Von morgens bis Mitternacht - Regie: Karl Heinz Martin - KinoTV © February 9, 2010 by Unicorn Media

Von morgens bis Mitternacht

REGIE:Karl Heinz Martin,
Deutschland , 1920

Szenenfoto aus dem Film  Von morgens bis Mitternacht

Französischer Titel: De l'aube à Minuit
Produktion: Ilag-Film
Regie: Karl Heinz Martin
Drehbuch: Herbert Juttke
..... Karl Heinz Martin
Story: Georg Kaiser (Drama)
Kamera: Carl Hoffmann
Art Direction: Robert Neppach
Kostüme: Robert Neppach
Darsteller: Roma Bahn (Die Fremde)
..... Ernst Deutsch (Der Kassier)
..... Hugo Döblin
..... Lo Heym
..... Adolf Edgar Licho
..... Erna Morena (Die Frau des Kassiers)
..... Frieda Richard
..... Lotte Stein
..... Hans Heinrich von Twardowski (Der junge Mann)
..... Elsa Wagner
..... Eberhard Wrede
Tech. Info: Schwarz-weiss ,
Ton:Stummfilm - muet - Silent - muto

Kritiken:

Vereinigung Münchener Filmkritiker

«[...] Als zweite Sondervorstellung für die Vereinigung sah man im Vorführungsprogramm der Regina-Lichtspiele den in Süddeutschland noch unbekannten Ilag-Film nach Kaisers "Von Morgen bis Mitternacht". Damit nähert sich der Expressionismus den wesenhaften Möglichkeiten des Films schon viel mehr als im "Caligari": dingliche und schauspielerische Darstellung gehen einheitlich zusammen, wobei freilich immer noch diesem Zusammengehen von außen her malerisch (mit aufgesetztem Weiß) nachgeholfen wird. Jedenfalls aber erscheint der photographische Naturalismus in diesem Regiewerk K.H. Martins glücklich überwunden und damit in der Entwicklung des Films aus seiner Reproduktionstechnik zu künstlerischer Formung ein weiterer Schritt getan. Welche Münchener Lichtspielleitung wird sich das Verdienst sichern, mit der öffentlichen Vorführung bahnbrechend voranzugehen? » (Quelle: Film-Kurier 4.Jg., Nr.31, 4.2.1922)

Von Morgens bis Mitternachts

«(...) Das Manuskript, von Martin selbst und Herbert Juttke bearbeitet, wurde streng auf dem Grundriß des Dramas errichtet. Nur die Frauengestalten waren in eine einzige Figur vereinheitlicht. Martin wollte vom Individuellen weg - ein Zeitlos-Ewiges war der Blickpunkt. "Ein Kassierer", "ein Mädchen", "eine Mutter" erscheint - keine private Gestalten.

(...) Martin hat die Intensität des Vorgangs stark herausgearbeitet. Die Gestalten sind auf wenige, stark betonte Züge inszeniert. Der Rhythmus ihrer Existenz in die Gebärde verlegt. Die Darstellung ist aus der Dynamik der Handlung heraus konstruktiv gestaltet. Dadurch wird die Szene seelenlos. Der Architekt Neppach hat schwarz-weiß gearbeitet, Figurinen, Landschaften, Inneneinrichtung - alles ist auf lineare Grapikwirkung gestellt, auf die Bewegungswirkung von Flächen und Linien, Hell und Dunkel. Der Weg in die Nacht, im Winterbaum: eine weiße Schlange in dunkle Flächen gepreßt: und davor ein Baum, massig, Spiel gereckter Äste. Der Operateur Hoffmann hat die Photographie auf die Absicht des Malers eingestellt: es kommt alles Grau in Grau heraus. Die Figuren haben ihre organische Form abgestreift, sind Teile, Formelemente des dekorativen Gedankens, gestalten den Bildraum mit, werden durch Lichtflecke und Streifen zerrissen, die ihnen aufgemalt sind. (...) Der Film ist nicht zur Aufführung gekommen. In Japan soll er Erfolg gehabt haben.» (Quelle: Rudolf Kurtz: Expressionismus und Film, Berlin 1926 (ND Zürich 2007), S.66-70.)

Anmerkungen und Allgemeines zum Film:

«Als attraktive Dame betritt Erna Morena eine Bank, um einen großen Betrag abzuheben, der ihr allerdings vom Bankdirektor, der sie für eine Hochstaplerin hält, verweigert wird. Der Kassierer ist fasziniert von ihr, denn sie verkörpert für ihn Luxus, freie Lebensgestaltung und Lustversprechen. Er setzt sein kleinbürgerliches Leben aufs Spiel. Erna Morena wird hier als Stereotyp der großbürgerlichen Dame eingesetzt: ihre für damalige Verhältnisse ungewöhnliche Körpergröße, ihre grazile Fragilität und das für sie typische Spiel mit ihren schmalen langen Händen kam dem expressionistischen Stilwillen des Regisseurs entgegen. »Der Regisseur wollte vom Individuellen weg – ein Zeitlos-Ewiges war der Blickpunkt … Die Figuren haben ihre organische Form abgestreift, sind Teile, Formelemente des dekorativen Gedankens, gestalten den Bildraum mit, werden durch Lichtflecke und Streifen zerrissen, die ihnen aufgemalt sind.« (Rudolf Kurtz) (Filmmuseum München)

«Einer der wenigen reinen expressionistischen Filme, mit verzerrten Kulissen, harten Kontrasten und stilisiertem Spiel der Darsteller. Erzählt wird die Geschichte vom Kassierer einer Bank, der Geld stiehlt, um sich in die Vergnügungen der Großstadt zu stürzen. Der Film kam seinerzeit nicht in die deutschen Kinos, sondern erlebte seine Uraufführung in Japan, wo sich die einzige Kopie erhalten hat. Die in der originalen Grafik rekonstruierten Zwischentitel wurden vom Filmmuseum München in den Film eingefügt.» (Stummfilmtage Bonn)

Literaturhinweise zum Film:

Deutsche Spielfilme von den Anfängen bis 1933, hg von Günther Dahlke und Günther Karl, Berlin 1988, pg 44f;
Stummfilmtage Bonn 2008, Katalog
Die obenstehenden Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern geben den Informationsstand unserer Datenbanken zum Zeitpunkt der letzten Aktualisierung an. Alle Angaben sind nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert, Rechtsansprüche aus falschen oder fehlenden Angaben werden ausdrücklich abgelehnt.
     Auf Grund der aktuellen Rechtssprechung in einigen Ländern kann derjenige haftbar gemacht werden, der auf Adressen verweist, die möglicherweise einen strafbaren Inhalt verbreiten oder auf strafbare Inhalte und Seiten weiterverweisen, es sei denn, er schliesst eindeutig eine solche Haftung aus. Unsere angeführten Links sind nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert, dennoch können wir in keiner Weise für die Inhalte der von uns aufgeführten Links und Webseiten irgendwelche Haftung übernehmen. Wir geben diese Erklärung sinngemäss für alle Länder und alle Sprachen ab.
     Soweit nicht anderweitig gekennzeichnet sind Fremdzitate im Rahmen des üblichen Zitatenrechts mit Kennzeichnung der Quellen aufgenommen. Das Copyright dieser Zitate liegt bei den Autoren. - Von morgens bis Mitternacht - Regie: Karl Heinz Martin - KinoTV © February 9, 2010 by Unicorn Media
This page loaded in 0.05204 seconds.