Citizen Kane

Regie: Orson Welles, , USA, 1941

  • FSK 12  

Plakatmotiv Citizen Kane, © RKO Radio Pictures


Stab und Besetzung

Produktion RKO Radio Pictures
Produzent Orson Welles
Regisseur Orson Welles
Drehbuch Herman J. Mankiewicz
Orson Welles
Kamera Gregg Toland
Musik Bernard Herrmann [Nicht genannt]
Schnitt Robert Wise
Architekt Van Nest Polglase
Kostümbild Edward Stevenson
Spezialeffekte Vernon L. Walker
Darsteller Orson Welles [Charles Foster Kane]
Alan Ladd [Reporter]
Ruth Warrick [Emily Monroe Norton Kane]
Dorothy Comingore [Susan Alexander Kane]
Joseph Cotten [Jedediah Leland]
William Alland [Jerry Thompson]
Agnes Moorehead [Kanes Mutter]
Harry Shannon [Kanes Vater]
George Coulouris [Bankier Thatcher]
Ray Collins [James W. Gettys]
Erskine Sanford [Carter]
Everett Sloane [Bernstein]
Jan Wiley [Reporterin]

Technische Angaben
Kategorie: Langspiel Film
Technische Info: Format: 35 mm, 1:1,37 - Ratio: 1:1,37 - Schwarz-Weiss Film,Länge: 119 Minuten, 24 Bilder pro Sekunde
Tonsystem: mono
Premiere: 5. September 1941 in USA
FSK ab 12 Jahren,
Szenenphoto aus Citizen Kane, © RKO Radio Pictures

Inhaltsangabe
Von seiner Frau verlassen, stirbt der exzentrische Multimillionär Charles Foster Kane in seinem gigantischen Märchenschloss Xanadu. Das letzte Wort auf seinen Lippen lautet: "Rosebud". Um den Nachruf auf den berühmten Zeitungsmacher interessanter zu gestalten, will der Reporter Jerry Thompson den Sinn dieses Wortes ergründen. Thompson besucht Menschen, die Kane nahestanden, und bringt so die schillernde Lebensgeschichte des am Ende einsamen Mannes zum Vorschein: Kanes Mutter Mary kommt überraschend zu Reichtum. Gegen den Willen ihres Mannes gibt sie ihren achtjährigen Sohn in die Obhut eines Vormundes. Der Bankier Thatcher soll den Jungen in die Geschäftswelt einführen. Mit 25 verfügt Charles Foster Kane bereits über ein gigantisches Vermögen. Sein Interesse gilt jedoch ausschliesslich der kleinen Zeitung "The New York Inquirer". Zusammen mit seinem Freund Leland macht er diese bald zu einem einflussreichen Boulevardblatt. Kanes politischer Aufstieg scheitert an einer Affäre mit der Sängerin Susan Alexander. Seine erste Ehe zerbricht an dem Skandal. Charles heiratet Susan. Sein Ehrgeiz gilt von nun an Susans musikalischer Karriere. Er setzt alles daran, aus ihr eine berühmte Sängerin zu machen. Susans Talent ist allerdings bescheiden. Erst ihr Selbstmordversuch bringt Charles wieder auf den Boden der Realität zurück. Doch es ist zu spät, Susan verlässt ihren Ehemann. Wenig später erleidet C.F.K einen Herzanfall, an dem er kurz darauf stirbt. Thompson kann das Geheimnis von Charles letztem Wort für seinen Nachruf nicht lüften. Beim Aufräumen der monströsen Kunstsammlung in der Villa Xanadu wird der alte Rodelschlitten ins Feuer geworfen, mit dem der kleine Charles an dem Tag spielte, als seine Mutter ihn weggab. Auf dem Schlitten steht etwas geschrieben: "Rosebud".... (BR Presse)

Der Aufstieg des Medien-Tycoons Kane, dargestellt und inszeniert von dem jungen Orson Welles. In seinem Schloss Xanadu stirbt Charles Foster Kane, vielfacher Millionär und Beherrscher der öffentlichen Meinung. Er stirbt mit einem seltsamen Wort auf den Lippen: "Rosebud". Ein Reporter zieht aus, um die verborgene Bedeutung dieses Wortes zu ergründen. Durch die Berichte der verschiedenen Menschen, die Kane kannten, ergibt sich eine fast lückenlose Rekonstruktion seines aussergewöhnlichen Lebens.
Kane, der mit acht Jahren ein Vermögen erbt, wird gegen seinen Willen von seinem Elternhaus getrennt, um in der Stadt eine angemessene Erziehung zu erhalten. Mit 25 Jahren übernimmt er die Redaktion einer kleinen Tageszeitung, des "New York Daily Inquirer". Ohne Rücksicht auf seine eigenen geschäftlichen Interessen entlarvt er Korruption und Unehrlichkeit im öffentlichen Leben und wird bald von Tausenden verehrt - aber auch gehasst. Kane gewinnt zunehmend Einfluss auf andere Zeitungen, doch dieser gigantische Aufstieg verändert ihn. An die Stelle seines Kampfes für die Wahrheit tritt das Verlangen nach weiteren, grösseren Erfolgen. (3Sat Presse)

Kritiken : Ein epochaler Film. Seit Jahren hält dieser Geniestreich den ersten Platz der Hitparade der zehn besten Filme der Welt.(Gong-Lexikon Filme im Fernsehen)

"In vieler Hinsicht, in seiner assoziativen und anekdotischen Erzähltechnik, in seiner ausgefeilten Bildsprache, in seiner dichten Dramatrugie und in seiner politisch-menschlichen Aussage ein Meilenstein der Filmgeschichte." (Süddt. Ztg.)

"Welles (...) schockierte und faszinierte schon als Zwanzigjähriger das Publikum mit ungewöhnlichen Theaterinszenierungen. Und nachdem ihm 1938 eine Hörspielfassung von H. G. Wells' "Krieg der Welten" so realistisch geraten war, dass sie eine Massenhysterie auslöste, gab Hollywood dem jungen Mann den wohl grosszügigsten Vertrag in der Geschichte der Filmmetropole: Welles sollte jährlich einen Film in absoluter Freiheit drehen. So entstand Citizen Kane (1940). Aber bald gab es doch Meinungsverschiedenheiten, Einsprüche und Eingriffe. Orson Welles verliess 1947 Hollywood und filmte seither in verschiedenen Ländern, wobei man insgesamt dem Schauspieler Welles mehr Chancen bot als dem Regisseur. Seine Inszenierungen entstanden nicht selten durch die Unterstützung von Mäzenen, manche Filme blieben unvollendet, wie etwa sein in Mexiko begonnener Don Quijote.

Welles' erster Film war eine radikale Absage an die damals gültigen ästhetischen Regeln des Films. Er löste die übliche Handlung in Erinnerungsfetzen auf; mit Hilfe der Tiefenschärfe des Bildes, die ein Spiel im Vorder- und Hintergrund ermöglichte, zog er Gegenwart und Vergangenheit stellenweise in einer Szene zusammen; Weitwinkelobjektive verzerrten und verfremdeten die Handlung. Welles hat daraus aber keinen "neuen Stil" entwickelt, den er zum Prinzip erhoben hätte. So wie er sich stets wieder andersartiger Stoffe bemächtigt hat, so hat er sie auch in immer neuen Formen behandelt. Dabei wirken alle seine Filme, in denen er gewöhnlich auch die Hauptrolle spielte, gleichsam überlebensgross und ganz individuell. Selbst Macbeth und Othello erscheinen weniger als Shakespeare-Adaptionen, sondern als Welles-Filme." (Krusche, Dieter: Reclams Filmführer. Reclam Verlag, Stuttgart, 10. neu bearb. Aufl. 1996.)

"Ein Geniestreich, 1962 und 1972 von internationalen Kritikern jeweils zum besten Film aller Zeiten gekürt: Orson Welles' Citizen Kane, das Spielfilmdebüt eines Fünfundzwanzigjährigen, der damit 1941 Filmgeschichte schrieb. Ein Werk, das dem Kino seine erzählerischen Fesseln nahm.

"Rosebud" lautet das mysteriöse letzte Wort des Zeitungszaren Charles Foster Kane (Orson Welles), bevor er auf seinem monströsen Schloss Xanadu stirbt. Diesem Geheimnis möchte der Reporter der Wochenschau "News of the March" auf die Spur kommen. Dazu befragt er die Menschen, die dem legendären Pressemagnaten am nächsten standen: dessen zweite Frau Susan (Dorothy Comingore), eine heruntergekommene Barsängerin, Mr. Bernstein (Everett Sloane), den früheren Chefredakteur, Jedediah Leland (Joseph Cotten), Kanes besten Freund. Nach und nach entsteht ein Bild der Persönlichkeit.

Als Fünfundzwanzigjähriger gelangte Kane in den Besitz eines riesigen Vermögens, mit dem er erst die marode Zeitung "Inquirer" kaufte, zu einem auflagenstarken Sensationsblatt machte und sich dann rastlos in neue Aktivitäten stürzte. Seine Ehe zerbricht darüber, die - wie Leland den Reportern erzählt - endgültig scheitert, als Kane mit der Sängerin Susan Alexander ein Verhältnis eingeht, das von seinem politischen Rivalen an die Öffentlichkeit gebracht wird. Aber auch die Verbindung mit Susan scheitert an Kanes Eigenwilligkeit und dem Egoismus, mit dem er seine Frau in seinem Prunkschloss Xanadu einschloss. Vom Butler Raymond (Paul Stewart) erfährt der Reporter schliesslich, dass dem sterbenden Kane eine Schneeglaskugel aus der Hand glitt, wobei er jenes ominöse "Rosebud" murmelte. Während der Reporter das Schloss verlässt, ohne dessen Bedeutung zu kennen, fährt die Kamera auf einen Ofen, in dem allerlei Gerümpel verbrannt wird. Gerade wird ein alter Schlitten hineingeworfen, auf dem "Rosebud" zu lesen ist.

François Truffaut meinte von Citizen Kane, dass dies wohl der Film sei, der die meisten jungen Leute veranlasst habe, Regisseur zu werden. Unbestritten zählt Citizen Kane zu den Massstab setzenden Werken der Filmgeschichte - ein ungemein reiches, vielschichtiges Werk, verwirrend wie ein unfertiges Puzzle, ebenso exzentrisch wie poetisch. Orson Welles hatte für seinen Erstlingsfilm völlige künstlerische Freiheit erhalten, im starren Studiosystem der dreissiger und vierziger Jahre eine Ausnahme. Doch RKO, das den Film produzierte, erhoffte sich von dem jungen Welles Wunderdinge. Als Theaterschauspieler und -regisseur genoss er bereits einen guten Ruf, als Rundfunkmacher war er legendär. 1938 hatte seine Reportage über die (fiktive) Landung von Marsmenschen in New York eine Panik verursacht.

Welles' erstes Projekt war die Verfilmung von Joseph Conrads "Heart of Darkness". Dazu experimentierte er mit einer "subjektiven" Kamera, die die Geschichte gewissermassen mit den Augen der Hauptfigur sehen sollte. Doch das Verfahren erwies sich als undurchführbar. Welles nahm es aber in seinem zweiten Projekt Citizen Kane in abgeänderter Form wieder auf. So ist der Reporter fast nur von hinten zu sehen, schaut ihm die Kamera über die Schulter. Geradezu revolutionär aber sind Erzählweise und Kameraführung. Zwar gab es auch schon 1941 im Hollywood-Kino Ansätze, eine Geschichte nicht mehr chronologisch zu erzählen, doch erst Welles und sein Co-Autor Herman J. Mankiewicz führten einen weitgehenden Bruch mit dieser Tradition herbei.

Dauernd wechselt die Perspektive, werden die jeweiligen Erzähler konterkariert. Sie kennen immer nur Teile des Puzzles Kane, der Zuschauer indes erfährt mehr. Er kennt das Bild als Ganzes und erlebt nun mit, wie es von den Beteiligten nur unvollständig zusammengebracht wird. Angeschnittene Bilder, Einstellungen aus der Froschperspektive, eine an den deutschen Expressionismus erinnernde Lichtsetzung tun das ihre, die Person des Charles Foster Kane in ihrer Grösse zu relativieren und ihr Geheimnis zu bewahren.

Innovativ war hierbei der Einsatz von Tiefenschärfe. Wie auf einer Bühne spielt sich das Geschehen mal vorne, mal hinten im Raum ab, ohne dass durch Schnitte Figuren oder Aktionen herausgehoben oder isoliert werden. Das Bild wurde in seiner Unberechenbarkeit zum Spiegel der im Raum agierenden Personen - die Visualisierung der menschlichen Psyche.

Reales Vorbild für die Figur des Charles Foster Kane war der Zeitungszar William Randolph Hearst, der in seinen Blättern den Film heftig angreifen liess. Eingeschüchtert verzichteten vor allem ländliche Kinobesitzer darauf, Citizen Kane zu spielen, obwohl die Kritik begeistert war. Die enttäuschend schwachen Einspielergebnisse veranlassten RKO zu einer Vertragsänderung. Seinen nächsten Film, The Magnificent Ambersons, konnte Welles bereits nicht mehr selbst montieren, worauf er bei seinem dritten RKO-Projekt, Journey Into Fear, die Regie einem anderen überliess. Welles' weitere Karriere war fortan bestimmt durch die Beschneidung seiner künstlerischen Freiheit. Mit den Gagen als Schauspieler in anderen Filmen finanzierte er seine eigenen Projekte, etwa die Shakespeare-Verfilmungen Macbeth und Chimes at Midnight. Doch erreichte Welles, der im Oktober 1985 starb, mit keinem seiner anderen Filme mehr die Wirkung und Bedeutung wie mit Citizen Kane, seinem ersten." (Günter Engelhard/Horst Schäfer/Walter Schorbert in Zusammenarbeit mit der Wochenzeitung 'Rheinischer Merkur/Christ und Welt' (Hrsg.): 111 Meisterwerke des Films. Das Video-Privatmuseum. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M. 1989.)

"Nach dem Tod des einflussreichen Zeitungsmagnaten Charles Foster Kane arbeitet ein Wochenschau-Team an einem Porträt des Verstorbenen. Unzufrieden mit dem bisherigen Ergebnis, erinnert der Produktionsleiter an Kanes letztes Wort: "Rosebud". Der Reporter Thompson wird beauftragt, herauszufinden, was es damit auf sich hat - in der Hoffnung, damit einen Schlüssel zum Verständnis für Kanes Leben zu erhalten.

Im Verlauf der Recherche befragt Thompson fünf Zeugen; Rückblenden schildern Etappen aus dem Leben Kanes, so dass sich das Wissen des Zuschauers synchron mit dem des Reporters aufbaut. Mit einer Ausnahme: der Auflösung des vermeintlichen Rätsels in der letzten Einstellung des Films. Beim Verbrennen der Hinterlassenschaften Kanes erscheint auf einem Schlitten der Schriftzug "Rosebud", kurz bevor er von den Flammen verzehrt wird. Mit diesem Schlitten hatte sich der achtjährige Kane gewehrt, als er von seinem Vormund, einem Bankier, von Zuhause weggeholt wurde. Der plötzliche Reichtum der Familie Kane dank der Goldmine eines Schuldners hat seine Kindheit zerstört und scheint verantwortlich zu sein für seine Unfähigkeit zu Liebe und Freundschaft, sein Scheitern in sozialen Beziehungen. Ob dies jedoch wirklich der Schlüssel zu dem Leben des machtbesessenen Mannes ist, wird kurz zuvor von Thompson ausdrücklich in Frage gestellt: "Ich bin nicht der Meinung, dass ein Wort ein ganzes Leben erklären kann. Ich glaube, ‘Rosebud’ ist bloss ein Stein aus einem Puzzle-Spiel, ein verlorengegangener Stein." Der Zuschauer kennt diesen Stein, doch die geheimnisvolle Faszination wird dadurch nicht aufgehoben. Orson Welles: "Der Sinn des Films liegt nicht in seiner Auflösung des Rätsels, sondern in der Art und Weise seiner Darstellung."

Mit Citizen Kane, dem Debütwerk des 25jährigen, hat Orson Welles Filmgeschichte gemacht. Nach seinem sensationellen Erfolg mit dem Hörspiel The War of the Worlds konnte er bei der Produktionsfirma RKO einen Vertrag durchsetzen, der ihm sämtliche Freiheiten zusicherte. Regisseur, Hauptdarsteller und Coautor in Personalunion, wählte Welles einen brisanten Stoff: Offenkundig hat die Figur Kane in dem Pressezar Randolph Hearst ein reales Vorbild. Hinter den Kulissen versuchte Hearst, den Film und seine Premiere im Kino zu verhindern. Bei der Uraufführung erwies sich Citizen Kane zunächst als kommerzieller Misserfolg; der einst als Wunderkind Hollywoods gefeierte Welles musste sich bei allen anderen Filmen später den Restriktionen der Produzenten beugen und hat kaum eine Arbeit vollendet. Erst Jahrzehnte später wurde die Bedeutung von Citizen Kane erkannt: Das Meisterwerk, das einen amerikanischen Mythos zum Thema hat, ist längst selbst zu einem Mythos geworden. Der Film ist ein Puzzlespiel, dessen Teile nicht recht zusammenpassen: Thompson stösst auf subjektive Erinnerungen, die ein widersprüchliches Bild von Kane ergeben. Multiperspektivität bestimmt die Gestaltung und den Aufbau des Films: die fragmentarische Erzählweise in Ellipsen und nicht chronologisch geordneten Rückblenden, die Verwendung der Tiefenschärfe, die raffenden Bildfolgen und kühnen Überblendungen, die ungewöhnlichen Kameraperspektiven. Die Darstellungsweise, die oft manieristisch und eklektizistisch wirkt, legitimiert sich aus der Geschichte: Extreme Auf- und Untersichten machen den Zeitungsmagnaten zu einer hervorgehobenen Gestalt: Kane dominiert immer das Bild. Sein Durchsetzungswille ist so gross, dass er nur noch sich selbst bestätigt; zugleich leidet er unter seinem Versagen, anderen gegenüber frei und offen zu sein. Citizen Kane ist auch die Geschichte eines Scheiterns, begründet in Grössenwahn und Allmachtsphantasien. Am Ende haust er einsam in seinem Schloss Xanadu. Orson Welles, seinem Protagonisten in manchen Zügen verwandt, hat diese Biographie eindrucksvoll visualisiert." (Michael Töteberg (Hrsg.): Metzler Filmlexikon. J. B. Metzler Verlag, Stuttgart/Weimar 1995.)

"Wie nie ein einzelner Film zuvor oder danach revolutionierte und radikalisierte Welles mit CITIZEN KANE das gesamte Filmschaffen: Expressionistische Schrägperspektiven mit Unter- oder Aufsicht dienten ihm als Metaphern für Souveränität bzw. Abhängigkeit der Personen; eine bis dahin für unmöglich gehaltene Schärfentiefe nutzte er, um seinen Bildaufbau in mehreren Tiefenebenen zu staffeln; und mit der Chuzpe des Anfängers befreite er sich von dem Zwang chronologischer Erzählweise. (Paul Werner)

«Der 25-jährige Welles revolutionierte mit dieser fiktiven Biografie eines Zeitungstycoons die Grammatik filmischen Erzählens. Fast wäre der Film nie gezeigt worden, weil der Medienzar William Randolph Hearst sich durch Kane verunglimpft sah. Trotz des kommerziellen Misserfolgs führt "Kane" seitdem die Bestenlisten der Kritiker an. Der Geniestreich eines Wunderkindes, den Orson Welles so niemals mehr wiederholen konnte.
Unvergessen:
Kane flüstert sein letztes Wort "Rosebud" – für den Reporter, der sein Leben recherchiert, ein unlösbares Rätsel.» (Cinema, 2000)

Anmerkungen : Expo 1958 in Bruxelles als einer der besten 10 Filme der Welt gekürt.

Mit seinem letzten Atemzug entschlüpft Charles Foster Kane - einem millionenschweren Pressemagnaten, Politiker, Sammler und «Pygmalion» - ein rätselhaftes Wort: «rosebud». Was will er damit sagen? Um dies herauszufinden, befragt ein Journalist die, die dem Verstorbenen nahe standen. Aber kann so das Geheimnis eines solchen Menschen gelüftet werden? Als Meilenstein der Filmgeschichte und erstes Werk von Orson Welles beinhaltet Citizen Kane eine Reflexion über die Medien und die Macht. Dieses labyrinthische Spiel mit den Möglichkeiten überzeugt nicht zuletzt durch das Können des Kameramanns Gregg Toland.

– Ein Reporter versucht, der Bedeutung des Wortes »Rosebud« auf die Spur zu kommen, das der Medienmogul Charles Foster Kane im Augenblick seines Todes aussprach. »There are more conscious shots – for the sake of shots – in CITIZEN KANE than in anything I’ve done since. It has things like that shot where they’re all posed around that trophy which is just a ›let’s see if we can make that shot‹ kind of shot. There’s a kind of unjustified visual strain at times in CITIZEN KANE, which just came from the exuberance of discovering the medium.« (Orson Welles) (Filmmuseum München)

«Der damals 24-jährige Orson Welles spielte die Hauptrolle in seinem virtuos inszenierten Meisterwerk, das vielen Kritikern noch heute als "bester Film aller Zeiten" gilt.
Das Regiedebüt des damals 24-jährigen Orson Welles zählt zu den stilbildenden Meilensteinen der Filmgeschichte und gilt vielen Kritikern als "bester Film aller Zeiten".
Zwischen dem jungen selbstbewussten Genie Orson Welles und seinem Vorbild für "Citizen Kane", dem Zeitungszar William Randolph Hearst, kam es zu einem Kampf, der sich für beide als zerstörerisch erwies. Hearst setzte seinen ganzen Einfluss, seine ganze Medienmacht gegen den Film und seinen Macher ein. Der Pressezar verzieh dem Kinogenie nie das Porträt, das er von ihm in "Citizen Kane" gezeichnet hatte, er verzieh aber vor allem nicht, dass seine Lebensgefährtin Marion Davies dort als haltlose Trinkerin geschildert wurde. Dass Welles in die Figur des "Citizen Kane" mindestens ebenso viel Autobiografisches hatte einfliessen war, hatte er entweder nicht gesehen oder nicht sehen wollen. Noch bevor der Film fertig geschnitten war, begann die Fehde. Dass der Film herauskam, konnte Hearst nicht verhindern, dass "Citizen Kane" bei der Oscar-Verleihung trotz neun Nominierungen (darunter als bester Film, für den Regisseur und Hauptdarsteller Welles) fast leer ausging, ist sein 'Verdienst'. Nur das Drehbuch, das Welles mit Herman J. Mankiewicz verfasst hatte, gewann. Solange Hearst (1863 - 1951) lebte, verfolgte er Welles mit seinen Angriffen, sorgte u. a. auch dafür, dass dieser als Kommunistenfreund in Misskredit geriet. Auch Hearst verlor auf der ganzen Linie.» (BR Presse)

«"Citizen Kane" ist das Erstlingswerk des erst 25 Jahre alten Orson Welles, der zwei Jahre zuvor mit seiner Hörspielfassung vom "Kampf der Welten" ganz New York in Aufruhr versetzt hatte. Der Film ist ein Meilenstein der Filmgeschichte: in seiner assoziativen und anekdotischen Erzähltechnik, seiner ausgefeilten Bildsprache, der glänzenden Montage, der neuartigen Tonmischung und der dichten Dramaturgie. Durch die Zusammenarbeit Welles' mit Gregg Toland, einem der renommiertesten Kameramänner seiner Zeit, konnten die Bilder entstehen, die das Leben des Medienmoguls Kane so facettenreich beleuchten. Nominiert für insgesamt elf Oscars, erhielt "Citizen Kane" lediglich einen Oscar für das "Beste Originaldrehbuch" zugesprochen. Welles' Meisterwerk steht bis heute ganz oben auf den internationalen Listen der besten Filme aller Zeiten.

Der amerikanische Schauspieler, Regisseur und Produzent wurde am 6. Mai 1915 als zweiter Sohn einer gut situierten Fabrikantenfamilie in Wisconsin geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern erprobte der junge Mann seine Talente auf der Bühne, als Maler und Stierkämpfer und war 1937 in New York Mitbegründer des künstlerisch engagierten Mercury-Theaters. Die legendäre Rundfunkinszenierung von "Krieg der Welten" machte das "Wunderkind" auch in Hollywood schlagartig bekannt. Mit seinen Filmen nach "Citizen Kane" aber verzettelte sich der Regisseur immer mehr, so dass er in den folgenden Jahrzehnten finanzielle Verluste durch schauspielerische Leistungen wettmachen musste. Orson Welles starb am 10. Oktober 1985 in Hollywood an Herzversagen.» (3Sat Presse)

Citizen Kane is a motion picture produced in the year 1941 as a USA production. The Film was directed by Orson Welles, with Orson Welles, Alan Ladd, Ruth Warrick, Dorothy Comingore, Joseph Cotten, in the leading parts. The movie had its first screening on September 05, 1941 in USA.



Literatur Hinweise Cinémathèque Suisse nr. 179, Lausanne 2000

Referenzen zum Film in anderen Datenbanken:

Unter anderem wurde der Film bei folgenden Filmfestivals aufgeführt:


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