Sumurûn

Sumurun

Regie: Ernst Lubitsch, , Deutschland, 1920

    Plakatmotiv Sumurûn, © Projektions-AG Union (PAGU)


    Stab und Besetzung

    Produktion Projektions-AG Union (PAGU)
    Produzent Paul Davidson
    Produktionsleiter Kurt Waschneck [Technische Leitung]
    Regisseur Ernst Lubitsch
    Drehbuch Hanns Kräly
    Ernst Lubitsch
    Story Friedrich Freksa [Pantomine]
    Max Reinhardt
    Kamera Theodor Sparkuhl
    Musik Victor Hollaender
    Architekt Ernö Metzner [Mitarbeit]
    Kurt Richter
    Ernst Stern [Mitwirkung fraglich oder ungesichert]
    Kostümbild Ali Hubert
    Darsteller Charly Berger
    Paul Biensfeldt [Achmed, der Skavenhändler]
    Carl Clewing [Sohn des Scheichs]
    Aud Egede-Nissen [Haidee, Sumuruns Dienerin]
    Paul Graetz [Erster Diener]
    Jenny Hasselqvist [Zuleika, genannt «Sumurun»]
    Max Kronert [Zweiter Diener]
    Margarete Kupfer [Die Alte]
    Harry Liedtke [Nur-al-Din, Stoffhändler]
    Ernst Lubitsch [Abdullah. der Bucklige]
    Pola Negri [Die Tänzerin]
    Jakob Tiedtke [Der Obereunuch]
    Paul Wegener [Scheich von Bagdad]

    Technische Angaben
    Technische Info: Format: 35 mm - Schwarz-Weiss Film virage,, 2400 Meter, 6 Akte
    Tonsystem: silent
    Premiere: 91. 1920 in Berlin, Ufa-Palast am Zoo
    Erstzensur: Berlin 15. Juli 1920 No B.111 Entscheid: Jugendverbot
    Vorhandene Kopien: Kopien des Films sind erhalten
    Szenenphoto aus Sumurûn, © Projektions-AG Union (PAGU)

    Inhaltsangabe
    Die Haremsdame Sumurun ist so schön, dass der alte Scheich sie zu seiner Lieblingsfau macht. Sie aber liebt den jungen Stoffhändler Nur-al-Din und fürchtet die Eifersucht des alten Mannes. Zu allem Unglück erfährt der Scheich, dass auch sein Sohn in Sumurun verliebt ist, und droht, die beiden umzubringen. Da kommt eines Tages ein Buckliger mit einer verführerischen Tänzerin in den Harem. Als der Scheich sie mit seinem Sohn überrascht, erwürgt er sie und schlägt den Sohn in rasender Wut nieder. Als er nun noch im Frauengemach Sumurun und Nur-al-Din in einer Liebesumarmung aufspürt, will der Scheich auch diesen jungen Mann töten. Doch der bucklige Clown Abdullah hindert ihn daran und ersticht den Herrscher. Dann öffnet er die Tore des Harems und entlässt die Gefangenen in die Freiheit.... (arte Presse)

    Szenenphoto aus Sumurûn, © Projektions-AG Union (PAGU)
    Kritiken : Ein hübsche Tänzerin, ein Jongleur und ein buckliger Gaukler kommen ins Bagdad des 9. Jahrhunderts. Der Bucklige ist in die Tänzerin verliebt, sie aber spielt nur mit ihm... (Gong)

    "Filmische Reise in ein Universum der Gefühle und Leidenschaften, von äusserster Vollendung" (Lexikon des Internationalen Films)

    «Sumurun - (...) Vor zehn Jahren spielten bei Friedrich Feska mit die Schwestern Weisenthal – schlankbeinig stellten sie sinnenfrohe Geschöpfe des sonndurchglühten Orient hin. Spielten Schildkraut, der Alte, Moissi und Winterstein und die Konstantin mit.
    Lubitsch hat eine erhebliche Umbesetzung vornehmen müssen: Pola Negri, die Schauspielerin, wurde die Tänzerin Jenny Hasselquist, die Tänzerin, wurde Sumurun, ihre Freundin und Dienerin Egede Nissen, Margarete Kupfer die Alte. Der junge Scheich wurde Carl Clewing, der alte blieb: Paul Wegener (unser genialstes deutsches Filmtemperament, was er wiederum erwies). Den Stoffhändler Dur al Din gab Harry Liedtke, den Obereunuchen Jacob Tiedtke, den Sklavenhändler Paul Biensfeldt, die beiden Diener Dur al Dins Paul Graetz und Max Kronert.
    Und den Buckligen Ernst Lubitsch, – und das war das Ereignis des Abends. Die Negri ist glänzend, ist routiniert, ist bekannt als schauspielerisches Temperament, ist blendende Erscheinung, ist Rasse, Feuer, Klasse, Glut und Glanz – – das alles war sie auch gestern, auch gestern. Sie ist gewohnt, Bestes zu geben, denn sie gehört zu unsern Allerbesten. Sie hat erfüllt, was man erwartete. Glänzend erfüllt. Es durfte nicht anders sein und konnte gar nicht anders sein. Sie hat eine entfernte Ähnlichkeit, auch in kleinen Zügen des Spiels, mit der Nielsen; sie ist wie diese internationale Klasse.
    Paul Wegener, der in dem "Studenten von Prag" den ersten Schritt zur Höhe der deutschen Filmkunst tat – ein genialisches Temperament ein temperamentvolles Genie, ein intuitiver Begreifer, eine Kraftnatur, ein körperlicher Recke, ein geistiger Riese. (...)
    Jenny Hasselquist, eine zarte, zierliche, liebliche Erscheinung, die Verkörperung der reinen Liebe gegenüber der käuflichen Sinnlichkeit der Tänzerin, fein, schlicht, anmutig, unaufdringlich.
    Egede Nissen, eine blonde Anmut, voll Charme und Drolerie, voll Schalkhaftigkeit, Gutherzigkeit, Humor und Keckheit.
    Margarete Kupfer eine Alte von charakteristischer Verkommenheit, ein Lumpenweib, eine Megäre, ein Scheusal, etwas von einer Hündin, eine Leistung von großer Selbstaufopferung und völlig gemeistert.
    Carl Clewing, ein junger Scheich von weichlicher Sentimentalität, etwas für Backfischherzchen, Sporrenklirrende, schwertgewappnete Unmännlichkeit, – wie es die Rolle erheischt; vielleicht aber doch eine Nuance zu stark.
    Harry Liedtke, von sympathischer, kraftvoller Stattlichkeit und sehr hübschem Aussehen, auch etwas für Backfischherzen, aber fester härter, gefügter, gegossener bei aller verliebten Weichheit und verträumten Verliebtheit.
    Jacob Tiedtke, ein prachtvoller Humorist, ein gutes, etwas verfettetes Herz, mit weichen Händen und weichen Augen, mit schlaffem Munde und schlaffen Armen. In vielen kleinen Zügen groß und im ganzen natürlich durchaus gut, eine angenehm groteske Erscheinung. (...)
    Und nun Ernst Lubitsch selber: er hat eine Vorliebe für das Groteske, für eine gewissen Selbstverspottung. Er hat gar keine Hochachtung, nicht einmal vor sich selber. Er neckt sich sehr gerne, mit andern und mit sich selber. Ich bin überzeugt, er kann persönlich ein reizender Gesellschafter und ekelhafter Patron sein, wie er sich und sein Verhältnis zu dem Besucher gerade einschätzt. Bitte, das sind nur Vermutungen; seine persönliche Bekanntschaft soll sich erst ereignen. In der Arbeit versteht er jedenfalls keinen Spaß. Auch bei sich selber nicht. Und wenn er auch einen Spaßmacher mimt. Sein Buckliger hat tiefe, echt Herzenstöne – Bajazzo, der da weinen möchte und lachen muß, Bajazzo, der da liebt und verachtet wird, Bajazzo, der da ein abschreckender Krüppel ist und jedem Geraden das Glück der heilen Glieder neidet. Aus einem reichen Verstande, einem starken Temperament und vor allem aus einem unerschöpflichen Born nicht nur guten, sondern wegweisenden Geschmacks formt Lubitsch, was er darstellt. Ernst Lubitsch – der Max Reinhardt des Films! Mehr kann ich nicht sagen. Wer sein Edmund ist, möge jeder selber erraten! « (Lothar Knud Fredrik, Film-Kurier, Nr. 195, 2.9.1920) (zitiert nach filmportal.de)

    «Hier ist ein Werk geglückt, von dem stärkste künstlerische Wirkungen ausgehen, das mit reinsten Mitteln die Effekte großer Kunst erzielt und Wege weist im Film-Neuland, fernab von aller pseudotheatralischen Unkultur. Hanns Kräly und Ernst Lubitsch haben Friedrich Freska's orientalisches Spiel, das sich auf dem Theater in einem Stilgewirr verlor, für den Film bearbeitet, ohne jedoch aus der Pantomime mehr zu entnehmen, als die Umrisse der Handlung, ihre dramatische Begebenheit und die seelischen Konstellationen. Der Aufbau der Geschehnisse, Rhytmus und Dynamik sind hier nicht den Gesetzmäßigkeiten der Bühne entnommen, sondern durchaus den Stilforderungen der Leinwand angepaßt. Sozusagen ein orientalisches Märchen in bewegten Bildern, denen der Regisseur Ernst Lubitsch seinen charakteristischen Stempel aufgedrückt hat.
    Was diesem Film vor allem das Gepräge gibt, ist nicht so sehr der dramatische Impetus einzelner Szenen, das effektvolle Steigern einer Situation, eines Vorganges, als vielmehr die geradezu raffinierte Fähigkeit, Bildmäßiges zu gestalten und es breit auswirken zu lassen.
    Meisterhaft sind die Aktschlüsse, bald eine lyrische Elegie, bald ein kurz abreißendes Scherzo, dann wieder eine dramatische Gipfelung, und die Schlußszene, – ein langnachschallender Harfenakkord.
    Pola Negri, die Tänzerin: verkörperte Leidenschaft, fessellos, glühende Flamme, die Männer verzehrt, eine funkelnde Katze, ewig zum Sprung geduckt.
    Freska's "Sumurun" hat seinerzeit ihren Weg durch das Ausland genommen. Auch die Zelluloidstreifen dieses Werkes werden sich um die ganze Welt schlingen.» (B.Z. am Mittag, zit. nach: Lichtbild-Bühne, Nr. 37, 11.9.1920)

    Anmerkungen : «Hintergrundinformationen:
    "Sumurun" ist die Stummfilmversion einer orientalisch-exotischen Märchenpantomime, die Max Reinhardt schon 1910 herausgebracht hatte. Unter der Regie von Ernst Lubitsch, der ausserdem in der Hauptrolle des buckligen Gauklers vor der Kamera agiert, entstand ein Stummfilm mit grossem Aufwand an Kulisse und Kostüm, der zugleich eine filmische Reise in das Universum intensiver Gefühle und Leidenschaften darstellt. Ernst Lubitsch wird 1892 in Berlin geboren. 1911 spielt er am Deutschen Theater seine ersten Rollen und arbeitet unter anderem mit Max Reinhardt zusammen. Lubitsch, der bei Reinhardt in die Lehre geht, beginnt im Folgenden selbst, seine Fähigkeiten als Regisseur zahlloser Stummfilme umzusetzen, in denen er wiederholt auch selbst auftritt. Zwischen 1912 und 1918 dreht Lubitsch vor allem Slapstick-Filme, später wechselt er die Genres und realisiert historische Kostümfilme sowie Komödien - immer wieder gern in Zusammenarbeit mit dem Drehbuchautor Hanns Kräly. Mit "Madame Dubarry" (1919) feiert Lubitsch internationale Erfolge, die ihm den Weg nach Hollywood ebnen, wo er mit den bekanntesten Filmdiven der damaligen Zeit zusammenarbeitet: Marlene Dietrich und Greta Garbo. Lubitsch wird insgesamt drei Mal für den Oscar nominiert und erhält schliesslich 1947, kurz vor seinem Tod, einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk.» (arte Presse)

    «Stummfilmversion einer orientalisch-exotischen Märchenpantomime, die Max Reinhardt schon 1910 herausgebracht hatte. Eine Gauklertruppe kommt in das Bagdad des 9. Jahrhunderts. Der Scheich und sein Sohn begehren die verführerische Tänzerin, die den Lockungen von Reichtum und Luxus erliegt. Der bucklige Gaukler, der sie aus innerstem Herzen liebt, schluckt ein vermeintlich tödliches Mittel und geistert fortan als "Leiche" durch den Film, was Anlass zu sowohl komischen als auch spannenden Verwicklungen gibt. Ein "Historienschinken" mit grossem Aufwand an Kulisse und Kostüm, aber auch eine filmische Reise in ein Universum intensiver Gefühle und Leidenschaften, mit einem sehenswerten Ernst Lubitsch als Gaukler.» (eselkult.tk)

    «„Sumurun“ ist eine Geschichte wie aus 1001 Nacht: so fremd und so weise, so anmutig und erotisch, so tückisch und blutig. Der Film hat den berühmten Lubitsch-Touch. Er zeigt Ernst Lubitsch, den Jungen aus der Schönhauser Allee, den es 1922 nach Hollywood verschlägt, auf der Höhe seines Könnens, und zwar sowohl als Regisseur wie als Schauspieler. Lubitsch präsentiert sein populäres Kino der Blicke und Gesten, der grossen Gefühle und der kleinen humorvollen Einlagen, der Sinnlichkeit, der eleganten und prächtigen Dekors und ausgefeilten Choreographien. Für den starken Eindruck sorgt freilich auch die von Lubitsch entdeckte Pola Negri, die hier einen furiosen Vamp spielt. Das Publikum war begeistert. Die „B.Z. am Mittag“ schreibt 1920: „Hier ist ein Werk geglückt, von dem stärkste künstlerische Wirkungen ausgehen, das mit reinsten Mitteln die Effekte grosser Kunst erzielt und Wege weist im Film-Neuland.“
    Im mittelalterlichen Bagdad dreht sich das Liebeskarussell: Der alte Scheich (Paul Wegener) liebt Sumurun (Jenny Hasselquist), die schönste Frau seines Harems. Doch Sumurun liebt heimlich den Stoffhändler Nur-al-Din (Harry Liedtke). Auch der Sohn des Scheichs (Carl Clewing) begehrt die junge Frau, wird aber zurückgewiesen. Das alles ändert sich, als eine Truppe von Schaustellern in der Stadt haltmacht, unter ihnen die rassige Tänzerin Zuleika (Pola Negri) und ein buckliger Gaukler (Ernst Lubitsch). Sofort sind der alte und der junge Scheich Feuer und Flamme für die Tänzerin, die mit den beiden ein Doppelspiel treibt. Zuleika hat es auf die Reichtümer des Alten und die Liebe des Jungen abgesehen, aber das geht nicht lange gut. Besitzgier, Betrug und Eifersucht münden in Rache und Mord. Übrig bleiben Sumurun und Nur-al-Din, für deren Liebe nun der Weg frei ist.» (www.stummfilmkonzerte.de)

    Ernst Lubitsch: «Ja der Kostümfilm! Natürlich! Ich weiss schon! Es gibt eine gewisse Aversion gegen den Kostümfilm. Die ist falsch; denn man darf eine prinzipielle Abneigung gegen irgendeine Kunstform überhaupt nicht haben. Jede Art ist wirksam, jede Art hat ihre Berechtigung, wenn sie wirksam ist. ...» (Film-Kurier, 1. 9. 1920)

    Sumurûn ist ein Film, der im Jahr 1920 in Deutschland produziert wurde. Regie führte Ernst Lubitsch, mit Charly Berger, Carl Clewing, Paul Graetz, Jenny Hasselqvist, Max Kronert, in den wichtigsten Rollen. Der Film hatte am 91. 00 1920 in Berlin, Ufa-Palast am Zoo seine Premiere.



    Literatur Hinweise Retrospektive Berlin 1967, pg 24f;
    Prinzler-Patalas; Lubitsch, 1987, pg 139f, 208f

    Referenzen zum Film in anderen Datenbanken:

      Unter anderem wurde der Film bei folgenden Filmfestivals aufgeführt:


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