Körkarlen

Der Fuhrmann des Todes

Regie: Victor Sjöström, , Schweden, 1921

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Szenenphoto aus Körkarlen, © Production Company


Stab und Besetzung

Produktion
Produzent Charles Magnusson
Regisseur Victor Sjöström
Regieassistent Nils Aréhn
Drehbuch Victor Sjöström
Nach einer Vorlage von Selma Lagerlöf [Roman]
Kamera Julius Jaenzon
Architekt Alexander Bako
Darsteller Victor Sjöström [David Holm]
Astrid Holm [Edith]
Concordia Selander [Ediths Mutter]
Hilda Borgström [Frau Holm]
Hilda Borgström [Georges]
Hilda Borgström [Gustafsson]
Lisa Lundholm [Maria]
Einar Axelsson
Julia Caesar [Nicht genannt]
John Ekman
Nils Elffort
Algot Gunnarson
Simon Lindstrand
Hildur Lithman
Olof Ås

Technische Angaben
Technische Info: Format: 35 mm - Schwarz-Weiss Film,
Tonsystem: silent
Vorhandene Kopien: Kopien des Films sind erhalten

Inhaltsangabe
Sjöstroms letzter und gleichzeitig erfolgreichster Film beruht auf einer Romanvorlage von Selma Lagerlöf. Die Geschichte ist im Wesentlichen dieselbe wie in dem 1913 entstandenen Film Ingeborg Holm: es geht um eine Mutter und ihre Kinder. Der Kunstgriff "Geisterkutsche" wird genutzt, um mittels komplizierter Rückblenden die Uhr zurückzudrehen. In diesem Film, der das Beste der schwedischen Stummfilmkunst repräsentiert, beeindrucken das Spiel der Photographie mit Licht und Schatten (brillante Doppel- und sogar Vierfachbelichtungen), die undramatische Schauspielkunst und nicht zuletzt die Kraft, mit der sich die Schilderung direkt an den Zuschauer wendet. Das Drama spielt sich in Körkarlen nicht in der nordischen Gegend ab, sondern diese wurde durch eine innere, gleichzeitig realistisch und symbolisch dargestellte Landschaft der Seele ersetzt.

"Der Fuhrmann des Todes" erzählt die Geschichte einer Silvesternacht, die für den unglücklichen Säufer David Holm in einer Schlägerei endet. Bewusstlos liegt Holm auf einem Friedhof - und schon naht der Fuhrmann des Todes, um ihn zu holen und um ihm sein Amt zu übertragen. Denn Fuhrmann wird der, der beim letzten Schlag der Mitternachtsglocke in der Silvesternacht stirbt. Seine Aufgabe als letzter Verstorbener des Jahres ist es, ein Jahr lang die Seelen der Toten zu holen.
David erkennt in dem Fuhrmann seinen alten Freund Georges wieder, der ihn ursprünglich auf die schiefe Bahn gebracht hat. Als David sich weigert ihm zu folgen, nimmt Georges ihn mit zu allen Menschen, deren Schicksal mit dem Davids verbunden ist. In Rückblenden sieht dieser sein Leben und trifft auf die Menschen, die er ins Unglück gestürzt hat, wie die an Tuberkulose erkrankte Sozialhelferin Edit und seinen inhaftierten Bruder. Zuletzt besuchen die beiden Davids Frau, die sich und die Kinder aus Verzweiflung umbringen will. Zum ersten Mal empfindet Holm Liebe zu seiner Familie und begreift die Fatalität seines Verhaltens. Er bittet Georges um eine zweite Chance ... (arte Presse)

Kritiken : «Nach einer alten Legende muss der letzte Tote des alten Jahres im neuen Jahr als „Kutscher des Todes“ dienen: Ein verantwortungsloser, selbstzerstörerischer Mann sieht nach dem Tod am Silves­terabend sein eigenes Leben vorbeiziehen - im Angesicht des Fuhrmanns und in bestechend komplexer Rückblendenstruktur. Ein Hauptwerk des fantastischen Kinos, von Victor Sjöström (als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller) mit so viel Modernität und Erfindungsreichtum ausgestattet, dass es geradezu verblüfft, wenn sich die Geschichte am Ende als Selma Lagerlöfs Version von Dickens’ A Christmas Carol entpuppt. Mittels erstaunlicher, höchst versiert gehandhabter Mehrfachüberblendungen und Doppelbelich­tungen erzeugt Sjöström einen magischen, schicksal- und geisterhaften Strudel. Ingmar Bergmans Lieblingsfilm. (C.H.)» (filmmuseum.at)
Anmerkungen : «Das gleichnamige Buch von Selma Lagerlöf (1858-1940), das als Vorlage für den Film diente, entstand im Auftrag der "Schwedischen Vereinigung zur Bekämpfung der Tuberkulose" und sollte die Leser über die Krankheit aufklären. Lagerlöf war persönlich von diesem Thema betroffen, da ihre Schwester an Tuberkulose gestorben war. Die "Nils Holgersson"-Autorin, die als erste Frau den Nobelpreis für Literatur erhalten hatte, thematisiert in ihrem Buch die sozialen Missstände Schwedens und verbindet sie mit der mittelalterlichen Vorstellung eines geisterhaften Fuhrmanns, der zwischen dem Diesseits und dem Jenseits agiert.

Victor Sjöström (1879-1960), mit dem Lagerlöf bereits zusammengearbeitet hatte und der als einer ihrer Lieblingsregisseure gilt, hat die vielschichtige Handlung des Buches in einen Film umgesetzt, der gleichermassen durch seine realistische Charakterzeichnung wie auch durch seine mystische Atmosphäre besticht. Zusammen mit dem Kameramann Julius Jaenzon gelingt es Sjöström durch souveränes Ausreizen der filmtechnischen Möglichkeiten, besonders durch den geschickten Einsatz von Mehrfachbelichtungen, ein Meisterwerk des Stummfilms zu schaffen.
Nach Fertigstellung von "Der Fuhrmann des Todes" ging Sjöstörm nach Hollywood und drehte dort unter dem Namen Victor Seastrom mehrere Filme. 1930 kehrte er nach Schweden zurück und arbeitete seitdem hauptsächlich als Schauspieler. Für seine letzte Rolle in Ingmar Bergmanns "Wilde Erdbeeren" (1957) erhielt der sogenannte "Vater des schwedischen Kinos" verschiedene Auszeichnungen. Tatsächlich ist Sjöstörms künstlerischer Einfluss auf Bergmanns Werk nicht zu unterschätzen.»

Die neue Musik zu "Der Fuhrmann des Todes" schrieb die australische Komponistin Elena Kats-Chernin. Sie wurde 1957 in Taschkent, Usbekistan, geboren und emigrierte 1975 nach Australien. 1980 kam sie als DAAD-Stipendiatin nach Deutschland, um Komposition bei Helmut Lachenmann zu studieren. Die nächsten Jahre verbrachte sie in Deutschland, schrieb eine Reihe von Konzertstücken und arbeitete als Theatermusikerin an führenden deutschsprachigen Bühnen wie dem Schauspielhaus Bochum, dem Wiener Burgtheater oder der Berliner Schaubühne. 1994 kehrte sie nach Australien zurück, wo sie unter anderem Filmmusik, Orchester- und Chormusik schrieb.
Heute gehört Elena Kats-Chernin zu den führenden Komponistinnen Australiens. Sie erhielt bereits mehrere Preise, unter anderem 1996 den Jean Bogan Prize und den Sounds Australian Award für die beste australische Komposition des Jahres. 2006 wirkte sie als Komponistin bei der musikalischen Gestaltung der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Sydney mit. Neben der Musik für "Der Fuhrmann des Todes" schrieb sie Stummfilm-Musiken für "Abwege" (1998) von Georg Wilhelm Pabst und "Menschen am Sonntag" (2002) von Robert Siodmak.(Arte Presse)

General Information

Körkarlen is a motion picture produced in the year 1921 as a Schweden production. The Film was directed by Victor Sjöström, with Victor Sjöström, Astrid Holm, Concordia Selander, Hilda Borgström, , in the leading parts.



Literatur Hinweise - Di Giammatteo, 100 film da salvare, pg 34f;
- Peter Cowie, Sweden 1, Screen Series, London 1970; Rune Waldekranz, Swedish Cinema, Swedish Filminstitute, Stockholm 1959

Hinweise auf Datenbanken
KinoTV Database Nr. 9356

Referenzen zum Film in anderen Datenbanken:

    Unter anderem wurde der Film bei folgenden Filmfestivals aufgeführt:

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