Poster von The Third Man, © Production
The Third Man
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Der Dritte Mann
Grossbritannien, 1949
Regie: Carol Reed,

Anmerkungen

"Tatsächlich zugetragen hat sich die Geschichte von Harry Lime nicht. Sie hätte aber genauso stattfinden können. Wien, Handlungsort und Originalschauplatz mit realen Kriegsruinen, lässt den Film zum Zeitdokument werden, das die spezifische Situation der Stadt im Winter des Jahres 1948 abbildet. Das Erscheinungsbild, die Atmosphäre, die Bewohner, der Alltag und die Geschichte Wiens schaffen eine authentische Kulisse. In der geteilten Stadt blühten der Schwarzmarkt und der illegale Handel mit Penicillin. Diese Medizin war lebensnotwendig, heilte sie doch gefährliche Infektionen, die aufgrund von Hunger und Armut nicht zu verhindern waren. Penicillin galt als Kostbarkeit und seine Verwendung war streng reglementiert. Zeitungsberichte wiesen auf einen immer bedrohlicher werdenden Medikamentenmangel hin, in dessen Folge Medikamente mehr und mehr zur illegalen Ware wurden. (Natascha Bleckmann, viennale.at

"Der dritte Mann, innerhalb von fünf Wochen im Nachkriegs-Wien gedreht, machte seinen Regisseur Carol Reed weltberühmt und wurde ein phänomenaler Erfolg, ein Klassiker der Filmgeschichte. Am Gelingen des Films hatten viele Anteil: Der Kameramann Robert Krasker, ein Könner seines Fachs, der die Magie, die Dramaturgie von Licht und Schatten effektvoll in Szene setzte; der Autor und ehemalige Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes Graham Greene, der in Kooperation mit dem Regisseur die ökonomische und soziale Atmosphäre des besetzten Wien präzise auf den Punkt brachte; der Schauspieler Orson Welles, der dem Film mit seiner physischen Präsenz einen unverwechselbaren, eindringlichen Touch gab; die Zither-Musik von Anton Karas, der das musikalische Leitmotiv, das Harry-Lime-Thema, zum Ohrwurm machte und damit eine richtige »Zither-Welle« in Amerika und Europa auslöste." (ZDF)

Graham Greene hatte von dem Filmproduzenten Alexander Korda den Auftrag erhalten, ein Buch über das vierfach besetzte und arg zerstörte Nachkriegs-Wien zu verfassen. Vor seiner Ankunft in Wien hatte Greene für den projektierten Film bloss eine einzige Szene im Kopf: ein Mann trifft im Strassengewühl seinen seit Jahren totgeglaubten Freund. Die Handlung um dieses Motiv hoffte der Autor aufgrund seiner Wiener Eindrücke finden zu können. Greene war offenbar gleich gepackt von der seltsamen, traurigen Stimmung, die ihn in der zerstörten Stadt umgab und recherchierte sehr genau. Er fuhr mit dem Auto hinaus zum Zentralfriedhof, der damals im britischen Sektor lag und schrieb dann im Roman: "Sogar der Friedhof war in vier Zonen aufgeteilt, die russische war durch überlebensgrosse, geschmacklose Statuen bewaffneter Soldaten gekennzeichnet, die französische durch Reihen um Reihen namenloser Holzkreuze und schlaff herabhängende Tricolore." (Bernhard Denscher)

Wenn man der Kritik trauen darf ist dieser Film, in dem die Ruinen am Kai, der Prater, regennasse Strassen und unter- irdische Kanäle den düsteren Hintergrund eines grossen mensch- lichen Dramas bilden, ein echter Wiener Film geworden. Er zeigt uns ein Wien ohne Schrammeln und ohne Dulliöhstimmung, er zeigt uns das Wien der ersten Nachkriegsjahre, an dem österreichische Regisseure achtlos vorübergingen. (Mein Film, 1950)

In DER DRITTE MANN gaben sich drei noch verhältnismässig junge Künstler Rendezvous. Der Schriftsteller Greene, der Schau- spieler Orson Welles und der Regisseur Carol Reed. Freilich hätte auch dieses glückliche Zusammentreffen nicht genügt, um aus dem Film den Welterfolg zu machen, der er wurde. Hierzu musste Reed zwei ausgesprochene Regiestreiche führen: die nächtliche Jagd nach dem bösen Penicillinschieber durch die Kanäle der Stadt Wien und das Zitherspiel des bescheidenen Wiener Heurigenmusikers Anton Karas.

Mit der Kanaljagd hat Reed etwas ebenso Einfaches wie Gross- artiges unternommen. Er hat die traditionellen Dächerjagden der Kriminalfime unter die Erde verlegt und damit einer abgespielten Aktion eine neue Phantastik gegeben, die ein surrealistisches Element einschliesst und zudem an den Assoziationskomplex des "Untergrundes" rührt, der in jedem Nachkriegseuropäer bestimmte Empfindungen hervorruft. DER DRITTE MANN mit seinen Anklängen an politisches und wirtschaftliches Nachkriegsgeschehen, an Schwarzhandel und Geheimdienstkrieg, mit seiner einmaligen optischen Auswertung der Ruinenlandschaft und Elendsästhetik, mit Zittergeklimper und dem unheimlichen Riesenbabykopf des Orson Welles wurde einer der wirklich grossen europäischen Nachkriegsfilme. (Jean Amery)

"Orson Welles spielt die Titelrolle in Carol Reeds klassischem Film Noir mit internationaler Starbesetzung.
Für seine einzigartige Schwarz-Weiss-Fotografie der düsteren Stadtlandschaften des besetzten und geteilten Wiens und seiner "Unterwelt" erhielt Kameramann Robert Krasker (1913 - 1985) den Oscar. Carol Reed und sein Cutter Oswald Hafenrichter wurden nominiert.
Carol Reeds atmosphärisch faszinierende Inszenierung dieses Graham-Greene-Stoffs machte den "Dritten Mann" zu einem Welterfolg. Vor dem nächtlichen Dunkel labyrinthischer Stadtlandschaften - die Handlung gipfelt in der dramatischen Jagd auf Harry Lime im Kanalisationsnetz - entfaltet der Film ein vielfältig gebrochenes Spiegelbild menschlicher Existenz.
Orson Welles wurde als Darsteller des Harry Lime in Deutschland populärer als beispielsweise durch seinen grossartigen "Citizen Kane". Auch die Musik von Anton Karas, deren makabre Zitherklänge den dämonischen Charme des geteilten Wiens effektvoll unterstreichen, war seinerzeit ein Welterfolg.
Orson Welles (1915 - 1985), dessen "proteischer 'Citizen Kane' durch visuellen Einfallsreichtum und ätzende Charakterdarstellungen sowie die stilisierten Dialoge einen richtungsweisenden Einfluss auf den Film Noir ausübte", hat als Regisseur, Autor und Darsteller drei grandiose Films Noirs zu verantworten: "Die Spur des Fremden" (1945/46), die düstere Geschichte eines KZ-Schergen, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg hinter der Fassade eines braven Bürgers und Ehemanns verbirgt und von seiner Frau entlarvt wird, "Die Lady von Shanghai" (1946) mit seiner zeitweiligen Ehefrau Rita Hayworth als Femme fatale und vor allem "Im Zeichen des Bösen" (1957), "ein komplizierter Thriller, der an die Tradition der 'Schwarzen Serie' anknüpft, um sie zugleich ad absurdum zu führen" (Lexikon des Internationalen Films)." (Walter Greifenstein, BR-Presse)

Ein an Originalschauplätzen im Nachkriegs-Wien gedrehter Thriller um einen amerikanischen Schriftsteller, der den Schwarzmarktgeschäften eines Freundes nachspürt, der angeblich verstorben ist. Welles nahm für sich in Anspruch, die Figur des Harry Lime geschaffen zu haben: »I wrote everything to do with this character, I created him all round, it was more than just a part for me.« Dementsprechend griff Welles die Figur des Harry Lime in den 50er Jahren in einer englischen Hörfunkserie wieder auf und benutzte die Titelmelodie von Anton Karas (Filmmuseum München)

Poster von The Third Man, © Production
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