Der Geliebte seiner Frau

Regie: Max Neufeld, , Österreich, 1928

    Szenenphoto aus Der Geliebte seiner Frau, © Engel-Film


    Stab und Besetzung

    Produktion Hugo Engel-Film
    Regisseur Max Neufeld
    Drehbuch Fritz Zoreff
    Siegfried Bernfeld
    Max Neufeld
    Kamera Viktor Gluck
    Architekt Franz Meschkan
    Hans Ledersteger
    Darsteller Dina Gralla
    Cläry Lotto
    Alfons Fryland
    Cornelius Kirschner
    Otto Schmöle
    Richard Waldemar

    Technische Angaben
    Technische Info: Format: 35 mm - Schwarz-Weiss Film,, 2420 Meter, 6 Akte
    Tonsystem: silent
    Premiere: 28. März 1926 in Berlin, Marmorhaus
    Kritiken : «Der Geliebte seiner Frau

    Verleih: Bayerische Film G.m.b.H.
    Hauptrollen: Dina Gralla, Fryland, Lotto
    Länge: 2420 Meter, 6 Akte
    Uraufführung: Marmorhaus

    Auf die Pikanterie des Untertitels "Ein Seitensprung ins Ehebett" hätte man gerne verzichten können, denn der an lustigen und übermütigen Situationen reiche Schwank hat auch ohne diese Aufpulverung Wirkungskraft. Das diesem Filmschwank zugrunde liegende Motiv ist nicht neu. Es handelt sich um eine Reihe von Mißverständnissen, die dazu dienen, das Zusammenkommen zweier junger Menschen zu verzögern. Es hieße mit Kanonen nach Spatzen schießen, wollte man darauf hinweisen, daß die Logik nicht die stärkste Seite dieser Filmhandlung ist.

    Da die Sache aber amüsant und unterhaltsam ist und ihre Wirkung auf die Lachmuskeln nicht verfehlt, kommt es darauf auch gar nicht an.

    Max Neufeld hat den Film recht nett inszeniert. Das haarscharfe, zielsichere Abwägen der Szenen zueinander, ist allerdings seine Sache nicht. Die Unbeschwertheit des Stoffes und die gute Darstellung durch die muntere, lustige Dina Gralla, und zwei sichere Komiker wie Richard Waldemar und Otto Schmöle werden dem Film überall die gleiche freundliche Aufnahme und den Lacherfolg sichern wie bei der Uraufführung.

    Alfons Fryland macht als Graf Hardenegg gute Figur, müßte aber diese Art Figuren leichter und flotter anpacken.» (Quelle: Kinematograph 22.Jg., Nr.1102, 1.4.1928)

    «Der Geliebte seiner Frau

    Hugo Engel-Film der Bayerischen/ Marmorhaus

    Mit dem gestrigen Abend hat nun der Verleih des Emelka-Konzerns, die Bayerische Film G.m.b.H. an der Gedächtniskirche ihre Visitenkarte abgegeben. Im Marmorhaus ging ein Film der "Bayerischen" in Uraufführung, den für sie die Firma Hugo Engel in Wien hergestellt hat. Dieser Start erfolgte unter günstigen Gestirnen. Man darf demnach annehmen, wenn man den gestrigen Abend programmatisch wertet, daß die Emelka-Leitung das kleine, schmucke Theater am Kurfürstendamm für die Herausbringung des modernen und mondänen Genres ausersehen hat, für welches sich dieser Rahmen und sein typisches Publikum vorzüglich eignet.

    Es gab also gestern einen ganz reizenden Film zu sehen, der den Beweis zu erbringen scheint, daß die Firma Hugo Engel, Wien, auf der mit dem "K. und K. Ballettmädel" beschrittenen Marschroute weiterzugehen gedenkt. "Ein Seitensprung ins Ehebett" - so bezeichnen im Untertitel die Autoren Zoreff und Bernfeld ihr Lustspiel und charakterisieren damit treffend eine ungemein geschickt konstruierte und dadurch restlos unterhaltende und amüsante Handlung. Und so hat der kritische Zuschauer weder Zeit noch Anlaß, in diesem abwechslungs-Geschehen [!] nach Unwahrscheinlichkeiten zu loten; das Publikum wird, wenn es gut unterhalten wird, bestimmt darauf verzichten, nachzugrübeln, ob alles, was sich hier ereignet, auch wirklich lebensmöglich ist. Es wird vielmehr dankbar sein, daß es eine gute Stunde lang trefflich amüsiert worden ist. Der Schwank unterliegt seinen eigenen Gesetzen, und dessen oberstes ist Lustigkeit - d.h. beim Filmschwank: amüsante Bild-Situationen in starker Abwechslung.

    Und gerade darum, weil der "Geliebte seiner Frau" in diesem Sinne durch und durch Schwank ist, müssen und dürfen wir hier auf eine Inhaltsangabe verzichten. Der Komplikationen sind zu viele - und sie sind erfreulicherweise ganz auf optische Wirkung gestellt. So mag die Feststellung genügen, daß es sich hier um ein gutes Schwank-Manuskript handelt.

    Das gleich Urteil gilt für die Regie Max Neufelds. Mag er nun hier und da mit groben Effekten, mag er, namentlich im zweiten Teil des Films, mit feineren Pointen und gelegentlich sogar mit überraschenden Einfällen arbeiten - immer darf er seiner Wirkung sicher sein -, weil er die Pointen richtig hinzustellen versteht und die Gesetze der Einstellungen und des Schnitts im Schwank-Film mit treffsicherer Routine beherrscht. Ein Moment, das wir ihm unter dem Gesichtspunkt des besseren Geschmacks besonders anrechnen möchten, ist, daß er hier auf den sonst beliebten Zusatz billiger, verlogener Sentimentalität vollkommen verzichtet und sich ganz auf Schwank eingestellt hat. Lieber keine Psychologie als verfälschte!

    Seine Stars sind Dina Gralla und Alfons Fryland. Die Gralla auch in diesem Film wieder allerliebst und ungemein begabt, wenn auch ihre Spezialnote - die gaminhafte Keßheit - sich in der ihr übertragenen Rolle weniger auswirken kann. Alfons Fryland ist bei nobler, gepflegter Haltung im mimischen Ausdruck zu wenig wandlungsfähig. Recht gut gefällt Claire Lotto. Einen beachtlichen Konkurrenten für Junkermann lernt man in Richard Waldemar, einen guten Charakterkomiker in Otto Schmöle kennen. Zum Schluß sei auch Oskar Beregi genannt.

    Die photographische Arbeit leistete Victor Gluck, die Ausstattung Ledersteger und Meschkan. - Das Publikum ging in guter Stimmung mit dem Film mit und gab seiner guten Laune in der Mehrheit durch freundlichen Schlußapplaus Ausdruck. Unter Schmidt-Gentners Takstock erhielt die Illustration aus alten und neuen Schlagerweisen eine schmissige Wiedergabe.» (H.W-g. [= Hans Wollenberg], Quelle: Lichtbildbühne, 21.Jg., Nr.77, 29.3.1928)

    «Ein Subgenre des österreichischen Stummfilms: DER GELIEBTE SEINER FRAU
    Die Geschichte des verarmten Grafen Hardenegg, dem Letzten eines alten Adelsgeschlechtes, und seiner, bis zum erlösenden Happy End, sich immer weiter komplizierenden Lebensumstände scheint auf den ersten Blick nur wenig Aufmerksamkeit beanspruchen zu dürfen. Ein Traumprodukt, völlig entrückt von den aktuellen Lebensbedingungen seiner Entstehungszeit; Film in einer unpolitischen, gesellschaftlich fast regressiven Spielart. Betrachtet man jedoch die feine Ironie der Inszenierung, die mit einem Augenzwinkern die Handlung einfallsreich begleitet und die Moralität jeder Aussage permanent in Frage stellt, so zeigt sich hier eine Modernität, die - weit entfernt von Ernsthaftigkeit - viel vom konzilianten Pragmatismus unserer heutigen Zeit an sich hat. Hier wird kein Pathos entfaltet, das für die politischen Auseinandersetzungen der Zeit so typisch war und dem Film im kommenden Jahrzehnt oft schwerfällig anhaften sollte, sondern eine Vigilanz im Psychologischen, die bei aller Gebrochenheit eine frappierende Verwandtschaft mit heutigen Lebensentwürfen aufweist.

    Funde der letzten Jahre zeigen, dass DER GELIEBTE SEINER FRAU mit seiner Haltung nicht einzig dasteht, sondern als eine sehr eigentümliche Spielart des österreichischen Stummfilmes angesprochen werden kann, die mangels erhaltenen Materials bisher nicht als solche wahrnehmbar war. Zu dieser Spielart gehören gleich zwei weitere Neufeld-Filme: DER BALLETTERZHERZOG (1927) und MODELLHAUS CREVETTE (1928) sowie die kürzlich wiederentdeckten DIE FRAU VON GESTERN UND MORGEN (1928, R: Heinz Paul) und LIEBE IM MAI (1928, R: Robert Wohlmut).

    Ihnen allen ist neben einem leichten Inszenierungsstil auch eine betont europäische Ausrichtung gemeinsam, die sich nicht nur in der internationalen Besetzung des Schauspieler-Ensembles, sondern auch in deren Sujets, die das Nationale höchstens als ein kleines, fast belächelnswertes Ornament einsetzen, widerspiegelt. Sie alle zeichnen sich in hohem Grade durch handwerkliche Perfektion in Bezug auf Kamera, Ausleuchtung und fotografischer Qualität der Vorführkopien aus, die sich den gefeiltesten Produkten der amerikanischen Schule ebenbürtig zur Seite stellen lassen. Es will so scheinen, als hätte hier der österreichische Stummfilm eine Sprache der Meisterschaft erreicht, die in engem Zusammenhang mit der Formbezogenheit österreichischer Kulturäußerungen zu sehen ist. Auch in diesem Genre ist Max Neufeld in dominanter Position vertreten.» (Nikolaus Wostry, in: "filmarchiv 50" (Februar 2008)

    Der Geliebte seiner Frau ist ein Film, der im Jahr 1928 in Österreich produziert wurde. Regie führte Max Neufeld, mit Dina Gralla, Cläry Lotto, Alfons Fryland, Richard Waldemar, Otto Schmöle, in den wichtigsten Rollen. Der Film hatte am 28. März 1926 in Berlin, Marmorhaus seine Premiere. Zur Zeit haben wir keine Inhaltsangabe zu diesem Film;



    Literatur Hinweise Stummfilmetage Bonn 2008, Programmheft

    Referenzen zum Film in anderen Datenbanken:

      Unter anderem wurde der Film bei folgenden Filmfestivals aufgeführt:


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