La vérité

Die Wahrheit

Regie: Henri-Georges Clouzot, , Frankreich, 1960

  • TV Tip:

Plakatmotiv La vérité, © Production Company


Stab und Besetzung

Produzent Raoul Lévy
Associate Producer Roger Debelmas
Produktionsleiter Roger Debelmas
Regisseur Henri-Georges Clouzot
Drehbuch Véra Clouzot
Henri-Georges Clouzot
Henri-Georges Clouzot
Kamera Armand Thirard
Schnitt Albert Jurgenson
Ausstattung Jean André
Darsteller Brigitte Bardot [Dominique Marceau]
Claude Berri [Georges]
René Blancard [L'avocat général]
Sami Frey [Gilbert Tellier]
Fernand Ledoux [Le médecin légiste]
Christian Lude [M. Marceau]
Paul Meurisse [Maître Éparvier]
Marie-José Nat [Annie Marceau]
André Oumansky [Ludovic]
Jacques Perrin [Jérôme]
Jacqueline Porel [La secrétaire de Me Guérin]
Jacqueline Porel [Michel]
Louis Seigner [Le Président]
Louis Seigner [Daisy (Unter dem Namen Barbara Sohmers)]
Charles Vanel [Maître Guérin]
Charles Vanel [Mme Marceau]

Technische Angaben
Technische Info: Format: 35 mm - Schwarz-Weiss Film,Länge: 130 Minuten
Tonsystem: mono
Szenenphoto aus La vérité, © Production Company

Inhaltsangabe
«Paris ist ihr Traum, die provinzielle Enge ihr Grauen: Die schöne Dominique hatte schon immer ihren eigenen Kopf. Doch der Traum wird zum Alptraum, als die Liebe zu dem talentierten jungen Dirigenten Gilbert Tellier durch seine Eifersucht und ihre Provokationen vergiftet wird.

Die junge schöne Dominique Marceau muss sich wegen Mordes an ihrem Liebhaber Gilbert Tellier vor dem einem Pariser Schwurgericht verantworten. Die Vorgeschichte wird - wie im Gerichtsfilm üblich - in Rückblenden erzählt. Der freiheitsliebenden Dominique gelingt es, dem engen und reaktionären Familienleben in der Provinz den Rücken zu kehren und endlich ihren Traum von Paris wahr zu machen - wenn sie auch bei ihrer braven und ehrgeizigen Schwester Annie zusammenleben muss. Sie geniesst das legere Stadtleben und diverse Affären - unter anderem mit Gilbert Tellier, einem Freund von Annie. Obwohl Dominique weitere Romanzen eingeht, will der talentierte junge Dirigent sie heiraten. Schliesslich erkennt auch sie ihre Liebe für ihn. Ihre Affären jedoch hat sie weiterhin, und Gilbert verlässt sie deswegen. Dominique versucht, ihr Leben allein zu meistern, doch Geldprobleme treiben sie in die Prostitution. Als Dominique erfährt, dass Gilbert nun mit Annie verlobt ist, taucht sie nachts bei ihm auf und die beiden schlafen miteinander. Gekränkt von Gilberts kalter und entwürdigender Zurückweisung am nächsten Morgen, schiesst sie ein paar Tage später auf ihn und versucht, sich selbst ebenfalls zu töten. Sie wird jedoch gerettet und muss sich vor Gericht verantworten. Die entscheidende Frage, die das Gericht beantworten muss: War es Mord oder Totschlag, Vorsatz oder Affekt? Der wortgewandte Staatsanwalt, ein Patriarch sondergleichen, wird nicht müde, den Lebenswandel der Angeklagten zur Untermauerung seiner Anklage zu bemühen. Die Zeugen aus dem Umfeld von Dominique und Gilbert, seien es Zeugen der Anklage oder Verteidigung, skizzieren da schon ein nuancierteres Bild der Beziehung der beiden. Im verbalen Schlagabtausch der beiden gegnerischen Parteien prallen unterschiedliche Moralvorstellungen und Lebensentwürfe aufeinander. Ohne Hoffnung auf ein gerechtes Urteil trifft Dominique dann eine Entscheidung ... Paris ist ihr Traum, die provinzielle Enge ihr Grauen: Die schöne Dominique hatte schon immer ihren eigenen Kopf. Doch der Traum wird zum Alptraum, als die Liebe zu dem talentierten jungen Dirigenten Gilbert Tellier durch seine Eifersucht und ihre Provokationen vergiftet wird. Am Ende steht Dominique unter Mordanklage.» (Arte Presse)

Kritiken : "Der Film spielt zum guten Teil in einem Gerichtssaal, aber der sicherlich von vielen erwartete kriminalistische Knalleffekt bleibt aus. Das Mädchen Dominique hat seinen Geliebten erschossen, das ist die Anklage und dabei bleibt es. Der Streit der Juristen, des Verteidigers, des Nebenklägers, des Richters und des Staatsanwalts, geht nur noch um die Frage, ob die Tat mit Vorsatz oder im Affekt geschah, ob es Mord war oder Totschlag. Ein Urteil gibt es nicht, denn Dominique schneidet sich während des Prozesses im Untersuchungsgefängnis die Pulsadern auf (…). Der Film bietet in Rückblenden eine Reihe von Geschehnissen und überläßt es dem Zuschauer, sich über die Personen der Handlung, über das Liebespaar im besonderen und eine gewisse Jugend im allgemeinen, seine Gedanken zu machen. Dominique, Offizierstochter aus Rennes, hat wohl die Freude am leichten Leben im Blut und wäre bestimmt nicht die rechte Ehefrau für einen im Bürgerlichen verwurzelten jungen Musiker, der auf Reputation zu achten beginnt, sobald er die erste Sprosse des Erfolges erklommen hat. Nach der offiziellen Inhaltsangabe zu schließen, scheint der Film für den deutschen Markt erheblich verändert worden zu sein, so daß man nicht sagen kann, wie Clouzot die Akzente – und nur auf die kommt es ja hier an – wirklich gesetzt hat. Nach der deutschen Fassung ist einem die kleine Dominique trotz aller Schlampigkeit und trotz aller amourösen Eskapaden wesentlich sympathischer als der ehrgeizzerfressene Jüngling. Was Brigitte Bardot anbelangt, so hat sie Clouzot auf eine neue schauspielerische Ebene geführt. Dabei verzichtet er durchaus nicht auf all das, was den Kassenruhm der Bardot begründet hat, auf das Aus- und Anziehen und die direkte Erotik des nackten Körpers. Aber daneben, vor allem im Gerichtssaal, hat sie auch Szenen, in denen sie die Verzweiflung und die Einsamkeit eines jungen Menschen fühlen läßt, der mit seinem Leben einfach nicht fertig werden konnte. (…) Die erregende Atmosphäre eines pikanten Sensationsprozesses wurde von Clouzot mit einer Überfülle treffsicherer szenischer Details herausgearbeitet. Dabei geht er immer davon aus, daß das Ganze für die Justiz nur ein Routine-Fall ist. So heftig auch Verteidiger und Nebenkläger bisweilen aneinandergeraten – als Filmbesucher erwirbt man im Verlaufe der Jahre recht profunde Kenntnisse hinsichtlich der nationalen Unterschiede in der Rechtspflege –, im Grunde genommen haben sie nur das eigene Renommee im Auge. (…)" Georg Herzberg in: Film-Echo (Wiesbaden), Nr. 5, 18.1.1961.

Dem Regisseur Henri-Georges Clouzot ging es hier um die absolute „nackte“ Wahrheit, die er auf gleich zweierlei Weise mittels Brigitte Bardot exemplifizierte. Nachdem er einst in MANON [Frankreich 1949] schon all die heutigen „Lolita“-Probleme vorweggenommen hatte, treibt er nun die Bardot zu einem unabstreitbar auch schauspielerisch eindrucksvollen Höhepunkt ihres Kindweib-Typus. Clouzot sieht in ihr eine Naturkraft des niederen Eros, hemmungslos im Sich-Verlieren an jeden noch so flüchtigen Genuß und doch wieder konsequent in diesem nymphomanen Sexual-Nihilismus. Dabei setzt er jedoch der Neuen Welle sozusagen das alte Spiel entgegen: einen thematisch aus dem Umkreis der Jüngsten genommenen Film, der seine modische Auseinandersetzung mit der lebens- und liebeshungrigen Twen-Generation durch die traditionell- akademische Technik des französischen Qualitätsfilm gestaltet. In dem akribisch gezeichneten Ablauf einer Gerichtsverhandlung blendet er immer wieder die Bruchstücke der Erinnerungen und Assoziationen ein, aus denen sich nach und nach die Wahrheit zu schälen scheint – bis in dem Augenblick, der die Klärung bringen könnte, der Selbstmord der Angeklagten den Prozeß und den Film abschließt. (…)" USE. in: Film-Dienst (Köln), Nr. 3/4, 11.1.1961.

"(…) Die Bardot, das Wesen, das in seiner bisherigen Karriere nur Haarschopf, Bein, Cul, Haut und Nacktheit war, das Kindweib außer sich, nicht Kind nicht Weib – als Liebende? Die Frage ist verständlich. Man sehe sich an, was Clouzot aus dem Wesen gemacht hat. Nicht eine Heroine, nicht eine Sentimentale, nicht eine Liebende im alten Opernstil. Er ist anders und viel wahrhaftiger. Man entdeckt in dem angstvollen, bettelnden, ein wenig verschwollenen Gesicht, das alles andere als hübsch ist, einen Menschen in Not und in der Angst und in der Wahrheit. (…)" Karl Korn in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2.1.1961.
Anmerkungen : «(...) der selten gezeigte "Die Wahrheit", der in den 60ern Jahre einer der bestbesuchten französischen Filme und damit ein Riesenerfolg war. Zum ersten Mal wurde Brigitte Bardot in der Charakterrolle der Dominique als ernsthafte Schauspielerin anerkannt. Wie in den meisten seiner Filme liegt es dem Perfektionisten Clouzot auch in "Die Wahrheit" daran, den Durchschnittsmenschen zu zeigen, der sich in Bedrängnis auf Abwege begibt, die jedoch keineswegs zum ersehnten Ziel führen. Clouzot inszeniert einen mit akademisch-kühler Sorgfalt gezeichneten Mordprozess, der die innere Unfähigkeit - und auch Unwilligkeit - von Richter, Ankläger und Verteidiger zeigt, die Wahrheit im Lebensbild einer abgeglittenen jungen Frau zu sehen. Vielmehr verkommt die "Wahrheit" zu einer im Rededuell verhandelbaren Entität. So stellt das Justizsystem nicht Dominiques Tat, sondern ihren Lebenswandel unter Anklage. Die damalige Sexualmoral und die herrschenden Vorstellungen von einem anständigen Leben werden von Clouzot als hauptsächlicher Antrieb der Zeugen zu ihren Lügen illustriert. Doch nicht nur die versammelten Stützen der Gesellschaft treffen ein Urteil über Dominique, auch sie trifft ein Urteil über die Gesellschaft, wenn sie den Tod der Aussicht vorzieht, in dieser Gesellschaft weiterleben zu müssen. "Ein intensiv gestalteter, schauspielerisch eindrucksvoller Film, der freilich bei der Aufdeckung der psychologisch-geistigen Ursachen für gesellschaftliche und individuelle Verirrungen auf eine eigene ethische Grundhaltung verzichtet" (Filmdienst); typisch für die Raffinesse Clouzots, haben die Figuren dabei das Potenzial sowohl für Gut als auch Böse in sich. "Die Wahrheit" gewann 1961 den Golden Globe für den besten fremdsprachigen Film und wurde ausserdem im gleichen Jahr für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert.» (Arte Presse)

General Information

La vérité is a motion picture produced in the year 1960 as a Frankreich production. The Film was directed by Henri-Georges Clouzot, with Jacques Perrin, Charles Vanel, Paul Meurisse, Sami Frey, Marie-José Nat, in the leading parts.



Literatur Hinweise Filmmuseum Berlin - Retrospektive 2006: Traumfrauen. Stars im Film der fünfziger Jahre, Gabriele Jatho und Hans Helmut Prinzler (Hg.), Bertz + Fischer Verlag, Berlin 2006

Hinweise auf Datenbanken
KinoTV Database Nr. 19052

Referenzen zum Film in anderen Datenbanken:

    Unter anderem wurde der Film bei folgenden Filmfestivals aufgeführt:

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