Karlsruhe Filmfestival 2016 - KinoTV


Text?Berlin, Symphonie einer Grosstadt (Berlin, Symphonie d'une grande ville), Regie: Walter Ruttmann,Deutschland - 1927
Regisseur: Walter Ruttmann - Drehbuch: Carl Mayer - Kamera: Robert Baberske - Karl Freund - Reimar Kuntze - Walter Ruttmann - Laszlo Schäffer - Musik: Edmund Meisel - Schnitt: Walter Ruttmann -

Text?Carmen Regie: Ernst Lubitsch,Deutschland - 1918
Produktion: Projektions-AG Union (PAGU) - Verleih: Universum-Film AG (UFA), Berlin - Produzent: Paul Davidson - Regisseur: Ernst Lubitsch - Drehbuch: Norbert Falk - Hanns Kräly - Story : Prosper Merimée - Kamera: Theodor Sparkuhl --??-- - Alfred Hansen - Musik: Artur Vieregg Uraufführung - Architekt: Kurt Richter - Karl Machus - Kostümbild: Ali Hubert - Darsteller: Fritz Richard - Magnus Stifter Leutnant Esteban - Leopold von Ledebur Stierkämpfer Escamillo - Albert Venohr - Heinrich Peer Englischer Offizier - Paul Conradi Schuggler Don Cairo - Wilhelm Diegelmann Gefängniswärter - Grete Diercks Don Josés Braut Dolores - Victor Janson - Max Kronert Schmuggler Remendato - Margarete Kupfer Carmens Wirtin - Harry Liedtke Don José Navarro - Pola Negri Zigeunerin Carmen - Sophie Pagay Don Josés Mutter - Paul Biensfeldt Schmuggler Garcia -

Inhaltsangabe
Als der Dragoner José Navarro seine Mutter und seine Braut auf dem Lande besucht, erhält er eine Nachricht seines Vorgesetzten, die ihn zurück nach Sevilla beordert. Der Grund: José soll befördert werden. Voller Freude macht er sich auf den Weg.
In Sevilla angekommen, lernt er die verführerische Zigeunerin Carmen kennen, die in einer Zigarettenfabrik arbeitet. Als es in der Fabrik zu einer Schlägerei unter den Arbeiterinnen kommt, wird Carmen als Anstifterin verhaftet. Doch der gutmütige Dragoner José erliegt den Liebesbeteuerungen der schönen Frau und verhilft ihr zur Flucht. Zur Strafe wird der erst kürzlich beförderte wieder degradiert und muss als gewöhnlicher Soldat auf den Straßen der Stadt Wache schieben. Hier wird er abermals von Carmen betört, die ihn in Wahrheit jedoch nur ablenken will, damit eine Schmugglerbande ungestört passieren kann. Als José kurz darauf im Duell einen Offizier tötet, schließt er sich Carmens Bande an. Schließlich wird sie das Opfer von Josés Eifersucht: Als sich die treulose Zigeunerin in Gibraltar einem Stierkämpfer zuwendet, ersticht er sie vor der Stierkampfarena mit einem Dolch. (www.filmportal.de)
Kritiken
Carmen Es ist nicht zu viel gesagt, wenn ich behaupte, daß die Union mit ihrem Drama "Carmen", welches seine Uraufführung vor geladenen Gästen am vergangenen Donnerstag im Unionpalast am Kurfürstendamm erfuhr, ihr Meisterwerk, und zugleich den besten deutschen Film geschaffen hat. Es ist wohl das erste Mal, daß man einen Film sich entrollen sah, an dem man zur eigenen Freude nichts, aber auch nichts auszusetzen fand, sondern der vielmehr einen durch keinen Mangel beeinträchtigten tiefen Eindruck hervorrief. Die Projektions-Aktiengesellschaft "Union" hat mit diesem Werke einen Film geschaffen, welcher der deutschen Kinematographie einen ersten Platz auf dem Weltmarkte erzwingt und bewiesen, daß das, was viele Fachleute und besonders Regisseure schon oft betonten, tatsächlich der Fall ist: daß wir, sofern wir nur vom richtigen Gesichtspunkte aus arbeiten, dasselbe, ja vielleicht noch Besseres zu leisten imstande sind als unsere ausländischen Konkurrenten, und daß das Märchen vom schlechten Licht, von den geringeren Eigenschaften der Regisseure, Darsteller und Operateure wirklich nur ein "Märchen" ist.
Ernst Lubitsch ist der Regisseur, welcher diesem Film sein Gepräge, seine Größe und Wucht gab. Mit untrüglichem Blick für das rein Szenische des Filmbildes, für die Bewegung im kleinen wie im großen, für Ausdruck und Geste und dramatisch sprechendes wirkungsvolles Spiel hat er einen Film geschaffen, der – abgesehen von seinen herrlich schönen Bildern, imponierenden Massenszenen und technisch glänzenden Einfällen – vor allem ein dramatisches Erlebnis aus einem Guß darstellt. Ich sehe das wesentliche Können Lubitschs nicht so sehr in der großen Geste, Hunderte oder Tausende von Menschen durcheinander zu wirbeln oder Apotheosen zu stellen, sondern darin, daß er aus einem Einzeldarsteller mimisch, ohne ihn je theatralisch werden zu lassen, das Letzte herausholt – sagen wir: seine Seele. Und das ist der Grund für den tiefen Eindruck, welchen diese an sich ja schon sehr packende Tragödie jetzt als Film ausübt. Noch nie war der Film der Sprechbühne so nahe wie in diesem Werk oder: noch nie ragte der Film so weit über die Sprechbühne hinaus.
Man darf nicht vergessen, daß Lubitsch bei seinen Mitarbeitern eine Unterstützung gefunden hat, wie ich sie jedem Regisseur wünsche. So lieferte .der Verfasser Hans Kräly nach den Motiven von Prosper Merrimé ein Manuskript, welches alle überhaupt nur denkbaren szenischen Möglichkeiten offen ließ. So schuf der bekannte Architekt der Union, Kurt Richter, Innenräume und vor allem Außenarchitekturen einer spanischen Stadt, welche als völlig ungekünstelt Spanien im Bilde erstehen ließen, ohne daß man erst die zur Zeit ja unmögliche Reise dorthin hatte antreten müssen. Diese spanische Stadt ist wohl das Grandioseste, was bisher für den Film gebaut wurde. – Und schließlich sei der musterhaften Photographie Alfred Hansens und auch der kostümlichen Leitung Alex Huberts gedacht, welche ja gerade in Bezug auf das äußere Bild entscheidend einwirkten.
Vor allem aber fand Lubitsch in seinen beiden Hauptdarstellern Persönlichkeiten, welche seine Ideen in greifbare Form umzusetzen vermochten, ohne den Boden echtesten und innerlichsten Lebens zu verlassen. Pola Negri, über deren große Fortschritte als Filmtragödin ich schon in den letzten Monaten mit großer Freude berichtete, hat sich hier mit ihrer Carmen einen der ersten Plätze unter den echten Sternen deutscher Schauspielkunst erobert. Es gebricht ihr weder an Rasse und Temperament, noch an Innigkeit und Empfindung, so daß sie, eine von den wenigen Auserlesenen unter vielen, die Gedankenarbeit von Dichter und Regisseur wahrhaft und greifbar in erschütterndes, echtes Leben umzusetzen vermag. Und der Erfolg des Abends, der in seinen stürmischen von Akt zu Akt sich steigernden Ovationen der Zuschauer an die Glanzerfolge Henny Portens heranreicht, legt beredtes Zeugnis davon ab, daß sie das Herz jedes Zuschauers zu treffen weiß. – Ähnlich Harry Liedtke, der, nun ganz ernster Schauspieler und Tragöde geworden, mit seinem Don Jose eine so reife, so vollends abgerundete, verinnerlichte Figur geschaffen hat wie wohl ein deutscher Filmschauspieler bisher noch nicht. Es würde zu weit führen, alle die einzelnen Leistungen der übrigen Darsteller ausführlich zu besprechen. Jede Figur unter Lubitschs Leitung ist trefflich gelungen: und so seien hier ein Wilhelm Diegelmann, Leopold von Ledebour, eine Grete Diercks, Margarete Kupfer mit Lob und Anerkennung genannt.
Der ganze Film ist ein Erlebnis, ein Ereignis. Und er wird, so hoffe ich, nicht nur den deutschen Film im In- und Auslande würdig und erfolgreich vertreten, sondern auch dem deutschen Filmfabrikanten und dem deutschen Regisseur ein Muster und Vorbild sein. (C. B., Der Film, Nr. 52, 28.12.1918)

Carmen (...) In den 2000 Metern dieses Films ist nicht eine Szene, die nicht durch ihr pulsendes Temperament mitreißt, ist nicht eine Bewegung, die nicht stilvoll den Charakter nachzeichnet, nicht eine Begegnung, in der nicht feinster, künstlerischer Esprit glitzert. Mit dem starken Willen, die den großen Regisseur auszeichnet, hat er die Kräfte seiner Mitwirkenden taktvoll dem Gesamteindruck untergeordnet, hat er sie begrenzt, um das Gesamtbild wirken zu lassen, hat er jeden Einzelnen aufgestachelt, sein Letztes und Bestes zu geben, um den Film, um das Ensemble von stärkster menschlicher Leidenschaft getragen erscheinen zu lassen. Wir haben Pola Negri und Harry Liedtke auch in anderen Films gesehen: aber die Meisterleistungen, die gestern das Publikum erschütterten, zu demonstrativem Beifall hinrissen, zeugen davon, daß ihre Darstellungskunst von einem Willen bestimmt wurde, der allein von dem genialen Regisseur ausgehen konnte, der sie aufstachelte, hemmte, hinwies: von Ernst Lubitsch.
Pola Negri hat sich mit der Darstellung der Carmen endgültig in die Spitzengruppe der deutschen Filmkünstler eingefügt. Die natürliche Leidenschaft ihrer Rasse lohte wild in den Liebesszenen auf, immer bewältigt von dem feinen Kunstgefühl für das, was im Film erlaubt und wirksam ist. Unvergeßlich, wie sie vor Don José tanzt, wie ihr Körper eine einzige rhythmische Bewegung ist, wie ihre Augen vor Verlangen und Sinnlichkeit leuchten, wie sie voll schelmischer Koketterie mit dem alten Kerkermeister charmiert und nicht minder unvergleichlich, wie sie die Bande um den armen Don José immer enger und enger spinnt. Die ganze Skala menschlicher Ausdruckskunst spiegelt sich in Carmens Schicksal und man kann von Pola Negri nichts größeres sagen, als daß sie mit nie versagendem Temperament allen Forderungen gerecht wurde, und sich zu keiner Bewegung hinreißen ließ, die die Linie des Kunstwerkes gestört hätte.
Kam die Aktivität der Rolle dem starken Temperament Pola Negris entgegen, so hat Harry Liedtke mit der Bewältigung der sehr schwierigen, meist passiven Rolle des Don José ein vollendetes Meisterwerk geliefert. Don José ist ein Opfer von Gewissenskämpfen und, da man die Seele schwer photographieren kann, andererseits aber Erregungen dieser Art keinen heftigen körperlichen Ausdruck finden, so muß mit darstellerischen Mitteln gearbeitet werden, deren Wirkung auf seelischem Takt und zu Herzen gehender Ausdruckskunst aufgebaut sind. Man kann Harry Liedtke zum höchsten Lobe sagen, daß er ein Aufgebot von psychologischen Darstellungsmitteln zur Verfügung hat, die seine Leistungen in meisterliche Höhe heben. Als er von Carmens Sinnlichkeit bedrängt den Weg des Rechts verläßt, als er Dolores treulos wird: da ging von diesem, leidenden, seelisch zerrissenen Menschen ein Hauch des Leidens aus, der die Zuschauer überwältigte. Nie hätte man geglaubt, daß Harry Liedtke, dieser geborene Held amüsanter Salonstücke, fähig ist, so tiefgehendes Leiden in menschlicher und künstlerischer Echtheit zu verkörpern. Nach diesem Don José wird man auch Harry Liedtke zu den größten Menschendarstellern im Film rechnen müssen. (...) (Lichtbild-Bühne, Nr. 51, 21.12.1918)

Carmen (...) Fürwahr! es handelt sich hier um einen deutschen Film, der weit über die bisher üblichen Durchschnittsmachwerke hervorragt. Das sechsaktige Drama hält sich an den Text der Erzählung, die durch Bizets Oper wohl als bekannt vorausgesetzt werden darf. Das feurig bewegte Liebesabenteuer zwischen der schönen, leidenschaftlichen Tabakarbeiterin und dem schmucken Almonzo-Dragoner tritt selbstverständlich viel eindrucksvoller, schärfer und packender im stummen Film hervor als in der Oper, bei der doch vor allen Dingen das Werk Bizets das Hauptaugenmerk auf sich lenkt. (...)
Man vermeide einen Vergleich zwischen der Bühnenoper und dem Film "Carmen". Beide arbeiten mit anderen Mitteln für einen anderen Sinn. Was das Leinwanddrama dem Auge bieten kann, zeigt es in verschwenderisch-schönen Bildern. Das ist es eben, was den meisten deutschen Filmwerken bisher fehlte und seinen Konkurrenzkampf mit den Kinoerzeugnissen derer drüben über dem großen Teich so erfolgsaussichtslos macht! Durch großzügige Bilderpracht ist der deutsche Spielfilm für das Ausland konkurrenzfähig zu erhalten. Und was für malerisch-schöne, stimmungsvolle Szenen bietet dieser Carmenfilm! Abgesehen davon, daß Lubitsch mit seinem Stabe den hispanischen Zauber in Tempelhof und Rüdersdorf durch deutsche Malerhand und Schneiderschere erstehen ließ, sind die Bilder von imponierender Herrlichkeit.
Man täte den unsichtbaren Kräften, die bei dem Film mitgewirkt haben, bitter Unrecht, wenn man bei einer Beurteilung nicht ihrer gedächte. Da ist der Spielleiter Ernst Lubitsch, der nun endlich seinen eigentlichen Beruf gefunden zu haben scheint. Daß er mit seinen früheren darstellerischen und schriftstellerischen Darbietungen auf einen Teil der Kinobesucher wegen seines vergröberten Herrenfeldstils nicht gerade erfrischend gewirkt hat, habe ich ihm (leider) schon bei verschiedenen Gelegenheiten an einer anderen (mehr dem großen Publikum zugänglichen) Stelle zurufen müssen. Wenn ich mir nun auch nicht etwa einrede, daß meine Ermahnungen diesen Umschwung in Lubitschs Tätigkeit veranlaßt haben, so notiere ich dennoch mit Genugtuung, daß er von selbst aufgehört hat, in weiten Kreisen des deutschen Publikums gewisses Ärgernis zu erregen ... Desto erfreulicher ist nach all dem was bisher vorgefallen ist, daß Lubitsch gleich mit seinem ersten größeren Schlag einen so einwandfreien, von keiner Seite bestrittenen Erfolg feiern durfte. (...)
Jetzt zu der Darstellung. Es ist selbstverständlich, daß sie der Güte der anderen Leistungen vollwertig gleichkam. Als erste: Pola Negri. Seit sie als Stern im Ufahimmel aufgeleuchtet ist, wird ihr Licht immer heller und blendender. Hatte man sie noch bis vor kurzem nur in unerquicklichen Rührkitschereien über sich ergehen lassen müssen, so unternimmt die Negri jetzt alle Anstalten, mit einer ununterbrochenen Reihe ernst zu nehmender Werke die Regententhrone der anderen Kinoköniginnen, wenn auch nicht gleich zu stürzen, so doch gehörig ins Wanken zu bringen. Tatsächlich hat sie äußerlich wie mimisch alle Möglichkeiten, um eine Carmen nach dem Rezepts Mérimées zu schaffen. Man glaubt ihr, daß man sich in acht zu nehmen hat, wenn sie liebt; daß sie dem Himmel, dem Eisen, dem Feuer trotzt und daß sich ihr Blut brausend in ihren Adern hebt. Sie tanzt mit Charme und Grazie; kokettiert mit ihrer Zähnenperlenkette und läßt ihre Augen flitzen, daß es eine Freude ist. Man muß unwillkürlich an das Liedlein denken: "Die Polin hat von allen Reizen". Pola Negri verwandelt eben unmerklich die liebestolle Spanierin in eine feurige Polin.
Ihr Partner ist der Schwarm der Berliner Damenwelt, der – wie es so naiv im Textbuch heißt – "frische Knabe" Don José = Harry Liedtke. Er beweist wieder einmal, daß sein Talent bisher auf falschem Gebiet ausgenutzt worden war. Liedtke vermag viel mehr, als dauernd nichtssagende, schicke Schürzenstürmer und Allerweltslebemänner auf die flotten Beine zu stellen. (...) (Egon Jacobsohn, Der Kinematograph, Nr. 628, 15.1.1919)

Carmen oder: Über das Küssen im Film An diesem Film ist das Bemerkenswerteste, wie Pola Negri küssen kann. Fünf lange, fast richtig bis zum Ende ausgewachsene Akte durch, lockt sie die Mannswelt von Sevilla, Gibraltar usw. (mit den betreffenden Umgebungen) und vor allem den armen Don José, dem Abgrund zu. Im deutschen Film ist die "Sünde" noch niemals so verlockend auf der einen, so graziös überzeugend auf der anderen Seite verkörpert worden. Vor allem die spanisch dekorierte "Sünde", wie man in tugendhaften Kreisen nicht nur in Angelsachsien, sondern auch anderswo seit den seligen Mönchs- und Hexenzeiten die fleischliche Verlockung zu benamsen gewohnt ist. Das polnische Temperament ist dem romanischen ja eng verwandt, und beiden ist die Kunst der Liebesmimik in weit größerem Maße vertraut, als den geradeaus tappenden deutschen Paaren.
Darum hat auch die reichliche Kußorgie der Lubitsch"schen Carmen niemals als geschmacklos gewirkt. Es geschieht alles so naturnotwendig! Nichts ist eingelernt, und "Pose vor dem Spiegel" gleichsam. Alles kommt, weil es so kommen muß. Und es kann gar nicht anders sein, als daß jeder Durchschnittsmann, der PoIa-Carmen in die Hände fällt, Besinnung und Willen verliert, bis auch in ihr, der Puppenspielerin, die letzte und geheimste Sehnsucht jedes Weibes sich erfüllt: nämlich zu unterliegen. Herrn de Vogts Stierkämpfer (falsch: tatsächlich wird der Stierkämpfer nicht von Carl de Vogt gespielt, sondern von Leopold von Ledebur, Anm. d. Red.), diese langsam bewegte Masse von Muskeln, erschüttert auch die Carmen, macht sie willenlos und liefert sie der hier ganz geschlechtsgemäß gedachten Rache des Durchschnittsmännchens aus, der durchschnittsmäßig (wenn auch noch so rührend) an ihr zugrunde ging und nun, novellenartig durchschnittsmäßig, sie ersticht.
Es zeigt sich also auch hier wieder: alles ist erlaubt, wenn es nicht Zweck, sondern Folge ist; wenn es – vor allem – ästhetisch und naturnotwendig wirkt. Eingelernte Kußsalven wären nicht nur polizeiwidrig, sondern auch geschmackswidrig gewesen. Elementare läßt man sich (und gern) gefallen. (Fgd. (= Karl Figdor), Erste Internationale Filmzeitung, Nr. 6/ 1920)
Anmerkungen
Am lodernden Feuer beginnt die Geschichte um den in Liebe entbrannten Don José und die Zigeunerin Carmen. Lubitsch bleibt nah an Stil und Atmosphäre von Mérimées Novelle und streicht Talent und Sinnlichkeit Pola Negris heraus. Noch zu Zeiten des Kriegs gedreht, figurieren die Soldaten als blosse Statisten – Carmen wird weltweit ein Erfolg. (Locarno Festival Katalog 2010)

Text?Die Austernprinzessin Regie: Ernst Lubitsch,Deutschland - 1919
Produktion: Projektions-AG Union (PAGU) - Produzent: Paul Davidson - Produktionsleiter: Kurt Waschnek - Regisseur: Ernst Lubitsch - Drehbuch: Hanns Kräly - Ernst Lubitsch - Kamera: Theodor Sparkuhl - Musik: Karl-Ernst Sasse Neufassung - Architekt: Kurt Richter - Darsteller: Max Kronert Seligsohn, Heiratsvermittler - Gerhard Ritterband Küchenjunge - Albert Paulig - Ossi Oswalda Ossi, seine Tochter - Harry Liedtke Prinz Nucki - Hans Junkermann - Victor Janson Mr. Quaker, der Austernkönig von Amerika - Julius Falkenstein Josef, Nuckis Freund - Curt Bois Kapellmeister -

Inhaltsangabe
Ossi (Ossi Oswalda) ist die ausgeflippte und verwöhnte Tochter des Geldprotzes Mr. Quaker (Victor Janson), der als Austernkönig von Amerika zum Millionär geworden ist. Als sie erfährt, dass die Tochter des Schuhcremekönigs einen Grafen heiratet, dreht sie völlig durch: sofort muss ein Prinz her, und das spielt es überhaupt keine Rolle, das Prinz Nucki (Harry Liedtke) kein Geld aber dafür jede Menge Schulden hat. Der schickt erst mal seinen Freund Josef (Julius von Falkenstein) vor...

Der Austernkönig – Zigarre rauchend und ansonsten Däumchen drehend – hat ein Problem: Sein launisches Töchterchen möchte einen Prinzen zum Mann. Doch statt des (mittellosen) Prinzen präsentiert sich dessen Diener… «Die Austernprinzessin ist die erste meiner Komödien, in der sich mein Stil klar abzeichnet». (Ernst Lubitsch)

«Ossi, die Tochter des amerikanischen "Austernkönigs" Mr. Quaker, bekommt einen Tobsuchtsanfall, als sie erfährt, dass ihre Freundin sich mit einem feinen Grafen vermählen wird. Ihr Vater beruhigt sie und verspricht ihr, einen europäischen Prinzen käuflich zu erwerben. Er beauftragt einen Heiratsvermittler, den entsprechenden Kandidaten für seine Tochter zu suchen. Am geeignetsten erscheint schließlich Prinz Nucki, der in Wahrheit allerdings mit seinem Freund Josef in ärmlichen Verhältnissen lebt.

Prinz Nucki schickt Josef vor, um in Erfahrung zu bringen, wie die Dame wohl aussieht. Als Josef im Hause des "Austernkönigs" anklopft, weist er sich, aus einer Verlegenheit heraus, als Prinz Nucki aus, und wird von der Austernprinzessin stante pede zum Pfarrer geführt und geheiratet. Aus der Hochzeitsnacht wird allerdings nichts, da sich der ausgehungerte Josef dem Buffet widmet und sich vor lauter schlechtem Gewissen betrinkt.

Prinz Nucki landet nach einem Zug durch die Gemeinde frühmorgens völlig betrunken im "Club der Milliardärstöchter zur Rettung Alkoholkranker", dem die Austernprinzessin vorsteht. Ohne zu zögern lässt sie ihn in ihr Schlafzimmer transportieren, wo er seinen Rausch ausschläft. Inzwischen ist Freund Josef erwacht und begibt sich in das Zimmer der Prinzessin. Dort findet er zu seiner Überraschung seine frisch Angetraute in ebenso trautem Gespräch mit seinem Freund Prinz Nucki vor. Es kommt zur Klärung bezüglich des vertauschten Bräutigams und Ossi bekommt nun - denn so steht es schließlich auch offiziell geschrieben - doch noch ihren lang ersehnten Prinzen.» (ARTE Presse)
Kritiken
«Der Versuch, uns bei 30 Grad im Schatten um 6 Uhr nachmittags ins Land der Pferdehitzen, nach Dollarika, einzuladen, war etwas kühn. Aber Hans Kräly und Ernst Lubitsch durften es, weil die uns von ihnen präsentierte "Austernprinzessin" es wirklich verlohnte, ihre Bekanntschaft im Schweisse unseres Angesichts zu machen. Nicht, als ob der "Stoff" über das mehr als harmlose Genre der bekannten Millionärmotive von jenseits des Ozeans im geringsten hinausginge. Aber die Regie Ernst Lubitschs steht hier auf so fabelhafter Höhe, ein Einfall jagt den andern, und das Spiel – allen voran der "Austernkönig" Victor Jansens! – ist so glänzend, Tempo und Bilder so brillant, dass man – eigentlich das Qui pro quo der sogenannten Handlung vergisst über der launigen Darbietung und Ausstattung. Der Lockenkopf Ossi tobte sich als vasenzertöppernde Dollarmiss, als Spezialistin im Trunksuchtsheilverfahren, als Boxerin und liebende Braut aus,.und Harry Liedtke und Julius Falkenström assistierten ihr in allen Rollen zweckentsprechend. Auch der Foxtrott-Bazillus erschien leibhaftig auf der "Bildfläche".» (Hb., Lichtbild-Bühne, Nr. 25, 21.6.1919)

«Es war ganz allerliebst. Es war ein echter "Lubitsch". Und Ossi war so reizend wie bisher in keinem Film, quecksilbrig, tollkühn, voll überraschender Puppigkeit. Wenn sie mit Liedtke auf dem Bett sitzt, ihn anlacht und ihm dann in eigenwilligem Übermut um den Hals fällt; wenn sie, ganz verwöhnte Milliardärstochter, selbstverständlich-schnuppig in den Dogcart (Dogcart = offener, zweirädiger Einspänner, Anm. d. Red.) steigt, vor dem 15 Pferde "lang" gespannt sind, und den eben gekauften Prinz-Gemahl den Platz auf dem Rücksitz anweist – ich wüsste nicht, wer ihr das so nachmacht …

Ob eine Idee stark oder schwach ist, ist bei einem Lubitsch-Lustspiel ganz egal. Hier ist es das "wie", nicht das "was". Er führt eine Idee so durch, dass sie gut wird. Das ganze Lustpiel (– "chen" zu sagen verbietet diktatorisch die Riesenreklame) ist elegant und in einer Aufmachung gezeigt, wie nie zuvor in einem deutschen Lustspiel. Es ist ein eleganter Stil in dem ganzen, der Schwung hat. Lubitsch sucht sich die Leute aus, die er braucht. Und man muss zugeben, dass er zur Verkörperung des Milliardärs, des Töchterchens und des Prinzen niemanden besseren in Deutschland hätte finden können als Viktor Janson, Ossi Osswalda und Harry Liedtke. (Es ist schwer, von einem Lubitsch-Lustspiel zu reden, ohne eben dauernd seinen Namen zu nennen.) Die Technik des Einschneidens der Bilder, der Grossaufnahmen und der wirklich aus der Situation entstandenen Schlagertitel macht ihm bei uns niemand nach.

Das Lustspiel ist witzig, amüsant, vielleicht lustig. Ist es ulkig? Ist es komisch? Man lacht. Aber man lacht nicht spontan und von Herzen. Wenn's gerade so weit scheint und man denkt, jetzt wird man wirklich lachen können, kommt auf einmal wieder eine Szene, wo man sagt: fabelhaft! So eine Idee! Unerhörte Aufmachung! Aber da lacht man eben nicht mehr, sondern man – staunt. Komik ist etwas an die Person gebundenes. Ossi ist lustig, aber nicht komisch (vielleicht nur hier nicht). Der Filmschauspieler Lubitsch ist komisch. "Die Firma heiratet" und "Mayer aus Berlin" sind unsere besten Lichtspiele nach wie vor. "Die Austernprinzessin" ist unser grösstes und elegantestes. (Zur Komik braucht's nicht 100 Diener. Einer kann unter Umständen komischer sein. Eleganz ist nicht komisch, während Komik auch elegant sein kann.)

"250 000 Mark! Unerhörte Aufmachung! 300 Diener." Warum das? Nur weil Amerika in das Horn des Superlativs stösst?

Hat man von den Filmstädten in Amerika, von den 70 000 Mitwirkenden im Film "Intolerance" gelesen? Grössenbeurteilung von Zahlen ist subjektiv. Da werden wir doch nie mitkönnen. Unsere Stärke liegt auf ganz anderem Gebiet. Hier mitrennen zu wollen ist aussichtslos.

Dies alles zu sagen wäre vor drei Jahren überflüssig gewesen. Aber es wird jetzt aktuell, wo unsere Filme Exportware werden sollen (vielleicht die einzige). Will man denen drüben damit imponieren? Uns kann man es. Noch. Man könnte es mit dem "wie". Und man wird es bei diesem Film mit der Eleganz, dem Stil, dem Tempo, wie man es in unserem Film-Drama mit dem oft zitierten sogenannten "logischen Spiel" und der unerhörten Lebendigkeit und Schmiss einer Pola Negri in "Carmen" kann. (Kaum mit "Veritas vincit"). Das nur nebenher. Die "Austernprinzessin" war ein Erfolg und wird viele Wochen einer Reihe von Kinos die Plätze füllen. Satis est. » (B. E. Lüthge, Film-Kurier, Nr. 15, 22.6.1919 | zitiert nach www.filmportal.de)
Anmerkungen
«Die Stummfilmkomödie "Die Austernprinzessin" von Ernst Lubitsch stellt ein aufwendig choreographiertes, mit Bildwitz und Tempo inszeniertes Lustspiel in vier Akten dar, das mit saftigem Humor das satirische Spiel mit Autoritäten thematisiert.

Im Jahr 2005 sicherte das Bundesarchiv den Film anhand eines Nitro-Originalnegativs. Die Murnau-Stiftung sorgte schließlich dafür, dass das Material instandgesetzt wurde; ein Jahr später bereits wurde die digitale Bearbeitung durch die OMNIMAGO GmbH in Ingelheim aufgenommen. Die Musik stammt von dem aus Lettland stammenden Komponisten und Pianisten Aljoscha Zimmermann, der sich durch seine Vertonungen restaurierter Stummfilme (Friedrich Wilhelm Murnaus "Nosferatu" oder Fritz Langs "Metropolis") einen Namen machte.

In seinem 1984 erschienenen Werk "Lubitsch" schreibt der Filmwissenschaftler und Autor Hans Helmut Prinzler: "'Die Austernprinzessin' ist in der Tat stilbildend: ein satirisches Märchen von der kulturellen Verbindung zwischen Europa und Amerika. Filmische Innovationen fallen auf: Timing der Einstellungen, Visualisierung des Dekors, Choreographie der Figuren. Der "Film-Kurier" (22.6.1919) schwärmt: "Das ganze Lustspiel ist elegant und in einer Aufmachung gezeigt, wie nie zuvor in einem deutschen Lustspiel. Es ist ein eleganter Stil in dem Ganzen, der Schwung hat."
Die Uraufführung des Films fand im Mai 1919 im pompösen Kino U.T. Kurfürstendamm in Berlin statt.» (Arte Presse)

«Schon kurz nach seiner Entstehung wurde auch Lubitschs grossartige Komödie ein Opfer der wiedereingeführten Filmzensur in der Weimarer Republik. Waren es die karikierten Extravaganzen des Austernkönigs oder die Dekadenz des verarmten Adels, die Demaskierung der Kriegsgewinnler oder die Protzsucht bürgerlicher Banausen - die Zensoren in Berlin fühlten sich dermassen auf den Schlips getreten, dass sie den Film, der im Juni 1919 noch in einer Länge von 1500m gezeigt wurde, auf 1144m zusammenschnitten.» (lhg 2010)

Die Frau, nach der man sich sehnt Regie: Curtis Bernhardt,Deutschland - 1929
Regisseur: Curtis Bernhardt AKA Kurt Bernhardt - Drehbuch: Ladislaus Vajda - Nach einer Vorlage von: Max Brod novel - Kamera: Curt Courant - Darsteller: Bruno Ziener - Oskar Sima - Frieda Richard AKA Frida Richard - Fritz Kortner - Uno Henning - Edith Edwards - Marlene Dietrich - Karl Etlinger -

Text?Ich küsse ihre Hand, Madame Regie: Robert Land,Deutschland - 1929
Produktion: Super-Film GmbH. Berlin - Regisseur: Robert Land - Drehbuch: Robert Land - Rolf E. Vanloo - Kamera: Gotthardt Wolf - Carl Drews - Schwenker: Fred Zinnemann - Darsteller: Karl Huszar-Puffy - Harry Liedtke Der Kellner Jacques - Marlene Dietrich Laurence Gerard - Pierre de Guingand Adolphe Gerard -

Inhaltsangabe
"Die schöne Laurence (Marlene Dietrich) ist gerade geschieden worden, da tritt ein schmucker Graf (Harry Liedtke) in ihr Leben. Die leidenschaftliche Affäre findet ein jähes Ende als Laurence erfährt, dass ihr "Jacques" als Kellner arbeitet. Sie verläßt ihn und bereut diesen Schritt erst, als ihr von ihrem Anwalt und Verehrer Talandier (Karl Huszar-Puffy) eröffnet wird, dass der Kellner tatsächlich ein verarmter Adliger ist. Laurence beschließt, ihn zurück zu gewinnen...

"Harry Liedtke küsst Madame die Hand, Harry Liedtke spielt Kellner, Harry ist Großfürst, Harry singt Tonfilm. Um Liedtke hat Robert Land ein Lustspiel arrangiert, in dem als wertvolle neue Erscheinung Marlene Dietrich als Begabung hoffen lässt, wenn sie, möglichst bald, von der Regie aus krampfhaften Garbo-Haltungen entlassen wird". So urteilte das Berliner Tagblatt am 20.01.1929.

Zwei Dinge werden hier deutlich: Der Star des Films war nicht etwa Marlene Dietrich, sondern Harry Liedtke, der Herzensbrecher des deutschen Kinos. Liedtke war zu diesem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt seines Ruhmes angelangt und trug mit seinem Namen wesentlich zum Erfolg des Filmes bei. Der zweite Erfolgsfaktor war die Verwendung des bekannten Gassenhauers "Ich küsse Ihre Hand, Madame" im Titel und im Film selbst, aber dazu weiter unten mehr.

Obwohl die Dietrich hier als "neue Erscheinung" verkauft wird, hat sie 1929 bereits eine stattliche Anzahl von Filmrollen hinter sich. Meist spielte sie kleinere Rollen, doch wenn sie stärker ins Rampenlicht trat, so war der Vergleich mit der Garbo, dem glamourösesten Star der Zeit, nie fern. Aus diesem Schatten konnte sie sich erst im Jahr darauf lösen, als ihr mit Josef von Sternbergs Der blaue Engel, bezeichnenderweise einem Tonfilm, der internationale Durchbruch gelang." (StummFilmMusikTage Erlangen 2002)

Text?Il Fuoco Regie: Giovanni Pastrone,Italien - 1915
Produktion: Itala Film, Torino - Regisseur: Giovanni Pastrone (AKA Piero Fosco) - Drehbuch: Giovanni Pastrone - Nach einer Vorlage von: Febo Mari - Kamera: Segundo de Chomón - Darsteller: Febo Mari Mario Alberti, the painter - Pina Menichelli the poetess - Felice Minotti -

Text?Intolerance (Intoleranz, Intoleranz 2. Teil - Triumph der Liebe, Götzen der Menschheit, Die Tragödie der Menschheit, Der Kreislauf der Liebe durch die Jahrtausende), Regie: D.W. Griffith,USA - 1916
Produktion: Wark Producing - Triangle Film Corporation - Verleih: Triangle Distributing Corporation - Produzent: D.W. Griffith presenter - Regisseur: D.W. Griffith - Regieassistent: Tod Browning - Edward Dillon - Joseph Hennaberry - W. S. Van Dyke - Erich von Stroheim - Lloyd Ingraham 2nd AD Modern Story (/xx/) - Drehbuch: D.W. Griffith - Kamera: G.W. Bitzer - Karl Brown - Schnitt: D.W. Griffith - James Smith - Rose Smith - Architekt: R. Ellis Wales - Darsteller: Spottiswoode Aitken Brown Eyes's Father (AKA Spottiswoode Aitkin) - Mary Alden Uplifter - Frank Bennett Charles IX. - Barney Bernard Attorney for the Boy - Monte Blue he Strike Leader - Lucille Brown Uplifter - Tod Browning Owner of the Racing Car - Kate Bruce A Babylonian Mother - Jewel Carmen Sklavin / Tänzerin - Elmer Clifton The Rhapsode - Lotta Clifton The 2nd Dancer of Tammuz - Rev. A. W. Clure Father Farley - Miriam Cooper The Friendless One - Jack Cosgrave Chief Eunuch - Josephine Crowell Catherine de Medici - James Curley The Charioteer of Cyrus - Ruth Darling Girl of the Marriage Market - Dore Davidson The Kindly Neighbor - Sam de Grasse Arthur Jenkins - Edward Dillon Crook - Charles Eagle Barbarian Chieftain - Pearl Elmore Uplifter - George Fawcett A Babylonian Judge - Howard Gaye The Christ / Cardinal de Lorraine - Lillian Gish Woman who rocks the cradle - Olga Grey Maria Magdalena - Ruth Handforth Brown Eyes' Mother - Mildred Harris Favorite of the Harem - Robert Harron The Boy - Clyde Hopkins Jenkins' Secretary - Luray Huntley - Lloyd Ingraham The Judge - Martin Landry Auctioneer - Lillian Langdon Mary, the Mother - Alberta Lee Wife of the Kindly Neighbor - Jennie Lee Woman at Jenkins' Dance - Ralph Lewis The Governor - Vera Lewis Mary T. Jenkins - Elmo Lincoln The Mighty Man of Valor - Walter Long The Musketeer of the Slums / Babylonian Warrior - Bessie Love The Bride of Canaa - Mae Marsh The Dear One - Marguerite Marsh Debutante at the Ball - Tully Marshall High Priest of Bel / Friend of the Musketeer - Margaret Mooney Girl of the Marriage Market - Carmel Myers Tänzerin - Loyola O'Connor Attarea's Slave - Seena Owen Attarea, the Princess Beloved - Alfred Paget Belshazzar - Eugene Pallette Prosper Latour - Wallace Reid A Boy killed in the Fighting - Alma Rubens Girl of the Marriage Market - Howard Scott A Babylonian Dandy - Alfred D. Sears The Mercenary - George Siegmann Cyrus, The Persian - Ah Singh The 1st Priest of Nergel - Ranji Singh The 2nd Priest of Nergel - Ruth St. Denis Solo Dancer - Maxfield Stanley Mons. La France, Duc d'Anjou - Pauline Starke Favorite of the Harem - Carl Stockdale King Nabonidus - F.A. Turner Father of The Dear One (AKA Fred Turner) - Charles van Courtlandt Gobyras, Lieutenant of Cyrus - Erich von Stroheim Pharisäer - George Walsh The Bridegroom of Cana - Winifred Westover Favorite of Egibi - Grace Wilson The 1st Dancer of Tammuz - Margery Wilson Brown Eyes - Tom Wilson The Kindly Policeman - Erich von Ritzau Pharisäer (AKA Gunther von Ritzau) - David Butler Extra - Constance Talmadge Marguerite de Navarre / The Mountain Girl (AKA Georgia Pearce) - Carol Dempster Favorite of the Harem - Raymond Wells Counselor of the King - Nigel de Brulier - Anna Mae Walthall Favorite of the Harem / Dancer - Dell Henderson Extra - Frank Borzage Extra - DeWolf Hopper Extra - William H. Brown Father of the Bride of Cana / Warden (AKA William Brown) - Taylor N. Duncan Captain of the Gateg / Bodyguard of the Princess Beloved (AKA Ted Duncan) - Joseph Henabery L'amiral de Coligny / Defendant - Chandler House Page - William Lawrence Henri de Navarre - Morris Levy Le duc de Guise (scenes deleted) - Julia Mackley Uplifter (AKA Mrs. Arthur Mackley) - John P. McCarthy Prison Guard (AKA J.P. McCarthy) - A.W. McClure Father Fathley - Billy Quirk Bartender - W.S. Van Dyke Cana Wedding Guest - Eleanor Washington Uplifter - Karl Brown Extra - Frank Campeau Extra - Constance Collier Extra - Donald Crisp Extra - Max Davidson Kindly Neighbor - Douglas Fairbanks Man on White Horse - Natalie Talmadge Favorite of the Harem - Ethel Grey Terry Favorite of the Harem - Herbert Beerbohm Tree (--??--) Extra - Madame Sul-Te-Wan Girl at the Marriage Market (/xx/) - Virginia Lee Corbin Child in Epilogue - Dark Cloud Ethiopian Chieftan (/xx/) -

Inhaltsangabe
Vier Ereignisse der Weltgeschichte verdichten sich in diesem Film von Filmpionier David W. Griffith zu einem essayistischen Spielfilm, dessen vier Handlungsstränge eines gemeinsam haben: das Elend, welches selbstherrliche Herrscher immer wieder den Menschen auferlegten.
Babel, 539 vor Christus: Der junge Prinz Belshazzar kann den Untergang Babels nicht aufhalten, da starrköpfige alte Männer an ihren überholten religiösen Ideen festhalten und durch ein Komplott dem Fortschritt Einhalt gebieten.
Jerusalem, circa 30 nach Christus: Hier wird die Intoleranz der Pharisäer thematisiert. Der Verrat an Jesus und seine Verurteilung gipfelt in der Kreuzigung.
Paris 1572: Der religiöse Konflikt zwischen protestantischen Hugenotten und Katholiken und das daraus resultierende Massaker werden in dieser Episode erzählt. In der Bartholomäusnacht werden 50.000 Protestanten in Paris ermordet, während sich zur gleichen Zeit ein Liebespaar unwissend auf eine Hochzeit vorbereitet, die nie stattfinden wird ...
USA 1910: Hohe Lohnkürzungen in der Jenkins-Fabrik führen zu einem Arbeiterstreik, der brutal niedergeschlagen wird. Betroffen davon sind auch eine junge Frau und ihr Geliebter, der des Mordes angeklagt wird und erhängt werden soll ... (arte Presse)


Die Handlung des Films teilt sich in vier selbständige Geschichten, die durch ein Leitmotiv miteinander verwoben sind:
1. The Modern Story - Die moderne Geschichte
2. The Babylonian Story - Die babylonische Geschichte
3. The Huguenot Story - Die hugenottische Geschichte
4. The Judean Story - Die biblische Geschichte
Kritiken
"Mit seiner Dauer von rund 177 Minuten ist INTOLERANCE nur als ein Torso überliefert, aber der Film ist auch heute noch ein ungemein beeindruckendes Werk. Die von Griffith gewählte Erzählweise, vier historisch so unterschiedliche Geschichten miteinander zu verweben, hat für die damalige Zeit einen ungemein revolutionären Charakter. Hier wurde Filmgeschichte im wahrsten Sinne des Wortes geschrieben! - Griffith hatte den Film als Reaktion auf die Kritiken zu seinem BIRTH OF A NATION gedreht, in der Absicht, Intoleranz als Ursache für menschliches Unglück in allen Zeiten darzustellen. Die kühne Montage, die vier Geschichten 'wie vier Ströme, die von einem Berg herabfliessen' miteinander zu verweben, und so nicht nur die Grenzen des Ortes, sondern auch jene der Zeit zu sprengen, ist genial bahnbrechend, weil hier dem Film eine völlig neue Perspektive eröffnet wurde: nämlich hinter der Storyline tendenziöses Kino zu machen, Kino das Ideen unabhängig von der linearen Geschichte vermittelt. Vieles in der Darstellung der Schauspieler wirkt heute nach mehr als achtzig Jahren Filmgeschichte antiquiert, doch nach wie vor sind manche Sequenzen atemberaubend, etwa die Kamerafahrten in der babylonischen Sequenz oder die Szenen in der modernen Sequenz, in der streikende Arbeiter von der Privatarmee des Fabrikbesitzers niedergemetzelt wurden." (lhg)

"Wie sollte jemals ein geringfügiger gemeinsamer Zug, ein gemeinsames äusseres Kennzeichen der metaphysisch und mit wenig Einsicht verstandenen Unduldsamkeit im Bewusstsein so empörende, historisch unvereinbare Erscheinungen miteinander verbinden können wie den religiösen Fanatismus der Batholomäusnacht und den Streikkampf in einem hochkapitalistischen Land! Oder die blutigen Kapitel des Kampfes um die Hegemonie über Asien und den komplizierten Prozess des innerkolonialen Kampfes des jüdischen Volkes zur Zeit der Unterjochung durch Rom!" (Sergeij M. Eisenstein)

"Eine unbeschreibliche Verwirrung, in deren Verlauf Katharina de Medici die Armen New Yorks besucht, während Jesus die Kurtisanen des Königs Belsazar segnet und die Armeen des Darius die Stromschnellen von Chicago im Sturm nehmen." (Louis Delluc)

"Jede Episode wurde in einem anderen Stil gefilmt. Die Passion Christi ist eine Folge simpler, idealisierter lebender Bilder, die an die Passions-Filme der Firma Pathé erinnern. In der ausführlicheren Bartholomäus-Nacht-Episode überwiegen die Totalen im Stil von DIE ERMORDUNG DES DUC DE GUISE. "Der Untergang von Babylon" orientiert sich an der italienischen Schule und kommt dem mächtigen Stil von CABIRIA nahe. Die einfache und sehr realistische Geschichte "Die Mutter und das Gesetz" ist durch ihre Länge und ihre Vollkommenheit das Zentrum des Werkes, um das herum sich die übrigen Episoden ranken." (Georges Sadoul: Histoire du cinéma mondial; Flammarion, Paris 1972)
Anmerkungen
«Hintergrundinformationen:
"Ich habe immer gesagt, dass ich Babel wieder aufbauen würde", kommentiert Regisseur und Drehbuchautor Griffith sein Werk "Intolerance". Das erste Monumentalwerk der Filmgeschichte mit einer sagenhaften Länge von dreieinhalb Stunden wird oft als spektakulärster Film aller Zeiten zitiert. Der Stummfilm von 1916 prangert Vorurteile und Grausamkeiten der Menschheit an und verurteilt über 2000 Jahre menschlicher Missstände. Couragiert ist dabei Griffiths Ziel, Intoleranz und Schwäche zu überwinden und ein neues, positiv besetztes Babel der Gegenwart zu errichten.
D.W. Griffith gilt aus vielerlei Gründen als Pionier des Kinos. So ist er der erste Regisseur, der einen Spielfilm dreht, welcher erstmals länger als die bisherigen Filme von maximal eine Stunde ist. Zudem macht er die Technik des Cross-Cuttings populär, indem er zwischen verschiedenen Szenen alterniert. Revolutionär ist auch das verschachtelte Handlungsmuster von "Intolerance": Die vier Parallelgeschichten werden nicht nacheinander erzählt, sondern immer wieder in Ausschnitten fortgesetzt. Es herrscht ein reger Wechsel zwischen Raum und Zeit, der immer von einem Vers Walt Whitmans flankiert wird: "Out of the cradle, Endlessly rocking" - Aus der Wiege, Unendlich schaukelnd.
Der "Vater der Filmgrammatik", wie ihn seine Anhänger nennen, wird sehr kontrovers diskutiert. Dies ist vor allem seinem Kassenschlager "Geburt einer Nation" von 1915 zuzuschreiben. Im ersten Propagandafilm der Kinogeschichte führt Griffith rassistische Pro Sklaverei- und Ku-Klux-Klan- Parolen vor und verteidigt die Position der amerikanischen Südstaaten vor dem Sezessionskrieg.» (arte Presse)



"Der Film besteht aus vier Episoden, die aber nicht in geschlossenen Kapiteln, sondern gleichsam parallel erzählt werden. Neben einer als roter Faden fungierenden Geschichte über das Unrecht, das Arbeitern durch einen Fabrikbesitzer und Gerichte zugefügt wird, hat Griffith zur Verdeutlichung seiner Absicht, Vorurteile und Grausamkeiten anzuprangern, noch drei Parallelgeschichten hinzugefügt: die Eroberung Babylons, die Verschwörung der Pharisäer gegen Jesus und die Bartholomäusnacht im Frankreich des 16. Jahrhunderts sollen das Elend bezeugen, das selbstherrliche Herrscher während vieler Jahrhunderte verursacht haben.

Intolerance wurde in jeder Hinsicht ein Mammut-Unternehmen. Griffith liess am Rand des damaligen Hollywood die grössten Dekorationen aufbauen, die bis heute für einen Film errichtet wurden. Rund 70 Meter hoch waren die massiven Türme Babylons; Belsazars Festhalle fasste mehr als 5000 Menschen. In einer Kampfszene in der babylonischen Episode befehligte er von einem Ballon aus 16000 Komparsen.

Die Dreharbeiten bewältigte Griffith ohne Drehbuch, beschäftigte dafür aber sechs Regieassistenten: George Siegman, W.S. Van Dyke, Joseph Henabery, Erich von Strohheim, Edward Dillon und Tod Browning. Nebenbei spielten fast alle auch kleinere Rollen.

Die zeitgenössische Kritik monierte die "seltsame" oder "schier unverständliche" Erzählstruktur des Films. Zweifellos war es ungewohnt und kühn, die einzelnen Episoden miteinander zu vermischen, anstatt sie fein säuberlich hintereinander zu erzählen. Während zunächst der Schnitt und damit der Wechsel zwischen den einzelnen Episoden eher gemächlich ist, wird der Rhythmus des Films später immer schneller bis zum Höhepunkt: der "Junge" wird in die Todeszelle geführt, Christus wird gekreuzigt, die Hugenotten werden hingemetzelt, Babylon fällt...

Intolerance war einer der ersten Monumentalfilme der Filmgeschichte und hatte mit seinen bis dahin einmaligen Bildern und seiner Schnittechnik wesentlichen Einfluss auf spätere Werke wie "Die zehn Gebote" oder "Ben Hur". Durch Lenin gelangte Intolerance in die Sowjetunion, wurde dort jahrelang gezeigt und beeinflusste die Filme von Eisenstein und Pudowkin." (EXGROUND, Wiesbaden 1998)




"Noch waren die Diskussionen um THE BIRTH OF A NATION nicht beendet, als Griffith die Arbeit an dem schon vor dem Bürgerkriegsepos fertiggestellten Film THE MOTHER AND THE LAW wieder aufnahm. Anfangs wollte er dem alten Projekt bloss einige Szenen hinzufügen, kam aber bald auf die Idee, es mit weiteren Geschichten, die von der Intoleranz der Mächtigen handeln, zu vergrössern. Er gab seinem Mitarbeiter Joseph Henabery den Auftrag, umfangreiche Recherchen über Babylon, das Massaker in der Bartholomäusnacht und die Kreuzigung Christi zu beschaffen. Eine Unmenge von Büchern wurden durchgearbeitet und das ausgewählte Material in Sammelalben festgehalten. Auf Grund des grossen finanziellen Erfolgs von THE BIRTH OF A NATION konnte Griffith seinen neuen Film in völliger ökonomischer und künstlerischer Freiheit vorbereiten und drehen. Sämtliche Gestaltungsebenen von INTOLERANCE wurden von ihm kontrolliert. Allein die Tatsache, dass Griffith ohne Drehbuch arbeitete, lässt darauf schliessen, wie sehr das von seinen Mitarbeitern herangeschaffte Material eine subjektive Ausprägung erfuhr. Für die Ausstattung jeder einzelnen Geschichte wurde ein anderer Stil gewählt. Liegen dem Ausgangsmaterial von INTOLERANCE, dem Film THE MOTHER AND THE LAW, die Bilder der realistischen "Ashcan School" zugrunde, so waren es für die "Babylonian Story" historische Maler wie Georges Rochgrosse, John Martin und Edwin Long. Die Ausstattung der Szene, die in Judäa spielen, basieren wiederum auf Abbildungen aus J.J.J. Tissots Buch über das Leben Christi (1895). Was die "French Story" betrifft, kann kam am Einfluss des "Film d'Art" gezweifelt werden, war doch z.B. L'ASSASINAT DU DUC DE GUISE (1908) für Griffith eine "Offenbarung". Wie bei der Ausstattung orientierte sich Griffith bei der Wahl seiner Handlungsmuster an der Literatur des vorigen Jahrhunderts. Er lässt sich nicht nur von realistischen bzw. melodramatischen Methoden anregen, auch die moralisierende Tendenz seiner Vorbilder kann man in Griffith' Werk erkennen. Dieser Tradition entsprach auch ein realistischer Schauspielstiel. In langwierigen Proben wurde eine vollständige Identifikation der Darsteller mit den Filmfiguren angestrebt. Auch bei der Montage des abgedrehten Materials ging Griffith intuitiv vor, denn erst im Vorführraum bei der täglichen Sichtung entschied er über den Platz von bestimmten Einstellungsgrössen bzw. löste er dramaturgische Probleme.

Griffith' Selbstverständnis wurzelt gleich seinen literarischen Vorbildern im 19. Jahrhundert. Es geht ihm um die Idee des idealistischen Ganzen, die sich allerdings schon im vorigen Jahrhundert als trügerisch erwies. Dieses Ganz in seiner immerwährenden Gefährdung zu zeigen, hat bei Griffith geradezu obsessiven Charakter und bestimmt auch den Inhalt von INTOLERANCE. Die Handlung der ersten Geschichte, die "Modern Story", beruht auf dem authentischen Bericht einer Kommission über den Tod von 19 Beschäftigten bei einem Lohnstreik in einem chemischen Betrieb. Im Mittelpunkt der "French Story" steht das Massaker in der Bartholomäusnacht. Eine glückliche Familie wird durch religiöse Unduldsamkeit vernichtet. In "The Babylonian Story" wird eine grosse Kultur durch Intoleranz zu Fall gebracht. Die vierte Geschichte, "The Judean Story", spielt zur Zeit Christi in Jerusalem und erzählt einige Episoden aus dessen Leben. Der Film endet mit der Vision einer immerwährenden Frieden gewährleistenden Liebe: Die Waffen werden weggeworfen, die Gefängnisse verschwinden, und Blumenfelder ersetzen die Stätten der Intoleranz. (...)

Gerade Griffith' Methode der Montage machte sein Werk, und nicht zuletzt seinen Film INTOLERANCE, für den auf Wirkung bedachten jungen sowjetischen Film interessant. Allerdings entstanden dessen neue Montageprinzipien nicht in Nachfolgeschaft, sondern in kritischer Auseinandersetzung. Wsewolod Pudowkin nannte ihn den "bedeutendsten Regisseur der Gegenwart" und erläuterte in seinen filmtheoretischen Texten wiederholt filmtechnische Probleme an Hand von Griffith' Filmen. Sergej M. Eisenstein blieb es jedoch vorbehalten, in einer seiner wichtigsten filmtheoretischen Arbeiten auf die grosse Bedeutung Griffith' für die sowjetische Kinematographie hinzuweisen."
(Gottfried Schlemmer: Das frühe Filmepos: INTOLERANZ (INTORLANCE, 1916), in: Fischer Filmgeschichte I: 1895-1924; Frankfurt/M. 1994)




Die verschiedenen Versionen von Intolerance

Griffith hatte bei verschiedenen Änderungen des Films das Negativ umgeschnitten und brachte 1919 INTOLERANCE in einer zweiteiligen gekürzten Fassung heraus, in welcher er auch das Ende des Films änderte und Constance Talmadge überleben liess. Die ursprüngliche Version des Films hatte eine Länge von circa acht (!) Stunden, wurde dann aber noch von Griffith selbst auf circa dreieinhalb Stunden zusammengeschnitten. Da viele Teile des Negativs verloren sind, lässt sich bis heute der Film in einer ursprünglichen Fassung nicht mehr rekonstruieren. Eine Version im Museum of Modern Art ist unter Verschluss und öffentlich nicht zugänglich, ein Protokoll des Films wurde von Theodore Huff 1940 erstellt. Die meisten der verfügbaren Kopien besitzen eine Länge von circa zwei Stunden und fünfzig Minuten und haben eine musikalische Untermalung durch Klavier oder Kinoorgel. Der Filmhistoriker Kevin Brownlow produzierte 1989 eine Version mit der von grossem Orchester gespielten Musik unter der Leitung von Carl Davis.

Die Qualität des Bildes ist leider nicht der Qualität des Films angepasst - die meisten Kopien scheinen auf Dups mehrerer Generationen zurückzugehen, und viel ist von dem grossartigen Aufwand Griffiths durch unsorgsamen Umgang mit dem Negativ verloren gegangen.

Die bei EUREKA erschienene DVD Edition von INTOLERANCE ist gegenüber den meisten Kopien um ein paar Minuten länger (total 177 Minuten), in der optischen Qualität trotz digitaler Bearbeiten leider nicht auf der Höhe der wohl technisch möglichen (und sehr aufwendigen !) optischen Restaurierung. Auch die musikalische Qualität mit der doch eher monotomen Kinoorgel ist bescheiden, wohl aus linzenzrechtlichen Gründen stand die Tonversion mit der Musik von Carl Davis nicht zur Verfügung. Als interessantes Feature bietet die DVD die Möglichkeit, die miteinander verbundenen Geschichten einzeln zu sehen. (lhg)

Le Chrysanthème rouge Regie: Léonce Perret,Frankreich - 1912
Produktion: Société des Etablissements L. Gaumont - Verleih: C.C.L. - Comptoir Ciné-Location - Produzent: Léon Gaumont - Regisseur: Léonce Perret - Darsteller: Suzanne Grandais Miss Suzie - Léonce Perret le premier prétendant - André Luguet le passant - Émile Keppens le deuxième prétendant -

Lea e il gomitolo (Lea und ihr Knäuel), Regie: N. N.,Italien - 1913
Produktion: Società Italiana Cines - Regisseur: N. N. - Darsteller: Giuseppe Gambardella - Lea Giunchi Lea -

Kritiken
Slapstik-Komödie in welcher Lea auf der Suche nach einem Wollknäuel in kurzer Zeit die ganze Wohnung demoliert. Eigentlich wollte Lea nicht Strümpfe stopfen, sondern lesen. Am Schluss des Films finden dies ihre Eltern auch eine bessere Idee... (lhg 2010)

Rosalie et son phonographe Regie: Roméo Bosetti,Frankreich - 1911
Produktion: Pathé Frères, Paris N° 4604 - Verleih: Pathé Frères, Paris - Regisseur: Roméo Bosetti - Darsteller: Sarah Duhamel Rosalie -

Text?Salome Regie: Charles Bryant,USA - 1923
Produktion: Nazimova Productions, Inc. - Verleih: Allied Producers and Distributors Corp. - Produzent: Alla Nazimova - Regisseur: Charles Bryant - Drehbuch: Peter M. Winters - June Mathis (--??--) - Story : Oscar Wilde play - Kamera: Charles Van Enger - Architekt: Natacha Rambova - Aubrey Beardsley Zwischentitel - Set Decoration: Natacha Rambova - Kostümbild: Natacha Rambova - Darsteller: Earl Schenck Ein junger Syrier - Arthur Jamine Page - Frederick Peters Naaman, der Scharfrichter - Alla Nazimova Salome - Mitchell Lewis Herodes Antipas - Rose Dione Herodiade - Nigel de Brulier Johannes der Täufer - Louis Dumar Tigellinus -

Inhaltsangabe
Salomé basiert auf Oscar Wildes skandalträchtigem Theaterstück gleichen Titels, das sich wiederum an der biblischen Geschichte des Herod und seiner Stieftochter Salomé, die dem gestrengen Täufer Johannes verfällt, orientiert. Als dieser sie zurückweist, nutzt sie das offensichtliche Begehren ihres Stiefvaters, um ihre verschmähte Liebe zu rächen. Als Preis für einen aufreizenden Tanz vor dem König fordert sie den Kopf des Täufers. Salome hört vor dem Palast ihres Stiefvaters Herodes die Stimme des Propheten Jochanaan, der in einer Zisterne gefangen gehalten wird. Jochanaan, der Prophet und Verkünder eines neuen christlichen Zeitalters, rügt die Mutter Salomes, Herodias, und verurteilt öffentlich Heroidas Ehe mit dem Bruder und Mörder ihres ersten Gatten. Er sieht in ihr die Verkörperung einer Welt, die ihrem Untergang entgegen geht: heidnisch, sinnlich, verdorben. Salome, die dieser Hassrede lauscht, wird plötzlich von einem leidenschaftlichen Verlangen nach Jochanaan ergriffen und fordert einen Kuss von ihm. Jochanaan ist empört von diesem Ansinnen und stößt sie von sich. Herodes, der die Szenerie beobachtet hat, ist von der Schönheit seiner Stieftochter fasziniert und bittet sie, für ihn zu tanzen. Er verspricht, im Gegenzug all ihre Wünsche zu erfüllen. Salome willigt ein und tanzt für Herodes den "Tanz der sieben Schleier". Der Preis, den sie dafür verlangt, ist der Kopf des Jochanaan. Als ihr der Kopf des Propheten überreicht wird und sie leidenschaftlich den Mund Jochanaans küsst, ist Herodes jedoch so angewidert, dass er seine Stieftochter töten lässt.... (ARTE Presse)
Kritiken
"... Die Geschichte folgt rudimentär dem biblischen Stoff um König Herodes und dessen ungezügelter Lust auf seine 14-jährige Stieftochter Salomé, deren Liebe zu Johannes dem Täufer wiederum zurückgewiesen wird. Aus Rache läßt sie sich für ihren Schleiertanz von Herodes mit dem abgeschlagenen Kopf des Johannes belohnen. Nach der Kündigung ihres Vertrages mit MGM hatte die in Rußland geborene, exzentrische Schauspielerin Alla Nazimova beschlossen, nur noch "verdienstvolle" Filme zu machen. Für dieses von ihr produzierte Projekt gab sie die Regie an ihren "Ehemann" Charles Bryant. Sie selbst spielte die Hauptrolle und setzte zusammen mit der kapriziösen Natacha Rambova - ihrer Geliebten und der späteren Ehefrau von Rudolfo Valentino - die exzentrische Ästhetik der Zeichnungen des schwulen Grafikers Aubrey Beardsley in geniale Kulissen und Kostüme um. Zudem verfügte die Nazimova öffentlich, ein Großteil (?!) der Beteiligten solle homosexuell sein - gleichsam als Hommage an Oscar Wilde, den Autor der literarischen Vorlage. Im Grunde war dieses Projekt wohl von vornherein ein reines "Nähkreis"-Produkt (Sprich: Mehr "homo" ging nimmer!). Ein seltenes Juwel der frühen Filmgeschichte, keinesfalls verpassen!" (www.gegenpool.net) «To my mind, Salome is the mostextraordinarily beautiful picture that has ever been produced. Nazimova chose to carry out the Beardsley design in translating Wilde's play to the screen, and succeeded admirably. The effect of the picture was weird and wonderful. Natacha Rambova was responsible for the correct interoretation of Beardsley's drawings. Salome possessed many dramatic defects, but as a spectacle for the eye, it was absolutely superlative.» (Robert E. Sherwood in The best moving Pictures of 1922-1923 (Small, Maynard and Company, 1923, pg 103)
Anmerkungen
"Salomé ist ein Paradebeispiel künstlerischer und visueller Exzentrik: Alla Nazimova war die treibende Kraft des Projekts: Sie spielte nicht nur die Hauptrolle und finanzierte den Film aus ihrem Privatvermögen; unter ihrem Pseudonym Peter M. Winters verfaßte sie auch das Drehbuch. Charles Bryant, zum Zeitpunkt der Dreharbeiten angeblicher 'Ehemann' der Nazimova und Regisseur des Films, war kaum mehr als ein Strohmann für "Madames" exzentrische Ideen. Für Bauten und Kostüme verpflichtete Nazimova Natacha Rambova, mit der sie zuvor schon Billions und Camille (Die Kameliendame) gedreht hatte. Rambova, Rudolpho Valentinos Ehefrau und Nazimovas Geliebte, orientierte sich bei ihren Entwürfen an der Ästhetik von Aubrey Beardsleys skandalösen Zeichnungen zu Wildes englischsprachiger Erstausgabe des Stückes aus dem Jahre 1894. Weder Kosten noch Mühen wurden gescheut, um die aufsehenerregenden Entwürfe umzusetzen. Für den berühmten Schleiertanz verwand Rambova, eine geborene Winifred Shaughnessy aus Salt Lake City, gar eine Seidentunika, die zur besseren Passform mit einem Gummi-Futter ausgestattet wurde, dass von einem Autoreifenhersteller speziell für Salomé angefertigt wurde. Neben Berichten zur visuellen Opulenz schürte Nazimova das publicityträchtige Gerücht, dass alle am Film Beteiligten als Hommage an Wilde entweder schwul, lesbisch oder bisexuell gewesen seien. Die Figur eines römischen Soldaten, der den syrischen Hauptmann begehrt, wurde eigens dazu erfunden. Trotz der öffentlichen Diskussion, die sich um Salomé entspann - als besonders anstößig empfanden die Zensoren die Vermischung von "Dekadent-Perversem" mit biblischen Figuren und Motiven - floppte der Film an den Kinokassen. The New Republican schrieb gar: "Entwürdigend und unintelligent. Nazimova versucht sich an einer Rolle, für die sie keinerlei Qualifikation besitzt [...] Wie sehr sie sich auch bemüht, sie kann nicht verführerisch sein [...] Die tödliche Verlockung des Sexes, die Wildes Stück wie ein schleichendes Gift durchdringt, wird in dem Augenblick ausgetrieben, in dem man ihrer knabenhaften Gestalt gewahr wird." Andere hingegen erkannten die künstlerische Vision, die hinter dem Projekt steckte und reagierten entsprechend. Im Life Magazine hieß es: "Die Personen, die für Salomé verantwortlich sind, verdienen von ganzer Seele die Dankbarkeit eines jeden, der an die Möglichkeiten des Films als Kunst glaubt." (StummFilmMusikTage Erlangen) «"Salome" ist die Stummfilmversion der Tragödie von Oscar Wilde, deren Drehbuch Natacha Rambowa, die Frau des berühmten Schauspielers Rudolph Valentino, unter dem Pseudonym Peter M. Winters verfasst hat. Rambowa entwarf auch das opulente Dekor und die Kostüme, für die sie sich an den Originalillustrationen von Aubrey Beardsley zu Wildes Theaterstück orientiert hat. Produziert wurde der bis zur Stilisierung künstlich gehaltene Film von der russischen Tänzerin und unabhängigen Filmemacherin Alla Nazimova. Publikumswirksam ließ Nazimova verbreiten, dass als Hommage an Oscar Wilde der Film mit einer durchweg homosexuellen Crew und Besetzung produziert worden sei und löste damit einen ungeheuren Skandal aus. Auch wegen seiner offenen Darstellung von Homosexualität wurde der Film stark zensiert. Vor allem filmhistorisch ist "Salome" eine interessante "Ausgrabung", die die Dekadenz ihrer Entstehungszeit und die Exzentrik seiner Schöpfer spiegelt. Der Film kann als einer der wenigen experimentellen Filme betrachtet werden, der im Hollywood der 20er Jahre entstand. Nach mäßigem Erfolg verschwand er in der Versenkung. 1993 wurde er vom George Eastman House wiederentdeckt und rekonstruiert; der Filmkomponist Marc-Olivier Dupin schuf eine neue Musik. Nun ist der "erste Kunstfilm Amerikas" erstmals wieder in einer Fassung zu sehen, die in etwa der ursprünglichen Länge entspricht.» (ARTE Presse)

Text?Shakhmataja Gorjachka (Schachfieber), Regie: Nikolaj Shpikovskij,UdSSR - Sowjet Union - 1925
Produktion: Mezhrabpom-Rus - Regisseur: Nikolaj Shpikovskij - Vsevolod Pudovkin - Drehbuch: Nikolaj Shpikovskij - Kamera: Anatolij Golovnja - Schnitt: Vsevolod Pudovkin - Darsteller: Pjotr Bakshejev - Z Darevskij - F Ivanov - Vladimir Fogel Der Held - K Eggert - José Raúl Capablanca Der Weltchampion - Mikhail Ivanovich Zharov Der Hausmaler - Julij Rajzman Der Helfer des Apothekers - Jakov Protazanov - Ivan Koval-Samborskij Der Polizist - Anatoli Ktorov Der Trampassagier - Anna Zemtsova Die Heldin - Natalia Glan - Boris Barnet Der Dieb - Fjodor Ozep Der Zuschauer - Sergej Komarov Der Grossvater -

Text?The Pleasure Garden (Irrgarten der Leidenschaft), Regie: Alfred Hitchcock,Grossbritannien, Deutschland - 1925
Produktion: Münchner Lichtspielkunst AG (Emelka), München - Gainsborough Pictures - Produzent: Michael Balcon - Erich Pommer - Regisseur: Alfred Hitchcock - Regieassistent: Alma Reville - Drehbuch: Eliot Stannard - Nach einer Vorlage von: Oliver Sandys novel - Kamera: Gaetano Ventimiglia - Architekt: Ludwig Reiber - Darsteller: Frederic K. Martini Patsy's Landlord - Virginia Valli Patsy Brand, Tänzerin - John Stuart Hugh Fielding - Louis Brody --??-- - Georg Heinrich Schnell - C Falkenburg - Carmelita Geraghty - Florence Helminger Landlords Wife - Miles Mander Levett - Nita Naldi The Native Girl -

Text?The rink (Charlies Rollschuhbahn, Die Rollschuhlaufbahn), Regie: Charles Chaplin,USA - 1916
Produktion: Lone Star Corporation - Verleih: Mutual Film - Regisseur: Charles Chaplin - Drehbuch: Charles Chaplin - Kamera: George C. Zalibra - William C. Foster (--??--) - Roland H. Totheroh - Architekt: George 'Scotty' Cleethorpe - Darsteller: Leota Bryan Edna's Friend - Lloyd Bacon Guest - Albert Austin Cook - John Rand Waiter - Edna Purviance The Girl - Charlotte Mineau Edna's Friend - James T. Kelley Her Father - Charles Chaplin A Waiter - Posing as Sir Cecil Seltzer - Eric Campbell Mr. Stout - Henry Bergman Mrs. Stout - Frank J. Coleman Restaurant Manager -

Text?Tretja meshchanskaja (Dritte Kleinbürgerstrasse, Liebe zu dritt, Bett und Sofa, Dritte Meschstanskajastraße), Regie: Abram Room,UdSSR - Sowjet Union - 1927
Produktion: Sovkino Moskau - Regisseur: Abram Room - Regieassistent: E Kuzis - Sergej Jutkevich - Drehbuch: Viktor Shklovskij - Abram Room - Kamera: Grigorij Giber - Architekt: Vasilij Rakhals - Sergej Jutkevich - Darsteller: Ljudmila Semjonova Ljuda, die Frau - Vladimir Fogel Volodja, der Untermieter - Jelena Sokolova Die Krankenschwester - Marija Jarotskaja - Nikolaj Batalov Kolja, der Mann - Leonid Jurenjov Der Pförtner -

Anmerkungen
Viktor Shklovskij hatte die Idee zum Film in einem Artikel in der Komsomolskaja Pravda gelesen und das Treatment erst Jurij Tarich vorgeschlagen, der aber daran nicht interessiert war. Mikhail Romm inszenierte den Film dann in knapp zwei Wochen Drehzeit, bevor er in die Krim zu den Dreharbeiten von "Евреи на земле" fuhr.
Bei seiner Premiere in Moskau war der Film, dessen erster Titel "Liebe zu dritt" ("Любовь втроем") lautete, sehr erfolgreich, sehr bald allerdings gerieten Autor Shklovskij und Regisseur Room ins Kreuzfeuer der Kritik. Man warf dem Film Unmoral vor sowie Taktlosigkeit gegenüber Majakovskij und Brik, die Shklovskij gut kannte. Schliesslich wurde der Film aus dem Verleih zurückgezogen.
Der Film blieb anfänglich in der Sowjetunion nur unvollständig erhalten. Später konnte Gosfilmofond den fehlenden Akt in einer Kopie in Bulgarien finden und so wieder eine komplette Fassung rekonstruieren. [lhg 2012]

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