Es hat keinen Ausgang und keinen Eingang, und die Mauer ist grösser als der Bildausschnitt. Die Geschichte spielt ,irgendwo und irgendwann", der Untertitel weist sie als ,ein deutsches Volkslied in sechs Versen" aus. Der einzige Hinweis auf die Gegenwart liegt im Titel: Es ist schwer vorstellbar, dass 1920 nicht auch der gerade überstandene Krieg gemeint war, wenn von der Müdigkeit des Todes die Rede war, und ein langer Zug von Schemenmenschen, die durch die Mauer ins Totenreich wandern, erinnert sehr unmittelbar an die Verdammten des Krieges. Aber das ist nur ein Nebenaspekt und bleibt auf die Rahmenhandlung beschränkt, denn Lang geht es hier in erster Linie darum, die Möglichkeiten seiner Kunst in eine enzyklopädische Form zu kleiden: Deswegen enthält DER MüDE TOD drei Geschichten von der Vergeblichkeit des Einspruchs gegen den Tod, aus dem arabischen Orient, aus der Renaissance und aus China. In der Rahmenhandlung übernehmen die Zwischentitel die Funktion eines Conferenciers, er stellt die Personen der Handlung vor, und von Beginn an sind die junge Frau und ihr Freund, zu denen sich ein unbekannter Begleiter gesellt, in einer eigenen Welt, obwohl am Nebentisch im Gasthaus die örtlichen Philister ihren Dämmerschoppen trinken. Auf dem Tisch steht ein Glas, in einer Vision sieht das Mädchen darin plötzlich eine Sanduhr, und wenig später ist ihr Liebster einfach verschwunden. Sein Platz ist leer, und das Mädchen muss in das Haus des Todes pilgern, um Gewissheit zu bekommen. Um 11 Uhr wird die Zeit angehalten, jetzt wird die allegorische Lektion des Films konkret in drei Geschichten, die zum Teil sehr direkt an die Abenteuerwelt aus DIE SPINNEN anschliessen, viele Schauwerte und Spezialeffekte bieten, aber immer auf die gleiche Konsequenz hinauslaufen: Gegen den Tod gibt es keinen Einspruch, wer ihn hintergehen will, läuft ihm in die Arme. Bernhard Goetzke, der den Tod spielt, taucht in verschiedenen Verkleidungen auf. Am Ende bleibt das Bild der Kerze: Wenn sie niedergebrannt ist, schliesst der Tod seine Finger um den Docht. Die Möglichkeit des Mädchens, hinter die Kulissen dieser Ordnung zu blicken, erweisen umso stärker deren Gültigkeit. Die Melancholie dieses Films liegt in seiner Lust an den übergängen, die immer nur symbolisch sind, während die Uhr einfach jede Stunde schlägt.» (Filmarchiv Austria)

Ich möchte kein Mann sein

Regie:   Ernst Lubitsch, Deutschland - 1918
Produktion: Projektions-AG Union (PAGU) - Produzent: Paul Davidson - Regisseur: Ernst Lubitsch - Drehbuch: Hanns Kräly - Ernst Lubitsch - Kamera: Theodor Sparkuhl - Architekt: Kurt Richter - Kurt Richter - Darsteller: Ferry Sikla Brockmüller - Ossi Oswalda Ossi - Margarete Kupfer Gouvernante - Victor Janson - Curt Goetz Dr. Kersten -
Inhaltsangabe : Ossi, eine dynamische junge Frau mit wenig damenhaftem Benehmen, fühlt sich von ihrer Gouvernante und ihrem strengen Hauslehrer Dr. Kersten eingeengt. Um alle Privilegien auskosten zu können, die sonst der Männerwelt vorbehalten sind, wirft sie sich in eine elegante Herrengarderobe. Der Plan scheint aufzugehen, doch schon bald verliebt sich Ossi in Dr. Kersten und beschliesst, dass sie nun doch kein Mann mehr sein möchte..

Ossi wächst bei ihrem wohlhabenden, meist auf Geschäftsreise befindlichen Onkel auf, betreut von einer Gouvernante, die sich völlig erfolglos bemüht dem jungen Fräulein seine Leidenschaft für Zigaretten, scharfe Getränke und Pokern auszutreiben. Ein neuer Hauslehrer wird engagiert. Dr. Kersten, der Ossi schwört, er werde sie bald "soooo klein" haben. Ossi ist jedoch fest entschlossen, sich endlich die Privilegien zu sichern, die ihrer Meinung nach die Männerwelt geniesst.

Sie lässt sich eine elegante Herrengarderobe anfertigen und entwischt abends in einen Tanzpalast. Dort entdeckt sie Dr. Kersten mit einem Mädchen. Das Mädchen lässt Dr. Kersten stehen. Kumpelhaften Trost spendet Ossi, deren Identität er nicht durchschaut. Mit Schnaps und Zigarren trösten die beiden sich über die Launen der Weiber hinweg. Teils wegen des Rauchs und des Alkohols, teils wegen ihrer erwachenden Zuneigung zu ihrem Lehrer fühlt Ossi bald, dass sie doch lieber kein Mann sein möchte.

Im Morgengrauen nehmen die beiden eine Droschke nach Hause. In ihrer trunkenen Fröhlichkeit küssen sie sich. Der Fahrer verwechselt die Adressen, sodass Ossi am nächsten Vormittag in einem ihr fremden Bett aufwacht. Immer noch in ihren Männerkleidern geht sie nach Hause, wo Dr. Kersten in ihrem Bett geschlafen hat. Er durchschaut Ossis Spiel immer noch nicht. Ossi erklärt ihm, sie wolle nur nach seiner/ihrer Cousine Ossi schauen. Dr. Kersten fleht den Saufkumpan der letzten Nacht an, seinem Zögling bloss nichts zu erzählen. Ossi lässt ihre langen Haare sehen und kündigt ihm an, sie werde ihn bald "sooo klein" haben. Die beiden fallen sich glücklich in die Arme. (arte Presse)
Kritiken : "Man hat sich bereits daran gewöhnt, mit grossen Erwartungen auf einen recht launigen Abend das Kino zu betreten, wenn ein Lubitsch-Lustspiel auf dem Programm steht. Diese Erwartung wurde bei der neuen Ossi-Oswalda-Komödie nicht enttäuscht. Es gab vielmehr sehr, sehr viel Drolliges zu sehen und in den Titeln zu lesen. Das Köstlichste ist natürlich die blonde Ossi in ihrer "tragikomischen" Hosenrolle. Es gab dann auch starke Lachsalven." (n., in: Lichtbildbühne, 8.5.1920)

"Die zur Zeit erfolgreichste und beliebteste deutsche Lustspielfirma Lubitsch und Kräly hatte es sich mit ihrem neuesten, Ossi Oswalda auf den schlanken Leib geschriebenen Manuskript recht leicht gemacht. Denn die Geschichte von dem tollen, übermütigen Backfisch, der sich einmal als Junge ordentlich austobt, dabei in allerlei Nöte gerät und schliesslich im Hafen der Ehe landet, ist schon tausendmal vorher in allen möglichen Variationen auf die Bühne gebracht worden. Wenn es trotzdem den Autoren gelungen ist, das Publikum zu stürmischer Heiterkeit hinzureissen, ja, es zeitweise direkt zum Wiehern zu bringen, - ich weiss, dass das kein hübscher Ausdruck ist, aber die Damen hinter mir haben es tatsächlich getan -, so ist ihr Verdienst um so höher zu bewerten. Die Hauptstärke liegt diesmal in den launigen Titeln, die voll Witz und famoser Situationskomik sind, während die Situationen selbst zum grossen Teile der Originalität entbehren. Trotzdem schlugen sie mächtig ein, was zum grossen Teile auf das Konto der Darsteller zu setzen ist.

Ossi Oswalda entzückte durch ihr sprudelndes Temperament, ihre überschäumende Laune und ihre schelmische Koketterie. Ihr Gegenspieler, der sich gar rasch vom strengen Vormund zum verliebten Anbeter verwandelt, wurde von Curt Goetz elegant, flott und mit diskretem Humor dargestellt. Dass Lubitsch für eine sorgfältige und dabei doch sehr temperamentvolle Regie gesorgt und eine ganze Reihe entzückender Bilder gestellt hat, versteht sich beinahe von selbst." (Frank, in: Film-Kurier, 8.5.1920)

«Man hat sich bereits daran gewöhnt, mit grossen Erwartungen auf einen recht launigen Abend das Kino zu betreten, wenn ein Lubitsch-Lustspiel auf dem Programm steht. Diese Erwartung wurde bei der neuen Ossi-Oswalda-Komödie nicht enttäuscht. Es gab vielmehr sehr, sehr viel Drolliges zu sehen und in den Titeln zu lesen. Das Köstlichste ist natürlich die blonde Ossi in ihrer "tragikomischen" Hosenrolle. Es gab dann auch starke Lachsalven.» (n., in: Lichtbildbühne, 8.5.1920)

Anmerkungen: "Von 1916 bis 1920 machten Lubitsch und Ossi Oswalda zwölf Filme miteinander. ICH MöCHTE KEIN MANN SEIN, ihre achte Zusammenarbeit, ist eine umwerfende berlinerische Komödie, in der das Temperament der Inszenierung völlig identisch wird mit dem Temperament der Komödiantin; wer jemals das, was Damen wie Marika Rökk oder Lilo Pulver auf die Leinwand donnerten, für Temperament hielt, hat Ossi Oswalda nie erlebt. Eine Schönheit war sie eigentlich nicht, aber mit ihrem rundlichen, frechen Gesicht und der entspannten Selbstverständlichkeit ihrer emanzipierten Teenager-Vitalität genau die erquickliche Person, von der sich ein ganzes Regiment Dragoner gerne hätte die Pferde stehlen lassen. Der junge Curt Goetz, in seinen witzig-mokanten Allüren schon ganz der alte Goetz, ist ihr ein idealer Partner." (Ilona Brennicke/Joe Hembus: Klassiker des deutschen Stummfilms; Goldmann, München 1983)

Eine junge Frau unter der Fuchtel ihres Onkels. Als er verreisen muss, engagiert er einen Instruktor. Sie kleidet sich als Mann und nutzt die Schwächen des resoluten Vormunds. Lubitsch gibt der temperamentvollen Ossi Oswalda eine brillante Plattform, macht sich lustig über die bürgerliche Doppelmoral und stellt gar die Geschlechtertrennung infrage. (Locarno 2010)

«Ernst Lubitsch führte 1915 zum ersten Mal Regie für den Film "Als ich tot war", in dem er selbst die Hauptrolle spielte. Lubitsch wurde mit Rollen in Aufsteigerkomödien zum Publikumsliebling und Star.

Aljoscha Zimmermann (1944-2009), Pianist und Komponist, begleitete im Filmmuseum München über lange Jahre Stummfilme, insbesondere Filmpräsentationen des damaligen Direktors Enno Patalas in den 1980er und 1990er Jahren. Eine besondere Affinität entwickelte er dabei zu den rasanten Filmkomödien von Ernst Lubitsch, die ihn mit ihrem Tempo und den pointierten Dialogen zu kongenialen Filmmusiken inspirierten.» (Arte Presse)

Le cochon danseur

Regie:   N. N., Frankreich - 1907
Produktion: Pathé Frères, Paris - Regisseur: N. N. -

Les Deux Timides

(Die beiden Schüchternen), Regie:   René Clair, Frankreich - 1928
Produktion: Sequana Films - Les Films Albatros - Verleih: Les Films Armor - Produzent: Alexandre Kamenka - Regisseur: René Clair - Regieassistent: Georges Lampin - Georges Lacombe - Drehbuch: René Clair - Nach einer Vorlage von: Eugène Labiche play - Kamera: Nicolas Roudakoff - Robert Batton - Musik: Georges Delerue (1952) - Bernd Schultheis (1997) - Schnitt: René Clair - Architekt: Lazare Meerson - Darsteller: Yvette Andréyor Mme. Garadoux - Véra Flory Cecile Thibaudier - Jim Gérald Anatole Garadoux - Françoise Rosay La tante de Jules - Bill Bocketts - Maurice de Féraudy Thibaudier - André Volbert - Madeleine Guitty Annette, Magd - Léon Larive - Anna Lefeuvrier la cousine Garadoux - Louis Pré Fils le cousin Garadoux - Antoine Stacquet - Odette Talazac la chanteuse - Pierre Batcheff Jules Fremissin -
Inhaltsangabe : René Clairs letzter Stummfilm aus dem Jahr 1928 erzählt eine verwickelte Liebesgeschichte und ein Verwirrspiel um zwei schrecklich schüchterne Herren.

Mit der für ihn typischen Leichtigkeit und psychologischen Genauigkeit inszeniert René Clair die Komödie von Eugène Labiche und Marc Michel. Virtuos nutzt er am Ende der Stummfilmära noch einmal alle Mittel des Genres. Er kommt mit einem Minimum an Zwischentiteln aus und entzündet dabei ein wahres Feuerwerk optischer Effekte wie Trickblenden und Leinwandteilungen. In diesem Kaleidoskop simultaner und gegensätzlicher Handlungsstränge sind die absurden Verwicklungen direkt auf die Leinwand übersetzt und in ballettartigen Bildfolgen aufgelöst. Zweifellos ist der Film zu den technisch ausgereiftesten Filmen der Stummfilmzeit zu zählen. Der Film, der zu seiner Zeit populärer war als andere meisterhafte Labiche-Verfilmungen von René Clair, steht jetzt mit einer neuen Musik zur Wiederentdeckung an. (ZDF Journal)


Kritiken : «René Clairs wichtigste Filme der Stummfilmzeit, Un chapeau de paille d’Italie und Les deux timides, lassen sich aus dem Boulevardtheater ebenso wie von den Grotesken Mack Sennets herleiten. Sie stehen in jenem eigentümlichen Spannungsverhältnis zwischen sozialer Realität, poetischer Erfindung und Ironie, die das Besondere des clairschen Stils ausmacht. (…) In Les deux timides gab Clair seinen Personen stärkeres psychologisches Profil. Im Mittelpunkt steht ein schüchterner und furchtsamer Rechtsanwalt, den eine Maus im Gerichtssaal völlig durcheinanderbringt und der sich dem Mädchen, das er liebt, nicht zu erklären wagt. (…) Das stete Zögern der Protagonisten vor notwendigen Entscheidungen und ihre Unsicherheit setzt der Film in ballettartige Bildfolgen um.» (Ulrich Gregor/Enno Patalas: Geschichte des Films, Sigbert Mohn 1962)
Anmerkungen: "Die Balance zwischen Komik und Fantastik kennzeichnet Clairs Komödie Les Deux Timides (Die beiden Schüchternen). Clair greift hier auf die Tradition des Singspiels zurück. Auf der Leinwand erscheinen Gestalten aus der provinziellen Kleinbürgerwelt. Die Schicksalsschläge, die einen schüchternen Rechtsanwalt treffen, dem der Mut fehlt, um die Hand der Geliebten zu werben, geben Clair Gelegenheit zur grotesken Zeichnung subalterner Hierarchie. Die sich überschlagenden und sich widersprechenden Bilder dienen bei Clair dadaistischer Karnevalisierung und zugleich gesellschaftlicher Karikatur." (StummFilmMusikTage Erlangen)

René Clair, zuvor eher für avantgardistische Filme wie Entr’acte bekannt, wandte sich bei der von Exilrussen geführten Produktionsfirma Albatros der Komödie zu. Der Rückgriff auf Theaterstoffe mag auf den ersten Blick kaum Clairs früherer Forderung nach Filmen entsprechen, «die direkt für die Leinwand geschrieben sind und die spezifischen Mittel der Kamera verwenden». Der scheinbare Widerspruch löst sich auf, wenn man sieht, wie Clair, durchaus noch avantgardistisch, an die Stelle der Bühnendialoge eine «mit den Mitteln der Kamera» erzeugte Komik setzt.
Nach einer mehreren Restaurierungen (1958, 1983 und in den frühen 90er-Jahren) wurde 2016 durch die Cinémathèque française auf der Grundlage des Negativs und der Original-Nitrat-Zwischentitel eine 4K-Restaurierung erstellt. Diese konnte dank der Digitalisierung des CNC und der Partnerschaft mit dem San Francisco Silent Film Festival abgeschlossen werden. (www.filmpodium.ch)

Mothers of Men or Every Woman's Problem

Regie:   Willis Robards, USA - 1917
Regisseur: Willis Robards - Drehbuch: Hal Reid - Story : Hal Reid - Kamera: Walter Lundin - Darsteller: George Utell - Grace Blake - Mrs. Hal Reid Mrs. Madison - Billie Bennett - Arthur Tavares Giuseppe - Harry Griffith - Dorothy Davenport Clara Madison - Willis Robards Worthington Williams - Katherine Griffith Maida - Marcella Russell - Hal Reid Jack Scranton -

Nanook of the North

(Nanuk, der Eskimo), Regie:   Robert J. Flaherty, USA - 1922
Regisseur: Robert J. Flaherty - Regieassistent: Charles Gelb - Thierry Mallet - Drehbuch: Carl Stearns Clancy Zwischentitel - Robert J. Flaherty - Kamera: Robert J. Flaherty - Schnitt: Charles Gelb - Darsteller: Nanook Nanook - Nyla Nyla - Allee Allee - Cunayou Cunayou - Comock Comock -
Kritiken : "Einer der bedeutendsten Dokumentarfilm der Stummfilmarea" (film-dienst) "NANOOK is one of the most vital, dramatic and human films that has ever flashed across the screen." – Rex Ingram

Shooting stars

Regie:   A.V. Bramble, Grossbritannien - 1927
Regisseur: Anthony Asquith - A.V. Bramble - Darsteller: Annette Benson - Brian Aherne - Donald Calthrop - Chili Bouchier - Wally Patch - David Brooks -

Sono yo no tsuma

Regie:   Yasujirô Ozu, Japan - 1930
Regisseur: Yasujirô Ozu -

The Balloonatic

Regie:   Buster Keaton, USA - 1923
Produzent: Joseph M. Schenck - Regisseur: Buster Keaton - Edward F. Cline - Drehbuch: Edward F. Cline - Buster Keaton - Kamera: Elgin Lessley - Architekt: Fred Gabourie - Darsteller: Phyllis Haver - Edward F. Cline - Buster Keaton -

The Battle of the Century

(Alles in Schlagsahne), Regie:   Clyde Bruckman, USAA - 1927
Regisseur: Clyde Bruckman - Darsteller: Stan Laurel - Oliver Hardy -

Un chapeau de paille d'Italie

(Ein italienischer Strohhut, Der Florentiner Hut), Regie:   René Clair, Frankreich, Deutschland - 1927
Produktion: Les Films Albatros - Produzent: Alexandre Kamenka - Regisseur: René Clair - Regieassistent: Georges Lacombe - Lily Jumel - Drehbuch: René Clair - Kamera: Nicolas Roudakoff - Maurice Desfassiaux - Musik: Georges Delerue (1952) - Benedict Mason Neufassung 1987 - Architekt: Lazare Meerson - Kostümbild: Souplet - Darsteller: Geymond Vital Lt. Tavernier - Pré Fils Cousin Bobin - Paul Ollivier Onkel Vésinet - Albert Préjean Fadinard - Olga Tschechowa Anais de Beauperthuis - Yvonneck Nonancourt - Maryse Maia Hélène, Die Braut - Valentine Tessier Customer - Alex Allin Felix - Jim Gérald De Beauperthuis - Alice Tissot A cousin -
Inhaltsangabe : Paris 1895. Fadinard ist mit der Kutsche auf dem Weg zu seiner Hochzeit mit Hélène, der Tochter des Baumschulmeisters Nonancourt. Da frisst das Pferd unterwegs den Hut von Anais de Beauperthuis, die gerade mit dem Oberleutnant Tavernier ein Schäferstündchen im Wald verbringt und nun nicht mehr wagt, ohne den Florentinerhut zu ihrem Gatten nach Hause zu kommen. Beide fordern von Fadinard einen neuen und vor allem gleichen Strohhut. Andernfalls werde seine Wohnung kurz und klein geschlagen. In dem Bemühen, sich der Hochzeitsgesellschaft gegenüber ganz ungezwungen zu geben und gleichzeitig während der Trauungszeremonie den Hut bei einer Modistin aufzutreiben, schafft Fadinard die totale Verwirrung. (ZDF Presse)


Kritiken : «(...) Clairs berühmte Stummfilmkomödie aus der Welt der Kleinbürger (1895): Die Wiederbeschaffung eines von einem Droschkenpferd halb verspeisten Strohhutes beschäftigt einen Bräutigam den ganzen Hochzeitstag über und gefährdet auch noch sein Eheglück.» (Zoom)

«Spritzige Verwechslungskomödie mit hohem Tempo: Ein Pferd verspeist den Hut einer verheirateten Dame, die gerade mit einem anderen Mann zärtlich ist. Das führt zu zahlreichen Missverständnissen.» (Heyne Film Lexikon)

Der 29-jährige René Clair war anfänglich wenig begeistert von der Idee, das 1851 uraufgeführte Boulevardstück für den Film umzusetzen. Er fand die Lösung, indem er die Handlung ins Geburtsjahr des Cinématographe, 1895, verpflanzte. Damit war er einer der Ersten, der den optischen Reiz der Belle Époque und ihrer Kostüme für eine ironische Verfremdung zu nutzen verstand.
«Der Film, Clairs erster grosser Publikumserfolg, hat den Dialogwitz seiner Bühnenvorlage geschickt in optische Gags übersetzt. Den roten Faden der Handlung liefert weniger die Dramaturgie als vielmehr die Bewegung – eine ständige Verfolgungsjagd. (…) Clair gestaltet das mit dem Einfallsreichtum eines Choreografen und fand in dem allgemeinen Getümmel noch die Zeit, in den skurrilen Randfiguren Vertreter des Bürgertums zu ironisieren.» (Reclams Filmführer)
Anmerkungen: 1939 erfolgte ein Remake unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle.

Dieser Stummfilmkomödien-Klassiker wird in einer 4K-Restaurierung aus dem Jahr 2016 gezeigt, welche die Cinémathèque française und das San Francisco Silent Film Festival ausgehend von den Negativen der französischen und internationalen Versionen erstellt haben. Aufgrund von Vereinbarungen der Cinémathèque française mit den Rechteinhabern kann der Film ausschliesslich mit der Musik gezeigt werden, die Raymond Alessandrini in den 1980er-Jahren für die erste Restaurierung komponiert und nun an die längere Version angepasst hat. (www.filmpodium.ch)

Varieté

Regie:   E.A. Dupont, Deutschland - 1925
Produktion: Universum-Film AG (UFA), Berlin - Verleih: Paramount Pictures, Inc. (USA) - Universum-Film AG (UFA), Berlin - Produzent: Erich Pommer - Regisseur: E.A. Dupont - Drehbuch: Thea von Harbou - E.A. Dupont - Leo Birinski - Nach einer Vorlage von: Friedrich Holländer novel - Kamera: Carl Hoffmann - Karl Freund - Schwenker: Robert Baberske - Musik: Ernö Rapée - Architekt: Alfred Junge - Oscar Friedrich Werndorff - Spezialeffekte: Ernst Kunstmann - Optische Effekte: Eugen Schüfftan trick photography - Darsteller: Warwick Ward Artinelli - Enrico Rastelli Enrico Rastelli - Die Drei Codonas Die Drei Codonas - Georg Baselt - Alex Hyde and His Original New York Jazz Orchestra Alex Hyde and His Original New York Jazz Orchestra - Paul Rehkopf Zuschauer auf dem Jahrmarkt - Leo Birinski - Lya de Putti Bertha-Marie - Maly Delschaft Frau Huller - Kurt Gerron Hafenarbeiter - Alice Hechy - Trude Hesterberg Zuschauerin im Varieté - Emil Jannings Boss Huller - Georg John Matrose - Charles Lincoln Spanischer Artist - Alfred Abel (--??--) -
Kritiken : "Varieté gehört zu den unbestrittenen Klassikern der Filmkunst. Es ist die Geschichte eines zum Jahrmarktsakrobaten heruntergekommenen Trapezkünstlers, der ein junges Mädchen aus fernem Land zur Partnerin gewinnt und mit ihr von einem internationalen Star für eine Bravournummer verpflichtet wird. Es kommt zur üblichen Dreiecksaffäre mit Verführung und Eifersuchtsmord. Der Verurteilte erzählt - in einer Rahmenhandlung - dem Gefängnisdirektor sein Leben, und schon hier setzt Dupont verblüffende Bildsymbole.

Zu den Höhepunkten des Films gehören die Einstellungen der Kamera Karl Freunds auf die Zuschauermenge im Parkett mit ihrer zunehmenden Erregung. Die Dramatik von Schwarz und Weiss - von dunklem Untergrund lösen sich die weissen Artistengestalten - hat kein Farbfilm je wieder auch nur annähernd erreichen können. Und schliesslich ist die schauspielerische Leistung von Jannings zu nennen, dessen berühmtes Plüschauge beredter ist als jedes Wort." (Kommunales Kino, Freiburg)

"Jeder erinnert sich an die aussergewöhnlich packende Atmosphäre des Films, die nicht alleine auf das Konto des talentierten Kameramanns Werner Brandes und des ebenso begabten Ausstatters Alfred Junge geht. Die schöpferische Kraft Duponts ist hier unübersehbar. Er hat diesen Film in einem besonderen Stil gedreht: seine Einstellungen scheinen oft von innen her gesehen zu werden. Es ist ein Effekt der umgekehrten Perspektive, durch den ein weit entferntes Objekt anstatt kleiner grösser erscheint. Dupont zieht den Zuschauer mehr und mehr in die Atmosphäre seines Films. Die umgekehrte Perspektive zerstört keineswegs den realistischen Gesamteindruck, sondern verstärkt ihn sogar noch, indem sie NACHTWELT einen vage orientalischen Anstrich verleiht, der sich wunderbar mit dem hübschen Gesicht von Anna May Wong verträgt." (Umberto Barbaro: Il cinema tedesco; Editori Riuniti, Rom 1973)

What's the World Coming To?

Regie:   Richard Wallace, USA - 1926
Produktion: Hal Roach Studios Inc, - Regisseur: Richard Wallace - Darsteller: Clyde Cook - Katherine Grant - James Finlayson -

When the clouds roll by

Regie:   Victor Fleming, USA - 1919
Produktion: Douglas Fairbanks Pictures Corporation - Verleih: United Artists - Produzent: Douglas Fairbanks - Regisseur: Victor Fleming - Regieassistent: Joseph Henabery (--??--) - Theodore Reed (AKA Ted Reed) - Drehbuch: Thomas J. Geraghty (AKA T.J.G.) - Zwischentitel: Henry Clive - Kamera: William C. McGann - Harry Thorpe (AKA Harris Thorpe) - Architekt: Edward M. Langley - Darsteller: Babe London Switchboard Operator - George Kuwa Elevator Operator - Bull Montana The Nightmare - Ralph Lewis Curtis Brown - Frank Campeau Mark Drake - Daisy Jefferson Bobby De Vere - Herbert Grimwood Dr. Ulrich Metz - Albert MacQuarrie Hobson - Kathleen Clifford Lucette Bancroft - Douglas Fairbanks Daniel Boone Brown -

Within Our Gates

Regie:   Oscar Micheaux, USA - 1920
Regisseur: Oscar Micheaux - Drehbuch: Oscar Micheaux - Darsteller: Evelyn Preer Sylvia Landry - Flo Clements Alma Prichard - James D. Ruffin - Jack Chenault -

San Francisco Silent Film Filmfestival 2016 Program

Sorry, we actually have no further information on the 2016 San Francisco Silent Film Filmfestival.