Der Student von Prag

Regie: Henrik Galeen, , Deutschland, 1926

    Plakatmotiv Der Student von Prag, © Sokal-Film GmbH.

    Stills and posters © Sokal-Film GmbH.


    Stab und Besetzung

    Produktion H.R. Sokal-Film GmbH.
    Produzent Harry R. Sokal
    Produktionsleiter Harry R. Sokal
    Aufnahmeleiter Max Maximilian
    Regisseur Henrik Galeen
    Regieassistent Erich Kober
    Drehbuch Henrik Galeen
    Hanns Heinz Ewers
    Nach einer Vorlage von Hanns Heinz Ewers [Film von 1913]
    Kamera Günther Krampf
    Erich Nitzschmann
    Musik Willy Schmidt-Gentner
    Architekt Hermann Warm
    Darsteller Conrad Veidt [Balduin, Student]
    Elizza La Porta [Lyduschka, Blumenmädchen]
    Fritz Alberti [Reichsgraf von Schwarzenberg]
    Agnes Esterhazy [Komtesse Margit, Schwarzenbergs Tochter]
    Ferdinand von Alten [Freiherr von Waldis-Schwarzenberg, Margits Verlobter]
    Werner Krauss [Scapinelli, Wucherer]
    Erich Kober [1. Student]
    Max Maximilian [2. Student]
    Marian Alma
    Sylvia Torff

    Technische Angaben
    Kategorie: Langspiel Film
    Technische Info: Format: 35 mm, 1:1,33 - Schwarz-Weiss Film,, 3173 Meter, 7 Akte
    Tonsystem: silent
    Premiere: 25. Oktober 1926 in Berlin, Capitol
    Erstzensur: 19. Oktober 1026
    Vorhandene Kopien: Kopien des Films sind erhalten

    Inhaltsangabe
    Das erste Remake des Klassikers von 1913 folgt weitgehend dem Originaldrehbuch von Hanns Heinz Ewers. Prag 1820: Der Student Balduin verkauft sein Spiegelbild an den geheimnisvollen Wucherer Scapinelli. Fortan führt er ein Leben in Saus und Braus und erobert das Herz der Komtesse Margit. Als deren Verlobter, Freiherr Waldis-Schwarzenberg, davon erfährt, fordert er Balduin zum Duell. Balduin verspricht Margit und ihrem Vater, das Leben seines Gegners zu schonen, doch das Spiegelbild nimmt an seiner Statt am Duell teil und tötet den Freiherrn. Balduins Freunde, auch Margit, wenden sich von ihm ab. In seiner Verzweiflung zerschiesst er den Spiegel mit seinem Spiegelbild – doch auch Balduin sinkt, ins Herz getroffen, zu Boden. (www.filmportal.de)

    Kritiken : «Der Student von Prag

    Sind wir wirklich schon in der Ära der Neudrucke und Neuausgaben alter Filme? Haben die Autoren so versagt, dass man offen auf dieselben Motive zurückgreifen muss? Oder spekuliert man schon auf Film-Ästheten, die versnobt auf das filmhistorische "écho du temps passé!" fliegen – : so, wie man altes Meissner sammelt oder Rokokomöbel? Dann wäre dieser Film ein trauriges Symptom. Er ist es nicht. Als der erste "Student von Prag" erschien – es war wohl so um 1910 (tatsächlich 1913, Anm. d. Red.) –, erregte er zwar sensationelles Aufsehen; und doch war die Zeit noch nicht da, die wahrhaft geniale Eingebung, die hinter diesem Sujet steht, ganz zu überblicken. (...) Heute wissen wir, was uns eigentlich so tief erschüttert hat: im Film kann die Identität des Menschen gespaltet werden. Derselbe Mensch kann zweimal auf der Bühne stehen. Er kann gegen sich selbst kämpfen. Er kann sich selbst verführen. Er kann Dinge tun, die "Er" eigentlich gar nicht tut – sondern der zweite "Er", der Doppelgänger. Es gibt im Film die optische Möglichkeit, den ganzen Menschen, den "Menschen mit seinem Widerspruch" zu zeigen; das Unerklärliche am Menschen, das, was tiefer liegt als sein bewusster Wille. Inzwischen ist die Psychoanalyse erfunden worden; man nennt das heute das "Unterbewusstsein"; das alles hat der Film schon damals gezeigt. (...)

    Vor sechzehn (tatsächlich dreizehn) Jahren war Wegener dieser finstere, nihilistische Student von Prag, der sein Spiegelbild an den Wucherer hergibt – der sein triebhaftes Wünsch-Ich über sich hinaustreiben, losgelöst von den Fesseln des bewussten Ich frei schweifen lässt, der durch diesen Sprung über das Ich hinaus erst in die Höhe gerissen, dann in die Tiefe geschleudert wird. Heute ist es Conrad Veidt. Und er ist sicher mindestens so prachtvoll wie sein Vorgänger. Er hat nicht die dumpfe, dunkle Verschlossenheit eines Gefängnisturmes; schon seine Gestalt zwingt ihn, anders zu sein, denn Wegeners monumentale, breite, geradlinige, turmähnliche Gestalt, mit dem Antlitz einer steinernen Götzenmaske darüber, ist hier zum schwankenden Rohr, zur neurasthenischen Verstörtheit geworden. Aber was weiss er daraus zu machen! Man ahnt von Anfang an Böses hinter dieser überheizten Energie der mühsam zusammengehaltenen Züge: es ist, als ob ein wildes Pferd unter der Kandare zuckend stillhielte. Und als der Sturm losbricht, ist es wahrhaftig die tiefe Verstörtheit dessen, der sich verloren hat und nicht mehr finden kann, der sich immer ganz nahe, zum Greifen nahe vor sich sieht und doch nicht mit Händen fassen kann, was aus diesen verstörten Zügen spricht. Es ist seine erste wahrhaft künstlerische Tat seit vielen Jahren. (...)

    Im alten Film wurden die Szenen in Prag gedreht. Auf der alten Schlosstreppe, die zum Hradschin hinaufführt. Im Kaisergarten. Um das Belvedereschloss. Auf dem alten jüdischen Friedhof. Diesmal wurde alles gebaut. Vielleicht ist es nur der Glanz der Kindheitserinnerung, dass es mir heute scheint, es habe damals die Szenerie viel magischer gewirkt. Aber vielleicht doch nicht. Die überwältigende Schönheit dieser Stadtlandschaft war durch künstliche Bauten doch wohl kaum zu erreichen. Galeen hat schon damals die Regie geführt (das stimmt nicht, es war Stellan Rye). Er führt sie auch heute: ruhig, durchgearbeitet, sehr gut ausgewogen: nur in manchen Szenen von etwas gesuchter Interessantheit und Länge der Einstellungen. Erbschaft des forcierten "Kammerspielfilms" von 1922, 1923; jetzt überholt: jene Dimension der Einstellung ist heute die richtige, die uns gar nicht erst auffällt. Eine Kleinigkeit, leicht zu überwinden; im ganzen alles gelungen. Die Doppelgängertricks sind meist vortrefflich; auch hier aber, an ganz besonders schwierigen Stellen, die leider zugleich auch die entscheidenden sind (Herausgehen aus dem Spiegel, Hineingehen in den Spiegel) nicht letzte technische Sicherheit. Wenn man das vor sechzehn Jahren überhaupt machen konnte, hätte man es heute eigentlich vollendet machen müssen. Doch das ist gewiss nur dem Fachmann erkennbar. Der Gesamteindruck ist prachtvoll. Dieser Film, wenn irgendein deutscher aus dieser Saison, verdient den grossen Publikumserfolg.» (Willy Haas, Film-Kurier, Nr. 251, 26.10.1926)

    «Der Student von Prag

    Im Anfang war "Der Student von Prag". Unvergesslich und richtunggebend für deutsche Lichtspielkunst; geschaffen von Hanns Heinz Ewers und Paul Wegener. Zwischen diesem Frühwerk und dem "Studenten" von anno 1926 liegt ein Stück Filmhistorie. Als die Sokal-Filmgesellschaft die glückliche Idee hatte, den von Ewers für den Film gefundenen Stoff noch einmal zu verlebendigen, hat ihr offenbar das Wort "Noblesse oblige" vorgeschwebt. Sie hat diesen Imperativ verwirklicht. Henrik Galeen hat ein Kunstwerk geschaffen, das für seine Regielaufbahn entscheidend sein dürfte. Conrad Veidt gab seit langem seine beste Leistung. (...) Die Handlung, wie sie sich im Film repräsentiert, verlangt noch einige, nicht unerhebliche Schnitte. Auf einige Lieder-Titel kann man gern verzichten: das Flötenkonzert, die Orgie in der Spelunke und vieles andere schreit nach der Schere. Bei einer geschickten Durchkürzung wird der Film an Wirksamkeit nur gewinnen. Dies im voraus. Der Stoff als solcher ist in sich stark und wirksam. Hanns Heinz Ewers' Drehbuch hätte ihn noch mehr pointieren, noch mehr steigern können. Aber er hat vor allem die in diesem Stoff liegende wesentlichste Schwierigkeit zu meistern verstanden: das Hineinspielen des Phantastisch-Voraussetzungslosen in eine reale Handlung. Dieses Hauptproblem des "Studenten von Prag" auch im Spiel der Bildgestaltung und Spielleitung gelöst zu haben, ist eine beachtliche Leistung Galeens. Er schafft den sagenhaft-gespenstischen Einschlag nicht nur durch prachtvoll gelungene Bildstimmungen, nicht nur durch Anwendung filmtechnischer Mittel, sondern in erster Linie durch das Darstellerische. » (H.W. (= Hans Wollenberg), Lichtbild-Bühne, Nr. 225, 26.10.1926)

    (Kritiken zitiert nach www.filmportal.de)

    Anmerkungen : Von der Stummfilmfassung aus dem Jahre 1926 wurde eine Tonfilmversion hergestellt, die 1930 in die deutschen Kinos gelangte. Ein Remake des Films wurde 1935 unter der Regie von Arthur Robison gedreht. (lhg)

    Der Student von Prag ist ein Film, der im Jahr 1926 in Deutschland produziert wurde. Regie führte Henrik Galeen, mit Conrad Veidt, Elizza La Porta, Fritz Alberti, Agnes Esterhazy, Ferdinand von Alten, in den wichtigsten Rollen. Der Film hatte am 25. Oktober 1926 in Berlin, Capitol seine Premiere.

    Referenzen zum Film in anderen Datenbanken:


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