Intolérance

Intolerance

Mise en scène: D.W. Griffith, , USA, 1916

  •   Genre: Drama,

Plakatmotiv Intolérance, © Wark Producing, Triangle Film Corporation


Génénerique

Production Wark Producing
Triangle Film Corporation
Distribution Triangle Distributing Corporation
Producteur D.W. Griffith [Presenter]
Metteur en scène D.W. Griffith
Assistant metteur en scène Tod Browning
Edward Dillon
Joseph Hennaberry
W.S. Van Dyke
Erich von Stroheim
Lloyd Ingraham [2nd AD Modern Story (Nicht genannt )]
Scénariste D.W. Griffith
Directeur de la Photographie G.W. Bitzer
Karl Brown
Montage Rose Smith
D.W. Griffith
James Smith
Direction artistique R. Ellis Wales
Acteurs Lillian Gish [Woman who rocks the cradle]
Spottiswoode Aitken [Brown Eyes's Father (Unter dem Namen Spottiswoode Aitkin)]
Mary Alden [Uplifter]
Frank Bennett [Charles IX.]
Monte Blue [He Strike Leader]
Lucille Brown [Uplifter]
William H. Brown [Father of the Bride of Cana / Warden (Unter dem Namen William Brown)]
Elmer Clifton [The Rhapsode]
Miriam Cooper [The Friendless One]
Josephine Crowell [Catherine de Medici]
Dore Davidson [The Kindly Neighbor]
Sam de Grasse [Arthur Jenkins]
Edward Dillon [Crook]
Taylor N. Duncan [Captain of the Gateg / Bodyguard of the Princess Beloved (Unter dem Namen Ted Duncan)]
Pearl Elmore [Uplifter]
Howard Gaye [The Christ / Cardinal de Lorraine]
Olga Grey [Maria Magdalena]
Ruth Handforth [Brown Eyes' Mother]
Robert Harron [The Boy]
Joseph Henabery [L'amiral de Coligny / Defendant]
Chandler House [Page]
Lloyd Ingraham [The Judge]
Lillian Langdon [Mary, the Mother]
William Lawrence [Henri de Navarre]
Ralph Lewis [The Governor]
Vera Lewis [Mary T. Jenkins]
Walter Long [The Musketeer of the Slums / Babylonian Warrior]
Bessie Love [The Bride of Canaa]
Julia Mackley [Uplifter (Unter dem Namen Mrs. Arthur Mackley)]
Mae Marsh [The Dear One]
Marguerite Marsh [Debutante at the Ball]
Tully Marshall [High Priest of Bel / Friend of the Musketeer]
John P. McCarthy [Prison Guard (Unter dem Namen J.P. McCarthy)]
A.W. McClure [Father Fathley]
Seena Owen [Attarea, the Princess Beloved]
Alfred Paget [Belshazzar]
Eugene Pallette [Prosper Latour]
Billy Quirk [Bartender]
Alfred D. Sears [The Mercenary]
Maxfield Stanley [Mons. La France, Duc d'Anjou]
Carl Stockdale [King Nabonidus]
Constance Talmadge [Marguerite de Navarre / The Mountain Girl (Unter dem Namen Georgia Pearce)]
F.A. Turner [Father of The Dear One (Unter dem Namen Fred Turner)]
W.S. Van Dyke [Cana Wedding Guest]
Erich von Ritzau [Pharisäer (Unter dem Namen Gunther von Ritzau)]
George Walsh [The Bridegroom of Cana]
Eleanor Washington [Uplifter]
Margery Wilson [Brown Eyes]
Tom Wilson [The Kindly Policeman]
Dark Cloud [Ethiopian Chieftan (Nicht genannt )]
Herbert Beerbohm Tree [(Mitwirkung fraglich oder ungesichert ) Extra]
Barney Bernard [Attorney for the Boy]
Frank Borzage [Extra]
Karl Brown [Extra]
Tod Browning [Owner of the Racing Car]
Kate Bruce [A Babylonian Mother]
David Butler [Extra]
Frank Campeau [Extra]
Jewel Carmen [Sklavin / Tänzerin]
Lotta Clifton [The 2nd Dancer of Tammuz]
Rev. A. W. Clure [Father Farley]
Constance Collier [Extra]
Jack Cosgrave [Chief Eunuch]
Donald Crisp [Extra]
James Curley [The Charioteer of Cyrus]
Ruth Darling [Girl of the Marriage Market]
Max Davidson [Kindly Neighbor]
Nigel de Brulier
Carol Dempster [Favorite of the Harem]
Charles Eagle [Barbarian Chieftain]
Douglas Fairbanks [Man on White Horse]
George Fawcett [A Babylonian Judge]
Mildred Harris [Favorite of the Harem]
Dell Henderson [Extra]
Clyde E. Hopkins [Jenkins' Secretary]
DeWolf Hopper [Extra]
Luray Huntley
Martin Landry [Auctioneer]
Alberta Lee [Wife of the Kindly Neighbor]
Jennie Lee [Woman at Jenkins' Dance]
Virginia Lee Corbin [Child in Epilogue]
Morris Levy [Le duc de Guise (scenes deleted)]
Elmo Lincoln [The Mighty Man of Valor]
Margaret Mooney [Girl of the Marriage Market]
Carmel Myers [Tänzerin]
Loyola O'Connor [Attarea's Slave]
Wallace Reid [A Boy killed in the Fighting]
Alma Rubens [Girl of the Marriage Market]
Howard Scott [A Babylonian Dandy]
George Siegmann [Cyrus, The Persian]
Ah Singh [The 1st Priest of Nergel]
Ranji Singh [The 2nd Priest of Nergel]
Ruth St. Denis [Solo Dancer]
Pauline Starke [Favorite of the Harem]
Madame Sul-Te-Wan [Girl at the Marriage Market (Nicht genannt )]
Natalie Talmadge [Favorite of the Harem]
Ethel Grey Terry [Favorite of the Harem]
Charles van Courtlandt [Gobyras, Lieutenant of Cyrus]
Erich von Stroheim [Pharisäer]
Anna Mae Walthall [Favorite of the Harem / Dancer]
Raymond Wells [Counselor of the King]
Winifred Westover [Favorite of Egibi]
Grace Wilson [The 1st Dancer of Tammuz]

Spécifications techniques
Categorie: Long Métrage
Infos techniques: Format: 35 mm, 1:1,33 - Aspect: 1:1,33 - Noir et Blanc Coloriert,Durée: 197 minutes, 14000 pieds, 14 reels
Sonorisation: silent
Première Présentation: 5. Aout 1916 in Riverside, California, USA
US Copyright: 24. Juin. 1916 - ©LU.8570
Copies existants: Des Copies de ce film existent
Szenenphoto aus Intolérance, © Wark Producing, Triangle Film Corporation

Sommaire (en Allemand)
Vier Ereignisse der Weltgeschichte verdichten sich in diesem Film von Filmpionier David W. Griffith zu einem essayistischen Spielfilm, dessen vier Handlungsstränge eines gemeinsam haben: das Elend, welches selbstherrliche Herrscher immer wieder den Menschen auferlegten.
Babel, 539 vor Christus: Der junge Prinz Belshazzar kann den Untergang Babels nicht aufhalten, da starrköpfige alte Männer an ihren überholten religiösen Ideen festhalten und durch ein Komplott dem Fortschritt Einhalt gebieten.
Jerusalem, circa 30 nach Christus: Hier wird die Intoleranz der Pharisäer thematisiert. Der Verrat an Jesus und seine Verurteilung gipfelt in der Kreuzigung.
Paris 1572: Der religiöse Konflikt zwischen protestantischen Hugenotten und Katholiken und das daraus resultierende Massaker werden in dieser Episode erzählt. In der Bartholomäusnacht werden 50.000 Protestanten in Paris ermordet, während sich zur gleichen Zeit ein Liebespaar unwissend auf eine Hochzeit vorbereitet, die nie stattfinden wird ...
USA 1910: Hohe Lohnkürzungen in der Jenkins-Fabrik führen zu einem Arbeiterstreik, der brutal niedergeschlagen wird. Betroffen davon sind auch eine junge Frau und ihr Geliebter, der des Mordes angeklagt wird und erhängt werden soll ... (arte Presse)


Die Handlung des Films teilt sich in vier selbständige Geschichten, die durch ein Leitmotiv miteinander verwoben sind:
1. The Modern Story - Die moderne Geschichte
2. The Babylonian Story - Die babylonische Geschichte
3. The Huguenot Story - Die hugenottische Geschichte
4. The Judean Story - Die biblische Geschichte

Critiques (en Allemand): "Mit seiner Dauer von rund 177 Minuten ist INTOLERANCE nur als ein Torso überliefert, aber der Film ist auch heute noch ein ungemein beeindruckendes Werk. Die von Griffith gewählte Erzählweise, vier historisch so unterschiedliche Geschichten miteinander zu verweben, hat für die damalige Zeit einen ungemein revolutionären Charakter. Hier wurde Filmgeschichte im wahrsten Sinne des Wortes geschrieben! - Griffith hatte den Film als Reaktion auf die Kritiken zu seinem BIRTH OF A NATION gedreht, in der Absicht, Intoleranz als Ursache für menschliches Unglück in allen Zeiten darzustellen. Die kühne Montage, die vier Geschichten 'wie vier Ströme, die von einem Berg herabfliessen' miteinander zu verweben, und so nicht nur die Grenzen des Ortes, sondern auch jene der Zeit zu sprengen, ist genial bahnbrechend, weil hier dem Film eine völlig neue Perspektive eröffnet wurde: nämlich hinter der Storyline tendenziöses Kino zu machen, Kino das Ideen unabhängig von der linearen Geschichte vermittelt. Vieles in der Darstellung der Schauspieler wirkt heute nach mehr als achtzig Jahren Filmgeschichte antiquiert, doch nach wie vor sind manche Sequenzen atemberaubend, etwa die Kamerafahrten in der babylonischen Sequenz oder die Szenen in der modernen Sequenz, in der streikende Arbeiter von der Privatarmee des Fabrikbesitzers niedergemetzelt wurden." (lhg)

"Wie sollte jemals ein geringfügiger gemeinsamer Zug, ein gemeinsames äusseres Kennzeichen der metaphysisch und mit wenig Einsicht verstandenen Unduldsamkeit im Bewusstsein so empörende, historisch unvereinbare Erscheinungen miteinander verbinden können wie den religiösen Fanatismus der Batholomäusnacht und den Streikkampf in einem hochkapitalistischen Land! Oder die blutigen Kapitel des Kampfes um die Hegemonie über Asien und den komplizierten Prozess des innerkolonialen Kampfes des jüdischen Volkes zur Zeit der Unterjochung durch Rom!" (Sergeij M. Eisenstein)

"Eine unbeschreibliche Verwirrung, in deren Verlauf Katharina de Medici die Armen New Yorks besucht, während Jesus die Kurtisanen des Königs Belsazar segnet und die Armeen des Darius die Stromschnellen von Chicago im Sturm nehmen." (Louis Delluc)

"Jede Episode wurde in einem anderen Stil gefilmt. Die Passion Christi ist eine Folge simpler, idealisierter lebender Bilder, die an die Passions-Filme der Firma Pathé erinnern. In der ausführlicheren Bartholomäus-Nacht-Episode überwiegen die Totalen im Stil von DIE ERMORDUNG DES DUC DE GUISE. "Der Untergang von Babylon" orientiert sich an der italienischen Schule und kommt dem mächtigen Stil von CABIRIA nahe. Die einfache und sehr realistische Geschichte "Die Mutter und das Gesetz" ist durch ihre Länge und ihre Vollkommenheit das Zentrum des Werkes, um das herum sich die übrigen Episoden ranken." (Georges Sadoul: Histoire du cinéma mondial; Flammarion, Paris 1972)

Remarques géneraux (en Allemand): «Hintergrundinformationen:
"Ich habe immer gesagt, dass ich Babel wieder aufbauen würde", kommentiert Regisseur und Drehbuchautor Griffith sein Werk "Intolerance". Das erste Monumentalwerk der Filmgeschichte mit einer sagenhaften Länge von dreieinhalb Stunden wird oft als spektakulärster Film aller Zeiten zitiert. Der Stummfilm von 1916 prangert Vorurteile und Grausamkeiten der Menschheit an und verurteilt über 2000 Jahre menschlicher Missstände. Couragiert ist dabei Griffiths Ziel, Intoleranz und Schwäche zu überwinden und ein neues, positiv besetztes Babel der Gegenwart zu errichten.
D.W. Griffith gilt aus vielerlei Gründen als Pionier des Kinos. So ist er der erste Regisseur, der einen Spielfilm dreht, welcher erstmals länger als die bisherigen Filme von maximal eine Stunde ist. Zudem macht er die Technik des Cross-Cuttings populär, indem er zwischen verschiedenen Szenen alterniert. Revolutionär ist auch das verschachtelte Handlungsmuster von "Intolerance": Die vier Parallelgeschichten werden nicht nacheinander erzählt, sondern immer wieder in Ausschnitten fortgesetzt. Es herrscht ein reger Wechsel zwischen Raum und Zeit, der immer von einem Vers Walt Whitmans flankiert wird: "Out of the cradle, Endlessly rocking" - Aus der Wiege, Unendlich schaukelnd.
Der "Vater der Filmgrammatik", wie ihn seine Anhänger nennen, wird sehr kontrovers diskutiert. Dies ist vor allem seinem Kassenschlager "Geburt einer Nation" von 1915 zuzuschreiben. Im ersten Propagandafilm der Kinogeschichte führt Griffith rassistische Pro Sklaverei- und Ku-Klux-Klan- Parolen vor und verteidigt die Position der amerikanischen Südstaaten vor dem Sezessionskrieg.» (arte Presse)



"Der Film besteht aus vier Episoden, die aber nicht in geschlossenen Kapiteln, sondern gleichsam parallel erzählt werden. Neben einer als roter Faden fungierenden Geschichte über das Unrecht, das Arbeitern durch einen Fabrikbesitzer und Gerichte zugefügt wird, hat Griffith zur Verdeutlichung seiner Absicht, Vorurteile und Grausamkeiten anzuprangern, noch drei Parallelgeschichten hinzugefügt: die Eroberung Babylons, die Verschwörung der Pharisäer gegen Jesus und die Bartholomäusnacht im Frankreich des 16. Jahrhunderts sollen das Elend bezeugen, das selbstherrliche Herrscher während vieler Jahrhunderte verursacht haben.

Intolerance wurde in jeder Hinsicht ein Mammut-Unternehmen. Griffith liess am Rand des damaligen Hollywood die grössten Dekorationen aufbauen, die bis heute für einen Film errichtet wurden. Rund 70 Meter hoch waren die massiven Türme Babylons; Belsazars Festhalle fasste mehr als 5000 Menschen. In einer Kampfszene in der babylonischen Episode befehligte er von einem Ballon aus 16000 Komparsen.

Die Dreharbeiten bewältigte Griffith ohne Drehbuch, beschäftigte dafür aber sechs Regieassistenten: George Siegman, W.S. Van Dyke, Joseph Henabery, Erich von Strohheim, Edward Dillon und Tod Browning. Nebenbei spielten fast alle auch kleinere Rollen.

Die zeitgenössische Kritik monierte die "seltsame" oder "schier unverständliche" Erzählstruktur des Films. Zweifellos war es ungewohnt und kühn, die einzelnen Episoden miteinander zu vermischen, anstatt sie fein säuberlich hintereinander zu erzählen. Während zunächst der Schnitt und damit der Wechsel zwischen den einzelnen Episoden eher gemächlich ist, wird der Rhythmus des Films später immer schneller bis zum Höhepunkt: der "Junge" wird in die Todeszelle geführt, Christus wird gekreuzigt, die Hugenotten werden hingemetzelt, Babylon fällt...

Intolerance war einer der ersten Monumentalfilme der Filmgeschichte und hatte mit seinen bis dahin einmaligen Bildern und seiner Schnittechnik wesentlichen Einfluss auf spätere Werke wie "Die zehn Gebote" oder "Ben Hur". Durch Lenin gelangte Intolerance in die Sowjetunion, wurde dort jahrelang gezeigt und beeinflusste die Filme von Eisenstein und Pudowkin." (EXGROUND, Wiesbaden 1998)




"Noch waren die Diskussionen um THE BIRTH OF A NATION nicht beendet, als Griffith die Arbeit an dem schon vor dem Bürgerkriegsepos fertiggestellten Film THE MOTHER AND THE LAW wieder aufnahm. Anfangs wollte er dem alten Projekt bloss einige Szenen hinzufügen, kam aber bald auf die Idee, es mit weiteren Geschichten, die von der Intoleranz der Mächtigen handeln, zu vergrössern. Er gab seinem Mitarbeiter Joseph Henabery den Auftrag, umfangreiche Recherchen über Babylon, das Massaker in der Bartholomäusnacht und die Kreuzigung Christi zu beschaffen. Eine Unmenge von Büchern wurden durchgearbeitet und das ausgewählte Material in Sammelalben festgehalten. Auf Grund des grossen finanziellen Erfolgs von THE BIRTH OF A NATION konnte Griffith seinen neuen Film in völliger ökonomischer und künstlerischer Freiheit vorbereiten und drehen. Sämtliche Gestaltungsebenen von INTOLERANCE wurden von ihm kontrolliert. Allein die Tatsache, dass Griffith ohne Drehbuch arbeitete, lässt darauf schliessen, wie sehr das von seinen Mitarbeitern herangeschaffte Material eine subjektive Ausprägung erfuhr. Für die Ausstattung jeder einzelnen Geschichte wurde ein anderer Stil gewählt. Liegen dem Ausgangsmaterial von INTOLERANCE, dem Film THE MOTHER AND THE LAW, die Bilder der realistischen "Ashcan School" zugrunde, so waren es für die "Babylonian Story" historische Maler wie Georges Rochgrosse, John Martin und Edwin Long. Die Ausstattung der Szene, die in Judäa spielen, basieren wiederum auf Abbildungen aus J.J.J. Tissots Buch über das Leben Christi (1895). Was die "French Story" betrifft, kann kam am Einfluss des "Film d'Art" gezweifelt werden, war doch z.B. L'ASSASINAT DU DUC DE GUISE (1908) für Griffith eine "Offenbarung". Wie bei der Ausstattung orientierte sich Griffith bei der Wahl seiner Handlungsmuster an der Literatur des vorigen Jahrhunderts. Er lässt sich nicht nur von realistischen bzw. melodramatischen Methoden anregen, auch die moralisierende Tendenz seiner Vorbilder kann man in Griffith' Werk erkennen. Dieser Tradition entsprach auch ein realistischer Schauspielstiel. In langwierigen Proben wurde eine vollständige Identifikation der Darsteller mit den Filmfiguren angestrebt. Auch bei der Montage des abgedrehten Materials ging Griffith intuitiv vor, denn erst im Vorführraum bei der täglichen Sichtung entschied er über den Platz von bestimmten Einstellungsgrössen bzw. löste er dramaturgische Probleme.

Griffith' Selbstverständnis wurzelt gleich seinen literarischen Vorbildern im 19. Jahrhundert. Es geht ihm um die Idee des idealistischen Ganzen, die sich allerdings schon im vorigen Jahrhundert als trügerisch erwies. Dieses Ganz in seiner immerwährenden Gefährdung zu zeigen, hat bei Griffith geradezu obsessiven Charakter und bestimmt auch den Inhalt von INTOLERANCE. Die Handlung der ersten Geschichte, die "Modern Story", beruht auf dem authentischen Bericht einer Kommission über den Tod von 19 Beschäftigten bei einem Lohnstreik in einem chemischen Betrieb. Im Mittelpunkt der "French Story" steht das Massaker in der Bartholomäusnacht. Eine glückliche Familie wird durch religiöse Unduldsamkeit vernichtet. In "The Babylonian Story" wird eine grosse Kultur durch Intoleranz zu Fall gebracht. Die vierte Geschichte, "The Judean Story", spielt zur Zeit Christi in Jerusalem und erzählt einige Episoden aus dessen Leben. Der Film endet mit der Vision einer immerwährenden Frieden gewährleistenden Liebe: Die Waffen werden weggeworfen, die Gefängnisse verschwinden, und Blumenfelder ersetzen die Stätten der Intoleranz. (...)

Gerade Griffith' Methode der Montage machte sein Werk, und nicht zuletzt seinen Film INTOLERANCE, für den auf Wirkung bedachten jungen sowjetischen Film interessant. Allerdings entstanden dessen neue Montageprinzipien nicht in Nachfolgeschaft, sondern in kritischer Auseinandersetzung. Wsewolod Pudowkin nannte ihn den "bedeutendsten Regisseur der Gegenwart" und erläuterte in seinen filmtheoretischen Texten wiederholt filmtechnische Probleme an Hand von Griffith' Filmen. Sergej M. Eisenstein blieb es jedoch vorbehalten, in einer seiner wichtigsten filmtheoretischen Arbeiten auf die grosse Bedeutung Griffith' für die sowjetische Kinematographie hinzuweisen."
(Gottfried Schlemmer: Das frühe Filmepos: INTOLERANZ (INTORLANCE, 1916), in: Fischer Filmgeschichte I: 1895-1924; Frankfurt/M. 1994)




Die verschiedenen Versionen von Intolerance

Griffith hatte bei verschiedenen Änderungen des Films das Negativ umgeschnitten und brachte 1919 INTOLERANCE in einer zweiteiligen gekürzten Fassung heraus, in welcher er auch das Ende des Films änderte und Constance Talmadge überleben liess. Die ursprüngliche Version des Films hatte eine Länge von circa acht (!) Stunden, wurde dann aber noch von Griffith selbst auf circa dreieinhalb Stunden zusammengeschnitten. Da viele Teile des Negativs verloren sind, lässt sich bis heute der Film in einer ursprünglichen Fassung nicht mehr rekonstruieren. Eine Version im Museum of Modern Art ist unter Verschluss und öffentlich nicht zugänglich, ein Protokoll des Films wurde von Theodore Huff 1940 erstellt. Die meisten der verfügbaren Kopien besitzen eine Länge von circa zwei Stunden und fünfzig Minuten und haben eine musikalische Untermalung durch Klavier oder Kinoorgel. Der Filmhistoriker Kevin Brownlow produzierte 1989 eine Version mit der von grossem Orchester gespielten Musik unter der Leitung von Carl Davis.

Die Qualität des Bildes ist leider nicht der Qualität des Films angepasst - die meisten Kopien scheinen auf Dups mehrerer Generationen zurückzugehen, und viel ist von dem grossartigen Aufwand Griffiths durch unsorgsamen Umgang mit dem Negativ verloren gegangen.

Die bei EUREKA erschienene DVD Edition von INTOLERANCE ist gegenüber den meisten Kopien um ein paar Minuten länger (total 177 Minuten), in der optischen Qualität trotz digitaler Bearbeiten leider nicht auf der Höhe der wohl technisch möglichen (und sehr aufwendigen !) optischen Restaurierung. Auch die musikalische Qualität mit der doch eher monotomen Kinoorgel ist bescheiden, wohl aus linzenzrechtlichen Gründen stand die Tonversion mit der Musik von Carl Davis nicht zur Verfügung. Als interessantes Feature bietet die DVD die Möglichkeit, die miteinander verbundenen Geschichten einzeln zu sehen. (lhg)

General Information

Intolérance is a motion picture produced in the year 1916 as a USA production. The Film was directed by D.W. Griffith, with Lillian Gish, Mary Alden, Frank Bennett, Monte Blue, Lucille Brown, in the leading parts.



Bibliographie - Robert M. Henderson, D.W. Griffith, His Life and Work, Oxford University Press, New York 1972
- 100 Film da salvare, pg 24ff;
- Jerzy Toeplitz, Geschichte des Films, Band I, pg. 131f;
- Theodore Huff, Intolerance, Shot-by-Shot Analysis, Museum of Modern Art, New York 1966;
- David Wark Griffith, The Rise and Fall of Free Speech in America, Larry Edmunds Book Shop, Hollywood 1967;
- Hervé Dumont, l'Antiquité au Cinéma, Lausann 2009, pg 114f




References in Databases
American Film Institute Nr. 16253
IMDb - International Movie Data Base Nr. tt0006864
KinoTV Database Nr. 2178
Turner Classic Movies Database Nr. 331373

Unter anderem wurde der Film bei folgenden Filmfestivals aufgeführt:

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