Avant le déluge

Vor der Sintflut, Vor der Sintflut

Regie: André Cayatte, , Frankreich, Italien, 1953

    Plakatmotiv Avant le déluge, © Production Company


    Stab und Besetzung

    Regisseur André Cayatte
    Drehbuch André Cayatte
    Charles Spaak
    Kamera Jean Bourgoin
    Musik Georges van Parys
    Darsteller Antoine Balpêtré [Albert Dutoit]
    Gérard Blain
    Bernard Blier [Monsieur Noblet]
    Jacques Castelot [Serge de Montesson]
    Jacques Chabassol [Jean Arnaud]
    Roger Coggio [Daniel Epstein]
    Jacques Fayet [Richard Dutoit]
    Paul Frankeur [Charles Boussard]
    Isa Miranda [Francoise Boussard]
    Line Noro
    Clément Thierry [Philippe Boussard]
    Marina Vlady [Liliane Noblet]

    Technische Angaben
    Technische Info: Format: 35 mm - Schwarz-Weiss Film,
    Tonsystem: mono
    Szenenphoto aus Avant le déluge, © Production Company

    Inhaltsangabe
    1950. Fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fürchten die Franzosen, dass sich der Koreakrieg erneut zu einem Weltkrieg ausweiten könnte. Die allgemeine Kriegspsychose und das Verhalten ihrer Eltern, ihre Ratlosigkeit, gepaart mit Vorurteilen, Arroganz, Antisemitismus und kleinkariertem Hochmut, stürzt die Schüler Richard (Jacques Fayet), Philippe (Clément Thierry), Jean (Jacques Chabassol), Daniel (Roger Coggio) und Liliane (Marina Vlady) in eine tiefe Krise. Richards Vater (Antoine Balpêtré), Antisemit und während des Krieges Nazi-Sympathisant, will seine selbst verschuldete Tragödie nicht wahrhaben. Philippes wohlhabende Eltern haben nach dem Motto 'Nach uns die Sintflut' nur ihr eigenes Glück im Auge: Monsieur Boussard (Paul Frankeur) seine Geschäfte, Madame Boussard (Isa Miranda) ihren Liebhaber Serge de Montesson (Jacques Castelot). Jeans Mutter (Line Noro) wiederum erdrückt mit ihrer egoistischen Liebe den sensiblen Jungen und belastet dessen Freundschaft zu Daniel, der als Einziger seiner jüdischen Familie den Holocaust überlebt hat. Lilianes Vater, Monsieur Noblet (Bernard Blier), liebt und umsorgt zwar seine 16-jährige Tochter, doch ihre Ängste und Nöte kann und will der selbst politisch engagierte Lehrer nicht verstehen. In diesem Spannungsfeld von Angst und Sehnsucht suchen die fünf Jugendlichen Zuflucht im Traum von einem friedlichen Leben fernab auf einer Südseeinsel. Als Philippe die Yacht seiner Eltern geschenkt bekommt, sehen sie sich diesem Ziel ein Stück näher. Weil das gesparte Geld nicht reicht, planen sie einen Einbruch bei Serge de Montesson, der sein Geld sowieso unredlich erworben hat. Liliane soll Serge aus dem Haus locken und Richard, Philippe und Jean die kostbare Briefmarkensammlung stehlen. Dabei kommt es zu einem tragischen Zwischenfall. Der verängstigte Jean schiesst auf den entwaffneten Nachtwächter, der seiner Verletzung erliegt. Panik erfasst die fünf Freunde. Monsieur Noblet will seinen Schülern kein falsches Alibi geben und de Montesson kann die Anzeige nun nicht mehr zurückziehen. Er rät Philippe und Richard dafür zu sorgen, dass der am Überfall nicht direkt beteiligte Daniel, dessen Auto aber am Tatort sichergestellt worden ist, den Mund hält. Alkoholisiert unterziehen die beiden Daniel einer Mutprobe und ertränken ihn dabei in seiner Badewanne. Jean bricht nach einem missglückten Selbstmordversuch zusammen und gesteht alles. In einem bewegenden Prozess werden die 17-Jährigen Richard und Philippe zu zehn Jahren, der gleichfalls 17 Jahre alte Jean zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Liliane wird freigesprochen. Unter Tränen verabschieden sich die vier, Liliane verspricht Richard, auf ihn zu warten ... (mdr Presse)

    Szenenphoto aus Avant le déluge, © Production Company
    Kritiken : "So verwunderlich es ist, daß dieser Film mehrfach verboten wurde, so selbstverständlich sind die heftigen Diskussionen, die um ihn entbrannten. Mit einem Thema von zeitkritischem Charakter, mit schonungsloser Offenheit, harter Realistik und konzessionslos dargebracht, muß sich jeder in irgendeiner Form auseinandersetzen. Hier die Geschichte, aller Details entblößt: Vier blutjunge Menschen haben sich vor dem Schwurgericht wegen Mordes zu verantworten. Die Ursache ihrer Verfehlungen: Ein leidenschaftliches Sehnen, dem Gespenst eines neuen Krieges zu entrinnen. Daß sie sich zu diesem Zweck der Mittel bedienten, die Katastrophenzeiten gelehrt, ist die Tragik unserer Jugend überhaupt – daß die Eltern gezwungen werden, über ihre verantwortliche, aber gesetzlich nicht greifbare Schuld nachzudenken, gibt dem Thema die so seltene Allgemeingültigkeit. (…) Aus der Fülle der ausgezeichneten Darsteller sei die junge Marina Vlady genannt: Ein eigenartigreizvoller Typ und ein vielversprechendes Talent! Es ist zu hoffen und zu erwarten, daß dieser Film wegen und trotz aller Problematik einen erfolgreichen Weg vor sich hat." Gisela Schmidt in: Filmblätter (Berlin), Nr. 48, 2.12.1955.

    "Dieser meisterhafte Film von André Cayatte und seinem Mitautor Charles Spaak – er wurde übrigens im Jahre 1954 in Cannes preisgekrönt – ist eine ins Filmische übertragene Demonstration der soziologischen Methode des positivistischen Systems Hyppolite Taines: „daß die Dinge ihre Folgen und Ursachen haben im Geistigen genau so wie im Körperlichen“. Und daß der Pariser Rechtsanwalt Cayatte ein gelehriger Schüler Taines ist, hat er uns bereits in seinen Filmen SCHWURGERICHT [JUSTICE EST FAITE, Frankreich 1950] und WIR SIND ALLE MÖRDER [NOUS SOMMES TOUS DES ASSASSINS/SIAMO TUTTI ASSASSINI, Frankreich/Italien 1952] bewiesen.
    In VOR DER SINTFLUT wird dargelegt, daß die Ursachen eines Verbrechens, das vier unreife, junge Menschen begangen haben, eines Verbrechens des Mordes, des Totschlags und des Einbruchs, in ihren egoistischen Eltern, die sich entweder zu viel oder zu wenig um ihre Kinder kümmern, und in der hektischen Angst unserer Zeit vor einer neuen Kriegs-Katastrophe zu suchen sind. Gegen den Geist dieser Zeit und gegen den Geist dieser Eltern erhebt der Film seine Anklage: nicht brutal und schonungslos realistisch wie der amerikanische Film DIE SAAT DER GEWALT [THE BLACKBOARD JUNGLE, Richard Brooks, USA 1955] in einem Sonderbeispiel, sondern mit der bitteren Schärfe einer erbarmungslosen geistigen Lektion. Während die vier auf der Anklagebank dem Urteil des Schwurgerichts entgegensehen, plädiert Cayatte in scheinbar überzeugenden Bildargumenten für die Zwangsläufigkeit der Begebenheiten, deren Ursachen er in der Umwelt dieser vier jungen Menschen mit bewundernswerter realisti- scher Erzähl- und Dialogkunst vorstellt: in ihren Familien und in unserer verworrenen, glaubenslosen, nihilistischen Zeit. Fast gelingt es Cayatte, uns zu suggerieren, daß die eigentlichen Schuldigen an dem Verbrechen die Eltern und die Zeit sind – aber während Cayatte so meisterlich im Sinne Taines sein spannendes Plädoyer abrollen läßt, wird in erschrekkendem Maße die gefährliche seelisch-geistige Labilität dieser jungen, unfertigen Menschen sichtbar, die nicht allein die angeklagte Umwelt, sondern auch ihre eigene Triebhaftigkeit ins Verderben führte. Und in diesem vielleicht gar nicht beabsichtigten Effekt, der einer Korrektur der anklägerischen Zielsetzung Cayattes gleichkommt, beruht für mich die erschütternste Aussage dieses Filmes.
    Ich bin überzeugt, daß diesen Film niemand unberührt verlassen wird: Dazu ist sein allgemein menschliches Anliegen zu aufwühlend, seine dramaturgische, regieliche, darstellerische und optische Leistung zu großartig. Wie wird allein gespielt, wie intelligent werden die Schauspieler geführt. Die Typen der Erwachsenen, die Cayatte zeigt, der humanistische Weltbürger, der die Vernunft exemplifiziert (Bernard Blier), der geldbesessene Alltagsmensch, für den es nur noch Sicherheit gibt (Paul Frankeur), der ressentimentgebeugte Kollaborateur, der die Welt durch die Brille selbstquälerischer Vorurteile sieht (Balpêtré), der skrupellose Geschäftemacher, der aus jeder Krise Kapital schlägt (Jacques Castelot), die lebensgierige, alternde Frau, die sich krampfhaft an einen schalen Abguß Liebe klammert (Isa Miranda), und die Mutter, die ihren grenzenlosen Egoismus mit ihrer Liebe zu ihrem Sohn verwechselt (Line Noro), sind trotz aller Typologie Menschen aus Fleisch und Blut. Die reine, mädchenhafte Grazie Marina Vladys, ihre Süße und Traurigkeit, aber ist von verzauberndem Reiz. Ihrer natürlichen Darstellungskunst sowie den Abiturientenrollen Jacques Fayets, Clément Thierrys, Roger Coggios und Jacques Chabassols gebührt die schauspielerische Krone dieses Films. Für diesen Film sollten sich vor allem anspruchsvolle Theater einsetzen, da sein Publikum wohl mehr, wenn auch nicht ausschließlich, in den Kreisen der Intelligenz zu finden sein dürfte." Ernst Veit in: Film-Echo (Wiesbaden), Nr. 75, 7.12.1955.

    Anmerkungen : "Der französische Regisseur André Cayatte ('Meine Nächte mit Jacqueline', 'Anklage: Mord') greift als ehemaliger Jurist in fast allen seinen Filmen rechtlich-moralische Fragen auf. In diesem, einem seiner besten, auch in Cannes ausgezeichneten Film, ist es vor allem die Generation der Eltern jener junger Leute, die er zur Verantwortung zieht. Ein eindringlicher und engagierter Film, dessen Handlung in die Klammer eines Prozesses eingebunden ist. Nicht zuletzt tragen zu der bewegenden Gestaltung des Themas so prominente Darsteller wie Bernard Blier und die damals 15-jährige Marina Vlady bei." (mdr Presse)

    Avant le déluge is a motion picture produced in the year 1953 as a Frankreich, Italien production. The Film was directed by André Cayatte, with Gérard Blain, Bernard Blier, Jacques Castelot, Jacques Chabassol, Roger Coggio, in the leading parts.



    Literatur Hinweise Filmmuseum Berlin - Retrospektive 2006: Traumfrauen. Stars im Film der fünfziger Jahre, Gabriele Jatho und Hans Helmut Prinzler (Hg.), Bertz + Fischer Verlag, Berlin 2006

    Referenzen zum Film in anderen Datenbanken:

      Unter anderem wurde der Film bei folgenden Filmfestivals aufgeführt:


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