Fahrenheit 451

Regie: Francois Truffaut, , Grossbritannien, 1966

  • FSK 12  
  • TV Tip:

Szenenphoto aus Fahrenheit 451, © Production Company


Stab und Besetzung

Regisseur François Truffaut
Drehbuch Jean-Louis Richard
François Truffaut
Story Ray Bradbury
Kamera Nicolas Roeg
Musik Bernard Herrmann
Schnitt Tom Noble
Darsteller Julie Christie [Linda Montag/Clarisse]
Oskar Werner [Feuerwehrmann Montag]
Cyril Cusack [Brigadekapitän]
Anton Diffring [Fabian]
Anton Diffring [Mann mit Apfel]
Anton Diffring [Bücher-Frau]
Michael Balfour [Buch-Person Machiavelli's 'The Prince']
Yvonne Blake [Buch-Person 'The Jewish Question']
Yvonne Blake [Buch-Person ''Prejudice'']
Yvonne Blake [Buch-Person ''Pride'']
Yvonne Blake [Buch-Person Plato''s ''Republic'']
Alex Scott [Buch-Person 'The Life of Henry Brulard']

Technische Angaben
Kategorie: Langspiel Film
Technische Info: Format: 35 mm - Farbfilm Technicolor,Länge: 113 Minuten, 3084 Meter
Tonsystem: Mono
FSK ab 12 Jahren, ffr
Szenenphoto aus Fahrenheit 451, © Production Company

Inhaltsangabe
Irgendwo in der Zukunft hat ein totalitärer Staat den Büchern den Kampf angesagt. Literatur gilt als nutzlos, weil in Büchern nur Erfundenes steht. Sie machen die Menschen unglücklich, denn sie erzählen von Not und Leid. Schlimmer noch, die Menschen werden verrückt davon, weil sie beim Lesen in eine andere Haut schlüpfen und in eine fremde Welt eintauchen. Es ist Aufgabe der Feuerwehr, den Staat von Büchern zu säubern. Der Feuerwehrmann Montag hat ein besonderes Gespür für all die ausgetüftelten Verstecke, in denen die Unbelehrbaren ihre Bücher horten. Jeder Einsatz seiner Brigade endet mit einem grossen Feuer: Die aufgestöberten Bücher werden restlos zu Asche verwandelt. Als Montag und seine Kollegen zur Villa einer alten Dame ausrücken, entdecken sie in einem Geheimzimmer eine komplette Bibliothek. Als all die grossen Werke der Weltliteratur im Foyer aufgetürmt sind, weigert sich die alte Dame, ihre Bücher zu verlassen. Das seien ihre Freunde, die seien lebendig, sagt sie, stellt sich mitten auf den Scheiterhaufen und zündet ihn selbst an. Montag ist von diesem Erlebnis so schockiert, dass er fortan bei Einsätzen heimlich Bücher einsteckt und sie nachts mit zunehmender Faszination liest. Er freundet sich mit Clarisse an, einer ehemaligen Lehrerin, die Kontakt zu Menschen hat, die ganze Werke der Literatur auswendig gelernt und deren Identität angenommen haben. Montags Frau Linda reagiert äusserst befremdet auf den Sinneswandel ihres Mannes. Schliesslich denunziert sie ihn. Sein nächster Einsatz mit der Brigade gilt seinem eigenen Haus.... (ARTE Presse)

Kritiken : "Beklemmendes Zukunftsszenario nach Ray Bradbury" (tele)

«(...) Unmenschlichkeit zeigt sich bei Truffaut weniger im Verbot der Kommunikation und des Denkens als vielmehr in der Bereitwilligkeit gerade der Betroffenen, solche Verbote zu akzeptieren. Man hätte aus der literarischen Vorlage einen technischen Zukunftsknüller à la "Flucht ins 23. Jahrhundert" machen können, Truffaut setzt aber andere Schwerpunkte: Durch Verzicht auf utopisches Brimborium gelingt es ihm, eine weit entfernte utopische Gefahr - die Unterdrückung der Gedankenfreiheit - in die unmittelbar bevorstehende Zukunft zu verlegen. Das führt dazu, daß "Fahrenheit 451" immer aktueller wird, je mehr wir uns dieser Zukunft nähern.» (Lexikon des Science Fiction Films)

«Verfilmung des Romans von Ray Bradbury. In einem utopischen Staat, in dem Bücher verboten sind, entdeckt ein Feuerwehrmann, der für die Vernichtung alles Geschriebenen zuständig ist, die Welt der Bücher. Denunziert und verfolgt, flieht er schließlich ins Land der Buchmenschen. Eine Parabel gegen totalitäre Regimes und Konformismus, die Kommunikationsstrukturen und ihre Begrenztheit thematisiert.

Truffaut erzählt in seinem Film die Geschichte des kleinbürgerlichen und karrierebewußten Feuerwehrmanns Montag, der kurz vor der Beförderung steht. Den verunsichert eine Doppelgängerin seiner Frau Linda, die angehende Lehrerin Clarisse, die zu den Buchlesern gehört, mit der Frage, warum denn eigentlich Bücher verbrannt würden und ober er, der solches tue, glücklich sei. Zum ersten mal zweifelt Montag an der Richtigkeit der Floskel, Bücher würden die Menschen asozial und autoritätsgläubig machen. Sein Zuhause befriedigt ihn plötzlich nicht mehr. Linda ist fernsehsüchtig, für sie bedeutet die Beförderung ihres Mannes nichts anderes als eine zweite Bildwand: er selbst, der sexuell Frustrierte, ist ihr gleichgültig. Um die andere Frau, die ihn so sehr interessiert, Clarisse zu "besitzen", muß Montag zwangsläufig einen Prozeß der Individualisierung durchlaufen, der ihn ihr "ebenbürtig" macht.

Als er eines Tages mitansehen muß, wie eine alte Frau in den Flammen umkommt, da sie lieber sterben will, als sich von ihren Büchern zu trennen ("Meine Bücher könnt Ihr mir nicht nehmen. Ihr werdet sie nie besitzen."), glaubt er die Ungerechtigkeit und die Fehler des Systems, dem er dient, völlig erkannt zu haben. Er will nun endgültig mit seinem Beruf brechen. Als auch Clarisse verraten und verfolgt wird, beschließt Montag, das System von innen her zu bekämpfen, indem er jedem seiner Kollegen heimlich ein Buch zusteckt, um ihn dann zu denunzieren. Doch rasch gibt er seinen Plan wieder auf und will kündigen, als der Alarm zu einem neuen Einsatz ertönt. Sein Vorgesetzter (Cyril Cusack) aber bittet ihn, wenigstens diesen einen Einsatz noch mitzumachen, denn er gilt, wie Montag plötzlich merkt, seinem eigenen Haus. Linda hat ihren Mann, weil er sie vor ihren Freundinnen und der ganzen "Fernsehfamilie" unmöglich gemacht hat, als Buchleser angezeigt. Der Captain zwingt ihn, die Bücher aus dem Versteck zu holen und in Brand zu stecken. Zuerst verbrennt der Feuerwehrmann allerdings Ehebett und Fernseher, dann - nach eingehender Ermahnung durch seinen Vorgesetzten - die Bücher. Nur eins versteckt er in seiner Tasche. Als das von einem Kollegen verraten wird und der Captain das Buch ins Feuer werfen will, wird er selbst ein Opfer von Montags Flammenwerfer.

Trotz Großfahndung gelingt es Montag, Clarisse zu folgen und in die Einsamkeit der "Buch-Menschen" zu fliehen, die ihn freundlich aufnehmen. Jeder dieser "Buch-Menschen" hat einen Klassiker der Weltliteratur auswendig gelernt, um ihn, seinen Inhalt ständig rezitierend, am Leben zu erhalten. Im Fernsehen verfolgt Montag seine eigene Gefangennahme und Tötung, die man geschickt gefälscht hat, um die Bevölkerung zu beruhigen. Der alte Montag ist tot, aus dem neuen, dem Nonkonformisten, wird in wenigen Wochen das Buch geworden sein, das er vor den Flammen rettete: "Seltsame Geschichten" von Edgar Allan Poe.x ("Der Phantastische Film" von Rolf Giesen, Ebersberg 1983)

Szenenphoto aus Fahrenheit 451, © Production Company
Anmerkungen : "Ray Bradburys Klassiker der Science-Fiction-Literatur lieferte die Grundlage für einen Klassiker des Science-Fiction-Films, der ein Loblied auf die Literatur und die abendländische Kultur anstimmt. Neben Oskar Werner, der mit Truffaut bereits in "Jules und Jim" (1962) zusammenarbeitete, und der charismatischen Julie Christie in einer Doppelrolle spielen Bücher die Hauptrolle in "Fahrenheit 451". Der Filmtitel gibt die Temperatur an, bei der Papier Feuer fängt. Die den Flammen preisgegebenen Bücher zeigt Truffaut in Grossaufnahme, jedes einzelne gleichsam wie ein menschliches Porträt, das in einer emotional verkümmerten Welt an das erinnert, was glücklich macht: sich Fantasien hingeben, starke Gefühle spüren, Erinnerungen haben, sich selbst nah sein und sich Freiheiten nehmen - eben das, was Literatur vermag und was ein repressives Regime zu unterbinden sucht.

Bei der Ausstattung seiner futuristischen Welt begnügt sich Truffaut mit einer Schwebebahn und grossen Wandbildschirmen in den Wohnzimmern. Das rote Feuerwehrauto und seine schwarzuniformierte Mannschaft kommen ganz altmodisch daher. Grau-rote Farbästhetik, die dynamisch-aufstörende Musik und die an Hitchcock orientierte untergründige Spannung geben dem Film sein besonderes Gepräge. Gedreht in London, weil in Frankreich die Finanzierung nicht zu Stande kam, ist "Fahrenheit 451" ein krasser Gegenentwurf zum damals gleichzeitig entstandenen "James-Bond"-Kino.

Das "Lexikon des Internationalen Films" schreibt: "Truffaut entwickelt die Geschichte eines Aussenseiters, der sich aus Anpassung und Lethargie befreit, um abseits einer repressiven Zivilisation seine persönliche Utopie zu leben, zu einer Hommage an die Literatur und an die abendländische Kultur generell."

Mit Nicolas Roeg stand Truffaut der spätere Regisseur von "Der Mann, der vom Himmel fiel" (1976) und "Wenn die Gondeln Trauer tragen" (1973) als Kameramann zur Verfügung." (arte Presse)

General Information

Fahrenheit 451 is a motion picture produced in the year 1966 as a Grossbritannien production. The Film was directed by Francois Truffaut, with Julie Christie, Oskar Werner, Cyril Cusack, Anton Diffring, , in the leading parts.



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KinoTV Database Nr. 4615

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