Hoffmanns Erzählungen

Regie: Richard Oswald, , Deutschland, 1916


    Stab und Besetzung

    Produktion Lothar Stark Film GmbH, Berlin
    Produzent Richard Oswald
    Lothar Stark
    Regisseur Richard Oswald
    Drehbuch Fritz Friedmann-Friedrich
    Richard Oswald
    Nach einer Vorlage von E.T.A. Hoffmann
    Kamera Ernst Krohn
    Kurt Krohn
    Architekt Manfred Noa
    Hermann Warm
    Darsteller Kurt Wolowsky [Der junge Hoffmann]
    Max Ruhbeck [Der Onkel]
    Paula Ronay [Die Tante]
    Werner Krauss [Conte Dappertutto]
    Friedrich Kühne [Coppelius, Brillenhändler]
    Ernst Ludwig [Rat Crespel]
    Nelly Ridon [Frau Rat Crespel]
    Ferdinand Bonn [Stadtrat Lindorf]
    Alice Hechy [Antonio, ein Automat]
    Erich Kaiser-Titz [E.T.A. Hoffmann]
    Louis Neher [Schlemihl]
    Ressel Orla [Antonia, Tochter Crespel]
    Ruth Oswald [Die kleine Antonia]
    Käte Oswald [Stella, Schauspielerin]
    Lupu Pick [Spalanzani, Museumsdirektor]
    Thea Sandten [Giulietta]
    Andreas von Horn [Dr. Mirakel]
    Sigmund Nunberg
    Ernst Pittschau

    Technische Angaben
    Kategorie: Langspiel Film
    Technische Info: Format: 35 mm, 1:1,33 - Ratio: 1:1,33 - Schwarz-Weiss Film,, 1585 Meter, 3 Akte
    Tonsystem: silent
    Premiere: 25. Februar 1916 in Berlin, Marmorhaus
    Erstzensur: Berlin Polizei No BPZ.38960 Entscheid: Jugendverbot
    Vorhandene Kopien: Kopien des Films sind erhalten [Archiv: Bundesarchiv - Filmarchiv]

    Inhaltsangabe
    Der junge Hoffmann lebt bei seinem Onkel in Jena, der ihm herzlich verhasst ist, ebenso wie einige Gestalten aus dem Bekanntenkreis: Conte Dapertutto, die Alchemisten Coppelius und Spalanzani und der Arzt Dr. Mirakel.
    Um diese Figuren entspinnen sich, Jahre später, drei unglückliche Liebesgeschichten: (1) Durch Coppelius′ Wunderbrille, die alles Tote lebend zeigt, verliebt dieser sich in die Tanzpuppe Olympia. (2) Conte Dapertutto hetzt Hoffmann und Schlemihl, die sich beide um Giulietta bemühen, zum Duell, in dem Schlemihl stirbt; Dapertutto macht sich mit dessen Gold und der Angebeteten davon. (3) Dr. Mirakel stiftet Hoffmann an, Antonia, die Tochter des Rats Crespel, tanzen zu lassen, was tödlich für sie endet. Hoffmann zieht weiter nach Berlin. (www.filmportal.de)

    «Im Prolog steht Regisseur Oswald vor dem Grab Friedrich Schillers. Diese ansonsten bedeutungslose Szene dient lediglich dazu, den künstlerischen Anspruch des nachfolgenden Films zu unterstreichen. Der eigentliche Film, der sich in der Inszenierung ganz der Theatersprache unterwirft, ist in drei Akte unterteilt, in denen drei Geschichten mit Hoffmann im Mittelpunkt des Geschehens erzählt werden, die jedoch nicht miteinander verbunden sind.

    Der junge E.T.A. Hoffmann lebt im Jena längst vergangener Zeiten unter dem Dach seines Onkels und seiner Tante. Ebenfalls gehen dort ein und aus der Graf Dapertutto, der Brillenhändler Coppelius, der Museumsdirektor Spalanzani und der Arzt Dr. Mirakel. Rasch entwickelt Hoffmann gegenüber all diesen mysteriösen und zwielichtig erscheinenden Gestalten eine tiefe Abneigung, zumal er bei ihnen eine sehr feindliche Gesinnung verortet. Diese Hoffmann verhassten Figuren finden schliesslich Eingang in drei von dem jungen Autoren verfassten, äusserst unglücklich verlaufenden Liebesgeschichten und nehmen dort dämonische Züge an.

    Die erste Geschichte: Spalanzani besitzt die mechanische Puppe Olympia, ein lebensgrosses, sehr hübsches Wesen. Coppelius, wie Spalanzani eine höchst merkwürdige und unheimliche Gestalt, bekommt von Spalanzani noch Geld und erhält stattdessen einen Wechsel. Von Coppelius erwirbt Hoffmann eine sonderbare Brille. Die Welt, gesehen durch diese Brille, erweist sich als völlig anders; die Dinge erscheinen dem Sehenden in einem euphorisierenden Licht. Als Hoffmann Olympia durch diese Brille sieht, erkennt er nicht, dass sie eine Puppe ist. Rasch verliebt er sich in sie, und obwohl ihre hampelnden Tanzbewegungen sehr eckig und kantig sind erkennt er noch immer nicht, dass dieses reizende Wesen nicht real ist. Als Coppelius erzürnt zurückkehrt, weil Spalanzanis Wechsel geplatzt ist, zerstört er wutentbrannt Olympia.

    Die zweite Geschichte: Handlungsort ist hier ein venezianischer Palast. Die verführerische Giulietta feiert mit ihren Gästen ein Bacchanal. Auch Hoffmann ist anwesend und gibt sich ganz dem Genuss des Weines hin. Plötzlich erscheint Schlemihl, ein äusserst eifersüchtiger Zeitgenosse, der wie alle anderen Anwesenden Giuliettas Nähe sucht. Diese versucht schlichtend auf alle einzuwirken, damit die Gefühle der jungen Heisssporne nicht dramatische Formen annehmen. Als Conte Dapertutto erscheint, wenden sich die Dinge zum Schlimmeren. Er besitzt einen Diamanten, dessen Funkeln ihm Macht über Frauen verleiht. Giulietta ist augenblicklich von diesem Diamanten fasziniert. Dapertutto gelingt es, Schlemihl und Hoffmann, der soeben sein gesamtes Geld beim Kartenspiel an diesen verloren hatte, aufeinander zu hetzen. Daraufhin fordert Hoffmann Revanche von Schlemihl. Beide spielen erneut Karten. Schliesslich kommt es zum Duell der beiden Kampfhähne um Geld und Gunst der Giulietta. Schlemihl wirft keinen Schatten mehr, hat er diesen doch bereits über Giulietta an Dapertutto verloren. Schlemihl fällt in diesem Duell, von einem Hieb Hoffmanns mit Dapertuttos Degen durchbohrt. Nun muss Hoffmann fliehen. Als er Giulietta zum letzten Mal begegnet, überlässt er ihr, in tiefer Liebe ergeben, sein eigenes Spiegelbild, ganz wie von Dapertutto geplant. Diese macht sich jedoch nur über ihn lustig. Nunmehr ohne lästige Konkurrenz, ergreift Dapertutto Schlemihls Gewinn und nimmt sich auch gleich noch Giulietta.

    Die dritte Geschichte: Diese Szene spielt im Hause des Rat Crespel. Antonia ist die Tochter des verwitweten Hausherrn. Dessen Frau litt einst an einer seltenen Krankheit, die durch Singen ausgelöst wurde, und starb daran. Auch das Gesangstalent Antonia, so befürchtet der Rat, könnte demselben Schicksal erliegen. Als Hoffmann Antonia näher kennenlernt, verlieben sich beide ineinander. Zur Freude ihres Vaters willigt sie ein, dieser Liebe willen auf eine Karriere als Sängerin zu verzichten. Doch der mysteriöse Dr. Mirakel, der durch sein unheilvolles Wirken schon das Leben von Antonias Mutter auf dem Gewissen hat, versucht auch in Antonias Fall seine schreckliche Macht auszuüben. Ihm gelingt es, Antonia glauben zu machen, dass ihre Mutter aus dem Jenseits mit ihr kommunizieren und sie dazu auffordern würde, auch weiterhin nach Herzenslust zu singen. Antonia folgt dieser Aufforderung und stirbt. Zutiefst verzweifelt und erschüttert verlässt Hoffmann das Crespel'sche Haus und flieht.» (wikipedia)

    Kritiken : Hoffmanns Erzählungen

    Die Marmorhaus-Lichtspiele in Berlin hatten gestern, Freitag, ihren grossen Abend. Man sah die besten Kreise Berlins vertreten, die ersten Mitarbeiter der Berliner Tageszeitungen, Fritz Engel vom Berliner Tageblatt, Professor Klahr von der Vossischen Zeitung waren erschienen, um der Uraufführung des neuesten Filmwerkes von Richard Oswald beizuwohnen.

    Es gab richtige Premieren-Stimmung, wie man solche noch selten im Kinotheater bemerken konnte. Mit Spannung erwartete man den Beginn der Vorstellung, die den Film "Hoffmanns Erzählungen" bringen sollte.

    Inhaltlich deckt sich die Handlung des Films nicht mit der bekannten und so beliebten Oper. Die freie Bearbeitung des Stoffes war im Interesse des Gelingens des ganzen Werkes von Richard Oswald richtig erkannt und zweifellos notwendig. Gerade das was in der Oper so schwer verständlich ist, tritt in dem Film klar in den Vordergrund. Das Filmwerk ergänzt trotz der freien Bearbeitung des Stoffes die Oper und ist zweifellos berufen, diese noch mehr dem Volke zuzuwenden.

    Richard Oswald hat als Regisseur in diesem Filmwerk wirklich etwas ganz hervorragend Gutes geleistet. Er hat ein Werk geschaffen, das nicht ihm allein alle Ehre macht, nicht nur seinen Ruf als Regisseur festigt, sondern im Interesse der Kinematographie zur Hebung ihres Ansehens beitragen muss. Wo sind dem Film "Hoffmanns Erzählungen" gegenüber die Feinde des Kinos, die da besagten, dass im Film keine Kunst zu finden sei?

    Die Regie atmet Liebe, Sorgfalt und künstlerisches Empfinden. Jede Szene bringt einzig schöne Motive, die im Film malerisch wirken. Die einzelnen Rollen sind durchweg ganz hervorragend beisetzt. Der junge Hoffmann (Kurt Wolowski) lässt in seiner Darstellung für die Zukunft mancherlei Erwartungen zu und Kaiser-Titz, als Hoffmann hat Hervorragendes geleistet. Die Träger der übrigen Rollen, ja selbst die Statisterie waren gut eingespielt und trugen viel zum Gelingen des Ganzen bei.

    Richard Oswald hat sich bei diesem Filmwerk zweifellos eine hohe Aufgabe gestellt, diese aber in so vornehmer und glänzender Form erfüllt, dass wir ihm zu dem Erfolg nur gratulieren können.

    Zu diesem guten Werk gehört auch zweifellos die richtige Theaterregie. Was Oswald im Film geleistet, hat Siegbert Goldschmidt in der Form der Inszenierung des Ganzen getan. Die Musik war von ihm harmonisch zum Film zusammengestellt, als ob Offenbach diese für den Film eigens geschrieben hätte.» (Lichtbild-Bühne, Nr. 8, 26.2.1916)

    Es gibt doch immer wieder Filme, deren Erstaufführung man mit ganz besonderer Spannung erwartet, sei es, dass der Name eines berühmten Mitwirkenden interessiert, sei es, dass vorher über technische Neuheiten geheimnisvoll gesprochen wird, die man nun kennen lernen will, oder sei es endlich ein künstlerisch bedeutsames Motiv, das die Inszenierung rechtfertigt. Über den neuen Film "Hoffmanns Erzählungen" von Fritz Friedmann-Frederich und Richard Oswald (Richard Oswald-Serie) waren die verschiedensten Gerüchte im Umlauf, und ich müsste von der Wahrheit abweichen, wollte ich sagen, dass sie einen günstigen Schluss auf das Gelingen dieses Films zuliessen. Alles Gerede und Miesmacherei! Die Uraufführung im "Marmorhaus" war für diejenigen, die ihren E. T. A. Hoffmann kennen, die Offenbachs Schwanengesang lieben, die aber auch die Bedeutung des Kinematographen für die Kunst zu würdigen wissen, ein Ereignis. Daran wird auch dadurch nichts geändert, dass irgend ein Kritiker in einer Tageszeitung glaubt, eine so ernste künstlerische Arbeit mit Schnoddrigkeit abtun zu können. Es handelt sich unbedingt um eine künstlerische Arbeit, die der Anerkennung wert ist. Hoffmanns Persönlichkeit, seine phantastischen Schriften, schreien förmlich nach der Verfilmung. Die Verfasser haben sich bei ihrem Tun von dem Gedanken leiten lassen, die auch dem Eingeweihten nicht ganz verständliche Handlung des Offenbachschen Buches klarer zu gestalten. Sie zeigen uns den jungen Hoffmann, dem im Hause seines Onkels alle diejenigen Personen bekannt und ihm feindlich gesinnt werden, die dann später in seinen drei Liebesgeschichten als böse Dämonen auftreten. So erkennt er jedesmal ihr Erscheinen gleichsam als eine Strafe für sein Verhalten im Hause des Onkels an. Auch die Einführung der Mutter Antonias, die gleich ihrer Tochter an der Liebe zum Tanz und nicht wie bei Offenbach zum Gesang, zugrunde geht, zeugt von grossem Geschick. Würdigt man hiermit den literarischen Gehalt des Films, so muss man andererseits auch der Inszenierung das grösste Lob spenden. Der Regisseur verlegt die Handlung in das altertümliche Jena und hat dadurch günstige Gelegenheit, vielen Szenen auch einen geheimnisvollen äusseren Rahmen zu geben. Da er seinen Künstlern, unter denen sich die Damen Ronay, Ridon, Käte Oswald, Alice Scheel-Hechy, Thea Sandten, Resel Orla und die Herren Wolowsky, Krauss, Kühne, Pick, von Horn, Ferdinand Bonn, Pittschau und in der Titelrolle Erich Kaiser-Titz befinden, die rechten Masken und ein die Handlung klar darlegendes Spiel gegeben hat, konnte die grosse tiefgehende Wirkung nicht ausbleiben. Und was man im Lichtspieltheater so selten erlebt, hier trat es ein, nach jedem Akt wurde lebhaft applaudiert. Gewiss, auch die Mitwirkung der Musik hat zur Erhöhung des Eindrucks beigetragen, um so mehr als die Offenbachsche Hoffmann-Musik sehr geschickt von Direktor Goldschmidt eingerichtet ist und vom verstärkten Orchester unter Leitung des Kapellmeisters A. Wolfheim ausserordentlich feinfühlend und stilgerecht gespielt wurde.» (Der Kinematograph, Nr. 479, 1.3.1916)

    «...) Eine Ausgrabung aus der Vorkriegszeit, die höchstens Kuriositätswert hat, da an ihr vergleichsweise deutlich die Fortschritte festzustellen sind, die die Lichtbildkunst und die ihrer Darsteller inzwischen gemacht haben. Werner Krauss ist der einzige, der bereits hier als starkes Filmtalent hervortritt. In der Inszenierung interessieren einige hübsche alte Städtebilder. » (Der Kinematograph, Nr. 746, 5.6.1921) [zitiert nach www.filmportal.de]

    Anmerkungen : Werner Krauss' erste Filmrolle (Lamprecht)

    Hoffmanns Erzählungen ist ein Film, der im Jahr 1916 in Deutschland produziert wurde. Regie führte Richard Oswald, mit Kurt Wolowsky, Max Ruhbeck, Paula Ronay, Werner Krauss, Friedrich Kühne, in den wichtigsten Rollen. Der Film hatte am 25. Februar 1916 in Berlin, Marmorhaus seine Premiere.



    Literatur Hinweise - Film No. 1, 1916
    - Lichtbildbühne No. 16, 1916
    - Lichtbildbühne No. 2, 1916
    - Kinematograph No. 479, 1916
    - Lichtbildbühne No. 8, 1916
    - Kinematograph No. 746, 1921
    - Lichtbildbühne No. 1, 1916
    - Lichtbildbühne No. 4, 1916
    - Lichtbildbühne No. 5, 1916
    - Film No. 6, 1916
    - Lichtbildbühne No. 9, 1916
    - Verbotene Kinematographenbilder No. 26, 1916,, pg 17
    - Verzeichnis in Deutschland gelaufener Filme. München 1980 (München) No. 360, 1916

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