Metropolis

Regie: Fritz Lang, , Deutschland, 1926

  • FSK 12  

Plakatmotiv Metropolis, © Universum-Film AG (UFA), Berlin

Stills and posters © Universum-Film AG (UFA), Berlin


Stab und Besetzung

Produktion Universum-Film AG (UFA), Berlin
Produzent Erich Pommer
Regisseur Fritz Lang
Regieassistent Slatan Dudow [Volontär]
Drehbuch Fritz Lang
Thea von Harbou
Story Thea von Harbou [Roman oder Erzählung]
Kamera Karl Freund
Helmar Lerski [Shufftan-Prozess]
Günther Rittau
Eugen Schüfftan
Schwenker Robert Baberske [Nicht genannt]
Musik Gottfried Huppertz [Originalpartitur]
Giorgio Moroder [Neue Version 1984 color]
Frank Strobel [Rekonstruktion 2010]
Architekt Otto Hunte
Erich Kettelhut
Karl Vollbrecht
Kostümbild Aenne Willkomm
Maskenbildner Otto Genath
Weiteres Team Horst von Harbou [Standfotos]
Darsteller Brigitte Helm [Maria]
Rudolf Klein-Rogge [Rotwang]
Alfred Abel [Johann Fredersen]
Gustav Fröhlich [Freder Fredersen]
Fritz Rasp [Grot]
Theodor Loos [Josaphat]
Erwin Biswanger [Georgy, Nr. 1181]
Heinrich George [Contrem]
Fritz Alberti [Der Schöpferische Mann]
Grete Berger [Arbeiterin]
Olly Böheim [Arbeiterin]
Max Diete [Arbeiter]
Ellen Frey [Arbeiterin]
Beatrice Garga [Frau in den Ewigen Gärten]
Lisa Gray [Arbeiterin]
Heinrich Grotto [Zeremonienmeister]
Anny Hintze [Frau in den Ewigen Gärten]
Georg John [Arbeiter am Moloch]
Walter Kühle [Arbeiter]
Margarete Lanner [Dame im Auto]
Rose Liechtenstein [Arbeiterin]
Hans Leo Reich [Marinus]
Arthur Reinhardt [Arbeiter]
Olaf Storm [Jan]
Erwin Vater [Arbeiter]
Rolf von Groth [Sohn in den Ewigen Gärten]
Helen von Münchhofen [Frau in den Ewigen Gärten]
Helene Weigel [Arbeiterin]
Hilde Woitscheff [Frau in den Ewigen Gärten]

Technische Angaben
Technische Info: Format: 35 mm; 1:1,33 - Schwarz-Weiss Film,, 4189 Meter
Tonsystem: silent
Premiere: 10. Januar 1927 in Berlin, UFA Palast am Zoo

FSK ab 12 Jahren,
Szenenphoto aus Metropolis, © Universum-Film AG (UFA), Berlin

Inhaltsangabe
Johann Fredersen ist der Schöpfer der gigantischen Zukunftsstadt Metropolis. Unerbittlich herrscht er über ein Heer von Arbeitssklaven, die in unterirdischen Fabriken an den Maschinen für das süsse Nichtstun der Privilegierten in der Oberstadt schuften. In das Paradies der Reichen verirrt sich eines Tages das Mädchen Maria. Fasziniert von ihrer Schönheit, folgt ihr Fredersens Sohn Freder in die Unterstadt. Er lernt das Elend der Arbeiter kennen und wendet sich gegen den Vater. Fredersen zwingt den Erfinder Rotwang, einen Roboter mit der Gestalt Marias, die von den Arbeitern respektiert, ja verehrt wird, zu schaffen. Dieser Roboter hetzt die Arbeiter auf, sie zerstören ihre Maschinen und bringen sich selbst in höchste Gefahr. Im letzten Moment können Freder und die richtige Maria die Katastrophe aufhalten... (3Sat Presse)

"Metropolis": In einer Klassengesellschaft leben die Arbeiter versklavt in unterirdischen Fabriken, die Reichen geniessen ein luxuriöses Dasein in der Oberstadt. So auch Freder, der Sohn von Joh Fredersen, dem mächtigsten Mann von Metropolis. Eines Tages begegnet er Maria, die den Arbeitern mit ihren Predigten von Liebe und Klassenlosigkeit Hoffnung schenkt, und folgt ihr in die Unterwelt. Als er die Lebensverhältnisse der Arbeiter sieht, ist er erschüttert und will einer von ihnen werden. Um das zu verhindern und Maria auszuschalten, beauftragt sein Vater den Erfinder Rotwang, eine Doppelgängerin von Maria zu erschaffen, die zu Kampf und Zerstörung aufruft. Rotwang erfüllt diesen Wunsch, doch nicht um Fredersen zu helfen, sondern um ihn und seine Stadt zu vernichten. Der Grund: Rotwang hasst Fredersen, da er an ihn seine Geliebte Hel verloren hat, die dann bei Freders Geburt gestorben ist. Rotwang wollte schon Hel als Menschmaschine wiedererschaffen; nun verleiht er ihr die Gestalt Marias. Fredersens Plan geht zunächst auf. Von Marias Doppelgängerin aufgestachelt, revoltieren die Arbeiter und verwüsten die Unterstadt. Als sie erkennen, dass sie dabei eine Überschwemmung ausgelöst haben und ihre Kinder in Gefahr sind, wollen sie sich an Maria rächen. Die unheilbringende Doppelgängerin wird gefasst und verbrannt, während die wahre Maria mit Freder die Kinder der Arbeiter vor den Wassermassen rettet. Beim Showdown zwischen Freder und Rotwang wird der Erfinder getötet und die Arbeiter erkennen den fatalen Betrug. Die Bewohner von Metropolis sind geeint und der Weg ist frei für eine Welt ohne Klassenunterschiede. (Arte Presse Rekonstruktion 2010)

Szenenphoto aus Metropolis, © Universum-Film AG (UFA), Berlin
Kritiken : "METROPOLIS ist nicht ein Film. METROPOLIS sind zwei Filme, Bauch an Bauch aneinanderklebend, aber mit verschiedenen geistigen Beweggründen von extremer Widersprüchlichkeit. Wer das Kino als zurückhaltenden Geschichtenerzähler sieht, wird bei METROPOLIS eine schwere Enttäuschung erleben. Was uns hier erzählt wird, ist trivial, schwülstig, schwerfällig und von überkommenem Romantizismus. Wenn wir aber der Story den Aspekt der plastischen Photogenie vorziehen, wird METROPOLIS alle unsere Erwartungen übertreffen und uns als das herrlichste Bilderbuch begeistern, das man sich nur ausmachen kann. Was für eine begeisternde Symphonie der Bewegung! Das gesamte Kristallwerk der ganzen Welt, romantisch in Reflexe zerlegt, versammelt sich in diesem modernen Kanon des Kinos." (Luis Bunuel)

"In einer visionären Zukunftsstadt wird mit gigantischen Mitteln der Kampf zwischen Arm und Reich ausgetragen. Berühmter Stummfilmklassiker mit Nachvertonung" (Falter, Studio München)

"In seinem Hang zum Ornamentalen ging Fritz Lang so weit, dass er die Massen selbst da noch in dekorative Muster zwängte, wo sie sich vor der Überschwemmung der Unterstadt verzweifelt zu retten versuchten. Gerade diese Szenen, filmisch geglückt und technisch meisterhaft, wie sie waren, drängten sich dem menschlichen Gefühl als empörend misslungen auf. METROPOLIS beeindruckte das deutsche Publikum. In Amerika schätzte man die technisch hervorragenden Leistungen des Films, in England verhielt man sich kühl; die Franzosen fühlten sich beunruhigt von einem Film, der ihnen als eine Kreuzung von KRUPP und WAGNER und alles in allem als ein warnendes Anzeichen deutscher Vitalität erschien." (Siegfried Kracauer, Von Caligari bis Hitler)

"Ich habe neulich den törichsten Film gesehen. Ich glaube nicht, dass es möglich sein könnte, einen noch dümmeren zu machen. Er heisst METROPOLIS, kommt von den grossen UFA-Ateliers in Deutschland, und dem Publikum wird bekanntgegeben, dass seine Herstellung ein enormes Geld gekostet hat. Er verabreicht in ungewöhnlicher Konzentration nahezu jede überhaupt mögliche Dummheit, Klischee, Plattheit und Kuddelmuddel über technischen Fortschritt überhaupt, serviert mit einer Sauce von Sentimentalität, die in ihrer Art einzigartig ist... Das Schlimmste ist, dass dieser phantasielose, verworrene, sentimentale und dummtäuschende Film einige wirklich schöne Möglichkeiten verschwendet. Mein Glaube an den Unternehmungsgeist der Deutschen hat einen Schock erlitten. Ich bin ausserordentlich enttäuscht über den schlauen Schlendrian, der sich hier zeigt. Ich dachte, dass Deutschland selbst in seiner schlechtesten Form sich wenigstens Mühe geben könnte. Ich dachte, man hätte sich dort entschlossen, industriell modern zu sein." (H.G. Wells, Frankfurter Zeitung vom 3. Mai 1927)

"Wir haben in METROPOLIS ein Werk, das sowohl in der Kühnheit des Manuskriptes als auch in der technischen Durchführung kaum mit irgendeinem deutschen Erzeugnis verglichen werden kann." (Der Kinematograph Nr. 1039, 16. Januar 1927)

"In METROPOLIS entwarf Lang das Schreckensbild einer Zukunftswelt, in der Massen von Sklaven einer Herrenkaste dienen, die für sie an Stelle des Schicksals getreten ist." (Enno Patalas in Abendzeitung, München, vom 4. Mai 1965)

«Das expressionistische Meisterwerk setzte mit phantasievoll futuristischer Architektur, Effekten und Montagetechnik Standards für das SF-Genre. Die Revolution der versklavten Arbeiter unter Führung eines weiblichen Roboters mündet in einem schiefen Happy End, aber das tut dem von Fritz Lang mit gewohnt monumentaler Pose präsentierten Epos keinen Abbruch.
Unvergessen:
Der Roboter nimmt in einem Energiefeld aus wandernden Strahlungsringen die Gestalt des Mädchens Maria an. » (Cinema, 2000)

"Nicht nur visuell ein revolutionärer Klassiker..." (tele 10/2009)
Szenenphoto aus Metropolis, © Universum-Film AG (UFA), Berlin

Anmerkungen : Thea von Harbou im Vorwort zu Metropolis
Dieses Buch ist kein Gegenwartsbild.
Dieses Buch ist kein Zukunftsbild.
Dieses Buch spielt nirgendwo.
Dieses Buch dient keiner Tendenz, keiner Klasse, keiner Partei.
Dieses Buch ist ein Geschehen, das sich um eine Erkenntnis rankt:
Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein.
Thea vo Harbou, METROPOLIS, Berlin 1926




Die Drehzeit des Films betrug 31 Wochen in der Zeit vom 22. März 1925 bis 30. Oktober 1926, Produktionskosten 1'300'000 Mark (Luc Moullet: Fritz Lang)
1984 wurde eine colorierte Version hergestellt, für welche der südtiroler Komponist Giorgio Moroder die Musik schrieb.




"METROPOLIS, Fritz Langs inzwischen 75 Jahre alte Zukunftsvision unserer Welt im Jahre 2000 war seit seiner Entstehung ein Film der Widersprüche, der Extreme: extrem die Produktionszeit, die 17 Monate, von Mai 1925 bis Oktober 1926 dauerte; extrem der Verbrauch an Filmmaterial, unglaubliche 620 Tausend Meter sollen es gewesen sein; extrem auch der beispiellose Aufwand an Ausstattung und Tricktechnik. Ebenso beispiellos wie der Etat: mehr als umgerechnet 50 Millionen Mark hatte die Ufa in ihr bis dahin teuerstes Projekt gesteckt. Und dann wollten den Film nach seiner Berliner Premiere im Januar 1927 gerade mal 15.000 Besucher sehen. Um das totale Fiasko abzuwenden, wurde damals getan, was in solchen Fällen auch heute noch üblich ist: METROPOLIS wurde für weitere Einsätze in Deutschland umgeschnitten und gekürzt.

Man orientierte sich dabei weitgehend an einer gekürzten Fassung des Films, die für den US-Markt auf ,normale' Kinolänge zurechtgestutzt worden war. Von den 4189 Metern des Films (das entspricht bei einer Vorführgeschwindigkeit von 24 Bildern pro Sekunde etwa 153 Minuten) blieben nach der Kürzung nur noch ca. 3200 Meter übrig. Das herausgeschnittene Material, so müssen wir heute befürchten, wurde vernichtet. METROPOLIS wurde aber nicht nur gekürzt, sondern auch umgeschnitten. Der amerikanische Theaterautor Channing Pollock, der im Auftrag des US-Verleihs Paramount die gekürzte Fassung hergestellt hatte, sagte, die Urfassung des Films sei schierer Symbolismus gewesen und niemand hätte verstanden, von was der Film eigentlich handeln würde. Pollock verpasste dem Film also sein Verständnis von Handlung, ohne Rücksicht auf inhaltliche Zusammenhänge oder das dramaturgische Gesamtkonzept. Offenbar wurden Fritz Lang und Thea von Harbou nie zu dieser radikalen Umgestaltung befragt, geschweige denn mit einbezogen. Man sieht: Urheberrecht wurde damals beim Film noch nicht so gross geschrieben. Von dem Werk, das Fritz Lang und Thea von Harbou im Winter 1926 abgeliefert hatten, war ein halbes Jahr später nicht mehr als ein Torso übrig. Der Regisseur schäumte. In einem Interview, das Lang im Herbst 1927 einer englischen Zeitung gab, sagte er: "Ich werde nie mehr nach Amerika fahren. Die Amerikaner haben meinen Film ruiniert."

METROPOLIS gilt heute als der bekannteste Torso des deutschen Films. Dieser Torso landete aber nicht etwa auf dem Friedhof der Filmgeschichte (wie es die lange Liste vergleichbarer Flops nahe legen würde), sondern dieser Torso erwies sich als extrem lebensfähig. In den 60er Jahren wurde METROPOLIS weltweit wiederentdeckt (in der erwähnten Paramount-Fassung), in den 80er Jahren dann stieg er zum Kultfilm auf - und beflügelt seither die Fantasie von Filmemachern: Die Stadtvisionen von Ridley Scotts BLADE RUNNER wären ohne METROPOLIS nicht denkbar; der Film beflügelt die Fantasie von Architekten, Designern oder Musikern, Musikvideos von Madonna oder Freddy Mercury zitieren aus METROPOLIS oder die Techno-Versionen Jeff Mills.

Der Film beschäftigt wegen seiner Unvollständigkeit schon lange die Restauratoren. In den späten 60er Jahren hatte es beim staatlichen Filmarchiv der DDR einen Rekonstruktionsversuch von METROPOLIS gegeben, der aus verschiedenen Überlieferungen des Films zusammengesetzt wurde. Mitte der 80er Jahre hat dann unter Leitung von Enno Patalas das Münchner Filmmuseum eine Fassung hergestellt, die sich an den Vorgaben des Drehbuchs, an der Partitur der Originalmusik von Gottfried Huppertz und an den Zensurkarten orientieren konnte - die alle drei erhalten geblieben sind. Der Film konnte zwar nicht mehr in seine ursprüngliche Länge, doch zumindest in seine ursprüngliche Schnittfolge zurückversetzt werden. Diese Münchner Fassung war Grundlage der neuen von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Auftrag gegebenen Restaurierung, die in diesem Jahr abgeschlossen wurde, und die der Premierenfassung am nächsten kommen dürfte.

Die Restaurierung von METROPOLIS ist nur ein - wenn auch sehr prominentes - Beispiel für die Arbeit der Murnau-Stiftung. Seit 35 Jahren engagiert sich die Stiftung für den Erhalt und die Pflege des deutschen Filmerbes, dessen überwiegenden Teil sie besitzt. Zum Rechtebestand zählen neben METROPOLIS die frühen Filme Fritz Langs, darunter DER MÜDE TOD, DIE NIBELUNGEN oder SPIONE, Ernst Lubitschs SUMURUN, MADAME DUBARRY oder ANNA BOLEYN oder die Arbeiten Friedrich Wilhelm Murnaus, dem Regisseur von NOSFERATU, FAUST oder DER LETZTE MANN. Zahlreiche Stummfilme wurden in den vergangenen Jahren mit Unterstützung des Bundesarchivs-Filmarchivs durch Umkopierungen von leicht brennbarem Nitro-Material auf Azetat oder Polyester gesichert und restauriert. Hinzu kommen etwa 1000 Tonfilme aus den Jahren 1930 bis 1960. Die meisten Produktionen der Firmen Ufa, Terra, Tobis oder Bavaria, darunter DER BLAUE ENGEL, DIE DREI VON DER TANKSTELLE oder MÜNCHHAUSEN. Auch sie benötigen ein Bild ohne Laufschrammen, einen besseren Ton oder frische Farben, um auch Zuschauern von heute den Zugang zu diesen besonderen Zeugnissen der Vergangenheit - man könnte auch sagen: zum Gedächtnis des 20. Jahrhunderts - zu erleichtern. Dies ist Denk-mal-pflege im wahrsten Sinne: wenn wir unsere filmischen Zeugnisse nicht pflegen, verlieren wir unser historisches und kulturelles Gedächtnis.

Eine besondere Rolle bei der Restaurierung alter Filme spielen die digitalen Techniken. Sie ermöglichen Retuschen, Reparaturen, Stabilisierungen am beschädigten Bild, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären. Diese Verfahren sind sowohl in finanzieller wie in zeitlicher Hinsicht noch sehr aufwändig. Aber diese Verfahren sind eigentlich nicht mehr wegzudenken. Da sich bekanntlich die Leistungsfähigkeit der Rechner etwa alle 18 Monate verdoppelt, ist leicht auszurechnen, wann eine digitale Restaurierung nur noch einen hohen fünfstelligen, statt hohen sechsstelligen Betrag und statt ein Jahr nur noch ein paar Monate Arbeit kosten wird. An einigen Beispielen aus METROPOLIS lässt sich zeigen, mit welcher Art und welchem Ausmass an Schäden wir bei der Restaurierung von METROPOLIS zu tun hatten und wie sie behoben wurden: Zittriger Bildstand, Laufschrammen, Klebestellen, Beschädigte Perforation, Einzeichnungen, Zerstörte Bildteile, Retuschen von Untertiteln. Das Verfahren der digitalen Restaurierung: Der Originalfilm wird eingescannt, im Computer Bild für Bild bearbeitet, anschliessend auf Zelluloidfilm ausbelichtet und ist so wieder vorzeigbar. " (FRIEDEMANN BEYER, Vorstand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, stellte den Film METROPOLIS als deutschen Beitrag zum Memory of the World-Programm anlässlich der Tagung "Kulturelles Gedächtnis - das UNESCO-Programm Memory of the World" am 6. Dezember 2001 im Haus der Geschichte in Bonn vor. - UNESCO Heute)




"Fritz Langs grossartiger, einflussreicher Stummfilmklassiker "Metropolis" wurde 2001 als einziger Film ins UNESCO-Register "Memory of the World" aufgenommen. Damit repräsentiert "Metropolis" neben Beethovens 9. Sinfonie, Goethes "Faust" und der Gutenberg-Bibel das schutzwürdige geistesgeschichtliche Erbe Deutschlands. Bei seiner Uraufführung im Januar 1927 hatte "Metropolis", der einflussreiche Filmklassiker von Fritz Lang, eine Länge von etwa 150 Minuten. Für die amerikanische Verleihfassung wurde der Film um fast ein Viertel gekürzt. Auf der Grundlage einer Rekonstruktion von Enno Patalas wurde auf Initiative der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung erstmals eine Fassung hergestellt, in der die Schnittfolge des Films soweit wie möglich wieder hergestellt wurde und eine photographische Qualität erreicht wurde, die dem Bildeindruck der Premierenkopie sehr nahe kommen dürfte. Die neue Fassung wurde auf den Berliner Filmfestspielen 2001 mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Frank Strobel uraufgeführt.

Der Auftrag für eine neue "Metropolis"-Musik ging an Bernd Schultheis, der sein Konzept so beschreibt: "Die Musik soll die Gleichzeitigkeit der Ober- und Unterwelt/-schicht von 'Metropolis' vermitteln, den Fluss und den Puls des Films betonen und an Stellen, wo dieser aufgrund fehlender Szenen gefährdet ist, unterstützen." Bernd Schultheis, geboren 1964, gehört international zur ersten Wahl junger Filmkomponisten. Seine Stummfilm-Musiken, international aufgeführt und für ARTE und 3sat aufgezeichnet, vereinen die komplexe Klangsprache Neuer Musik und filmdramaturgische Funktionalität." (3Sat Presse)



"METROPOLIS ist das prototypische offene Kunstwerk der Filmgeschichte: editorisch für immer unabschliessbar, hermeneutisch unendlich ergiebig, ideologisch ausgesprochen anfechtbar. Thomas Elsaessers Zwischenbilanz: „Vielleicht übersteht Langs Film die widersprüchlichen Behandlungen, denen er über die Jahrzehnte ausgesetzt war, so gut, weil er die robuste Gestalt eines Märchens hat. Solche Geschichten überstehen raue Behandlungen unversehrt, dank ihrer Redundanzen und archetypischen Konfigurationen. Die Ufa konkurrierte nicht nur in Grösse und Spezialeffekten mit dem US-Film, sondern wollte auch eine Romanze für das Zeitalter der Maschinen präsentieren - eine epische Geschichte, wie sie zuvor nur die Amerikaner zu erzählen wussten. Auch wenn METROPOLIS die Hoffnungen der Ufa nicht erfüllte, reproduzierte der Film doch sehr akkurat die doppelte Plot-Struktur der klassischen Hollywood-Narration, in der Märchen und Romanze mit einer Abenteuerhandlung und einer Suche verwoben werden. (...) Neben der Romanze zwischen Freder und Maria gibt es das romantisch-gotische Märchen des Zauberlehrlings: Ein Erfinder erschafft ein künstliches menschliches Wesen, das Zerstörung über alle Beteiligten bringt. Dagegengestellt ist die Intrige um den ,Schmalen' - Auge und Ohr des Herrschers über Metropolis - und der schliesslich vereitelte Plan, die Helfer des Helden zu neutralisieren. Die zweite Intrige ist Rotwangs Rache, der versucht, den Sohn des Mannes zu zerstören, der ihm seine Liebe raubte. (...) Neben den Elementen aus Volkserzählungen war weder der Symbolismus von der Jungfrau Maria noch die Aufteilung in Jungfrau und Hure vorherigen Kommentatoren entgangen, doch in der zynischen Berliner Atmosphäre von 1927 wurde die Figur der Maria mit unverhüllter Häme begrüsst. (...) In seinem einflussreichen Essay The Vamp and the Machine nimmt Andreas Huyssen zwei traditionelle Motive der Weimarer Republik auf: den ängstlichen Mann und den technophoben Kulturpessimismus der Intellektuellen. Seine Hauptthese lautet, dass dem Film eine sinnreiche und originelle Lösung dieser beiden Komplexe gelingt, indem eine Geschichte konstruiert wird, in der die kulturell verhältnismässig junge Furcht vor ,unkontrollierbarer Technologie' auf die archaischere Furcht vor ,unkontrollierbarer weiblicher Sexualität' projiziert wird. Der Stil korrespondiert mit dieser Bewegung auf der ideologischen Ebene: Das expressionistische Pathos in der Sprache der Figuren wird schliesslich von der kühlen Maschinenästhetik der Neuen Sachlichkeit begrenzt." (Thomas Elsaesser, Metropolis, 77-81, gekürzt)



Die DVD-Edition von Euroka-Video besticht durch die optische Qualität der sorgfältigen Restaurierung des Films und zeigt den Film in einer wohl einmaligen Brillianz. Höchst interessant sind auch die Beiträge über den 'Fall Metropolis' sowie die Dokumentation über den Restaurierungsprozess. (lhg)

2008 wurden in Argentinien verschollene Fragmente aus der Originalfassen gefunden. Sie sollen restauriert und in einer neuen Version integriert werden.



«Entdeckt wurde diese weltweit einzigartige "Metropolis"-Fassung von Fernando Martín Peña und der Direktorin des Museo del Cine, Paula Félix-Didier, in Argentinien. Im Museo del Cine in Buenos Aires lagerte ein 16-mm-Negativ des Films, das 30 Minuten Filmmaterial enthielt, das in keiner anderen überlieferten Kopie zu sehen war. Dank dieser Szenen vermittelt die aktuelle Restaurierung einen authentischen Eindruck von der ursprünglichen Fassung des Films, auch wenn noch immer etwa 300 Meter fehlen. Die Verstümmelung des Monumentalfilms begann kurz nach seiner Premiere am 10. Januar 1927 im Berliner Ufa-Palast am Zoo. Die Uraufführungsfassung von 4189 Metern lief vier Monate ohne Erfolg, weshalb die Ufa den Film zurückzog und um circa 30 Minuten auf 3241 Meter kürzen liess. Dabei orientierte sie sich an der amerikanischen Verleihfassung von 1926. Der von Paramount beauftragte Theaterautor Channing Pollock hatte den Film damals um etwa ein Viertel auf die gängige Kinolänge von 3100 Meter gekürzt und alle "kommunistischen Tendenzen" eliminiert. Kurz nach der Premiere und noch vor den Kürzungen erwarb der argentinische Filmverleiher Adolfo Wilson eine Kopie, die er ab 1928 in argentinischen Kinos einsetzte. Nach der kommerziellen Auswertung gelangte diese Kopie in den privaten Besitz des Filmkritikers Manuel Peña Rodriguez, dessen Sammlung später an das Museo del Cine Pablo C. Ducrós Hicken gegeben wurde. In den 70er-Jahren wurde von der inzwischen stark beanspruchten Nitrokopie eine Sicherheitskopie als 16-mm-Negativ gezogen. Das leicht entflammbare Nitromaterial, dessen Beschädigungen im Duplikat nun verewigt sind, wurde anschliessend vermutlich vernichtet. Eine der grossen Herausforderungen der Filmrestaurierung ist der problematische Zustand des in Argentinien wiederentdeckten 16-mm-Materials, das von einer stark abgenutzten 35-mm-Verleihkopie gezogen wurde. Trotz modernster Restaurierungstechnik wird der Unterschied der wiederentdeckten Teile zur Qualität der Fassung von 2001 immer sichtbar sein. Das 16-mm-Material wurde bei ARRI in München gescannt und unter Einsatz einer individuell entwickelten Software bei alphaω im Einzelbildverfahren retouchiert. Eine weitere Herauforderung lag in der Wiederherstellung der ursprünglichen Montage des Films. Dafür spielt die überlieferte Originalmusik von Gottfried Huppertz eine entscheidende Rolle. Archiviert sind im Filmmuseum Berlin seine handschriftliche Partitur für grosses und kleines Orchester sowie ein handschriftliches Particell und der gedruckte Klavierauszug, der 1028 Synchronmarken enthält. Mit Hilfe dieser originalen Musikmaterialien wurde sowohl die Platzierung des wiederentdeckten Materials verifiziert, als auch eine Korrektur der Schnittfassung der bisher kursierenden "Metropolis"-Kopie vorgenommen, die zuletzt 2001 überarbeitet worden war. Für die Rekonstruktion der Musikfassung zeichnet Frank Strobel verantwortlich, der als Dirigent und Musikhistoriker zusammen mit Anke Wilkening (Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung) und Martin Koerber (Deutsche Kinemathek) die aktuelle Restaurierung betreut hat.
Parallel liefen die Vorbereitungen zur Wiederaufführung und Musikeinspielung, koordiniert von der Filmredaktion ZDF/ARTE in Zusammenarbeit mit dem RSB, Deutschlandradio und der Europäischen Filmphilharmonie. Dabei entstand ein komplett neuer Notensatz auf der Grundlage der überlieferten handschriftlichen Musikmaterialien, der von der Filmphilharmonie sowohl als Urtextausgabe wie auch als kritisch-editorische Aufführungsausgabe veröffentlicht wird.
Restauriert wurde "Metropolis" von der in Wiesbaden ansässigen Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Kooperation mit ZDF und ARTE, gemeinsam mit der Deutschen Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen (Berlin) und in Zusammenarbeit mit dem Museo del Cine Pablo C.» (Nina Goslar, Presse ZDF / Arte, Februar 2010)

Metropolis ist ein Film, der im Jahr 1926 in Deutschland produziert wurde. Regie führte Fritz Lang, mit Brigitte Helm, Rudolf Klein-Rogge, Alfred Abel, Gustav Fröhlich, Fritz Rasp, in den wichtigsten Rollen. Der Film hatte am 10. Januar 1927 in Berlin, UFA Palast am Zoo seine Premiere.

Szenenphoto aus Metropolis, © Universum-Film AG (UFA), Berlin


Literatur Hinweise - Fernaldo di Giammatteo, 100 film da salvare, pg 65ff
- Deutsche Spielfilme von den Anfängen bis 1933, hg von Günther Dahlke und Günther Karl, Berlin 1988, pg 143ff
- Filme für Filmfreunde I, pg 38f
- Il Cinema Ritrovato, Bologna 2010 Katalog, pg 21f
Szenenphoto aus Metropolis, © Universum-Film AG (UFA), BerlinSzenenphoto aus Metropolis, © Universum-Film AG (UFA), Berlin

Referenzen zum Film in anderen Datenbanken:

    Unter anderem wurde der Film bei folgenden Filmfestivals aufgeführt:


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