Der müde Tod

Ein deutsches Volkslied in 6 Versen

Regie: Fritz Lang, , Deutschland, 1921

    Plakatmotiv Der müde Tod, © Decla-Bioscop AG., Berlin


    Stab und Besetzung

    Produktion Decla-Bioscop AG., Berlin
    Produzent Erich Pommer
    Regisseur Fritz Lang
    Regieassistent Alfred Zeisler
    Drehbuch Fritz Lang
    Thea von Harbou
    Kamera Fritz Arno Wagner
    Erich Nietzschmann
    Kamera Assistent Bruno Mondi
    Musik Giuseppe Becce
    Karl-Ernst Sasse [(Neue Musik)]
    Schnitt Fritz Lang
    Architekt Robert Herlth
    Walter Röhrig
    Hermann Warm
    Darsteller Bernhard Goetzke [Der Tod / El Mot / Bogner]
    Lil Dagover [Die junge Frau / Zobeide / Fiametta / Tiaotsien]
    Max Adalbert [Notar / Schatzmeister]
    Grete Berger
    Paul Biensfeldt [Ahi]
    Louis Brody [Mohr (Unter dem Namen Lewis Brody)]
    Wilhelm Diegelmann
    Karl Huszar-Puffy [Der Kaiser (Unter dem Namen Karl Huszar)]
    Walter Janssen [Der junge Mann / Franke / Francesco / Liang]
    Georg John [Bettler]
    Rudolf Klein-Rogge [Derwisch / Girolamo]
    Edgar Klitzsch [Der Arzt]
    Lothar Müthel [Vertrauter]
    Paul Neumann [Henker]
    Erich Pabst [Lehrer]
    Lina Paulsen
    Edgar Pauly
    Max Pfeiffer
    Hermann Picha
    Karl Platen
    Lydia Potechina
    Paul Rehkopf
    Carl Rückert
    Hans Sternberg [Bürgermeister]
    Erika Unruh
    Eduard von Winterstein [Der Kalif]

    Technische Angaben
    Kategorie: Langspiel Film
    Technische Info: Format: 35 mm, 1:1,33 - Ratio: 1:1,33 - Schwarz-Weiss Film,Länge: 108 Minuten, 2311 Meter
    Tonsystem: silent
    Premiere: 6. Oktober 1921 in Berlin, UT Kurfürstendamm
    Erstzensur: Berlin 4. Oktober 1921 No B.4380 Entscheid: Jugendverbot
    Szenenphoto aus Der müde Tod, © Decla-Bioscop AG., Berlin

    Inhaltsangabe
    Ein geheimnisvoller Fremder, niemand geringerer als der Tod (Bernhard Goetzke), nimmt einer jungen Frau (Lil Dagover) den Geliebten. In ihrer Überzeugung, dass die Liebe stärker sei als der Tod, fordert die Frau den Geliebten (Walter Jansen) zurück. In einem Meer von flackernden Kerzen, Millionen von sprichwörtlichen Lebenslichtern, wird ihr der Wunsch gewährt, jedoch nur unter der Bedingung, dass es ihr gelänge, drei der Flammen am Erlöschen zu hindern.
    In drei Episoden, die im Bagdad der Kalifen, im Venedig der Renaissance und im alten China spielen, verwebt der Film nun diese Aufgabe mit dem Kampf junger Frauen um die Leben ihrer Verlobten. Doch keine der Flammen überdauert die ihr zugestandene Zeit, und so geht die Frau schliesslich auf ein letztes unmögliches Angebot des Todes ein.. (3Sat Presse)

    Szenenphoto aus Der müde Tod, © Decla-Bioscop AG., Berlin
    Kritiken : «Der müde Tod» - ein deutsches Volkslied
    Es liegt ein Städtchen irgendwo
    Im Tale traumversunken,
    Derein zogen liebestrunken
    Zwei Menschen jung und lebensfroh.
    Doch von den Bäumen allen
    Die goldnen Blätter fallen
    Wie Tränen dicht im Abendrot...
    Am Kreuzweg, wo schon viel geschah,
    Steht ihrer wartend, schweigsam da
    Der Tod...

    Die Eingangsworte zu dem prächtigen Film, durch den sich die Poesie wie eim goldenes Band schlängelt. Das zarte Sommerlaub fällt von den Bäumen. Der umbarmherzige Tod schreitet über die Erde. Wie der Wirbelwind das dürre Laub von den Bäumen reisst, so zerstört der Tod ein junges Liebesglück, indem er den Geliebten der Braut entreisst. Annemarie will das hohe Lied der Liebe erproben, weil Liebe stärker ist als der Tod. Silbernes Mondlicht über der schlafenden Stadt. Der Nachtruf von der elften Stunde schleicht durch die Strassen. Da hebt die trauernde Braut den Giftbecher zum Munde - im selben Augenblick steht sie vor der Mauer des Todes, durch die ihr Geliebter verschwunden ist. Die hohe Pforte öffnet sich vor ihr. er Tod selbst empfängt sie, führt sie in sein Reich, in dem Tausende von Lebenslichtern flackern. Ihr Flehen erweicht das Herz des Todes. Er führt sie zu drei Lichtern. Gelingt es ihr, eine dieser Kerzen vor dem Erlöschen zu bewahren, so soll sie den Geliebten wiedergeschenkt bekommen. So erlebt Annemarie die phantastische Geschichte der drei Lichte. Das Reich von Tausendundeiner Nacht ersteht und enthüllt die ganze Pracht des Orients. Der tosende Karneval der italienischen Renaissance, in dem die schönste Frau Venedigs, Monna Fiametta, entzückende Bilder stellt. Der chinesische Märchenteil ist hier ganz auf Zauberkünste und plastische Phantastik eingestellt. Der Kerzen verlöschen.
    Im Kampfe siegreich blieb der Tod...
    Jedoch des Schicksals Wende
    Legt er in ihre Hände
    Noch einmal lächelnd ihrer Not...

    Bringt sie ihm in einer Stunde ein Menschenleben, das sie gegen das ihres Geliebten eintauschen kann, dann soll ihr Wunsch in Erfüllung gehen. Sie irrt durch die Nacht. Ein Hoffnungsstrahl belebt sie. Im Siechenhaus gibt es viele müde Seelen, die darauf warten, von der Erbärmlichkeit dieses Lebens befreit zu werden. Vom zähen Lebenswillen erfüllt, fahren sie verstört auseinander, als Annemarie mit der Bitte um ein Menschenleben unter sie tritt. Bei der hastigen Flucht fällt eine Kerze aus dem Leuchter. Das morsche Gebälk wird ein Raub der Flammen. Das Wimmern eines Kindes dringt aus der Feuersbrunst an Annemaries Ohr. Das ist ja das Leben, das sie dem Tod bringen will. Sie stürzt hinauf, hält das Kind in den Armen. Der Tod steht vor ihr. Sie will ihm das Kind überreichen, als das Klagen der Mutter zu ihr hinaufdringt. Um diesen Preis kann sie den Tod nicht überwinden, sie gibt ihm ihr eigenes Leben, denn ohne den Geliebten ist es ihr weniger als nichts.
    Dieser Film fällt vollkommen aus dem Rahmen seinesgleichen. Er geht seinen eigenen Weg. Ohne Mühe wird er sich die Welt erobern. Jeder Vers, jedes Bild ein Trick, das dem Ganzen ein edles, erhabenes Gesicht verleiht. Mit einem Wort: Er ist etwas Neues, nie Dagewesenes. Die Handlung, die auf so fester Basis ruht, die raffinierte Technik, die vorzüglichen Aufnahmen, das vollkommene Aufgehen des ganzen Künstlerstabes in der Aufgabe, machen den Film zu einem sehenswerten Kunststück. Wird die künstige Filmarbeit auf diesem Wege fortgesetzt, so kann man mit Recht sagen, dass der Film in den Wehen einer neuen, zukunfstreichen Geburt liegt. Lil Dagover spielt die Hauptrolle. Ihre faszinierende Schönheit, ihr hingebungsvolles Spiel geben dem Film eine besondere Tönung. Sie erscheint wie ein funkelndes Juwel in weichem Sammetetui. Ebenso versteht es Bernhard Goetzke als der Tod, seine Rolle vollkommen als ein inneres Erleben wiederzugeben. Auch das Spiel der übrigen Künstler passt sich ganz der künstlerischen Darstellung der Hauptkräft an.» (K.H., Der Welt-Film, Nr. 10/11, Jahrgang 1921, 5.Nov. 1921, pg 204f)


    «Das Leben und der Tod sind in diesem Film nicht durch einen Schnitt getrennt, sondern durch überblendungen. Es geht um die Durchlässigkeit einer unhintergehbaren Ordnung, für die ein Haus steht, das ein geheimnisvoller Mann auf dem Gottesacker eines altdeutschen Dorfs errichtet. Es hat keinen Ausgang und keinen Eingang, und die Mauer ist grösser als der Bildausschnitt. Die Geschichte spielt ,irgendwo und irgendwann", der Untertitel weist sie als ,ein deutsches Volkslied in sechs Versen" aus. Der einzige Hinweis auf die Gegenwart liegt im Titel: Es ist schwer vorstellbar, dass 1920 nicht auch der gerade überstandene Krieg gemeint war, wenn von der Müdigkeit des Todes die Rede war, und ein langer Zug von Schemenmenschen, die durch die Mauer ins Totenreich wandern, erinnert sehr unmittelbar an die Verdammten des Krieges. Aber das ist nur ein Nebenaspekt und bleibt auf die Rahmenhandlung beschränkt, denn Lang geht es hier in erster Linie darum, die Möglichkeiten seiner Kunst in eine enzyklopädische Form zu kleiden: Deswegen enthält DER MüDE TOD drei Geschichten von der Vergeblichkeit des Einspruchs gegen den Tod, aus dem arabischen Orient, aus der Renaissance und aus China. In der Rahmenhandlung übernehmen die Zwischentitel die Funktion eines Conferenciers, er stellt die Personen der Handlung vor, und von Beginn an sind die junge Frau und ihr Freund, zu denen sich ein unbekannter Begleiter gesellt, in einer eigenen Welt, obwohl am Nebentisch im Gasthaus die örtlichen Philister ihren Dämmerschoppen trinken. Auf dem Tisch steht ein Glas, in einer Vision sieht das Mädchen darin plötzlich eine Sanduhr, und wenig später ist ihr Liebster einfach verschwunden. Sein Platz ist leer, und das Mädchen muss in das Haus des Todes pilgern, um Gewissheit zu bekommen. Um 11 Uhr wird die Zeit angehalten, jetzt wird die allegorische Lektion des Films konkret in drei Geschichten, die zum Teil sehr direkt an die Abenteuerwelt aus DIE SPINNEN anschliessen, viele Schauwerte und Spezialeffekte bieten, aber immer auf die gleiche Konsequenz hinauslaufen: Gegen den Tod gibt es keinen Einspruch, wer ihn hintergehen will, läuft ihm in die Arme. Bernhard Goetzke, der den Tod spielt, taucht in verschiedenen Verkleidungen auf. Am Ende bleibt das Bild der Kerze: Wenn sie niedergebrannt ist, schliesst der Tod seine Finger um den Docht. Die Möglichkeit des Mädchens, hinter die Kulissen dieser Ordnung zu blicken, erweisen umso stärker deren Gültigkeit. Die Melancholie dieses Films liegt in seiner Lust an den übergängen, die immer nur symbolisch sind, während die Uhr einfach jede Stunde schlägt.» (Filmarchiv Austria)
    Szenenphoto aus Der müde Tod, © Decla-Bioscop AG., Berlin

    Der müde Tod ist ein Film, der im Jahr 1921 in Deutschland produziert wurde. Regie führte Fritz Lang, mit Bernhard Goetzke, Lil Dagover, Edgar Klitzsch, Walter Janssen, Lothar Müthel, in den wichtigsten Rollen. Der Film hatte am 06. Oktober 1921 in Berlin, UT Kurfürstendamm seine Premiere.

    Szenenphoto aus Der müde Tod, © Decla-Bioscop AG., Berlin


    Literatur Hinweise - Deutsche Spielfilme von den Anfängen bis 1933, hg von Günther Dahlke und Günther Karl, Berlin 1988, pg 56ff

    Referenzen zum Film in anderen Datenbanken:

    Unter anderem wurde der Film bei folgenden Filmfestivals aufgeführt:


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