Woman in the Window

Gefährliche Begegnung, Die Frau im Fenster

Regie: Fritz Lang, , USA, 1944

    Plakatmotiv Woman in the Window, © International Pictures, RKO Radio Pictures

    Stills and posters © International Pictures, RKO Radio Pictures


    Stab und Besetzung

    Produktion International Pictures
    RKO Radio Pictures
    Regisseur Fritz Lang
    Drehbuch Nunnally Johnson
    Nach einer Vorlage von J.H. Wallis [Roman oder Erzählung «Once off guard»]
    Kamera Milton Krasner
    Musik Arthur Lang
    Schnitt Gene Fowler jr.
    Marjorie Johnson
    Architekt Duncan Cramer
    Set Decoration Julia Heron
    Kostümbild Muriel King
    Spezialeffekte Vernon L. Walker
    Tonmeister Frank McWhorter
    Darsteller Harry Hayden
    Edward G. Robinson [Prof. Richard Wanley]
    Joan Bennett [Alice Face]
    Raymond Massey [Frank Lalor]
    Edmond Breon [Dr.Michael Barkstane]
    Dan Duryea [Heidt/Tim , der Portier]
    Thomas E. Jackson [Inspector Jackson, Mordkommission]
    Dorothy Peterson [Mrs. Wanley]
    Iris Adrian [Strassenmädchen]
    Frank Dawson [Collins , der Kellner]
    Arthur Loft [Claude Mazard]
    Bobby Blake
    Carol Cameron
    Wedgwood Nowell [Man at Club (Nicht genannt )]

    Technische Angaben
    Kategorie: Langspiel Film
    Technische Info: Format: 35 mm, 1:1,37 - Ratio: 1:1,37 - Schwarz-Weiss Film,Länge: 94 Minuten
    Tonsystem: mono
    Premiere: 10. Oktober 1944 in
    Szenenphoto aus Woman in the Window, © International Pictures, RKO Radio Pictures

    Inhaltsangabe
    Richard Wanley ist Psychologieprofessor mit einem bevorzugten Thema: der Zusammenhang zwischen Freud'schen Begierden und Kriminaltaten. Als er eines Tages in einem Schaufenster das Bildnis einer wunderschönen Frau entdeckt, trifft ihn die Liebe wie ein Blitz. Und dann steht ihm die schöne Unbekannte plötzlich leibhaftig gegenüber. Ohne nachzudenken folgt Wanley der Frau, die ihn mit weiblicher Verführungskraft bis in ihre Wohnung lockt. Glücklich, dem Objekt seiner Begierde so nah zu sein, lässt er sich gerne auf die eindeutigen Absichten der Frau ein. Doch die Situation kippt schlagartig, als plötzlich der Liebhaber der Femme Fatale zur Tür reinplatzt. Gepackt von eifersüchtiger Mordlust, wird dieser zur tödlichen Bedrohung für Wanley. Ohne lange zu zögern greift der sonst so besonnene Professor zum nächstliegenden Gegenstand, mit dem er sich gegen den Mann zur Wehr setzt - und ihn ungewollt ermordet. Aus Angst vor den Folgen seiner Tat entscheidet Wanley, nicht die Polizei zu rufen. Als Vollblut-Kriminologe weiss er selbst allzu gut, wie ein Mörder sich verrät, und beseitigt darum minutiös alle Spuren seines Verbrechens. Danach verfolgt er angstvoll die Ermittlungen der Polizei, die sich auf die Suche nach dem Mörder macht. Noch kann er nicht ahnen, welche überraschende Wendung "sein" Fall nehmen wird... (arte Presse)

    Kritiken : «In weiten Teilen spannendes Werk des amerikanischen film noir, fesselt THE WOMAN IN THE WINDOW durch die Dichte der Atmosphäre der schwarz-weiss Photographie, geschickte Steigerung der verknoteten Handlungsstränge und die präsente Schauspielerleistungen von Edward G. Robinson und Joan Bennett. Das Ende lässt einen aber doch eher konsterniert zurück.» (lhg 2006)

    «Über diesem Film thront Lang wie ein Hellseher, der genüsslich die Karten legt, dann aber selbst erschrickt ob der bösen Omen, und am Ende alles wieder zusammenräumt: War nicht so gemeint! Es trifft natürlich Edward G. Robinson, den geduckten Kleinbürger, der hier nicht wie in SCARLET STREET unter einer übermächtigen Ehefrau leidet, sondern glücklich verheiratet ist, einem schönen Beruf als Universitätslehrer nachgeht und seine Strohwitwerlaune ein wenig nach Vorschrift bekommt - weil sich das eben so gehört unter Philistern, wenn die Frau mit den Kindern verreist ist. „The Woman in the Window" ist das Bild, das vor dem Eingang zum Club zu sehen ist. Die männlichen Fantasien entzünden sich daran, und einmal zeigt Lang ein Schaufenster, in dem keine Waren zu sehen sind, sondern nur ein Bild, zu dem sich das Vorbild erst finden muss. Der Auftakt entbehrt nicht einer gewissen Deutlichkeit, wenn Professor Wanley in einem Hörsaal über Freuds Theorie der Libido und der Ambivalenz doziert. Die Logik des Traums liegt dann auch über den Abwegen, auf die Wanley während der Abwesenheit seiner Frau gerät. Er trifft die Frau auf dem Bild, die sich in die Wirklichkeit hinein verdoppelt, und folgt ihr nach Hause. Dort wird er von ihrem Liebhaber überrascht und tötet ihn im Reflex. Als er wieder einen klaren Kopf hat, erkennt er, dass sich die Spuren des Verbrechens beseitigen lassen, und dass nichts in seinem bisherigen Leben auf eine Verwicklung in das Verschwinden eines Geschäftsmannes hinweisen würde. Jedes Detail und jede Figur hat von nun an Entsprechungen, denn Lang baut die Geschichte (Tom Gunning spricht von „paranoid plotting") entlang der Überlagerung von Indizien: Zuerst lässt Wanley Spuren verschwinden (dabei hinterlässt er neue), dann macht Lang den Professor zum Zeugen der Ermittlungen gegen den Verdächtigen, als den Wanley sich selbst weiss; dann sieht er sich mit Alice Reed zum zweiten Mal in eine Komplizenschaft gezwungen, an deren Ende er resigniert: Alle seine Schritte haben das Schlamassel nur vergrössert, und erst jetzt, als er ausweglos verloren ist, geschieht etwas, das ihn rettet: Die falschen Annahmen der Polizei breiten über Wanleys Irrweg eine Deckerinnerung, aber der erlösende Anruf erreicht ihn nicht mehr. Die letzten Einstellungen dieses Films versammeln alle Bestandteile des Lang-Fatalismus: Die Uhr, das Wasser, das Telefon. Keine wissenschaftliche Hypothese vermag den Professor mehr zu erreichen, rettungslos ist er in der Ambivalenz des Daseins verloren. Dann zieht Lang noch eine Karte - zurück.» (filmarchiv Austria)

    «... WOMAN IN THE WINDOW gehört zur Schwarzen Serie wegen seiner Hell-Dunkel-Technik und seiner Nachtszenen - wie die Entdeckung der Leiche des Erpressers, zusammengekrümmt unter einer Steintreppe, die in einen Keller führt - und ebenso durch seine steigende Spannung, die dem Werk trotz seiner unerbittlichen Logik einen albtraumhaften Rhythmus gibt...» (Borde - Chaumeton)

    «... Der Film geht in kleinen Schritten voran, häuft kleine realistische Details im Dialog, im Spiel, die dem Film Rhythmus und Einheit geben. Diese Details sind in eine 'Aura' eingebettet, die sie unterstreicht wie in HANGMEN ALSO DIE und die sich in Form eines beängstigenden Schweigens einstellen kann, das einem interessanten Satz folgt, oder in einer Einstellung, die ein Detail falsch wiedergibt und einer Reihe allgemeiner Einstellungen folgt, oder in einer Montage, die den Zuschauer überfällt. Die Kraft des Films liegt in seiner natürlichen, harmlosen, realistischen Sicht der gezeigten Details. Mit Ausnahme eines plötzlichen Gewitters und dem nächtlichen Spiel der Lichter auf den Strassen von New York bleibt alles recht einfach. Das Phantastische, der bedrückende Charakter des Filmse ntstehen aus übergrosser Klarheit der Ausleuchtung, einer übergrossen Nacktheit des Decors, einem zu langsamen Tempo. Die Schablonen des Horrorfilms werden hier durch ihr Gegenteil ...

    Diese moderne Phantastik, die Langs Konzeption der Welt auf unser alltägliches Leben anwendet, markiert den Schlusspunkt seiner Kunst: DIE NIBELUNGEN, M und THE MINISTRY OF FEAR und ihr Exotismus, ihre Fremdehit uns Aussergewöhnlichkeit lagen dem fern, der sich an die vordergründigen Erscheinungen unseres Lebens hält. Aber hier werden wir alle durch den alten Professor anvisiert. Der Realismus akzentuiert nur die Identifikation mit dem Helden und erklärt den Erfolg bei der Kritik, den einzigen - zusammen mit HANGMEN ALSO DIR - den Lang zu jener Zeit erreichte...» (Luc Moullet: Fritz Lang)

    «... Als es aber höchst tragisch wird, und der Selbstmord des Professors unwiderruflich scheint, geht das ganze geschickt in die Wirklichkeit der Rahmenhandlung über - das heisst, der Professor hat das böse Abenteuer nur geträumt. Der liebenswürdige Schluss löst mit seinem launigen Augenzwinkern ein befreites Lachen aus...." (Katholischer Film Dienst, Nr. 700)

    Anmerkungen : «Der Name Sigmund Freuds, in der Vorlesung des Professors für Kriminalpsychologie, Richard Wanley, gross auf der Tafel zu lesen, setzt den Ton für diesen raffinierten Film noir. Als Wanley, wie so oft, sehnsüchtig das Gemälde einer schönen Frau in einem Schaufenster betrachtet, steht diese plötzlich neben ihm. Doch die erfüllte Männerfantasie entwickelt sich zum Alptraum, der Professor verheddert sich in einem Gespinst aus Leidenschaft, Gewalt und Schuld und kann am Ende froh sein, dass es aus seinem Wunschtraum ein Erwachen gibt.» (filmarchiv.at)

    «Die Geschichte eines amerikanischen "Professor Unrat" auf Abwegen basiert auf J.H. Wallis' Roman "Once Off Guard". "Gefährliche Begegnung" ist ein Film Noir, der nicht die Frage nach der Identität des Mörders in den Mittelpunkt stellt, sondern die Strategien, mit denen die Polizei einem Verbrecher auf die Schliche kommt. Von Beginn an streut das Gemeinschaftsprojekt von Fritz Lang und Drehbuchautor Nunnally Johnson Hinweise auf den Konflikt, in den die Hauptfigur Richard Wanley im Laufe des Films gerät. Für den Drehbuchautor Nunnally Johnson, der 1944 eine eigene Filmproduktionsfirma gründet, stellt "Gefährliche Begegnung" eines seiner ersten Projekte dar. Sein Einfluss ist dem Film deutlich anzumerken, was diesen zu einer interessanten Variante in Fritz Langs Werk macht.
    Fritz Lang wird 1890 in Wien geboren und gilt als Revolutionär des Films, der mit seinen Regiearbeiten sowohl die Stummfilm- als auch die Anfänge der Tonfilmzeit bereicherte. Durch eine dem Regisseur eigene Ästhetik und eine oft expressiv-düstere Atmosphäre wurden Filme wie "Dr. Mabuse" (1922), "Metropolis" (1926) oder "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" (1931) zu Meilensteinen der Filmgeschichte. Als die Nationalsozialisten nach der Machtübernahme 1933 "Das Testament des Dr. Mabuse" verboten, wandert Lang erst nach Frankreich, später in die USA aus, wo er bis 1956 lebt und arbeitet. Sein letztes Projekt stellt in Zusammenarbeit mit Jean-Luc Godard Anfang der 60er Jahre der Film "Die Verachtung" (1963) dar, in dem Lang sich selbst als Filmregisseur inszeniert.» (ARTE Presse)

    «Als ich WOMAN machte, wurde ich von den Kritikern gescholten, ihn als Traum enden zu lassen. Ich bin nicht immerobjektiv meinem Werk gegenüber, aber in diesem Fall war meine Entscheidung bewusst. Wenn ich die Geschichte in ihrer logischen Konklusion festgesetzt hätte, wäre ein Mensch gefangen und exekutiert worden, wegen eines Mordes, den er beging, weil er einen Moment "off guard" war. Selbst wenn er nicht wegen des Verbrechens verurteilt worden wäre, wäre sein Leben verpfuscht gewesen. Ich wies dieses logische Ende zurück, weil es mir defätistisch erschien; eine Tragödie um nichts, von einem unversöhnlichen Schicksal herbeigeführt - ein negatives Ende für ein nicht universales Problem, eine wirkungslose Traurigkeit, die ein Publikum nicht annehmen würde. WOMAN erfreute sich eines beachtlichen Erfolges, und während es meinerseits Rückschau (Erfahrung) ist, glaube ich, dass der Erfolg des Films mit einem anderen Ende geringer gewesen wäre.» (Fritz Lang)

    Woman in the Window ist ein Film, der im Jahr 1944 in USA produziert wurde. Regie führte Fritz Lang, mit Edward G. Robinson, Harry Hayden, Joan Bennett, Raymond Massey, Edmond Breon, in den wichtigsten Rollen. Der Film hatte am 10. Oktober 1944 seine Premiere.



    Literatur Hinweise Dieter Krusche, Filmführer, Reclam, pg 584f

    Referenzen zum Film in anderen Datenbanken:

      Unter anderem wurde der Film bei folgenden Filmfestivals aufgeführt:


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