Idiot

Der Idiot

Regie: Ivan Pyrjev, , UdSSR - Sowjet Union, 1958

  • FSK 16  
  • Genre: Drama, Literaturverfilmung,

Plakatmotiv Idiot, © Mosfilm


Stab und Besetzung

Produktion Mosfilm
Verleih Progress, VEB Film-Vertrieb [(Deutschland)]
Regisseur Ivan Pyrjev
Drehbuch Ivan Pyrjev
Nach einer Vorlage von Fjodor Dostojevskij [Roman oder Erzählung]
Kamera Valentin Pavlov
Musik Nikolaj Krjukov
Schnitt S Volkov
Anna Kulganek
Darsteller Julija Borisova [Nastasja Filippovna]
Jurij Jakovlev [Fürst Lev Nikolajevich Myshkin]
Nikita Podgornij [Ganja Ivolgin]
Leonid Parkhomenko [Parfjon Rogoshin]
Nikolaj Pashitnov [General Ivan Jepanchin]
Raisa Maksimova [Aglaja Jepanchina]
Andrej Fajt [Chelovjek iz svity Rogozhina]
Emmanuil Geller [Gusar iz svity Rogozhina]
Nikolaj Gorlov [Chelovjek iz svity Rogozhina]
Ljudmila Ivanova [Varja Ivolgina]
Raisa Kurkina [Adelaida Jepanchina]
Nikolaj Kutuzov [Zhadnyj chinovnik]
Ivan Ljubeznov [General Ardalion Ivolgin]
Sergeij Martinson [Lebedev]
Vladimir Muravjov [Ferdushchenko]
Vjera Pashennaja [Die Frau des Generals]
Klavdija Polovikova [Nina Aleksandrovna Ivolgina]
Galina Samokhina [Aleksandra Jepanchina]
Grigorij Shpigel [Ivan Ptitsyn]
Pavel Strelin [Afanasij Ivanovich Totskij]

Technische Angaben
Kategorie: Langspiel Film
Technische Info: Format: 35 mm - Farbfilm,Länge: 130 Minuten, 13 Akte
Tonsystem: Mono
Premiere: 12. Mai 1958 in UdSSR
FSK ab 16 Jahren, F
Vorhandene Kopien: Kopien des Films sind erhalten
Szenenphoto aus Idiot, © Mosfilm

Inhaltsangabe
Der Film basiert auf dem ersten Teil des Romans von Fedor Dostojevskij. Prinz Myshkin kehrt nach langer Zeit nach St. Petersburg zurück. Der verarmte junge Prinz ist ein Mann von impekabler Ehrlichkeit. Kein Wunder, dass in einer Welt von Funktionären, Bücklingen und Hofschranzen jeder ihn den "Idioten" nennt. Einzig die schöne Nastassia Philippovna versteht den Prinzen. Myshkin ist verliebt in Nastassia, und auch sie empfindet Sympathie für den Prinzen, aber sie hält ihre Beziehung für undenkbar. Ist sie nicht eine "gefallene Frau" ? Niedrige Intrigen umgeben den Prinzen, die Menschen betrügen sich gegenseitig, lügen, üben Verrat. Das Leben macht sich auf grausame Weise lustig über den Prinzen, über sein Ideal, aber er bleibt sich selbst treu...

Kritiken : «(...) Der in sehr düsteren Farben gedrehte Film, dessen Fortsetzung der Regisseur plant, umfasst nur den ersten von vier Romanteilen: die Geschichte der stolzen, zur Mätresse erniedrigten Nastasja Filippowna, deren Name auch der Titel des sowjetischen Originals ist. (...) Leidenschaftlicher Hass gegen die Wolfsgesetze des aufkommenden Kapitalismus und gegen das untergehende Schmarotzertum, jener Hass, der Dostojewski die Feder füührte, bestimmt auch die harten Kontraste, die kaum noch zu steigernden Gefühlsausbrüche des Films. Der gewählte Ausschnitt (...) zeigt die Helden im Kampf; doch wenn nach der grossen Demaskierungs- und Anklageszene im Schlussfurioso ein Schneesturm die Gestalten der Helden verschluckt, ist im Grunde alles ausgesprochen, auch der Nichtkenner des Romans erahnt das tragische Ende. (...) Pyrjew entschlüsselt Dostojewski vom Standpunkt des sozialistischen Künstlers, indem er seine zornige Sozialkritik, seinen tiefen Humanismus blosslegt - auch wenn darüber einige psychologische Nuancen, einige Hintergründigkeiten verlorengehen. (...) Pyrjews Film ist ein Film der Schauspieler. Ein Drama, erzählt in überhitzten mimischen Monologen, im expressiven Spiel der Augen. In den ausserordentlichen elementaren Darstellern (...) liegt seine Suggestion. Zugleich aber geben sie ihm gerade durch ihr ungedämpftes, entfesseltes, alle anderen Filmkomponenten gleichsam überwältigendes Spiel einen Anflug von Theater. (...)» (Jahrbuch des Films 1959, Berlin 1960, pg 102f)

«(...) Im Jahre 1958 kam der Film Der Idiot (...) heraus, in dem Jurij Jakovlev den Fürsten Myshkin spielt. Das ist eine wahre Symphonie von Grossaufnahmen, wie sie eben nur im Film möglich sind. Myshkin verurteilt die grauenhaften Zustände im Russland der Zaren mit keinem Wort. Unbewusst aber fällt er sein Urteil über diese Zustände - durch seinen Blick, der bald traurig, bald bestürzt, bald gequält ist. Als der Beamte Iwolgin ihm bei einem Wutanfall eine Ohrfeige gibt, weil er Iwolgins Schwester vor dem Zorn des Bruders in Schutz nahm, beantwortet Jakovlev-Myshkin das nicht etwa mit einer von heftigen Gesten begleiteten Aufwallung. Er führt nur die Hand an die geschlagene Wange. Diese schlichte, natürliche Geste und der bestürzte, traurige Blick wirken stärker als alle Worte, sie drücken den Schmerz darüber aus, dass Iwolgin sich zu einer so unwürdigen Handlung hinreissen liess. Jakovlev macht uns den Fürsten, diesen lebensfremden, prächtigen Menschen, der sich in seine Umwelt nicht einzuordnen versteht, sehr liebenswert.» [Valeri Tulizyn, Sowjetfilm Nr. 5, Mai 1962, pg 9]

«Triumph der Farbe! Was wir schon manchmal an sowjetischen Filmen bewundern konnten, die dramaturgische Verwendung der Farbe als wohlerwogener Effekt der Stimmung, der Atmosphäre - hier, in Ivan Pyrjevs Verfilmung von Dostojevskijs Roman "Der Idiot" hat es einen Höhepunkt und ein bisher nicht erreichtes Mass an Vollendung erreicht. Die grauen, bläulichen, grünlichen Nebel des Winters in Sankt Petersburg, das kalte, weisse Licht des Schneeflockenwirbels, das warme, gelbe und rötliche Flackern der Kerzen, das grelle Zucken der Flammen im Kamin, und dazu jenes tiefe, dunkle, prunkvolle, schwüle Rot, das das 19. Jahrhundert für seine Interieurs liebte, und dies alles gebrochen ins Ungefähre dämmernder Abende und schwarzer Nächte, ins Ungefähre der Schatten, die in den Zimmerecken lauern, und dies alles, bedeutungsvolles Spiel der Farbe, nun hingeschleudert in furiose, von der Musik Nikolaj Krjukovs noch verstärkte Bewegung - das ist hier ein den Leidenschten Dostojevskijs vollkommen entsprechender optischer Rahmen. In den meisterhaften Bildkompositionen des Kameramanns Valentin Pavlov steigert sich das Geschehen im erregenden Wechsel von Verhaltenheit und Ausbruch. Diese Farben, diese Bilder allein genügen schon, um das grosse filmische Meisterwerk zu erkennen. (...) Eine kongeniale Verfilmung (...) Welche Kontraste, was für eine Härte der Menschenzeichnung! Die Abgründe der Seelen tun sich auf, und vor dem naiven, rührenden Lächeln Myshkins und den kalten, hochmütigen der Nastasja Filippovna zuckt die Gier von Menschen, denen Menschliches schon längst verlorenging, weil sie ihr Leben nach unmenschlichen Gesetzen einrichten und Geld, Geld, Geld ihnen mehr als Liebe gilt (...)» [H.U., Neue Zeit, Berlin 16. Juni 1959]

«Faszinierend ist dieses Gesicht: schön und ebenmässig geschnitten, strahlt es Demut, Güte, Reinheit aus - doch in den tiefliegenden Augen wohnt die unheilbare Krankheit. Es ist ein Gesicht, das so gar nicht in die Petersburger Gesellschaft des vorigen Jahrhunderts passt, es ist ein Gesicht aus einer anderen Welt. (...) Ivan Pyrjev ist als Drehbuchautor und Regisseur in seinem Film Dostojevskij nichts schuldig geblieben. Die filmisch notwendige Verknappung des Romans kommt einer Verdichtung gleich, auch dass der Regisseur manchen Charakter und manche Szene eine Nuance schärfer gibt, als sie von Dostojevskij vorgezeichnet sind, kommt dem Film nur zugute. Beginnend mit fast allzu ausgekosteter, intimer Stimmungsmalerei und gedämpften Charakterbildern, türmt Pyrjev dann die Handlung meisterhaft zu einem mitreissenden Furioso explosiver Leidenschaftlichkeit auf (...)» [Christoph Funke, Der Morgen, Berlin, 13. Juni 1959]

«Groschenroman in Leichengrün - "Der Idiot" - Ein Film aus der russischen Gartenlaube. Russischen Filmen pflegt man hierzulande mit besonderem Interesse zu begegnen. Was man bisher sah, nämlich Eisensteins Filmklassiker und "Wenn die Kraniche ziehen" hat allerorten den Eindruck verfestigt, dass zumindest die Filmkunst in Moskau in hoher Blüte stünde. Dass dort auch das gedeiht, was man schlicht und treffend als Kintopp bezeichnet, bewies "Der Idiot", ein Streifen, dem man nahezu alles bescheinigen kann, nur keine Kunst. Selbige hatte offensichtlich schon zu dem Zeitpunkt die Flucht ergriffen, als man daran ging, Dostojevskijs berühmten Roman (I. Teil) mit dem dramaturgischen Vorschlaghammer zu bearbeiten, um ihn anschliessend in eine Dialogform zu pressen, die man im 20. Jahrhundert nicht mehr für möglich gehalten hätte. (...)» [Duisburger Generalanzeiger, 22. Juni 1960]

«(...) Die Kamera spielt überhaupt die wichtigste Rolle in diesem Dostojevskij-Film. Immer wieder geht sie ganz nah an die Gesichter heran. Grossaufnahme folgt auf Grossaufnahme. Es wird offenbar, was Regisseur Pyrjev aus diesem Stoff hat machen wollen: eine pyschologische Studie (...)» [Heinz Schwewe, Die Welt, Hamburg, 15. Juli 1958]

«(...) Es ist im ganzen: ein theatralisches Theaterstück. Überhaupt wird niemals die Kamera produktiv, bewegt sich die Szenerie, flammt ein besonderer Blickwinkel auf. Doch über allem ist das Furiose Dostojevskijs, sein dramatischer Sturm, seine paradoxe, psychologische Grübelei. Und so ist es, trotz allem, ein sehr eindrucksvoller Film.» [Willy Haas, Die Welt, Hamburg, 20. August 1960]

«(...) Pyrjews Verfilmung des «Idioten» von 1958 war ein Zeichen des «Tauwetters». Aber als am letzten Tag des Jahres 1957 der damals noch völlig unbekannte Innokenti Smoktunowski in Towstonogows Leningrader [Theater-]Inszenierung die Rolle des Fürsten Myschkin spielte, wirkte das wie eine Explosion. Ob Enthusiasten oder Skeptiker, ob wohlhabend oder nicht, fuhren wir damals alle nach Leningrad, um die Legende zu überprüfen. Es war keine Legende, es war ein Wunder.(...)» (Maja Turowskaja, NZZ Online 18. Juni 2004)

Anmerkungen : «Zehn Jahre habe ich mich mit dem Gedanken getragen, diesen grossartigen Stoff auf die Leinwand zu bringen. Aber ich hatte wenig Hoffnung, Schauspieler zu finden, die den Dostojevskijschen Vorbildern der beiden Hauptpersonen gerecht werden könnten. Eines Tages sah ich in den Mosfilm-Studios plöttzlich ein neues Gesicht. Sofort wusste ich: das ist dein Fürst Myshkin. Jurij Jakovlev - so hiess der junge Schauspieler - war der richtige Mann für diese Rolle. Wir fingen an zu drehen. Aber noch war die weibliche Hauptdarstellerin nicht gefunden. Bald waren alle Szenen, die wir ohne sie drehen konnten, im Kasten.
Jeden Abend besuchte ich mit meinem Kameramann ein anderes Theater. Wir hofften auf diese Weise unsere Nastasja Filippovna zu entdecken. Lange vergebens. Da sahen wir eines abends im Vakhtangov-Theater Julija Borisova. "Die oder keine!" war unsere übereinstimmende Meinung. Doch bei der jungen Schauspielerin stiessen wir auf unvermutete Schwierigkeiten. Sie hatte noch nie vor einer Filmkamera gestanden. Die Scheinwerfer störten sie in ihrer künstlerischen Konzentration. An dieser Scheu schien alles zu scheitern.
Da kam mir ein Gedanke. Wir bauten die Szene im Studio kunstgerecht auf, liessen alle Schauspieler geschminkt und nach ihren Rollen gekleidet antreten, schalteten die Scheinwerfer ein und - warteten. Ich bat Julija Borisova nur, dazubleiben. Sie brauchte kein Wort zu sagen, keinen Auftritt zu proben, nicht vor die Kamera zu treten. Zwei Tage lang geschah eigentlich nichts. Meine Nerven waren zum Zerreissen gespannt. Da kam plötzlich Julija zu mir und sagte: "Wollen wir anfangen?" Schon die ersten Szenen zeigten, dass sie ihre Scheu völlig verloren hatte.» [Ivan Pyrjev, Die Welt, Hamburg, 15. Juli 1958]

Am 12. Juni 1959 hatte die deutsch-synchronisierte Version in der DDR Premiere, die Länge der Synchronfassung betrug 3350 Meter. Der Film gelangte auch die die west-deutschen Kinos.

Idiot ist ein Film, der im Jahr 1958 in UdSSR - Sowjet Union produziert wurde. Regie führte Ivan Pyrjev, mit Julija Borisova, Jurij Jakovlev, Nikita Podgornij, Leonid Parkhomenko, Nikolaj Pashitnov, in den wichtigsten Rollen. Der Film hatte am 12. Mai 1958 in UdSSR seine Premiere.



Literatur Hinweise -Heinz Schwewe, Die Welt, Hamburg, 15. Juli 1958
-Progress-Filmillustrierte, Nr. 38/1959
-Katalog sovjetskikh khudozhestvennykh filmov, Vol II, Moskva 1959, pg 12f
-Christoph Funke, Der Morgen, Berlin, 13. Juni 1959
-H.U., Neue Zeit, Berlin 16. Juni 1959
-Baumert, Heinz und Hermann Herlinghaus (hg), Jahrbuch des Films 1959, Henschelverlag Berlin 1960, pg 102f
-Duisburger Generalanzeiger, 22. Juni 1960
-Willy Haas, Die Welt, Hamburg, 20. August 1960
-Leonard Lyons, Lawrence Journal World, Lawrence, Kansas, August 8, 1960

Referenzen zum Film in anderen Datenbanken:

Unter anderem wurde der Film bei folgenden Filmfestivals aufgeführt:


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