Hiroshima, mon amour

Regie: Alain Resnais, , Frankreich, Japan, 1959

  • FSK 16  
  •   Genre: Hiroshima, Japan, Occupation,

Plakatmotiv Hiroshima, mon amour, © Argos Films, Como Films s.a.r., Paris, Daiei, Pathé Frères, Paris


Stab und Besetzung

Produktion Argos Films
Como Films s.a.r., Paris
Daiei
Pathé Frères, Paris
Regisseur Alain Resnais
Regieassistent Jacques Durr
Drehbuch Marguerite Duras
Kamera Sacha Vierny
Takahashi Michio
Musik Georges Delerue
Giovanni Fusco
Schnitt Henri Colpi
Darsteller Emmanuelle Riva [Die Französin]
Eiji Okada [Der Japaner]
Pierre Barbaud
Stella Dallas
Bernard Fresson

Technische Angaben
Technische Info: Format: 35 mm - Schwarz-Weiss Film,Länge: 89 Minuten, 24 Bilder pro Sekunde
Tonsystem: mono

FSK ab 16 Jahren, ffr
Szenenphoto aus Hiroshima, mon amour, © Argos Films, Como Films s.a.r., Paris, Daiei, Pathé Frères, Paris

Inhaltsangabe
Hiroshima 1957: Zwei Menschen umschlingen sich, streicheln ihre nackte, unversehrte Haut - in dieser Stadt, deren entsetzliche Vergangenheit überall und zu jeder Minute gegenwärtig ist. Eine französische Filmschauspielerin und ein japanischer Architekt erleben eine leidenschaftliche Liebesnacht miteinander. Der nackte Körper des japanischen Geliebten ruft in der Frau die Erinnerung an die erste Liebe ihres Lebens wach. Er war deutscher Besatzungssoldat in ihrem Heimatort und wurde am Tag der Befreiung vor ihren Augen erschossen. Sie selbst wurde zum Zeichen der Schande kahl geschoren, von ihren Eltern im Keller versteckt und dann heimlich nach Paris gebracht. Sie erzählt dem Japaner davon. Auch ihre gegenwärtige Liebe scheint keine Zukunft zu haben. Beide sind verheiratet, und in 24 Stunden geht das Flugzeug der Frau zurück nach Paris. Doch ihr japanischer Geliebter möchte sie nicht so einfach aufgeben. Ihnen bleiben 24 Stunden, um sich in den Strassen Hiroshimas zu verlieren und wieder zu finden, um die Möglichkeit der Liebe ins Auge zu fassen und wieder zu verwerfen. Gegenwart und Vergangenheit, persönliche Geschichte und die Geschichte der Orte vermischen sich. Die Französin weiss, dass man vergessen muss, um überleben zu können. Und sie befürchtet, dass auch diese, jetzt so gegenwärtige Liebe bald verblassen wird.... (ARTE Presse)

Szenenphoto aus Hiroshima, mon amour, © Argos Films, Como Films s.a.r., Paris, Daiei, Pathé Frères, Paris
Kritiken : «Drei Jahre sind es her seit Alain Resnais seinen Film am Festival in Cannes zeigte. Es war wie eine Revolution in der Kinematographie Frankreichs und der Welt: Die 'Nouvelle Vague' fand nach Jean-Luc Godards stürmischem 'Â bout de souffle' ihren ruhenden Pol. Seither sucht man sehr of in einer lauen Welle vergeblich Neues - blasse Imitationen begannen die Kinosäle zu füllen. Diese neue Begegnung mit Resnais vermag uns gerade das zu geben, was wir dort suchten: 'Hiroshima, mon amour ...' hat nichts verloren von seiner Kraft und seiner Ausdruckstärke.
Um was geht es ? Der Regisseur wollte nicht, dass es ein 'Film über die Atombombe' sei, nicht eine kalte Darstellung einer physikalischen Erscheinung, der in Hiroshima am 5. August 1945 200 000 Menschen zum Opfer fielen und 80 000 verletzt wurden. Nein, es geht um das persönliche Hiroshima, das eines jeden einzelnen Menschen. "Was war das für dich, Hiroshima - in Frankreich ?", und Emmanuelle Riva antwortet: "Das Ende des Krieges, ich will sagen, vollständig. Die Verwunderung... der Idee gegenüber, dass man gewagt hatte... der Idee gegenüber, dass es gelang. Und dann auch, für uns, der Anfang einer unbekannten Angst. Und dann, die Gleichgültigkeit, die Angst vor der Gleichgültigkeit auch..." Hiroshima als Friedensstadt wird also zum Symbol einer Wirklichkeit, in welchem sich Grauen mit Vergessen mischt, so wie die Liebe zwei Menschen zusammenbrachte, die sich wieder trennen und vergessen. Das innere Erlebnis verblasst, und es bleiben nur die Andenken, wie Farcen einer sich bewegenden Hand auf dem Strassenpflaster. Ein Film also über das Sich-Erinnern ?
Aber sich erinnern heisst vergessen, wie vergessen sich erinnern heisst. Zwei Menschen, ein Japaner und eine Französin, erleben sich selbst, identifizieren sich mit ihrer Situation, erlangen das, was wir philosophisch 'Existenz' nennen. Aber Resnais philosophiert nicht, er stellt dar mit den filmischen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen. Erwähnen wir die ausgezeichnete Musik von Georges Delerue und Giovanni Fusco, die zu den besten Arbeiten moderner Filmkompositionen gehört. Vergessen wir nicht die meisterhafte Kameraführung Sacha Vierny und Takashi Michio sowie Emmanuelle Riva und Eiji Okada in den Hauptrollen. Alain Resnais erster Longmétrage gehört bereits jetzt zu den Klassikern der Filmgeschichte, die man azuch in der Reprise nicht versäumen darf.» (lhg = Leonhard H. Gmür, Neue Berner Nachrichten, 15. Juni 1962)

«Die kurze Liebesbegegnung zwischen einer französischen Filmschauspielerin und einem japanischen Architekten in Hiroshima läßt die Erinnerung an das Kriegsende in Japan und in Frankreich aufbrechen und wird zu einer Reflexion über das Vergessen. Hiroshima als Ort des Atombombenabwurfes wirkt in seiner furchtbaren, apokalyptischen Bedeutung in ein differenziertes seelisches Geschehen hinein. Ein Hauptwerk der "Nouvelle vague", inhaltlich anspruchsvoll und stilistisch-ästhetisch von höchster Qualität.» (Zoom)

«Ein vortrefflicher und einzigartiger Film. Von allen Schöpfungen der 'Nouvelle Vague' ist 'Hiroshima, mon amour ...' das wesentlichste Werk, obgleich es von Truffaut's 'Quatre cent coups' über Chabrols 'Les Cousins' bis zu Godards 'À bout de souffle' Leistungen von bestem Wert gegeben hat. Das wesentlichste Werk: weil es wirklich eines neuen Stils erste hohe Welle wirft. Wir haben von dem 'neuen Stil' in der Besprechung von 'À bout de souffle' gesprochen, darauf in einem besonderen Leitartikel. Jetzt spricht ein Film für sich selbst: 'Hiroshima, mon amour ...'. Ein Mann namens Alain Resnais hat ihn geschaffen. (...)
Aus dem Film klingt eine Klage empor, ohne das Wort zu erheben - eine Klage über Hiroshima, Menetekel der Menschenzerstörung, das es gegeben hat und wieder geben kann. Und aus dem Prisma der Gedanken und Erinnerungen scheint auf: die Melancholie des Vergessens, das Gefühl einer verzweifelten Vergeblichkeit, die Wehmut des so menschlichen Schmerzes fortwährender Trennung von dem, dem unsere Liebe gilt. (...) Wir sagten es schon: das Ganze gleicht einer Beichte: es besitzt in seinen raunenden Wiederholungen etwas von der Magie des Gebetes.
Alain Resnais' Film entzieht sich der letzten Ausdeutung, wie ja jede echte Dichtung im Grunde unausdeutbar ist. Der Zugang zu seiner Schöpfung, die auf der Leinwand neue Darstellungsbereiche erschliesst, neue Einblicke ins Unterbewusste, in die Gedanken- und Seelenwelt verschafft, fällt manchem Betrachter gewiss nicht leicht. Die geistige Mitarbeit und das Assoziationsvermögen werden gefordert. Doch wo beides gegeben ist, erschliesst sich eine Welt der Schönheit und Klarheit, ja der grossen Einfachheit. Dieser Film übers 'Hiroshima der Liebe' ist unsere Liebe wert.» (HRH = Hans Rudolf Haller, Radio + Fernsehen, 1960)

«Ich glaube, in ein paar Jahren, in zehn, zwanzig oder dreissig Jahren werden wir wissen, ob 'Hiroshima mon amour' der bedeutendste Film der Nachkriegszeit, das erste moderne Werk des Tonfilms war.» (Eric Rohmer)

Szenenphoto aus Hiroshima, mon amour, © Argos Films, Como Films s.a.r., Paris, Daiei, Pathé Frères, Paris

Preise und Auszeichnungen
1961 - Academy Awards for Best Writing, Screenplay: (nominated)

Anmerkungen : "Der Film gilt als Meisterwerk der Nouvelle vague und ist zugleich der erste Spielfilm von Alain Resnais. Mit dem Drehbuch beauftragte er die Schriftstellerin Marguerite Duras ("Der Liebhaber"). Auch für sie war es eine Premiere. Die Verfilmung, die ihr 1961 eine Oscar-Nominierung einbrachte, verhalf ihr zu Weltruhm und etablierte sie auch als Drehbuchautorin. Resnais und Duras, beide Vertreter einer untergründigen, komplexen Erzählweise, arbeiteten während der Entwicklung des Buches eng zusammen. Der Regisseur ermutigte die Duras, literarisch zu schreiben. So entstand ein ungewöhnlicher, poetischer Liebesfilm, dessen Thema das Erinnern und das Vergessen ist. Er lässt die Liebenden in die Vergangenheit eintauchen und verschränkt so Gegenwart und Vergangenheit, Krieg und Frieden, Frankreich und Japan, nationale und persönliche Traumata.
"Hiroshima, mon amour" wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 1960 mit dem "New York Film Critics Circle Award" für den besten ausländischen Film. Die eindrucksvolle Filmmusik wurde von Giovanni Fusco komponiert, der noch einmal bei "Der Krieg ist vorbei" (1966) mit Resnais zusammenarbeitete und unter anderem mehrmals für Michelangelo Antonioni Filmmusiken schuf.
Alain Resnais ist in seinen Filmen dem Experimentieren mit der Erzählform treu geblieben. So auch in seinen jüngsten Werken. In dem Doppelfilm "Smoking/No Smoking" (1993, nach einem Theaterstück von Alan Ayckbourn) geht er von derselben Grundsituation aus und entwickelt sie in unterschiedliche Richtungen. In "Das Leben ist ein Chanson" (1997) integriert er französische Chanson-Klassiker in eine Gesellschaftskomödie, die im Hier und Jetzt spielt. Sein letzter Film "Pas sur la bouche" (2003) ist ein Musikfilm, der in den Goldenen Zwanzigern spielt." (ARTE Presse)

General Information

Hiroshima, mon amour is a motion picture produced in the year 1959 as a Frankreich, Japan production. The Film was directed by Alain Resnais, with Emmanuelle Riva, Eiji Okada, Bernard Fresson, Stella Dallas, Pierre Barbaud, in the leading parts.

Szenenphoto aus Hiroshima, mon amour, © Argos Films, Como Films s.a.r., Paris, Daiei, Pathé Frères, Paris


Hinweise auf Datenbanken
IMDb - International Movie Data Base Nr. 52893
KinoTV Database Nr. 4427
Turner Classic Movies Database Nr. 78083
Szenenphoto aus Hiroshima, mon amour, © Argos Films, Como Films s.a.r., Paris, Daiei, Pathé Frères, Paris
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