Viennale Filmfestival 2012 - KinoTV

Alle Filme


Text?Elu tsitadellis (Leben in der Zitadelle, Abseits vom Leben), Regie: Herbert Rappaport,UdSSR - Sowjet Union - 1947
Produktion: Lenfilm - Regisseur: Herbert Rappaport - Regieassistent: Emil Gal - Drehbuch: Leonid Trauberg - Nach einer Vorlage von: August Jakobson play - Kamera: Sergeij Ivanov - Musik: Eugen Kapp - Architekt: Jevgenij Jenej - L Shildknekht - Darsteller: Aino Talvi Eeva Miilas - Boris Dobronravov Golovin - Aleksandr Randviir Kiinast - Rudolf Nuude Ants Kuslap - Hugo Laur Prof. Miilas - Andres Särev Dr. Richard Miilas - Lembut Rajala Ralf - Lia Laats Lydia - Gunnar Kilgas Karl - Betty Kuuskemaa Anna -

Anmerkungen
«Über das Schicksal der Regisseure in der UdSSR der direkten Nachkriegsjahre weiß man nicht allzu viel. Rappaport jedenfalls wurde in die Estnische SSR geschickt, um in Tallinn das nationale Filmstudio aufzubauen. Vier Spielfilme drehte er dort, zunächst LEBEN IN DER ZITADELLE, der heute – insbesondere in Estland – als nicht ganz unproblematisch erachtet wird. Wie Mamlock will auch Professor Mijlas neutral sein – doch die Zeiten sprechen dagegen. Seine Söhne haben sich schon entschieden: der eine mordet auf der Seite der Nazis, der andere siegt mit der Roten Armee.» (filmmuseum.at)

Text?American Guerrilla in the Philippines (Der Held von Mindanao), Regie: Fritz Lang,USA - 1950
Produktion: 20th Century-Fox Film Corporation - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Lamar Trotti - Nach einer Vorlage von: Ira Wolfert novel - Kamera: Harry Jackson - Musik: Cyril J. Mockridge - Schnitt: Robert Simpson - Architekt: Lyle R. Wheeler - Art Department: Stuart A. Reiss - J. Russell Spencer - Thomas K. Little - Kostümbild: Travilla - Spezialeffekte: Fred Sersen - Darsteller: Orlando Martin - Miguel Azures - Robert Barrat - Tommy Cook - Maria del Val - Jack Elam - Juan Torena - Tom Ewell - Micheline Presle - Tyrone Power - Eddie Infante - Bob Patton -

Anmerkungen
«Pazifikkrieg 1942. Die amerikanische Besatzung eines Torpedobootes rettet sich auf eine der philippinischen Inseln. Zunächst nur darauf aus, möglichst bald wieder in den «richtigen» Krieg einzugreifen, schließen sie sich, beeindruckt von der philippinischen Widerstandsbewegung, der Guerilla gegen die japanischen Besatzer an. Gedreht an Originalschauplätzen und durch die Erzählerstimme aus dem Off mit quasidokumentarischem Einschlag, zeugt der Film von der Hochachtung Langs für jeglichen Kampf für Freiheit und Unabhängigkeit.» (filmmuseum at)

Text?Anushka (Annuschka), Regie: Boris Barnet,UdSSR - Sowjet Union - 1959
Produktion: Mosfilm - Regisseur: Boris Barnet - Drehbuch: Efraim Savela - Kamera: Viktor Masevchich - Musik: Jurij Birjukov - Schnitt: P Chechetkina - Architekt: Artur Berger - Kostümbild: T Antonova - Tonmeister: G Korenblum - Darsteller: E Koroleva Granata - O Oroseva Vovkas Mutter - Eduard Martsevich Vovka - L Barashkov Sasha - G Tokareva Nina - B Bobochkin Ivan Ivanovich - A Georgjevskaja Polina Sergejevna - Irina Skobtseva Annuška -

Anmerkungen
ANNUŠKA beginnt mit einer Erinnerung. An leuchtende Sommertage, in die der Krieg unvermittelt und todbringend einbricht. Der jungen Annuška stehen grausame Prüfungen bevor: der Tod des Mannes, eines Kindes, der Verlust des Zuhauses. Sie besteht sie, wird zurückkehren, ein neues Zuhause für sich und ihre Kinder bauen. Der Verlust und die Erinnerungen bleiben dennoch ständig gegenwärtig. Für den Eisenstein-Experten Naum Klejman ist Barnet mit seinen einfühlsamen Porträts einfacher Menschen ein Ufer des sowjetischen Kinos. Eisenstein das andere.

BORIS BARNET
Geboren 1902 in Moskau. zählt zu den großen Meistern des russischen Kinos. Sein bevorzugter Stil, eine Mischung aus Satire und Lyrik, eingebettet in sogenannte «Alltagsstoffe», avanciert in den zwanziger und Dreißiger Jahren zum populären Kino. Später realisiert er trotz politischer Diskreditierung unter großen Anstrengungen und diplomatischem Aufwand Kassenerfolge wie HELDENTATEN EINES KUNDSCHAFTERS (1947), GOLDENER SOMMER (1951) und ALENKA (1961). Stirbt 1965 in Riga.(filmmuseum.at)

Text?Beyond any reasonable doubt (Jenseits allen Zweifels), Regie: Fritz Lang,USA - 1956
Produktion: RKO Radio Pictures - Produzent: Bert Friedlob - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Douglas Morrow - Kamera: William E. Snyder - Musik: Herschel Burke Gilbert - Schnitt: Gene Fowler jr. - Architekt: Carroll Clark - Set Decoration: Darrell Silvera - Tonmeister: Jimmy Thompson - Darsteller: Shepperd Strudwick - Dorothy Ford - Wendell Niles - Charles Evans - Joe Kirk - Trudy Wroe - Carleton Young - Joyce Taylor - Rusty Lane - William Leicester - Edward Binns - Sidney Blackmer Austin Spencer - Philip Bourneuf - Joan Fontaine Susan Spencer - Arthur Franz - Barbara Nichols - Dan Seymour - Dana Andrews Tom Garrett -

Anmerkungen
"Langs Vertrauen in die Institutionen der Gerechtigkeit war immer gering, hier fasst er noch einmal zusammen, welche Motive der Wahrheitsfindung zuwiderlaufen: Niedere und hohe Instinkte gleichermaßen, die Interessen der liberalen Presse und der reaktionären Staatsanwaltschaft, die Geheimnisse des Mörders und die Liebe einer Frau. Alles trägt dazu bei, dass es einiger sehr dramatischer Kehrtwendungen in der Geschichte bedarf, bis das richtige Urteil gesprochen wird. Die Titel-Credits erscheinen über den Bildern einer Hinrichtung, zweimal zieht ein Mann an dem Hebel, der den elektrischen Stuhl in Betrieb setzt. Im Anschluss trifft sich das Establishment in einer Bar: Die Hinrichtung war nur ein Fall, jetzt kann man dazu Meinungen austauschen. Persönlich betroffen sind sie alle nicht: Der Schriftsteller Tom Garrett, der Verleger Austin Spencer, der Staatsanwalt. Garrett hat ein Buch geschrieben, jetzt wartet die Welt auf sein zweites. Joan Fontaine spielt seine zukünftige Frau, die Tochter des Verlegers. Sie passt nicht richtig zu diesem Mann, der wirkt, als wäre er ein „Hard-Boiled"-Schreiber, aus dem die Luft heraußen ist. Garrett und Spencer ersinnen eine Intrige, die sich gegen das Gesetz richtet: Er soll als Lockvogel auf die „Death Row", und erst wenn die Hand schon zum Hebel greift, will Spencer die entlastenden Beweise präsentieren - um auf diese Weise die Justiz zu blamieren. Die Auftritte eines „deus ex machina" unterliegen in Langs „Schicksalsmaschine" (Tom Gunning) ihrerseits einer Logik der Konkurrenz, und so wird Garrett vom mutmaßlichen Täter zum Opfer, bis sich in einem sehr intimen Moment das Blatt noch einmal wendet. Die Linien im Werk verlaufen zu zwei Filmen: Offensichtlich zu WHILE THE CITY SLEEPS, der zweiten Lockvogel-Geschichte, in der die Medien eine so fragwürdige Rolle spielen; schließlich aber auch zu A WOMAN IN THE WINDOW: Hier wie dort werden so lange Indizien gesammelt („circumstantial evidence"), bis sie die eigentliche Wahrheit verdecken. Edward G. Robinson wird schließlich dadurch erlöst. In BEYOND A REASONABLE DOUBT ist es am Ende eine Fehlleistung, mit der ein Mörder sich selbst entlarvt. Joan Fontaine ist darüber so entsetzt, dass sie einen Augenblick lang das Verbrechen auf sich nehmen möchte. In der Logik des Films wäre dies die konsequenteste, weil dunkelste Lösung, und wenn am Ende der Mörder endgültig auf die „death row" muss, ist dies ein bitterer Sieg für die Gerechtigkeit, vergiftet wie die Tatsache, dass Glenn Ford in THE BIG HEAT einer Bürgermiliz bedarf, um gegen den Mob zu siegen." (Filmarchiv Austria)

Text?Cheremushki Regie: Herbert Rappaport,UdSSR - Sowjet Union - 1963
Produktion: Lenfilm - Regisseur: Herbert Rappaport - Drehbuch: M Tservinskij - Vladimir Mass - I Glikman - Nach einer Vorlage von: Dmitrij Shostakovich Operetta - Kamera: Anatolij Nazarov - Musik: Dmitrij Shostakovich - Schnitt: K Kozyreva - Kostümbild: L Shildknekht - Darsteller: Jevgenij Leonov - Fjodor Nikitin - Konstantin Sorokin - Rina Zelenaja - Sergej Filippov - Marina Polubentseva - Vasilij Merkurjev - S Zhivankova - Marina Khotuntseva - Vladimir Zemljanikin - Vladimir Vasiljev - Olga Zabotkina - Gennadij Bortnikov -

Anmerkungen
Die sechziger Jahre, so pastellfarben und glücksverheißend, wie sie Minelli und Demy nicht hätten perfekter zeichnen können. Rappaports Inszenierkunst, seine Genreverfeinerungen rund um das Musical, erreicht in ČEREMUŠKI, basierend auf Šostakovičs Operette Moskva, Čeremuški ihren Höhepunkt. Worum es konkret geht: Chruščevs großangelegtes Umkrempeln der Moskauer Wohnlandschaft, eine Riesenbaustelle, die sich peu à peu in eine (leicht imaginäre) Tanzfläche verwandelt, auf der die Menschen – junge reine Seelen, ältere bürokratisch verbaute Typen oder sehr durchschnittliche SowjetbürgerInnen – in einem ersungenen Delirium der Freude (aber auch des Zanks) baden. Im Film tauwettert es noch, draußen fröstelt es bereits. RealSoz, sehnsuchtsvoll. (filmarchiv.at)

Text?Clash by Night (Vor dem neuen Tag), Regie: Fritz Lang,USA - 1952
Produktion: RKO Radio Pictures - Produzent: Jerry Wald - Norman Krasna - Harriet Parsons - Produktionsleiter: Norman Cook /xx/ - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Alfred Hayes - Story : Clifford Odets - Kamera: Nicholas Musuraca - Musik: Roy Webb - Schnitt: George Amy - Architekt: Albert S. D'Agostino - Carroll Clark - Darsteller: Sally Yarnell Gast - Nancy Duke Gast - Deborah Stewart Gloria D'Amato - Diane Stewart Gloria D'Amato - Silvio Miniciotti Papa D'Amato - J.Carroll Naish Uncle Vince - Barbara Stanwyck Mae Doyle d'Amato - Robert Ryan Earl Pfeiffer - Marilyn Monroe Peggy - Paul Douglas Jerry d'Amato - Keith Andes Joe Doyle -

Kritiken
"...fesselndes Drama.. Lang führt seine Darsteller mit grosser Meisterschaft, versteht es aber auch ausgezeichnet, die Atmosphäre einer monotonen Kleinstadt lebendig werden zu lassen." (Filmberater)
Anmerkungen
"Lang verfilmt ein Theaterstück von Clifford Odets. Er beginnt es dezidiert mit Aussenaufnahmen und alltagsrealistisch. Vögelschwärme sind in der Luft, kleine Jungen spielen mit einem Autoreifen. Eine Fischlawine ergiesst sich über die Anlegestelle in einem kalifornischen Küstendorf, die Verarbeitung obliegt den Frauen. Sie stehen entlang von Fliessbändern, eine herausgehobene Einstellung zeigt eine blonde, junge Frau: Marilyn Monroe. Wenig später tritt sie aus einem Seitenausgang der Fabrik auf die Strasse. Ihr Freund wartet schon, das Paar überquert die Strasse, einige schnippische Worte werden gewechselt, sie erreichen den Zaun eines Hauses - und dann schwenkt die Kamera nach links, ins Bild kommt Barbara Stanwyck. Ein „tough girl" ist überraschend nach Hause gekommen. „Home is where you come when you run out of places", sagt sie wenig später, als sie Auskunft über ihr Geschick geben soll. Das Stück hat einen existenzialistischen Ton, die Menschen sind in dieses Leben geworfen und wissen nicht recht, wie sie damit zurechtkommen sollen. Sie sind auch nur „Animals", heisst es. Den zwei verbitterten Menschen Mae Doyle (Stanwyck) und Earl Pfeiffer (Robert Ryan) hat Jerry d'Amato (Paul Douglas) nur seine Naivität voraus, und eine Physis, die ihm beim Umgang mit den Frauen immer wieder im Weg ist. Wenn Mae später von Earl geküsst wird, findet ihre Hand sofort unter sein Leibchen. Jerry dagegen steht ihr meistens im Weg. Dennoch lässt sich Mae mit ihm ein, wider ein schlechtes Gefühl. Im Kino zeigt er, wie beschränkt er ist. „This is, where we came in", muss sie ihn aufmerksam machen, während er noch selbstvergessen Popcorn mampft. Sie besuchen dann Earl in der Filmvorführerkabine. Er ist Mae auf eine gefährliche Weise ähnlich. Es ist deutlich zu sehen, dass Lang CLASH BY NIGHT aus dem Theater befreien wollte. Er sucht einen Zusammenhang dieser Menschen mit der Natur, er achtet genau auf die ethnischen Zwischentöne in dieser italienisch-amerikanischen Kommune, in der Earl immer „Jeremiah" zu Jerry sagt, wenn er ihn kränken möchte. Es gibt eine schöne Vergnügungsszene, während der aber die philosophische Annahme der fünfziger Jahre nur umso deutlicher wird: „Everybody is lonely and lost". Die Monroe und ihr Freund, den Joe Doyle spielt, sind der Chor bei einem Drama, das nur durch einen existenziellen Akt der Freiheit zu einem guten Ende kommen kann: Es liegt an Mae, über die Schatten ihrer Vergangenheit zu springen. Das ist dann eben kein unglaubwürdiges Happyend, sondern die einzig denkbare, nicht tragische Konsequenz aus der hier gezeigten Auffassung vom Menschen." (Filmarchiv Austria)

Text?Cloak and Dagger (Im Geheimdienst), Regie: Fritz Lang,USA - 1946
Verleih: Warner Bros. Pictures, Inc. - Produzent: Milton Sperling - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Albert Maltz - Ring Lardner jr. - Nach einer Vorlage von: Alastair MacBain novel - Corey Ford novel - Kamera: Sol Polito - Musik: Max Steiner - Schnitt: Christian Nyby - Architekt: Max Parker - Darsteller: Marc Lawrence - J. Edward Bromberg - Helene Thimig - Ludwig Stössel - Gary Cooper - Vladimir Sokolov AKA Vladimir Sokoloff - Dan Seymour - James Flavin - Lilli Palmer - Patrick O'Moore - Marjorie Hoshelle - Charles Marsh - Robert Alda -

Text?Das Indische Grabmal Regie: Fritz Lang,Deutschland, Italien, Frankreich - 1959
Produktion: CCC-Filmkunst Berlin - Critérion Film - Produzent: Artur Brauner - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Werner Jörg Lüddecke - Nach einer Vorlage von: Thea von Harbou roman - Kamera: Richard Angst - Musik: Gerhard Becker - Michel Michelet - Darsteller: René Deltgen Fürst Ramigani - Jochen Brockmann Padhu - Paul Hubschmid Harald Berger - Sabine Bethmann Irene - Debra Paget Seetha - Walther Reyer Maharadscha Chandra - Claus Holm Dr. Walter Rhode -

Inhaltsangabe
In letzter Sekunde konnten der Ingenieur Harald Berger (Paul Hubschmid) und die Tempeltänzerin Seetha (Debra Paget) den Häschern des eifersüchtigen Maharadscha Chandra (Walter Reyer) entwischen. In der Wüste geraten sie jedoch in einen schweren Sandsturm, der Tod scheint ihnen sicher. Nachdem sie von einer Karawane gerettet wurden, finden die Liebenden in einem ärmlichen Dorf Unterschlupf. Aber die Sicherheit währt nicht lange: Durch den Hinweis eines Verräters kann Chandras Bruder, Fürst Ramigani (René Deltgen), sie aufspüren und in seine Gewalt bringen. Er lässt Harald einsperren und für tot erklären, doch Haralds besorgte Schwester Irene (Sabine Bethmann) und ihr Mann Walter (Claus Holm) erahnen die Lüge und versuchen, ihn auf eigene Faust zu finden. Seetha wird derweil zu Chandra gebracht, der sie trotz ihrer Flucht heiraten will - nur um sie danach in einem eigens errichteten, riesigen Grabmal lebendig zu begraben. Chandra ahnt nicht, dass Ramigani eine Intrige gegen ihn schmiedet. Der abtrünnige Fürst zwingt Seetha, der Eheschließung zuzustimmen, um so Haralds Leben zu retten. In Wahrheit will der Verschwörer die Hochzeit des Maharadschas mit der unwürdigen Tänzerin dazu nutzen, um das Volk gegen ihn aufzuwiegeln. Am Tag der prunkvollen Zeremonie spitzt sich die Lage dramatisch zu: Ramigami und seine Gefolgsleute starten ihren gewaltsamen Putsch, während Harald aus seinem Verlies entkommen kann. Ein letztes Mal treffen alle Kontrahenten aufeinander. (ARD Presse)
Anmerkungen
„Das indische Grabmal" setzt die Geschichte von „Der Tiger von Eschnapur" fort.
Der Zweiteiler „Der Tiger von Eschnapur" und „Das indische Grabmal" war die erste Regiearbeit von Fritz Lang („Metropolis"), nachdem er 1956 aus den USA nach Deutschland zurückgekehrt war. Bei der Besetzung brachte Lang die amerikanische Schauspielerin Debra Paget, bekannt aus „Die zehn Gebote", mit den deutschen Stars Paul Hubschmid und Walter Reyer zusammen. Die Dreharbeiten der aufwendigen Produktionen fanden unter anderem in den indischen Metropolen Udaipur und Jaipur statt. An den Kinokassen waren die beiden Filme erfolgreich, von der Presse wurden sie jedoch zunächst negativ aufgenommen. Erst später erkannten Kritiker ihre Qualitäten als packende Abenteuergeschichten. (ARD Presse)

Text?Das Testament des Dr. Mabuse Regie: René Sti,Deutschland - 1933
Produktion: Nero-Film AG, Berlin - Produzent: Fritz Lang - Regisseur: René Sti Französische Fassung - Fritz Lang - Drehbuch: Fritz Lang - Thea von Harbou - Kamera: Karl Vass - Fritz Arno Wagner - Musik: Hans Erdmann - Schnitt: Lothar Wolff Französische Version - Darsteller: Otto Wernicke - Oscar Beregi sr. - Heinrich Gotho - Camilla Spira - Rudolf Schündler - Karl Meixner - Theodor Loos - Theo Lingen - Rudolf Klein-Rogge - Heinrich Gretler - Lil Dagover -

Anmerkungen
"Dr. Mabuse, der Wahnsinnige, baut von der Zelle der Irrenanstalt aus ein neues Verbrechernetz auf. Verbindungen werden durch neue Kommunikationstechniken, aber auch durch Hypnosen hergestellt." (Hans Helmut Prinzler) "Der Film sollte Hitlers Terrormethoden aufzeigen. Parolen und Glaubensartikel des Dritten Reiches sind hier Verbrechern in den Mund gelegt" (Fritz Lang) Der Film wurde von der Zensur in Berlin am 29. März 1933 verboten und nur zur Vorführung im Ausland zugelassen. Seine deutsche Premiere erlebte er am 24. August 1950 in verschiedenen Städten der BRD. "Mabuses Rückkehr aus dem Bleistiftgebiet: Viele Jahre brachte der Verbrecher in einem Sanatorium zu und kritzelte sinnlose Zeichen auf Papier. Jetzt gibt es plötzlich Indizien, dass diese Hieroglyphen einen Kommunikationsakt enthalten und dass Mabuses Organisation wieder aktiv geworden ist. Lang erfindet eine seiner besten Expositionen: Ein Mann ist auf der Flucht durch die Unterwelt eines Industriebetriebs. Das unablässige Stampfen von Maschinen in diesen ersten Minuten geht unter die Haut. Der in Misskredit geratene Polizeibeamte Hofmeister hat eine Entdeckung gemacht, die ihn ins Irrenhaus bringt. Jetzt geht es darum, rechtzeitig Sinn zu gewinnen aus den zwei komplementären Wahnsystemen: Kommissar Lohmann findet den Code in ein Fensterglas geritzt, er muss ihn nur noch gegen das Licht halten, dann steht dort in Spiegelschrift zu lesen: MABUSE. Das Chaos bekommt dadurch wieder eine Ordnung, denn die Geheimorganisation, deren Aktionsziel die „unbeschränkte Herrschaft des Verbrechens" ist, funktioniert wie eine Firma. Personal wird auf dem Arbeitsamt rekrutiert, wo junge Männer abgewiesen werden müssen: „Da muß man ja zum Verbrecher werden", ruft Thomas Kent verzweifelt. Er schließt sich der Organisation an, die einen umfassenden Plan der Destabilisierung verfolgt. In der psychiatrischen Klinik des Professor Baum laufen die Fäden zusammen: Mabuse agiert nicht länger in eigener Person, sondern als eine Besetzung - in einer Szene zeigt Lang, wie Mabuse aus seinem Körper heraustritt und als „body snatcher" von Professor Baum Besitz nimmt. Mabuses symbolische Macht bekommt dadurch eine psychische Logik, aber es gibt auch eine mediale Ebene: Die Anweisungen sind mit der Dringlichkeit von persönlichen Befehlen ausgesprochen, erweisen sich aber als Aufzeichnungen, und Mabuses Präsenz in seiner Organisation ist technisch - der Doktor ist mit seinem Apparat identisch geworden, er existiert nicht mehr an sich, sondern nur mehr als Phantasma. Die Lösung des Falls wird dadurch einfacher und schwieriger: Es geht ganz buchstäblich darum, Mabuse - dem Lang in expressionistischen Großaufnahmen richtiggehende „Mabusefressen" zuordnet - zu durchschauen. Hofmeister wurde nicht von Mabuse selbst in den Bann geschlagen, sondern von dem Feuerzauber seiner Mitarbeiter. Und so geht es der Gesellschaft auch: Sie starrt auf Gaskrieg und Aktionen gegen Banken und Währung, dabei ist das Testament des Dr. Mabuse nur auf eine riesige Fälschung ausgelegt: Die ganze Welt soll Beweis eines negativen Willens sein, der aber gar kein Subjekt mehr hat. Langs unheimlichster Film. " (Österreichisches Filmarchiv)

Text?Das wandernde Bild (Madonna im Schnee (Arbeitstitel)), Regie: Fritz Lang,Deutschland - 1920
Produktion: May-Film AG, Berlin - Produzent: Joe May - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Fritz Lang - Thea von Harbou - Kamera: Guido Seeber - Architekt: Otto Hunte - Erich Kettelhut Modellbauten - Darsteller: Rudolf Klein-Rogge Georgs Vetter Wil Brand - Loni Nest Irmgards Tochter - Mia May Irmgard Vanderheit - Hans Marr Georg Vanderheit - John Vanderheit - Harry Frank -

Inhaltsangabe
Eine Frau auf der Flucht in die Berge. Verfolgt von einem Mann, der ihr nach dem Leben trachtet. Irmgard (Mia May) ist die Geliebte des Philosophen Georg Vanderheit (Hans Marr). Dieser hat einst mit einem Buch über die freie Liebe Aufsehen erregt. Weil er an seinen Grundsätzen festhielt, durfte er Irmgard, die er liebte, nicht heiraten. Nicht einmal, nachdem sie ein Kind von ihm erwartet hat. Irmgard ehelichte daraufhin pro forma John, den skrupellosen Bruder Georgs. Als Georg von der Scheintrauung erfuhr, täuschte er einen Selbstmord vor. Tatsächlich zog er sich als Eremit in die Berge zurück. Zufällig genau in jene, in die Irmgard gerade flüchtet. Die beiden erkennen einander, während eine Lawine über sie hereinbricht. Doch Georgs Gelübde ist nicht so leicht zu lösen. Erst wenn eine im Schnee aufgestellte Madonnenstatue sich bewegen würde, dürfe er "in die Welt" zurückkehren. Als Irmgard während eines Sturms ein Waisenkind über jenes Schneefeld trägt, meint Georg die Statue wandern zu sehen. Er darf nun seine Einsamkeit aufgeben. Freudig willigt Irmgard ein, mit ihm in die Berge zu gehen und fern von den Menschen, die er auch ferner meiden will, mit ihm zu leben. Fest aneinandergeschmiegt gehen Georg und Irmgard, vereint durch die wahre reine Liebe, einer neuen, glücklichen Zukunft entgegen. (Filmarchiv Austria)
Kritiken
"Ein Alpenfilm. Auch Stroheim (BLIND HUSBANDS) und Lubitsch (MEYER AUS BERLIN) drehten um 1920 in den Bergen, und Lang, der zu diesem Zeitpunkt noch sehr elementar mit den Schauwerten des Kinos experimentiert, macht die Gegend um den Lago Maggiore zum exotischen Ort. Es beginnt mit einer unruhigen Frau. Der Zug fährt in eine ländliche Gegend, aber die Telegrafie holt sie auch hier noch ein: ,Du entgehst mir nicht". Irmgard Vanderheit (Mia May) ist auf der Flucht vor ihrem Mann John (Hans Marr). Der hilfreiche Wil Brand (Rudolf Klein-Rhoden) arrangiert ihre überfahrt über den See, und dann beginnt die Alpenüberquerung. Nebel fällt ein, Irmgard stützt sich auf den Wanderstab, es ist ein ,chase movie" in Bergschuhen. In der Felslandschaft trifft sie auf den Einsiedler Georg, in dem sie einen Menschen wieder erkennt. Es ist der Schauspieler Hans Marr, der hier eine Zwillingsrolle spielt. Nach dem zweiten Akt sitzen Irmgard und Georg in einer Schutzhütte fest, die unter einer Gerölllawine begraben liegt. Und erst jetzt, nach diesem ausführlichen Beginn, der sich ganz der Dramatik der Bewegung überantwortet, hält Lang inne, und erzählt die Vorgeschichte dieser Flucht in die Berge: Es ist ein Ehedrama in der Stadt. Irmgard liest ein Buch über freie Liebe, und gleich darauf lernt sie den Autor kennen: Georg Vanderheit ist philosophischer Gegner der Ehe. Seine Theorie ist ihm wichtiger als seine Erfahrung, und obwohl er Irmgard liebt und sie ein Kind von ihm erwartet, kann und will er sie nicht heiraten. Irmgard löst dieses Dilemma, indem sie John heiratet, der zwar Georgs Zwillingsbruder ist, aber in seinen Eigenschaften eher ein Spiegelbild: John ist impulsiv, besitzergreifend, masslos, und Hans Marr spielt dies auch deutlich aus. Georg zieht sich in die Berge zurück. Er gilt als tot, und das Element Wahrheit in dieser zeitkritischen Geschichte liegt eben in dieser Verwandlung eines Libertins in einen mönchischen Unverstandenen, der sich von einem Wunder erlösen lassen muss. Lang trifft hier zum ersten Mal auf den müden Tod: Die Hand eines Skeletts zieht an einem Totenglöckchen. In den Bergen wird der magische Zusammenhang ganz selbstverständlich genommen, aber Lang ist aufgeklärt genug, zu der entscheidenden Szene eine natürliche Erklärung mitzuliefern: Das Wunder vom ,wandernden Bild" bedarf dann doch der Hebelwirkung, und der Einsiedler fällt zum letzten Mal einer Verblendung zum Opfer. Die Schlussszene spielt in einem Restaurant, in das Georg tritt wie der Idiot der Gesellschaft." (Filmarchiv Austria)
Anmerkungen
"Die Zwangslagen des deutschen Spielfilms der 1920er-Jahre sind hier musterhaft ausgebreitet: Es gibt immer nur eine Option, Konflikte werden sprachlos ausgetragen, und hinter jeder Entscheidung lauert ein Abgrund. Wo keine überstimmung zu erzielen ist oder das Schicksal es befiehlt, da gilt es zu flüchten. Vorzugsweise in zivilisationsfreie Territorien, denn nur dort gibt es die Chance auf Zukunft." (cr, Filmarchiv Austria)

Der Film galt als verschollen, wurde 1985 durch Walther Seidler in der Cineteca von Sao Paolo in Brasilien entdeckt.

Text?Der goldene See (Erstes Abenteuer aus dem Zyklus «Die Spinnen», Die Abenteuer des Kay Hoog), Regie: Fritz Lang,Deutschland - 1919
Produktion: Decla-Film Gesellschaft, Holz & Co., Berlin - Produzent: Erich Pommer - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Fritz Lang - Kamera: Emil Schünemann - Architekt: Heinrich Umlauff - Hermann Warm - Otto Hunte - Carl Ludwig Kirmse - Darsteller: Reiner Steiner Kapitän des Brillantenschiffs - Paul Biensfeldt All-Hab-Mah - Thea Zander Ellen Terry - Edgar Pauly Vierfinger-Joe - Ressel Orla Lio-Sha - Paul Morgan Experte - Rudolf Lettinger John Terry (AKA Bruno Lettinger) - Friedrich Kühne All-Hab-Mah - Georg John Dr. Telphas - Harry Frank All-Hab-Mah - Carl de Vogt Kay Hoog - Lil Dagover Sonnenpriesterin - Hans Lanser-Rudolff -

Kritiken
Der goldene See - Der erste deutsche Abenteurer- und Fortsetzungsfilm «Ein doppeltes Wagnis hatte die Decla mit dem ersten Film des Abenteuer-Zyklus "Die Spinnen" unternommen: zunächst galt es, den Abenteurerfilm in seiner bewussten Beschränkung auf spannende, gut durchdachte Handlung ohne jede literarische Ambition zu bringen. Er musste kommen, mit Naturnotwendigkeit sozusagen, nachdem der erotische Film seine Anziehungskraft so ziemlich verloren und der Detektivfilm auf dem Sterbebett liegt. Der Erfolg, den "DER GOLDENE SEE" (von Fritz Lang) bei seiner Vorführung in den Richard-Oswald-Lichtspielen erzielt hat, beweist, dass der Abenteurerfilm neben dem mystischen Film auf absehbare Zeit den Filmmarkt beherrschen wird. Rückkher zu Karl May und zum guten alten Lederstrumpg, den wir alle einmal als Jungen mit Entzücken verschlungen haben. Aber darüber hinaus noch ein Neues: der erste deutsche Film mit Fortsetzungen, der mit voller Absichtlichkeit nach dem Muster des Kolportage-Romans den Zuschauer in ungeduldiger Erwartûng auf die nächste Fortsetzung zurücklässt und auf diese Fortsetzung mit allen Mitteln hinweist. Auch in dieser Hinsicht ein unbestrittener Erfolg. In den Tempelruinen von Yucatan, wo Nachkommen der alten Inkas ihre uralten Gebräuche bis heute erhalten haben, beginnt die Handlung. Eine Flaschenpost trägt Kunde von diesen dort gefangenen Forschern hinaus ins Weltmeer. Amerikas bester Sportsmann, Kay Hoog, fischt sie auf und beschliesst, die geheimnisvollen Geldschätze aufzusuchen. Schon in der ersten Nacht entwenden vermummte Gestalten ihm die Flaschenpost und die Karte jener Gegend. Der Geheimbund der Spinnen hat die Netze in die Hand genommen. Es beginnt der Kampf zwischen Kay Hoog und der Millinärin Lio Sha, die jenen Geheimbund leitet. In Ballon gelangt der Sportsmann an den goldenen See, rettet die Sonnenpriesterin aus Lebensgefahr und bald auch Lio Sha, die in die Hände der Indianer gefallen ist und die nun geopfert werden soll. Mit Hilfe eines abenteuerlichen Gefährtes entflieht er und die Priesterin, während den Spinnen ihre Goldgier zum Verderben wird. Schon bald bereitet sich zwischen Lio Sha und Kay Hoog der zweite Zusammenstoss vor, der den Kern der ersten Fortsetzung bildet. Überflüssig zu sagen, dass Sensationen von fabelhafter Spannung mit einer unerhörten Ausstattung wetteifern. Sind doch die alten Mayabauten, die Sitten und Kostüme jener Zeit unter Mithilfe hervorragender Gelehrter mit einer Echtheit rekonstruiert worden, wie sie nur deutscher Gründlichkeit möglich ist. Als Hauptdarsteller waren Carl de Vogt, Ressel Orla und Lil Dagover (als Sonnenpriesterin) unübertrefflich. Die Photographie von Emil Schünemann bis auf letzte Kleinigkeiten hervorragend.» (DER FILM, Zeitschrift für die Gesamt-Interessen der Kinematographie, Hauptschriftleiter Dr. jur. Alfred Fiedler, 4. Jahrgang Nr. 41 / 1919, pg 43f) "Der goldene See". «Erstes Abenteuer des Decla-Abenteurerzyklus "Die Spinnen" (Abenteuer des Kay Hoog in bekannten und unbekannten Welten), verfaßt und inszeniert von Fritz Lang. Photographie Emil Schünemann. Decla-Film. Die Decla-Film-Gesellschaft, die vor kurzem mit einem Riesenkapital neu fundiert wurde, beweist auch mit diesem Film, daß sie nicht nur an Kapitalkraft, sondern auch an Leistungsfähigkeit in die erste Reihe der großen Filmgesellschaften einrückt und daß die deutsche Filmindustrie, wie das auch bereits andere Neuerscheinungen der allerletzten Zeit klar bewiesen haben, auf dem Wege ist, Werke zu schaffen, die auch das Ausland interessieren werden. Der Film, der gerade zu den breiten Massen spricht und eine ausgedehnte Verbreitungsmöglichkeit besitzt, ist ein vorzügliches Propagandamittel, und man wird sich im Ausland vor den ausgezeichneten Neuerscheinungen auf dem deutschen Filmmarkt dem Eindruck nicht verschließen können, daß deutsche Tüchtigkeit und Arbeitsfreudigkeit allen Schicksalsschlägen zum Trotz bereits wieder emsig am Werke ist und daß die deutschen noch immer "fixe Kerle" sind. Mit ihrem Abenteurerzyklus hat die Decla-Gesellschaft einen geschickten Griff getan. Sie beabsichtigt mit dieser Serie mit der amerikanischen Filmindustrie, die besonders den Wild-West-Film pflegte, in Konkurrenz zu treten und, nach der ersten Probe zu urteilen, ist ihr das auch mit Erfolg gelungen. Der Film ist außerordentlich spannend und gibt zu tollkühnen Szenen reichlich Gelegenheit. Dazu kommt das interessante Milieu, in das die Handlung verlegt wird; sagenhafte Orte aus der Zeit der Inkas, die im Film zu neuem Leben erstehen. Man ist mit großer Gewissenhaftigkeit dabei zu Werke gegangen und hat eine Autorität auf ethnographischem Gebiet, Herrn Heinrich Umlauff, den Schöpfer und Besitzer des völkerkundlichen Museums in Hamburg, zu Rate gezogen, unter dessen kundiger Leitung Rekonstruktionen von Bauten und Skulpturen aus der Inkazeit entstanden. Auch auf Echtheit der Kostüme wurde besonderer Wert gelegt und die Gebräuche der alten Inkas, besonders der Sonnenkult, wirkungsvoll veranschaulicht. Hierdurch bekommt die ganze Vorführung auch einen gewissen erzieherischen Wert. Wundervoll wirkten zum Teil auch die exotischen Landschaftsbilder, und man muß auch hier die Kunst des Regisseurs bewundern, wenn man bedenkt, daß alle diese Aufnahmen im Inland gemacht wurden. Karl de Vogt vom Berliner Schauspielhaus verkörperte ausgezeichnet den Abenteurertyp des Kay Haag [!]. Er ist in allen Künsten bewandert, reitet wie ein Cowboy, schwimmt, klettert mit großer Kühnheit und Gewandtheit und fingiert sogar einen Absturz mit dem Fallschirm aus dem Korb eines Luftballons, den er zuvor tollkühn am Seil erklettert hat, als der Ballon bereits im Aufstieg begriffen ist. Ihm ebenbürtig in Spiel und Gewandtheit ist Ressel Orla, sowohl als elegante amerikanische Sportlady und Millionärin, wie als gewagte Abenteuerin und Oberhaupt der "Spinnen", jenes Geheimbundes, der der Serie den Namen gibt. Lil Dagover war, bekleidet und unbekleidet, eine reizende Sonnenpriesterin, Georg John gab, originell in Spiel und Maske, den Dr. Telphas. Auch alle anderen Mitwirkenden sind lobend zu erwähnen. Prächtig waren die Typen der beiden alten Inkapriester, besonders der eine, ein wahres Adlergesicht, im Profil wie gemeißelt. Die Regie gab zum Teil packende Bilder, am wirkungsvollsten das Bild der Höhle unter dem goldenen See, mit den alten Goldschätzen der Inkas und die darin erfolgende Explosionskatastrophe, bei der die ganze Abenteurergesellschaft den Tod findet, teils durch Einstürzen der Gewölbe, teils durch hereinbrechende Wasserfluten. Den Inhalt der Handlung, die überaus lebhaft, vielseitig und wechselvoll ist, kann man mit wenigen Worten nicht andeuten. Leider war die Szenenfolge zu Beginn etwas sprunghaft, so daß der Zusammenhang schwer zu erfassen war. Im Verlauf des Spiels findet dann aber ein etwas engerer Zusammenschluß statt. Alles in allem ein Film, der auch ein sehr verwöhntes Publikum befriedigen kann. Mit Stolz darf die heimische Industrie auf dieses Filmwerk blicken, mit Neid wird das Ausland unseren Filmaufschwung an dieser Schöpfung anerkennen müssen.» (L.B. [= Ludwig Brauner], Der Kinematograph, 13.Jg., Nr. 666, 8.10.1919, pg 26 und 29) "Der goldene See" Seitdem es eine deutsche Filmindustrie gibt, bemüht man sich, dem sogenannten Abenteurerfilm, der in Amerika einen großen, wenn nicht den größten Teil der gesamten Produktion umfaßt, eine unserem, mehr auf das darstellerische Moment gestützten Empfinden angepaßte Form zu geben, sozusagen ihn aus dem Amerikanischen ins Deutsche zu übersetzen. Wenn dies bisher nicht gelungen ist, so war hauptsächlich das fehlende landschaftliche Milieu daran schuld, das keine Möglichkeiten von Abwechslung, Romantik und Exotik bot. Erst als die Decla sich die formenreiche, durch die Anlage für solche Zwecke geradezu ideale Landschaft des Hagenbeck'schen Tierparkes in Stellingen sicherte, war mit einem Schlage die letzte Schwierigkeit behoben. Wenn man die Bilder des Abenteurerfilms "Der goldene See", den unsere Leser aus der Romanbearbeitung kennen, vor sich abrollen sieht, dann wird der Eindruck der exotischen Gegend so restlos erweckt, wie man es innerhalb der Grenzen Deutschlands kaum für möglich gehalten hätte. Und daß dieser neue Weg so vollkommen zum Ziele führen konnte, ist ein Verdienst des Regisseurs Fritz Lang, der die natürlichen und künstlichen Mittel, die ihm gegeben waren zu Szenen von unerhört packender, lebendiger Wirkung zu nützen verstand. Der Kampf um das Gold etwa und der Wassereinbruch in die unterirdische Höhle gehört zu jenen Bildern, deren Ausdruckskraft lange in Erinnerung bleibt. Das wesentliche Merkmal, das diesen Film von anderen seiner Art unterscheidet, ist das starke Hervortreten des schauspielerischen Elementes in Verbindung mit der für den Abenteurerfilm unerläßlichen Reihe von Sensationen. Und hier standen drei künstlerische Persönlichkeiten dem Regisseur zur Verfügung, die für ihre Aufgaben wie geschaffen scheinen. Vor allem die männlich aufrechte Energie und die elastische Spannkraft Karl de Vogts, die der Figur des Abenteurers vollendete Gestalt gibt. Er hat Momente von hinreißender Ausdrucksfähigkeit. Nur für die Schlußszene hätte man ein wenig mehr Innerlichkeit gewünscht. Aber das ist nur ein kleiner Schönheitsfehler gegenüber der prächtigen Gesamtleistung. Ressel Orla ist seine Gegenspielerin. Hart, trotzig, voll elementarer Leidenschaftlichkeit. Wenn sie in heftigem Aufwallen den Kopf mit einem Ruck emporwirft, so liegt darin mehr als bei vielen anderen in einer ganz ausgespielten Szene. Ihre Augen und das Muskelspiel des Gesichtes haben außerordentliche mimische Bedeutung. Lil Dagover bildet zu ihr den denkbar größten Gegensatz. Sie ist ganz weiche, schmiegsame Anmut, weiblich Hingebung und unschuldsvolle Lieblichkeit. Ihre Angst, ihr namenloses Entsetzen und ihr kindliches Vertrauen erwecken stärkstes Mitempfinden. Dazu kommt noch die am tänzerischen geschulte Liniengebung ihrer Körperbewegungen, die in jedem Augenblick von schönster Bildhaftigkeit sind, ohne darum an lebendiger Natur zu verlieren. Ihnen schloß sich mit bestem Gelingen Georg John an. In zwei Episodenrollen zeigte Paul Morgan seine vielseitige, komische Gestaltungsgabe. Das Publikum folgte den interessanten, mitunter zu atemberaubenden Momenten gesteigerten Vorgängen, die von Anfang bis zum Ende ein straffes, rasches Tempo einhalten, mit gespannter Aufmerksamkeit und lohnte viele der wirkungsvoll gestellten Bilder durch lauten, spontanen Beifall.» (Dr. I.B. Film-Kurier, Nr. 104, 5.10.1919) "Die "Decla" hat den ersten Film ihrer "Spinnen"-Serie, das 5aktige Drama "Der goldene See" in einer Presse-Vorführung uns gezeigt, und uns ganz außerordentlich überrascht! Was Fritz Lang uns da bietet, ist eine eingehende Fülle märchenhafter Wunder und Großartigkeiten, die ungemein glücklich in eine spannende, aufregende Handlung gebaut und verwoben sind, so daß unser Interesse fort und fort wach erhalten wird. Die Sensationen, die an die Nerven der Zuschauer starke Zumutungen stellen, sind so diskret angewandt, so selbstverständlich und natürlich, daß man keinen Augenblick empfinden kann, sie seien absichtlich gemacht, vielmehr wachsen sie organisch und logisch aus der Handlung heraus und sind ein richtiger Bestandteil dieser. Dazu eine blendende, reiche, luxuriöse Aufmachung und Ausstattung von fabelhafter, wirklich großzügiger Prachtentfaltung. Die einzelnen Bilder überbieten sich an blendender Schönheit und an seltsamem, fremdem Reiz, der manchmal bezwingende Formen annimmt. Die Regie hat mit feinstem, abwägendem Verständnis und mit sicherem Blick für echte Kinowirksamkeit diese Bilder sorgsam ausgefeilt und in der Handlung Steigerungen durchgeführt, die dramaturgisch als außerordentlich glücklich bezeichnet werden können. Leider hält die Darstellung nicht überall gleichen Schritt. Carl de Vogt in der männlichen Hauptrolle ist sehr gut in jenen Momenten, da sein kühles Temperament, seine Ueberlegenheit, zum Ausdruck kommen soll; in stärker pulsierenden Szenen, wie z.B. am Schlusse, da er Naela als Leiche findet, könnte stärkerer Gefühlsausbruch sicherlich nicht schaden, wäre auch menschlich begreiflich und natürlich. Frl. Ressel Orla, die doch nach Berliner Urteilen zu den vielen Stars zählt, hätte ebenfalls so manches ganz anders anpacken und durchführen müssen. Die Herrschaften können sich so schwer, so furchtbar schwer vom "Theater" freimachen und wenn sie posieren, glauben sie zu "spielen". Im Film soll man aber weder spielen noch posieren, sondern einzig und allein wahr sein, das Leben darstellen! - Die technische Ausführung des Films ist tadellos, nach jeder Richtung hin vollendet und sorgsamst durchgearbeitet. - » (Quelle: Der Kinematograph, 13.Jg., Nr.665, 1.10.1919, pg 37) "Der goldene See". «Die Decla-Film-Gesellschaft führte in einer Presseaufführung ihren Fritz Langschen Film "Der goldene See" vor, der als erster der "Spinnen"-Serie die seltsamen und wunderbaren Abenteuer des amerikanischen Millionärs Kay Hoog (von Carl de Vogt dargestellt) verbildlicht. Die fünf Akte des "Goldenen Sees" stellen an Regie, Darstellung und Ausstattung wie nicht minder an den Operateur kaum zu bewältigende Aufgaben, - aber sie werden restlos gelöst, in großem und überlegenem Stil. Man sieht, die "Decla" hat weder Mühen noch Kosten gescheut, etwas Großes und Überragendes zu schaffen und das ist ihr vollauf gelungen. Es würde wahrlich viel zu weit führen, wollten wir auf Einzelheiten eingehen: diese türmen sich vielmehr in so reichem Maße, daß unser Auge fortwährend gefesselt ist und unsere Anteilnahme wie unser Interesse keine Sekunde erlahmen. Dabei eine wahrhaft prachtvolle Ausstattung, - bis ins letzte und kleinste Detail sorgsamst abgewogen, stilecht, vornehm und gediegen. Es geht ein Zug von Größe durch dieses Werk. Die Handlung, in der Hauptsache auf dem Wesen des Detektivfilms basierend, es aber ablehnend, Detektivs auftreten zu lassen oder sich nach dieser Richtung hin zu entwickeln, neigt viel eher zum Gesellschaftsfilm mit sensationellem Anstrich, der aber diskret durchgeführt ist, so daß schließlich die Sensationen nicht als solche erscheinen, sondern als organische und selbstverständliche Begleiterscheinungen all der logisch sich entwickelnden Geschehnisse. Erst aus ihrem inneren Zusammenhang heraus wachsen die mächtigen, rätselhaften - übrigens sehr bald geklärten - Eigenheiten, die bis zum tragischen Ende führen. Die Darstellung war vortrefflich. Freilich hätte ich am Schlusse, da Kay Hoog seine geliebte Naëla (Lil Dagover) als Leiche findet, etwas mehr seelische Erschütterung gewünscht. Die furchtbare Entdeckung kam in seinem Spiel so wenig zum Ausdruck, und der Kummer darüber ebenso. Auch Ressel Orla hat viele Momente gehabt, die stärker, schärfer und präziser hätten herausgearbeitet werden müssen.» (O.G. Film-Kurier Nr. 100, 1.10.1919)

Text?Der müde Tod (Ein deutsches Volkslied in 6 Versen), Regie: Fritz Lang,Deutschland - 1921
Produktion: Decla-Bioscop AG., Berlin - Produzent: Erich Pommer - Regisseur: Fritz Lang - Regieassistent: Alfred Zeisler - Drehbuch: Thea von Harbou - Fritz Lang - Kamera: Erich Nietzschmann - Fritz Arno Wagner - Kamera Assistent: Bruno Mondi - Musik: Giuseppe Becce - Karl-Ernst Sasse (Neue Musik) - Schnitt: Fritz Lang - Architekt: Hermann Warm - Walter Röhrig - Robert Herlth - Darsteller: Hans Sternberg Bürgermeister - Edgar Pauly - Walter Janssen Der junge Mann / Franke / Francesco / Liang - Louis Brody Mohr (AKA Lewis Brody) - Karl Huszar-Puffy Der Kaiser (AKA Karl Huszar) - Paul Biensfeldt Ahi - Paul Neumann - Karl Platen - Edgar Klitzsch Der Arzt - Bernhard Goetzke Der Tod / El Mot / Bogner - Lil Dagover Die junge Frau / Zobeide / Fiametta / Tiaotsien - Rudolf Klein-Rogge Derwisch / Girolamo - Erika Unruh - Eduard von Winterstein Der Kalif - Max Adalbert Notar / Schatzmeister - Carl Rückert - Wilhelm Diegelmann - Erich Pabst Lehrer - Hermann Picha - Lothar Müthel Vertrauter - Paul Rehkopf - Max Pfeiffer - Georg John Bettler - Grete Berger - Lydia Potechina - Lina Paulsen -

Inhaltsangabe
Ein geheimnisvoller Fremder, niemand geringerer als der Tod (Bernhard Goetzke), nimmt einer jungen Frau (Lil Dagover) den Geliebten. In ihrer Überzeugung, dass die Liebe stärker sei als der Tod, fordert die Frau den Geliebten (Walter Jansen) zurück. In einem Meer von flackernden Kerzen, Millionen von sprichwörtlichen Lebenslichtern, wird ihr der Wunsch gewährt, jedoch nur unter der Bedingung, dass es ihr gelänge, drei der Flammen am Erlöschen zu hindern.
In drei Episoden, die im Bagdad der Kalifen, im Venedig der Renaissance und im alten China spielen, verwebt der Film nun diese Aufgabe mit dem Kampf junger Frauen um die Leben ihrer Verlobten. Doch keine der Flammen überdauert die ihr zugestandene Zeit, und so geht die Frau schließlich auf ein letztes unmögliches Angebot des Todes ein.. (3Sat Presse)
Kritiken
«Der müde Tod» - ein deutsches Volkslied
Es liegt ein Städtchen irgendwo
Im Tale traumversunken,
Derein zogen liebestrunken
Zwei Menschen jung und lebensfroh.
Doch von den Bäumen allen
Die goldnen Blätter fallen
Wie Tränen dicht im Abendrot...
Am Kreuzweg, wo schon viel geschah,
Steht ihrer wartend, schweigsam da
Der Tod...

Die Eingangsworte zu dem prächtigen Film, durch den sich die Poesie wie eim goldenes Band schlängelt. Das zarte Sommerlaub fällt von den Bäumen. Der umbarmherzige Tod schreitet über die Erde. Wie der Wirbelwind das dürre Laub von den Bäumen reisst, so zerstört der Tod ein junges Liebesglück, indem er den Geliebten der Braut entreisst. Annemarie will das hohe Lied der Liebe erproben, weil Liebe stärker ist als der Tod. Silbernes Mondlicht über der schlafenden Stadt. Der Nachtruf von der elften Stunde schleicht durch die Strassen. Da hebt die trauernde Braut den Giftbecher zum Munde - im selben Augenblick steht sie vor der Mauer des Todes, durch die ihr Geliebter verschwunden ist. Die hohe Pforte öffnet sich vor ihr. er Tod selbst empfängt sie, führt sie in sein Reich, in dem Tausende von Lebenslichtern flackern. Ihr Flehen erweicht das Herz des Todes. Er führt sie zu drei Lichtern. Gelingt es ihr, eine dieser Kerzen vor dem Erlöschen zu bewahren, so soll sie den Geliebten wiedergeschenkt bekommen. So erlebt Annemarie die phantastische Geschichte der drei Lichte. Das Reich von Tausendundeiner Nacht ersteht und enthüllt die ganze Pracht des Orients. Der tosende Karneval der italienischen Renaissance, in dem die schönste Frau Venedigs, Monna Fiametta, entzückende Bilder stellt. Der chinesische Märchenteil ist hier ganz auf Zauberkünste und plastische Phantastik eingestellt. Der Kerzen verlöschen.
Im Kampfe siegreich blieb der Tod...
Jedoch des Schicksals Wende
Legt er in ihre Hände
Noch einmal lächelnd ihrer Not...

Bringt sie ihm in einer Stunde ein Menschenleben, das sie gegen das ihres Geliebten eintauschen kann, dann soll ihr Wunsch in Erfüllung gehen. Sie irrt durch die Nacht. Ein Hoffnungsstrahl belebt sie. Im Siechenhaus gibt es viele müde Seelen, die darauf warten, von der Erbärmlichkeit dieses Lebens befreit zu werden. Vom zähen Lebenswillen erfüllt, fahren sie verstört auseinander, als Annemarie mit der Bitte um ein Menschenleben unter sie tritt. Bei der hastigen Flucht fällt eine Kerze aus dem Leuchter. Das morsche Gebälk wird ein Raub der Flammen. Das Wimmern eines Kindes dringt aus der Feuersbrunst an Annemaries Ohr. Das ist ja das Leben, das sie dem Tod bringen will. Sie stürzt hinauf, hält das Kind in den Armen. Der Tod steht vor ihr. Sie will ihm das Kind überreichen, als das Klagen der Mutter zu ihr hinaufdringt. Um diesen Preis kann sie den Tod nicht überwinden, sie gibt ihm ihr eigenes Leben, denn ohne den Geliebten ist es ihr weniger als nichts.
Dieser Film fällt vollkommen aus dem Rahmen seinesgleichen. Er geht seinen eigenen Weg. Ohne Mühe wird er sich die Welt erobern. Jeder Vers, jedes Bild ein Trick, das dem Ganzen ein edles, erhabenes Gesicht verleiht. Mit einem Wort: Er ist etwas Neues, nie Dagewesenes. Die Handlung, die auf so fester Basis ruht, die raffinierte Technik, die vorzüglichen Aufnahmen, das vollkommene Aufgehen des ganzen Künstlerstabes in der Aufgabe, machen den Film zu einem sehenswerten Kunststück. Wird die künstige Filmarbeit auf diesem Wege fortgesetzt, so kann man mit Recht sagen, dass der Film in den Wehen einer neuen, zukunfstreichen Geburt liegt. Lil Dagover spielt die Hauptrolle. Ihre faszinierende Schönheit, ihr hingebungsvolles Spiel geben dem Film eine besondere Tönung. Sie erscheint wie ein funkelndes Juwel in weichem Sammetetui. Ebenso versteht es Bernhard Goetzke als der Tod, seine Rolle vollkommen als ein inneres Erleben wiederzugeben. Auch das Spiel der übrigen Künstler passt sich ganz der künstlerischen Darstellung der Hauptkräft an.» (K.H., Der Welt-Film, Nr. 10/11, Jahrgang 1921, 5.Nov. 1921, pg 204f)


«Das Leben und der Tod sind in diesem Film nicht durch einen Schnitt getrennt, sondern durch überblendungen. Es geht um die Durchlässigkeit einer unhintergehbaren Ordnung, für die ein Haus steht, das ein geheimnisvoller Mann auf dem Gottesacker eines altdeutschen Dorfs errichtet. Es hat keinen Ausgang und keinen Eingang, und die Mauer ist grösser als der Bildausschnitt. Die Geschichte spielt ,irgendwo und irgendwann", der Untertitel weist sie als ,ein deutsches Volkslied in sechs Versen" aus. Der einzige Hinweis auf die Gegenwart liegt im Titel: Es ist schwer vorstellbar, dass 1920 nicht auch der gerade überstandene Krieg gemeint war, wenn von der Müdigkeit des Todes die Rede war, und ein langer Zug von Schemenmenschen, die durch die Mauer ins Totenreich wandern, erinnert sehr unmittelbar an die Verdammten des Krieges. Aber das ist nur ein Nebenaspekt und bleibt auf die Rahmenhandlung beschränkt, denn Lang geht es hier in erster Linie darum, die Möglichkeiten seiner Kunst in eine enzyklopädische Form zu kleiden: Deswegen enthält DER MüDE TOD drei Geschichten von der Vergeblichkeit des Einspruchs gegen den Tod, aus dem arabischen Orient, aus der Renaissance und aus China. In der Rahmenhandlung übernehmen die Zwischentitel die Funktion eines Conferenciers, er stellt die Personen der Handlung vor, und von Beginn an sind die junge Frau und ihr Freund, zu denen sich ein unbekannter Begleiter gesellt, in einer eigenen Welt, obwohl am Nebentisch im Gasthaus die örtlichen Philister ihren Dämmerschoppen trinken. Auf dem Tisch steht ein Glas, in einer Vision sieht das Mädchen darin plötzlich eine Sanduhr, und wenig später ist ihr Liebster einfach verschwunden. Sein Platz ist leer, und das Mädchen muss in das Haus des Todes pilgern, um Gewissheit zu bekommen. Um 11 Uhr wird die Zeit angehalten, jetzt wird die allegorische Lektion des Films konkret in drei Geschichten, die zum Teil sehr direkt an die Abenteuerwelt aus DIE SPINNEN anschliessen, viele Schauwerte und Spezialeffekte bieten, aber immer auf die gleiche Konsequenz hinauslaufen: Gegen den Tod gibt es keinen Einspruch, wer ihn hintergehen will, läuft ihm in die Arme. Bernhard Goetzke, der den Tod spielt, taucht in verschiedenen Verkleidungen auf. Am Ende bleibt das Bild der Kerze: Wenn sie niedergebrannt ist, schliesst der Tod seine Finger um den Docht. Die Möglichkeit des Mädchens, hinter die Kulissen dieser Ordnung zu blicken, erweisen umso stärker deren Gültigkeit. Die Melancholie dieses Films liegt in seiner Lust an den übergängen, die immer nur symbolisch sind, während die Uhr einfach jede Stunde schlägt.» (Filmarchiv Austria)

Text?Der Tiger von Eschnapur Regie: Fritz Lang,Deutschland, Italien, Frankreich - 1958
Produktion: Rizzoli Film s.p.a., Roma - Regina S.A., Paris - CCC-Filmkunst Berlin - Critérion Film - Produzent: Artur Brauner - Regisseur: Fritz Lang - Regieassistent: Frank Winterstein - Eva Ebner (/xx/) - Drehbuch: Werner Jörg Lüddecke - Nach einer Vorlage von: Thea von Harbou novel - Kamera: Richard Angst - Musik: Michel Michelet - Gerhard Becker - Schnitt: Walter Wischniewsky - Architekt: Helmut Nentwig - Willy Schatz (AKA Willi Schatz) - Kostümbild: Claudia Hahne-Herberg (AKA Claudia Herberg) - Darsteller: Sabine Bethmann Irene Rhode - René Deltgen Prince Ramigani - Helmut Hildebrand Ramigani's servant - Jochen Blume Asagara - the Engineer - Richard Lauffen Bhowana - Jochen Brockmann Padhu - Ramigani's ally - Claus Holm Dr. Walter Rhode - Walther Reyer Maharadjaj Chandra - Paul Hubschmid Harald Berger / Henri Mercier - Valerian Inkizhinov Yama (AKA Inkijinoff) - Debra Paget Seetha the Sheeva dancer - Luciana Paoluzzi Bharani - Seetha's servant -

Inhaltsangabe
Der deutsche Architekt Harald Berger (Paul Hubschmid) reist ins indische Fürstentum Eschnapur, um für den Maharadscha Chandra (Walter Reyer) Krankenhäuser und Schulen zu errichten. Auf dem Weg durch den Dschungel rettet er die geheimnisvolle Seetha (Debra Paget) vor einem gefürchteten Tiger. Dabei verliebt er sich in die schöne Inderin, nicht ahnend, dass sie die Auserwählte seines verwitweten Auftraggebers ist. Die nicht standesgemäßen Heiratspläne des Herrschers, der eine Tänzerin zur Nachfolgerin der verstorbenen Maharani machen will, rufen die Empörung der Priesterschaft hervor. Fürst Ramigani (René Deltgen), Chandras intriganter Bruder, will den Aufstand nutzen, um die Macht zu ergreifen. Während die Revolte sich zuspitzt, findet Chandra heraus, dass Berger sich heimlich mit Seetha trifft. Der eifersüchtige Fürst wirft seinen Nebenbuhler einem Tiger zu Fraß vor, doch Berger besiegt die blutrünstige Bestie und flieht gemeinsam mit Seetha. Während die beiden in einen mörderischen Sandsturm geraten, trifft Bergers Chef Dr. Walter Rhode (Claus Holm) in Eschnapur ein. Der Maharadscha erteilt ihm den Auftrag zum Bau eines prächtigen Grabmals für seine große Liebe. Seetha ist aber noch am Leben. (ARD Presse)
Anmerkungen
"Hintergrundinformationen:
Drehbuch nach einem Roman von Thea von Harbou

Der aufwendig ausgestattete Abenteuerfilm, den Altmeister Fritz Lang während seiner kurzzeitigen Rückkehr aus Hollywood 1958 in Deutschland realisierte, basiert auf einem Buch von Thea von Harbou. Es ist nach Joe Mays Erstverfilmung aus dem Jahre 1921 und Richard Eichbergs Remake von 1938 die dritte Verfilmung des exotisch-romantischen Stoffes.

Nach seinem 1919 entstandenen Regiedebüt 'Halbblut' drehte Fritz Lang in den darauf folgenden Jahren eine Reihe von Filmen, die unerreichte Klassiker geworden sind: Die Stummfilme 'Der müde Tod' (1921), 'Die Nibelungen: Siegfrieds Tod' und 'Kriemhilds Rache' (1923/24) sowie den frühen Science-Fiction-Film 'Metropolis' (1927), seinen ersten Tonfilm 'M - Eine Stadt sucht einen Mörder' (1931) und 'Das Testament des Dr. Mabuse' (1932). Im April 1933 trennte sich Lang von seiner ersten Frau, der Schriftstellerin Thea von Harbou, und verliess das nationalsozialistische Deutschland. In den USA entstand der überwiegende Teil von Langs Werk, darunter auch der berühmte Anti-Nazi-Film 'Auch Henker sterben' ('Hangmen also Die', 1943), an dessen Drehbuch Bertolt Brecht mitschrieb." (Arte Presse)

"Harald Bergers Abenteuer in Indien. Er wurde eingeladen, um die Infrastruktur in dem Fürstentum Eschnapur zu modernisieren, aber er ist sofort in die Exotik des Schauplatzes verstrickt. Als er einer Prinzessin das Leben rettet, sieht diese in der Heldentat ein Wunder: „Zwei Tiger haben hier gegeneinander gekämpft." Der Maharadscha hat einen Architekten ins Land geholt, und einen Nebenbuhler bekommen. Enno Patalas schrieb 1959 in der Filmkritik: „Langs deutsches Comeback wirkt wie das eines Veteranen, der dreissig Jahre kein Filmstudio besucht, kein Drehbuch in der Hand gehabt hat und keinen Film gesehen hat: dramaturgisches Ungeschick, künstlerische Indifferenz und schlechter Geschmack vereinen sich in ihm wie sonst nur bei Veit Harlan. Selbst die Möglichkeit des Abenteuerlichen, von denen die früheren Verfilmungen des Stoffes, durch May und Eichberg, einen Schatten enthielten, lässt Lang ungenutzt. Über abgebrochenen Motiven und nichtssagenden Einstellungen macht sich ein blumiger Dialog breit, wie man ihn ähnlich nur aus frühester Stummfilmzeit kennt, als man dergleichen gereimt, efeu-umrankt und rosa-koloriert im Zwischentitel zeigte. Nur wenn die Leprakranken im graugrünen Kellergelass langsam auf die vom Helden geöffnete Tür zurobben und ihre Körper dabei ein symmetrisches Ornament formen, zeigt sich der Lang von NIBELUNGEN und METROPOLIS - wenn auch karikiert. Statt die fatale Ideologie des alten Drehbuchs durch die Phantastik des abenteuerlichen Geschehens zu verdrängen, paralysiert Lang alle Spannung zugunsten west-östlichen Pseudo-Tiefsinns. Das Resultat sieht so aus, dass die Helden in vier Kategorien zerfallen: Erstens reinrassige Europäer, die prinzipiell gut, zweitens reinrassige Inder (Asiaten), die prinzipiell schlecht sind, drittens eurasische Mischlinge, deren Güte sich schliesslich erweist, und viertens europäisch erzogene Inder, deren Schlechtigkeit sich später herausstellt (das „Blut", die „Rasse", ist eben stärker als alle Erziehung!). So bedeutet DER TIGER VON ESCHNAPUR (Fortsetzung folgt!) den posthumen Sieg der Thea von Harbou, dieser ewigen Frauenschaftsführerin des deutschen Films, über den Emigranten Lang." Tatsächlich ist der TIGER VON ESCHNAPUR eine Rückkehr zu den Anfängen Langs, zur Exotik von HARAKIRI, und zu einer Identitätspolitik, die seit METROPOLIS nichts gelernt hat. Man konnte diesen Film vielleicht nur aus der Distanz lieben, wie es die Franzosen taten, die in diesem Farbenprospekt mit Götterhimmel eine Radikalisierung der Lang’schen Abstraktionen sahen, für deren Charakter es damals den Begriff Camp noch nicht gab." (Filmarchiv Austria)

Text?Die Frau im Mond Regie: Fritz Lang,Deutschland - 1929
Produktion: Universum-Film AG (UFA), Berlin - Fritz Lang Film - Produzent: Fritz Lang - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Thea von Harbou - Fritz Lang - Kamera: Oskar Fischinger - Otto Kanturek - Musik: Willy Schmidt-Gentner - Architekt: Emil Hasler - Karl Vollbrecht - Otto Hunte - Darsteller: Gerhard Dammann Werkmeister der Helius-Flugwerften - Heinrich Gotho Mieter vom 2. Stock - Edgar Pauly Eindeutige Existenz - Alfred Loretto Eindeutige Existenz - Karl Platen Mann am Mikrofon - Alexa von Porembsky Veilchenverkäuferin - Max Maximilian Helius' Chauffeur Grotjan - Margarete Kupfer Helius' Haushälterin Hippolt - Mahmud Terja-Bey Gehirn und Scheckbuch - Max Zilzer Gehirn und Scheckbuch - Gerda Maurus Astronomiestudentin Friede Velten - Klaus Pohl Prof. Georg Manfeldt - Fritz Rasp - Gustl Stark-Gstettenbaur Gustav - Gustav von Wangenheim Ingenieur Hans Windegger - Willy Fritsch Wolf Helius - Tilla Durieux Gehirn und Scheckbuch - Hermann Vallentin Gehirn und Scheckbuch - Julius E. Herrmann -

Inhaltsangabe
Der Mondexperte Professor Georg Manfeldt ist sich sicher: Auf dem Mond gibt es nicht nur Wasser und Sauerstoff, sondern auch jede Menge Gold. Doch von seinen Kollegen wird er nur belächelt. Sein größter Traum ist es, eine Mondexpedition durchführen, um endlich seine Theorie beweisen zu können. Der Raumfahrtingenieur Wolf Helius teilt Manfeldts Traum. Er arbeitet bereits auf vollen Touren mit dem Ingenieur Windegger und dessen Verlobten, der Astronomiestudentin Friede, an einem imposanten Raketenraumschiff für die erste Fahrt zum Mond. Als Manfeldt und seine zwei Gefährten, die beide in Friede verliebt sind, endlich zum Mond aufbrechen, schleicht sich nicht nur der kleine Gustav als blinder Passagier an Bord. Auch ein Agent des Finanzsyndikats, das die Goldwirtschaft der Erde kontrolliert, erpresst seinen Mitflug. Nach der Landung bewahrheitet sich Manfeldts Theorie - mit dem Ergebnis, dass ein tödlicher Kampf um das Gold ausbricht. Als dabei das Raumschiff beschädigt und der Sauerstoff für die Rückfahrt knapp wird, muss Friede eine folgenschwere Entscheidung treffen... (arte Presse)
Kritiken
Frau im Mond Der alte stumme Film hat einen großen unbestrittenen Sieg errungen. Die "Frau im Mond" steht begründet in der deutschen Filmgeschichte in der vordersten Reihe und wird ohne jede Frage, was an dieser Stelle vielleicht am stärksten zu betonen ist, sich in die Reihe der Kassenrekorde, in die Reihe der Millionenfilme rücken. Es ist ein echter Fritz-Lang-Film. Eine wundervolle Mischung von Phantasie, technischer Vollendung und starker Dramatik. Ein Stück Detektiv-Film, Geschichte einer großen, reifen und ernsten Liebe, Realisierung eines der kühnsten Träume der ernsten Forscher. Wäre dieser Film vor zehn oder fünfzehn Jahren erschienen, hätte man gelächelt, hätte die Fahrt nach dem Mond vielleicht so beurteilt wie die Zeitgenossen Jules Vernes seine Romane. Aber heute haben wir darüber anders denken gelernt. Wir sehen und hören in die Ferne. Ernste Männer der Wissenschaft halten es für möglich, daß in zwei, drei Jahren tatsächlich, von Raketenkraft getrieben, Menschen zum Mond aufsteigen, um zu forschen, um zu berichten. Dieser Professor Georg Manfeldt, von Klaus Pohl vielleicht mit etwas Übertreibung dargestellt, wird heute nicht mehr verlacht, findet heute nicht Hohn, sondern Unterstützung. Genau so wie die Ufa diesem grandiosen Spiel nun das ernste wissenschaftliche Experiment folgen läßt, das eine Rakete mit Registrierapparaten demnächst wenigstens 50 Kilometer in die Höhe rasen läßt. Aber nicht die Idee, die in diesem Film wohnt, nimmt allein gefangen, man steht bewundernd und erschüttert vor einer hohen Leistung kinematographischer Technik, vor einer unerhörten, überraschenden Vollendung der Illusionstechnik, vor Höhenleistungen der Kamerakunst und vor einer vollendeten Zusammenarbeit zwischen Arbeit und Wissenschaft. (...) Man bedauert seit langem das erstemal nicht, daß Millionen in ein Filmwerk gesteckt wurden. Weil hier wirklich ein Standardwerk vor uns abrollt, das erneut in der Welt verkündet, daß wir im Film ein gewichtiges Wort mitzusprechen haben. Ein Standardwerk, das außerdem verkündet, daß der stumme Film noch lange nicht tot ist. Daß es Dinge zwischen Western und Tobis gibt, von denen sich die Electro-Trustleute nichts träumen lassen wollen. Eine kleine, wichtige filmhistorische Feststellung. Der Rundfunk überträgt zum erstenmal eine große Premiere. Erst Schilderung des grandiosen Bildes vor dem Theater. Kurze Skizzierung der ausgezeichneten Außenausstattung, die Rudi Feld entwarf. Dann ein Stimmungsbild von dem eleganten Publikum, das die weiten Hallen füllt. Kurz vor dem Anfang Interviews mit Fritz Lang, Thea von Harbou, Willi Fritsch und Gerda Maurus, ähnlich wie damals bei Henny Porten. Die Schauspieler wissen nicht viel zu sagen. Sind reichlich nervös und aufgeregt oder tun wenigstens so. Dann ein Blick aus der Prominentenloge in den großen gefüllten Saal und schließlich Übermittlung der einleitenden Musik, die Schmidt-Gentner zusammenstellte und dirigierte. (...) Kinematograph, Nr. 242, 16.10.1929
Anmerkungen
"Ein Science-Fiction-Abenteuer, das nicht zufällig in der historischen Nachbarschaft zu METROPOLIS seinen Ort hat: Hier wird das technische Großprojekt selbst zum Thema, und die Interessen bündeln sich in einem Unternehmen, bei dem sich Konkurrenz verbietet - es müssen also die verschiedenen Fraktionen in eine Raketenbesatzung integriert werden. Das führt zu komplizierten Manipulationen, wie Thomas Elaesser beschreibt: „In DIE FRAU IM MOND etwa instrumentalisiert der Bösewicht (gespielt von Fritz Rasp) für seine Pläne die Ambition des Wissenschaftlers, der erste Mann auf dem Mond zu sein; der Wissenschaftler beutet seinerseits das Unglück von Helius aus, der auf die Loyalität und das Pflichtgefühl von Friede angewiesen ist, die sich wiederum auf die Eifersucht ihres Verlobten verlassen kann: Das Leitmotiv hinter der Reise zum Mond wird somit zu einer Verschachtelung verschiedener Motivationen, von denen jede Einzelne bis zu einem Punkt verdinglicht ist, an dem sie als kalkulierbare Variante in der technisch-technologischen Operation der Mondlandung berechenbar wird. Die menschlichen Akteure werden zu reinen Prothesen der Apparatur, nur hängt ihnen ein gewisser Risikofaktor an, der für den Zuschauer Spannung erzeugt, den die überlegene Macht des Bösewichts jedoch lediglich wie eine logistische oder technische Aufgabenstellung zu verwalten hat." Elsaesser nennt diese Struktur „zynisches Plotting", es trainiert das Publikum in seiner „Flexibilität von Wissen und Glauben", um „gleichzeitig mit sich widersprechenden Hypothesen jonglieren zu können". In der Figur des Jungen, der sich als blinder Passagier in die Rakete schmuggelt und sich dort als Experte aus dem Geist der zeitgenössischen Trivialliteratur zu erkennen gibt, kommt aber auch eine gegenläufige Bewegung zum Tragen: Sie unterliegt jedoch am Ende, wenn der Junge zu einem kleinen Ingenieur geworden ist, und die mythologischen Anteile der Mondbegeisterung völlig verloren gegangen sind. Lang arbeitet mit Skizzen und Diagrammen, die Startvorbereitungen sind eine große Liturgie des technischen Zeitalters, der das Publikum von einer Empore in großer Entfernung aus zusieht. Die Mondexpedition wird von einer imaginären Globalgesellschaft getragen, deren gemeinsamer Nenner das Unternehmerische an sich ist: Wissenschaft und Wirtschaft integrieren sich zu einer Welttechnik, die am Ende das Liebespaar aus ihrer Ordnung verdrängt, den Jungen aber zu einem Pfadfinder der neuen Zeit macht. Und Lang hat ein Ende, wie er es schätzt: Die Liebe erfüllt sich im Tod. " (Filmarchiv Austria) Hintergrundinformationen: Viele der utopischen Vorstellungen dieses fantastischen Abenteuerfilms mögen heute naiv erscheinen. Zugleich verblüfft Fritz Langs Film "Frau im Mond" (1929) durch seinen Ideenreichtum, durch die wissenschaftlich fundierte Darstellung der Mondlandschaft und der technischen Details von Start, Flug und Landung der Weltraumrakete. Das liegt nicht zuletzt an der engen Zusammenarbeit der Filmemacher mit ihrem technischen Berater und Pionier der Raketenforschung Professor Hermann Oberth. Am Drehort des Films, den Filmstudios Babelsberg, wurden Unmengen von Sand für die Darstellung einer möglichst realistischen Mondlandschaft aufgeschüttet und eine imposante Mondrakete erbaut. Quasi im Vorbeigehen erfand Lang bei seinen Dreharbeiten den Countdown: "Als ich das Abheben der Rakete drehte, sagte ich mir: Wenn ich eins, zwei, drei, vier zehn, fünfzig, hundert zähle, weiß das Publikum nicht, wann die Rakete losgeht. Aber wenn ich rückwärts zähle, zehn, neun, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins, null! - dann verstehen sie." Der Film "Frau im Mond" (1929) gilt als einer der letzten großen Stummfilme der deutschen Filmgeschichte. Seine Aufführung fällt bereits in die Phase der ersten Tonfilme während der Jahre 1929 und 1930, als die meisten Kinos technisch auf den neuen Standard umgestellt werden. Der Film basiert auf einer Romanvorlage von Thea von Harbou, die von 1922 bis 1934 mit Fritz Lang verheiratet ist und Drehbücher für mehrere seiner Filme schreibt. Mit Stummfilm-Epen wie "Dr. Mabuse - Der Spieler" (1922), "Die Nibelungen" (1924) oder "Frau im Mond" (1929) setzt Lang während seiner Schaffenszeit als Stummfilmregisseur neue ästhetische und technische Maßstäbe. Seine Filme erzählen meist utopische und fantastische Geschichten in expressiv düsterer Atmosphäre. (ARTE Presse) “Quattro uomini, una donna e un bambino: un piccolo gruppo di persone unite dal fato. Viaggiando in un veicolo mai visto, la nave spaziale, verso un luogo mai toccato, la solitudine infinita della luna, rimangono tuttavia legati ai propri destini, alle leggi del loro sangue, delle loro passioni, alla felicità e alla tragedia. Esprimere questo era il mio sogno.” (Fritz Lang).

Text?Die Nibelungen I - Siegfrieds Tod (Siegfrieds Tod), Regie: Fritz Lang,Deutschland - 1924
Produzent: Erich Pommer - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Thea von Harbou - Fritz Lang - Kamera: Carl Hoffmann - Walter Ruttmann - Günther Rittau - Musik: Gottfried Huppertz - Architekt: Erich Kettelhut - Otto Hunte - Darsteller: Hans Adalbert Schlettow Hagen Tronje - Hardy von Francois Dankwart - Margarete Schön Kriemhild - Paul Richter Siegfried - Hanna Ralph Brunhild - Bernhard Goetzke - Theodor Loos - Ernst Legal - Gerhard Bienert -

Inhaltsangabe
Der junge Königssohn Siegfried hat seine Ausbildung als Schmied beendet, als er von der wunderschönen Prinzessin Kriemhild, Schwester des Königs Gunther von Worms, hört und beschließt, um ihre Hand anzuhalten. Auf seinem Weg muss Siegfried es mit einem gefährlichen Drachen aufnehmen und tötet diesen im Kampf. In der Hoffnung auf Unverwundbarkeit, nimmt er ein Bad im Blut des Drachen. Dann begegnet er dem heimtückischen Zwergenkönig Alberich, Hüter des Nibelungenhortes. Nach kurzem Kampf kommt er in den Besitz seines Schwertes Balmung und einer Tarnkappe des Nibelungen.

Am Hofe der Burgunden in Worms bittet Siegfried König Gunther um die Hand seiner Schwester Kriemhild. Doch Gunther fordert dafür die Hilfe des Helden, für ihn die kriegerische Brunhild als Frau zu gewinnen. Unter der Tarnkappe versteckt, kann Siegfried an Gunthers Stelle Brunhild besiegen. So kommt es zur Doppelhochzeit Siegfrieds mit Kriemhild und Gunthers mit Brunhild. Doch noch einmal erbittet Gunther Siegfrieds Hilfe - in seiner Hochzeitsnacht. (3Sat Presse)
Anmerkungen
,Dem deutschen Volke zu eigen" ist diese Produktion der Decla-Bioscop. Die verfilmte Sage von den Nibelungen soll einen Nationalmythos für die Gegenwart erschliessen. Lang glaubt, im jungen Medium (er selbst ist noch ganz hingerissen von den technischen Möglichkeiten des Kinos) käme der alte Stoff erst so richtig zu sich: als Abenteuergeschichte in grossem Stil, die weit in die Geschichte zurückgreift und Regionen des Archetypischen erschliesst - ein Märchen eben, das auf ein Massenmedium gewartet hat, um sich in eine unendliche Geschichte verwandeln zu lassen. Der erste Gesang geht auch noch in diese Richtung. Siegfrieds Auszug in die Welt und seine Tötung des Drachens zeigen ein Reich des Fantastischen, aber schon das erste Bild vom Hof in Worms macht deutlich, dass es nur im deutschen Wald noch halbwegs kreatürlich zugeht. Aus der Festung der Burgunder ist alles Leben bereits entwichen, und Lang schaut dem Tod bei der Arbeit zu. Tom Gunning sieht darin die klassische Definition der Allegorie verwirklicht: Das Leben wird durchsichtig auf den Tod, an markanter Stelle im Film verwandelt sich auch tatsächlich ein blühender Baum in einen Totenkopf aus Flammen. ,Im Untergrund dieser Beschwörung einer ursprünglichen, mythischen Welt", schreibt Gunning, ,rumort ein Bedürfnis nach Systematik, nach dem Schematischen und Abstrakten." Für Gunning beruht die ganze ästhetik der NIBELUNGEN auf ihrem Verhältnis zum Mythos, den Lang vorgeblich wieder beleben will, während er praktisch vorführt, dass es keine andere Verbindung in die alte Welt gibt als eine des ästhetizismus. Kracauer hat ihm dies grimmig vorgeworfen: ,So triumphiert das Ornamentale über das Menschliche auf der ganzen Linie. Absolute Autorität behauptet sich dadurch, dass sie die ihr unterworfenen Menschen zu gefälligen Mustern anordnet. Dies ist der Fall beim Nazi-Regime, das seine starken ornamentalen Neigungen durch Massenaufgebote zum Ausdruck brachte. Wann immer Hitler sich an das Volk wandte, glitt sein Blick weniger über Hunderttausende von Hörern hinweg als über ein Riesenornament, das aus hunderttausend Einzelteilen bestand. Am TRIUMPH DES WILLENS, dem offiziellen Nazifilm des Nürnberger Parteitages von 1934, lässt sich nachweisen, dass die Architekten der Veranstaltung zur Anordnung ihrer Massenornamente Anregung schöpften aus den NIBELUNGEN. Die theatralischen Trompetenbläser, pomphafte Treppenaufgänge und autoritäre Muster von Menschen aus SIEGFRIEDS TOD tauchen in dem modernen Historienfilm aus Nürnberg, extrem vergrössert, wieder auf." (Filmarchiv Austria)

«Fritz Lang konzipierte gemeinsam mit Drehbuchautorin Thea von Harbou den zwischen 1922 und 1924 entstandenen Nibelungenfilm in zwei Teilen, "Siegfried" und "Kriemhilds Rache" - die bis dahin teuerste deutsche Filmproduktion. Für das Drehbuch bevorzugte von Harbou bewusst die nordische Sage gegenüber der populären Wagner-Oper. Konsequent fortgesetzt wurde dieser Ansatz in der Stilisierung, die Fritz Lang, seine Architekten und Kostümbildner für die Dekorationen, Kostüme und die Schauspielführung entwickelten. Und statt Wagner-Motive zu verwenden, komponierte Gottfried Huppertz ein neues Werk. In der restaurierten Fassung des Films wurden die in Schwarz-Weiß hergestellten Kopien viragiert, das heißt in einem Farbbad gefärbt, wodurch alle transparenten Teile farbig erscheinen. Erst so wurde es möglich, Fritz Langs Meisterwerk in einer fotografischen Qualität zu zeigen, die die ästhetischen und visuellen Leistungen des Films wieder nahe bringt.» (3Sat Presse)

Text?Die Nibelungen II - Kriemhilds Rache (Kriemhilds Rache), Regie: Fritz Lang,Deutschland - 1924
Produktion: Decla-Bioscop AG., Berlin - Verleih: Universum-Film AG (UFA), Berlin - Produzent: Erich Pommer - Aufnahmeleiter: Gustav Püttjer - Rudi George - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Fritz Lang - Thea von Harbou - Kamera: Carl Hoffmann - Günther Rittau - Kamera Assistent: Günther Anders - Kostümbild: Paul Gerd Guderian Während der Dreharbeiten verstorben - Maskenbildner: Otto Genath - Stand Photos: Horst von Harbou - Darsteller: Georg Jurowski Priester - Iris Roberts Edelknabe - Aenne Röttgen Tochter Dietlind von Bechlarn - Paul Richter Siegfried - in der Rückblende - Hanna Ralph Brunhild - in der Rückblende - Rosa Liechtenstein - Georg August Koch Hildebrand - Hubert Heinrich Spielmann Werbel - Rudolf Klein-Rogge König Etzel - Ernst Legal - Theodor Loos König Gunther - Rudolf Rittner Markgraf Rüdiger von Bechlarn - Margarete Schön Kriemhild - Hardy von Francois Dankwart - Hans Adalbert Schlettow Hagen Tronje - Gerhard Bienert - Grete Berger Hunnin - Hans Carl Müller Gerenot - Erwin Biswanger Giselher - Fritz Alberti Dietrich von Bern - Gertrud Arnold Königin Ute - Georg John König Etzels Bruder Blaodel - Bernhard Goetzke Volker von Alzey -

Inhaltsangabe
Nachdem König Siegfried, Kriemhilds Mann, heimtückisch durch Hagen von Tronje, dem Ratgeber des burgundischen Königs Gunther, ermordet wurde, bricht die verratene Schwester Gunthers verbittert und voller Rachegedanken ins Hunnenland auf. Dort beginnt sie ein neues Leben an der Seite König Etzels und gebiert einen Sohn. Zu diesem Anlass und um ihren Racheschwur in die Tat umzusetzen, lädt Kriemhild König Gunther und sein Gefolge an den Hof Etzels. Noch in der Nacht der Ankunft setzt Kriemhild hunnische Krieger auf Hagen von Tronje an und verspricht eine reiche Belohnung für dessen Kopf.

Am folgenden Tag wird in König Etzels Palast ein Festbankett gegeben, bei dem es zu einer blutigen Auseinandersetzung kommt. (3Sat Presse)

«

Nachdem Siegfried von Hagen von Tronje ermordet wurde, kennt seine Witwe Kriemhild nur noch ein Ziel: Rache. Mit dem ererbten Nibelungenschatz will sie Freunde gewinnen, um dadurch Rache an dem Mörder nehmen zu können. In diese Situation erreicht sie die Nachricht, dass der Hunnenkönig Etzel um ihre Hand anhält. Noch bevor Kriemhild abreist, gelingt es Hagen von Tronje, der die Absichten seiner Todfeindin durchschaut hat, den Nibelungenschatz im Rhein zu versenken.

Nach der Geburt eines Sohnes bittet Kriemhild ihren Mann Etzel, er solle ihren Bruder Gunther und dessen Gefolgschaft ins Hunnenland einladen. Als auch Hagen ungeladen am Hofe Etzels erscheint und der Hunnenkönig Kriemhilds Wunsch abschlägt, Hagen zu töten, lädt die rachsüchtige Frau den Burgunderkönig mitsamt Gefolgschaft zum Sonnenwendfest. Dort wird der burgundische Tross von den Hunnen niedergemetzelt. Hagen, der aus Rache für die Tat Kriemhilds Sohn tötet, und Gunther haben den Überfall überlebt.

Gefesselt werden die beiden vor Kriemhild geführt, die Hagen nach dem Verbleib des Nibelungenschatzes fragt. Als dieser die Auskunft verweigert, tötet die rasende Frau erst ihren Bruder Gunther, dann Hagen von Tronje. Entsetzt über das von Kriemhild heraufbeschworene Unglück, tötet der Waffenmeister Dietrich von Bern die Königin. Etzel trägt seine geliebte Frau in den brennenden Königspalast, wo das Paar von den einstürzenden Mauern begraben wird.» (www.filmportal.de)
Anmerkungen
Langs Programmatik: ,Sollte der Nibelungenfilm aber zu einer neuen Form des alten Epos werden, so war es notwendig, einen Stil für ihn zu finden, der die Idee des Werkes kristallen ins Licht hob. Die Majestät und fabelhafte Buntheit deutscher Dome musste ihm einen Hauch verleihen; daneben die unsäglich schlichte Schönheit des Volksliedes. Es galt, die gespenstische Dämmerung von Nebelwiesen, wo Unholde hausen und Drachen sich träge zum Wasser wälzen - das letzte Gemunkel eines Natur-Märchen-Glaubens - mit der tiefen Inbrunst ernster Gebete im Dom zu vereinen, das Geheimnis der Urelemente mit dem Geheimnis des Weihrauchs." Zwischen den Urelementen und dem Weihrauch liegt aber noch das Flammenmeer von KRIEMHILDS RACHE. Das komplizierte Wechselspiel zwischen Mythos und Geschichte wird im zweiten Teil der NIBELUNGEN noch durch ein geopolitisches Moment verschärft. Der Hunnenkönig Etzel thront als ,Herr der Erde" über seinem Weltreich, und für die Nachgeborenen ist es kaum denkbar, bei Rudolf Klein-Rogges Spiel nicht an das Inferno zu denken, das er zuvor als Doktor Mabuse im Sinn hatte. Für den NIBELUNGEN-Film sind die Hunnen ein Gewinn: Sie bewohnen aufgrund der ihnen zugeordneten Primitivität eine Welt, die der Siegfrieds im ersten Teil korrespondiert. Männer in Fellschürzen tanzen um Lagerfeuer: Am Hof von Worms, wo selbst die Kronen noch wie Festungen gestaltet sind, wäre dies undenkbar. Etzel aber ist ein Schamane, er hält zusammen, was nicht zusammenpasst, zum Beispiel Westeuropa mit dem Orient durch seine starke Hand. Aber selbst Etzel muss sich schliesslich ergeben, er wird zum Objekt in einem Plan, den Kriemhild wie eine Göttin beschliesst: Sie steht fast durchwegs frontal zur Kamera und bewegt sich kaum. Nur ihre Augen sind hervorgehoben. Sie wirkt allerdings nicht durch Hypnose, das wäre zu psychologisch gedacht, sondern durch einen mythisch begriffenen Willen, dem filmisch Ausdruck zu verleihen Margarethe Schön wenig mehr Möglichkeiten hatte, als schneidende Blicke zu werfen. Dieser statuarischen Darbietung kontrastieren die vielen Massenbewegungen dieses zweiten Teils, auf den Kracauers Vorwurf der Ornamentalisierung viel weniger zutrifft, sodass die Frage nahe liegt, ob in Langs Vision nicht von Beginn an beide Facetten enthalten waren: Der Tod als Erstarrung und der Tod als Gemetzel. Tom Gunning scheut sich nicht, von einem ,holocaust" zu sprechen bei dem, was an Zerstörungswut zu sehen ist. DIE NIBELUNGEN sind, wie alle Mythenfilme des deutschen Lang, Ausdruck einer euphorischen überschätzung des Kinos und zutiefst ambivalent. (Filmarchiv Austria)

«Fritz Lang konzipierte gemeinsam mit Drehbuchautorin Thea von Harbou den zwischen 1922 und 1924 entstandenen Nibelungenfilm in zwei Teilen, "Siegfried" und "Kriemhilds Rache", den 3sat in einer neuen Restaurationsfassung mit der neu eingespielten originalen Orchestermusik zeigt, wurde in zwei Teilen. Der Film wurde mit einem bis dahin nie gekannten Aufwand realisiert. Die Vorbereitungszeit für Drehbuch, Bauten und Kostüme umfasste ein halbes Jahr, in dem ein künstlicher Wald mit neun Meter hohen Bäumen im Studio erbaut und ein 21 Meter langes Drachenmodell erschaffen wurde.

Die Dreharbeiten begannen im Herbst 1922 und endeten nach der Uraufführung des ersten Teils im Frühjahr 1924 mit letzten Aufnahmen für den zweiten Teil. Die Ufa nutzte diese Zeit pressewirksam aus: Regelmässig erscheinende Tagesberichte priesen die kreativen und technischen Höchstleistungen, die für diese Produktion in Babelsberg absolviert wurden. Ihr spektakuläres Ende fand der werbewirksame Verkauf der Dreharbeiten mit dem Finale des Films: Für das Niederbrennen des Etzel-Palastes durch Feuerpfeile der Hunnen wurde die Presse zum Nachtdreh eingeladen. Fritz Lang selbst soll den ersten Feuerpfeil abgeschossen haben.» (3Sat Presse)

Text?Die Spinnen II - Das Brillantenschiff Regie: Fritz Lang,Deutschland - 1920
Produktion: Decla-Film Gesellschaft, Holz & Co., Berlin - Produzent: Erich Pommer - Produktionsleiter: Rudolf Meinert - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Fritz Lang - Kamera: Emil Schünemann --??-- - Karl Freund - Schwenker: Robert Baberske - Schnitt: Paul Falkenberg - Architekt: Hermann Warm - Carl Ludwig Kirmse - Heinrich Umlauff - Otto Hunte - Darsteller: Reiner Steiner Kapitän des Brillantenschiffes - Meinhardt Maur Chinese - Karl A. Römer - Carl Hoffmann - Lil Dagover --??-- - Gilda Langer (--??--) - Thea Zander Ellen Terry - Friedrich Kühne Yogi All-hab-mah - Carl de Vogt Kay Hoog - Georg John Dr. Telphas - Ressel Orla Lio-Sha - Paul Morgan Jude - Rudolf Lettinger Diamantenkönig John - Edgar Pauly Vierfinger-John -

Kritiken
Der Bankraub ist Langs erste wirklich meisterliche Einstellung. Er filmt von oben ein Geschoß, das in zahlreiche Bürowaben unterteilt ist. Darüber öffnet sich ein freier Raum bis unter die Decke, der allein dem Blick vorbehalten ist. Ein Nachtwächter versieht seinen Dienst, die Einbrecher bewegen sich in diesem Labyrinth so, dass er sie nie zu Gesicht bekommt. Tom Gunning hat in seinem Buch über die Allegories of Vision and Modernity bei Lang gezeigt, dass Lang für diese Szene vermutlich ein Vorbild in einem Film von Maurice Tourneur hatte (ALIAS JIMMY VALENTINE, 1915), dass er die überblicksperspektive aber entscheidend reduziert hat: Es ist jetzt nicht mehr die souveräne überwachung eines verbrecherischen Geschehens zu sehen, sondern der unverwandte Blick auf ein verstohlenes Hin und Her, dessen Sinn sich erst mit der Zeit erschließt. Für Gunning ist der zweite Teil des SPINNEN-Films ein entscheidender Fortschritt des Regisseurs Lang: Hier geht es nicht mehr allein um ein Abenteuer in exotischer Umgebung, dessen Protagonisten aus einem im Grunde sportlichen Prinzip vorgehen, hier geht es bereits um die Fundamente der modernen Gesellschaft. Es gibt erste Elemente dessen, was sich später zu der Vision von METROPOLIS entwickeln sollte: Die Vorstellung einer Unterwelt, nicht wie im ersten Teil unterhalb eines fernen Reichs, sondern unter der modernen Stadt selbst. Zwar bedarf es auch hier noch eines eigenen ethnischen Raums der Vermittlung, denn der Zugang zur Unterwelt findet sich in Chinatown, aber die Durchdringung der Welten ist bereits entscheidend fortgeschritten. In der Lobby eines mondänen Hotels treffen die Protagonisten aufeinander, ohne ihre Anonymität aufgeben zu müssen. Die Organisation der Spinnen bekommt konkrete Züge, sie wird mit dem Bild einer Maschine gefasst, und das ,Stahlhaus" funktioniert wie eine überwachungszentrale, in der sich die Befehlsgewalt immer noch eine Hintertür offen halten kann. Kay Hoog hingegen verfügt über eine ganz auf seine Bedürfnisse hin entworfene, mobile überlebenszelle. Die Razzia auf das Stahlhaus krönt er durch einen Zugriff aus der Luft, sie bringt aber trotzdem nicht den gewünschten Erfolg, und es liegt neuerlich an einer Bewegung des Abstiegs, das Gleichgewicht wieder herzustellen. Die Weltreise mit dem Schiff, die bis auf die Falkland-Inseln führt, ist letztlich eine ferngesteuerte. Eine Hotel-Lobby in London ist die Szene der Entscheidung: Dazu müssen Vertreter aller möglichen Organisationen auf den Plan. Die Spinnen enden mit einer ersten Idee von Globalisierung. (Filmarchiv Austria) Das Brillantenschiff. - Der "Spinnen" II.Teil. «Kay Hoog, der durch die Intriguen Lio Shas das Liebste, was er besaß, verloren hat, sinnt auf Rache. Tollkühne Einbrüche weisen ihm den Weg: Die "Spinnen" sind wieder an der Arbeit! Besonders haben sie es auf einen wertvollen Brillanten abgesehen, der der Besitzerin nach einer alten Sage die Herrschaft über Asien verheißt. Die Jagd nach dem Brillanten geht durch die unterirdische Chinesenstadt von San Francisco, übers Meer bis nach den Falklandinseln. Dort gehen die "Spinnen" mit Lio Sha in einem giftigen Krater zu Grunde. Kay Hoog rettet den Stein ... Der Film ist an und für sich recht gut! Durch eine sich bis ins Detail hinein erstreckende Aehnlichkeit des Sujets mit der "Herrin der Welt" fordert der Film aber zu Vergleichen heraus, bei denen er über Gebühr den kürzeren zieht. Bei gleichzeitiger enger Anlehnung an die amerikanischen Vorbilder bringt der Film psychologisch womöglich noch weniger als jene, und die Sensationen sind nicht durchweg stark. Vielleicht war dies mit ein Grund, weshalb die Decla den Film ziemlich sang- und klanglos herausgebracht hat, mit dem übrigens die ursprünglich auf vier Werke berechnete Abenteurerklasse ihr Ende erreicht hat. In den Hauptrollen haben Ressel Orla und Carl de Vogt wieder Gelegenheit, ihre große sportliche Gewandtheit zu zeigen. Mimisch finden sie kaum irgend welche Aufgaben. Die kleineren Rollen sind gut besetzt. Von den einzelnen Aufnahmen seien besonders hervorgehoben der Wolkenkratzer aus Stahl, die Verfolgung durch die Takelage des "Sturmvogels" mit dem Sprung Kay Hoogs ins Wasser und verschiedene sehr schöne Meerbilder. Fritz Lang, dem Autor und Regisseur, fehlten bei diesem letzten Film, den er für die Decla gearbeitet hat, wohl teilweise auch die Mittel, um mit dem "Brillantenschiff" die Höhe zu erreichen, auf der seine früheren Werke durchweg standen. Trotzdem dürfte auch dieses Werk durch die geschickten Spannungseffekte, die es zu erzielen weiß, seinen Weg machen!» (H.H., Der Film, 5.Jg., Nr. 7, 14.2.1920) «(...) "The Golden Sea" employs motifs from the feuilleton literatur which had been accumulating stock characters and situations for nearly a century. (...) "The Golden Sea" adds little that is new to this tradition, other than the impressive sets (...) of the supposedly 'Incan' (stylistically Mayan) temples. Few critics, however have seemed to notice the emergence of Lang as truly innovative sensation-film-maker with the second "Spiders" film, "The Diamond Ship". (...) It is precisely fromt the exotism of both "The Golden Sea" and "Harakiri" that "The Diamond Ship" departs in order to create the first of Lang's truly modern thrillers.» (Quelle: Tom Gunning: The Films of Fritz Lang. Allegories of Vision and Modernity, London 2000, S.90)
Anmerkungen
«Der zweite Teil der SPINNEN konzentriert sich in seiner Gestaltung mehr auf Innenräume und deutet die Visionen der späteren Filme Fritz Langs, DR. MABUSE, METROPOLIS und SPIONE, bereits an: Unter dem Chinesenviertel von San Francisco, in dem die Organisation der Gegenspieler Kay Hoogs ihre Zentrale betreibt, liegt eine unterirdische Stadt, in der das Verbrechen regiert. Die Jagd nach einem diamantenen Buddha-Kopf endet auf den Falklandinseln - gefilmt in der Märkischen Heide bei Berlin. » (Stummfilmtage Berlin)

Text?Die tausend Augen des Dr. Mabuse (Die 1000 Augen des Dr. Mabuse), Regie: Fritz Lang,Deutschland - 1960
Produktion: CCC-Filmkunst Berlin - Produzent: Fritz Lang - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Heinz Oskar Wuttig - Fritz Lang - Nach einer Vorlage von: Norbert Jacques - Jan Fethke - Kamera: Karl Löb - Musik: Bert Grund - Architekt: Erich Kettelhut - Johannes Ott - Kostümbild: Ina Stein - Darsteller: Jean-Jacques Delbo - Marieluise Nagel - Werner Buttler - Linda Sini - Rolf Möbius - Dawn Addams Marion Menil - Albert Bessler - David Cameron Parker - Andrea Cecchi Hoteldetektiv Berg - Gert Fröbe Kriminalkommissar Kras - Reinhard Kolldehoff - Werner Peters Hieronymus B. Mistelzweig - Wolfgang Preiss Jordan / Dr. Mabuse / P. Cornelius - Wolfgang Preiss Cornelius (AKA Lupo Prezzo) - Peter van Eyck Henry B. Travers - Howard Vernon Nr. 12 - Nico Pepe - Bruno W. Pantel -

Inhaltsangabe
Geheimnisvolle Fernsehaugen kontrollieren das Geschehen in einem Luxushotel - ein Gast nach dem anderen kommt auf rätselhafte Weise ums Leben. In letzter Minute gelingt es dem Millionär Travers die junge Marion zu hindern, sich durch einen Sprung aus dem Hotelfenster ums Leben zu bringen. Nun wird auch die Polizei auf das Geschehen aufmerksam, und bald kann Kommisar Kres erahnen, dass die Verbrecherbande des Dr. Mabuse hinter dem Morden steht...

Ein Grössenwahnsinniger, der sich als Nachfolger des legendären Dr. Mabuse betrachtet, hat sich in einem Luxushotel eingenistet und kontrolliert von seiner Schaltzentrale aus das Gebäude und sämtliche Gäste.

Der bekannte Fernsehjournalist Peter Barter ist einer brisanten Story auf die Spur gekommen - doch auf dem Weg zu seinem TV-Sender wird er ermordet. Aufgrund der merkwürdigen Tatumstände übernehmen Interpol und das BKA den Fall: Barter wurde mittels eines hochmodernen Stahlnadelgeschosses getötet, eine Methode, die an die Vorgehensweise des legendären Dr. Mabuse erinnert. Sollte der angeblich längst verstorbene Superverbrecher doch noch am Leben sein? Kommissar Kras nimmt die Ermittlungen auf. Mit Unterstützung des geheimnisvollen, blinden Hellsehers Cornelius versucht er, Licht ins Dunkel der mysteriösen Ereignisse zu bringen.

Die Hinweise führen Kras geradewegs ins elegante Grandhotel Luxor. Dort hatte Barter sich vor seiner Ermordung aufgehalten - ebenso wie eine ganze Reihe anderer, hochrangiger Mordopfer der letzten Monate. Verschiedene Gäste und Angestellte wecken sein Misstrauen, darunter ein windiger Versicherungsvertreter namens Mistelzweig und der elegante Hoteldetektiv Berg. Der Kommissar ahnt noch nicht, dass das Hotel einem genialischen Verbrecher als Schaltzentrale dient, der sich selbst zum Nachfolger von Dr. Mabuse erklärt hat.

Nach Geheimplänen der Nazis liess er jeden Raum des Hotels mit Kameras und Mikrofonen ausstatten. Auf diese Weise hat der neue Mabuse die absolute Kontrolle über das Gebäude und weiss über jeden Schritt der Gäste Bescheid. So auch bei dem amerikanischen Millionär Henry B. Travers, der für Mabuses Pläne von entscheidender Bedeutung ist. Mit Travers' Vermögen und dessen zahlreichen Atomkraftwerken will Mabuse das diabolische Vermächtnis seines Vorgängers in die Tat umsetzen: Die Welt ins Chaos stürzen und eine Herrschaft des Verbrechens errichten. (BR Presse)

Kritiken
"Erreicht nicht die filmische Qualität der alten Mabuse-Erfolge" (Lexikon des Internationalen Films)
"Die vier Mabuse-Filme von Fritz Lang. Eine Serie über vier Jahrzehnte, in deren Mittelpunkt nicht das Recht steht und seine Hüter, sondern der grosse Verbrecher. Die Varianten entspringen zunächst dem Zwang nach Neuem im gesicherten Rahmen. Aber von heute gesehen tragen die Motivationen der Änderungen den Stempel der Historie." (Frieda Grafe)
«In seiner letzten Regiearbeit greift Lang 27 Jahre nach seinem ersten MABUSE-Film das Thema des genialen und omnipräsenten Verbrechers erneut auf. Wieder ist es ein Psychiater, der wahnsinnig und machtbesessen danach trachtet, die Welt ins Chaos zu stürzen. Mittelpunkt dieses Karussells von Schein und Entlarvung ist ein von den Nazis erbautes Luxushotel, in dem jedes Zimmer mit Kameras überwacht wird. Dem neuen Mabuse, Herr über Gedanken und Imagination, bleibt nichts verborgen. Als Machtzentrale genügt ihm ein Raum voller Monitore.» (filmmuseum.at)
Anmerkungen
"Menschen im Hotel: Das Luxor hat eine Nazivorgeschichte, es wurde eigens für die Bespitzelung internationaler Gäste gebaut, und Mabuse hat sich in diese Nazistruktur eingenistet, als wäre er persönlich das Kontinuum der deutschen Geschichte. Einen Schäferhund hat er auch. Lang beginnt wie in einem Remake der alten Mabuse-Filme mit einem Mord an einer Strassenkreuzung. Howard Vernon erschiesst mit einer Spezialwaffe einen Fernsehreporter, und wenig später kommt es zu einer Fernsehansage, die das Gegenteil der offensiven Rede von Dana Andrews in WHILE THE CITY SLEEPS ist: Die junge Frau weint vor laufender Kamera. Der Kriminalfall Bartel bringt alles ins Laufen, und auch hier gewährt Lang gleich zu Beginn einen kleinen Einblick in die Organisation von Mabuse, den er durch einen Klumpfuss charakterisiert, und durch eine Telefonstimme. Immerhin scheint er eine lebendige Person zu sein, und wenn sich auch unter den Kriminalbeamten noch einer an den alten Mabuse erinnern kann (über den es keine Aufzeichnungen gibt, „denn gleich danach kam Hitler und der braune Spuk"), so gibt es doch deutlich einen Grabstein. Gert Fröbe ist die Reinkarnation von Otto Wernicke, ein wunderbarer Kommissar Kras, der abends über den Groschenheften einschläft und ständig Bier trinkt. Bald konzentriert sich alles auf das Hotel Luxor und auf das Sensationsmilieu, vor allem auf die Bar mit dem Versicherungsagenten Mistelzweig. Es sind alle Motive der alten Filme da, dazu eine Andeutung des Kalten Kriegs, weil einmal ein Atommeiler in die Luft fliegt (was in der Handlung kaum Folgen hat), aber insgesamt ist die globale Dimension auf den Tresen der Hotelbar reduziert. Mabuses Wirksamkeit beschränkt sich eigentlich auf Howard Vernon, der bei einer Seance auf Kras schiesst (aber den Hellseher Cornelius meint), und auf den Lockvogel Marion Menil (Dawn Addams), die sich an den reichen Amerikaner Travers heranmachen soll. Mit dem Selbstmordversuch kommt auch die Sensationspresse ins Spiel, aber Lang hält die Meute auf dem Hotelkorridor im Zaum. Die Inszenierung sieht schon ein wenig nach TATORT aus, vor allem, weil ständig ziemlich viele Leute ins Bild müssen, und von den komplexen medialen Selbstinszenierungen Mabuses in seinem Testament aus dem Jahr 1932 ist wenig mehr geblieben als eine Überwachungszentrale mit zahlreichen Bildschirmen und eine schwere Stahltresortür, die sich auf Funkbefehl öffnet. Ästhetisch führt von hier aus der Weg in den Fernsehkrimi, und geopolitisch führt er in den Geheimdienst seiner Majestät. Auch hier wird der Kommissar schon von Interpol gerettet." (Österreichisches Filmarchiv)

«Die expressionistischen Stummfilme "Dr. Mabuse, der Spieler" und "Das Testament des Dr. Mabuse" von Meisterregisseur Fritz Lang gehören zu den wegweisenden Klassikern des frühen deutschen Kinos. Mit "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" führte Lang, der Deutschland während der Nazizeit verlassen hatte, nach seiner Rückkehr aus Amerika die Reihe erfolgreich fort. Zugleich war der intelligent konstruierte und spannend inszenierte Kriminalfilm Langs letzte Regiearbeit. Neben Gert Fröbe und Peter van Eyck in den Hauptrollen gehören auch Werner Peters ("Der Untertan") und Wolfgang Preiss ("Arzt ohne Gewissen") zum eindrucksvollen Ensemble des Films. Letzterer spielt mehrere Rollen, unter anderem, bis zur Unkenntlichkeit maskiert und unter dem Pseudonym Lupo Prezzo, auch den Hellseher Cornelius.» (BR Presse)

Der Thriller "Die 1.000 Augen des Dr. Mabuse" war der letzte Film von Meisterregisseur Fritz Lang.

Text?Dr. Mabuse der Spieler - Inferno des Verbrechens (Inferno - Ein Spiel von Menschen unserer Zeit), Regie: Fritz Lang,Deutschland - 1922
Produktion: Uco-Film GmbH, Berlin - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Fritz Lang - Thea von Harbou - Story : Norbert Jacques novel - Kamera: Carl Hoffmann - Erich Nitzschmann - Musik: Aljoscha Zimmermann Neuvertonung 2000 - Schnitt: Sergej Mikhailovich Eisenstein (Russische Verleihversion) - Esfir Shub (Russische Verleihversion) - Architekt: Erich Kettelhut - Otto Hunte - Darsteller: Max Adalbert - Anita Berber Double in den Tanzszenen - Gertrud Welcker - Hans Adalbert Schlettow - Grete Berger - Lil Dagover - Adele Sandrock - Paul Richter - Bernhard Goetzke - Aud Egede-Nissen Cara Carozza - Georg John - Rudolf Klein-Rogge - Alfred Abel -

Anmerkungen
"Mabuse agiert in Gestalt seines Größenselbst Sandor Weltmann. Dazu muß er sich psychisch aufblähen, während der Staatswalt daran arbeitet, ihn auszuhöhlen. Mit der Geldfälscherwerkstatt kommt topografisch und ideologisch ein entscheidender Ort hinzu: Mabuses Tätigkeit bekommt eine Verbindung mit dem Volk, denn der Hintereingang zu dem unterirdischen Ort liegt nicht in der herrschaftlichen Gegend, in der Mabuse als Arzt praktiziert. Und die zeitgenössische Inflationsthematik wird direkt mit der Geldmenge in Zusammenhang gebracht. Durch Langs Film erlebt der Trivialroman von Norbert Jacques eine Erhöhung in die Weltliteratur, denn Thomas Pynchon trägt in Die Enden der Parabel eine ganz eigene Deutung der Mabuse-Geschichte durch die Romanfigur Poekler vor. Sie läuft der klassischen Kracauer-Deutung zuwider, derzufolge Mabuse wie das Prinzip der Weimarer Republik zu verstehen wäre. „Und wer anders brachte ihn zur Strecke als das Idol der Matineen, Bernhard Goetzke als Staatsanwalt von Wenk, derselbe Goetzke, der den zärtlichen, wehmütig bürokratischen müden Tod gespielt hatte, hier ebenfalls zu seiner besten Form auflaufend, zu zahm, zu sanftmütig für die dekadente Gräfin, die er begehrte - aber Klein-Rogge warf sich ins Getümmel, die Klauen gespreizt, trieb ihren effeminierten Gatten in den Selbstmord, packte sie, schmiß sie aufs Bett, diese geile Schlampe - nahm sie!, während der sanfte Goetzke auf seinem Amt saß, bei seinen Papieren und Memmen. Mabuse versuchte ihn zu hypnotisieren, unter Drogen zu setzen, in seiner Amtsstube zu Tode zu bomben, aber nichts wollte funktionieren, jedesmal rettete ihn die große Weimarer Trägheit der Akten, Hierarchien und Routinen." Während Kracauer in den Mabuse-Filmen einen direkten Ausdruck der Chaoskräfte sehen wollte, begreift Poekler, dass hier ein antagonistisches Prinzip noch immer funktioniert, dass Mabuse eben gerade nicht auf die Gesellschaft übergreift und Nachahmer findet, sondern mit seinen Taten allein bleibt. Die Hypnoseshow als Sandor Weltmann, bei der er das Publikum mit Illusionen in großem Stil beeindruckt, wird zum Bild einer Suggestionskraft, die sich über die ganze Republik erstreckt und doch nicht zu ihrem Ziel kommt. In einer „last minute rescue" retten die Polizisten ihren eigenen Staatsanwalt davor, mit dem Wagen in einen Abgrund zu steuern. Dann wird der Belagerungszustand gegen Mabuse ausgerufen, und der Weltmann wird von seinen eigenen Geistern heimgesucht, bis er als Subjekt ausgelöscht ist und als Phantasma weiterleben kann. Er ist selbst inflationär geworden. " (Österreichisches Filmarchiv) Esfir Shub und Sergeij Eisenstein schnitten eine russische Verleihversion unter dem Titel «Vergoldete Fäulnis», die 1924 in der Sovjetunion erschien. (lhg 2009)

Text?Dr. Mabuse der Spieler - Spieler aus Leidenschaft (Der grosse Spieler - Ein Bild der Zeit), Regie: Fritz Lang,Deutschland - 1922
Produktion: Uco-Film GmbH, Berlin - Produzent: Erich Pommer - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Fritz Lang - Thea von Harbou - Story : Norbert Jacques - Kamera: Erich Nitzschmann - Carl Hoffmann - Musik: Konrad Elfers - Aljoscha Zimmermann Neufassung 2000 - Schnitt: Esfir Shub (Russische Verleihversion) - Sergej Mikhailovich Eisenstein (Russische Verleihversion) - Architekt: Carl Stahl-Urach - Erich Kettelhut - Otto Hunte - Karl Vollbrecht - Darsteller: Lil Dagover - Grete Berger - Gertrud Welcker - Anita Berber Double in Tanzszenen - Karl Huszar-Puffy AKA Karl Huszar - Max Adalbert - Georg John - Adele Sandrock - Paul Richter - Lydia Potechina - Julius Falkenstein - Karl Platen - Bernhard Goetzke - Aud Egede-Nissen Cara Carozza - Heinrich Gotho - Rudolf Klein-Rogge - Alfred Abel -

Anmerkungen
"Doktor Mabuse ist ein Verbrecher ohne Motiv, sieht man von einem vulgär-nietzscheanischen Willen zur Macht ab, den ihm ein Zwischentitel unterstellt. Von Lotte Eisner wurde kolportiert, Lang hätte ursprünglich einen Prolog vorgesehen gehabt, in dem die revolutionären Ereignisse in Deutschland 1918/19 als Prätext der folgenden Geschichte fungiert hätten. Auch Thomas Elsaesser greift diese Vermutung in seinem Buch über das Kino der Weimarer Republik noch einmal auf, während Tom Gunning sie als eine von Langs späteren Geschichtsklitterungen auffasst. Wie dem auch sei, in der heute vorliegenden Form ist der Film immer noch sehr deutlich als Allegorie auf das Chaos der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg ersichtlich: Mabuse, eine Gestalt des Trivialromans, manipuliert in großem Stil die Börse, indem er die Geschäfte von ganzen Staaten stört. Persönlich, wenn auch verkleidet, thront er über der aufgescheuchten Menge der Investoren und Finanziers, lässt gute und schlechte Nachrichten regnen, und ruft gelegentlich autoritativ in die Menge: „Kaufen! Verkaufen!" Nach Bedarf schlüpft er in andere Identitäten. Die wichtigste öffentliche Rolle des ersten Teils ist die eines Psychoanalytikers. Hypnose ist seine stärkste Waffe, ihrer bedient er sich vor allem beim Kartenspiel. Sechs Akte ist dieser Film lang, man sieht der Dramaturgie ihre Abstammung von der Serie an. Jeder Akt endet mit einer Klimax. Die Gegenspieler brauchen lange, um sich zu formieren. Während Mabuse seine Freundin Cara Carozza bewusst auf den Millionär Hull ansetzt, kommt der Staatsanwalt von Wenk eher zufällig ins Spiel. Thomas Elsaesser beschreibt Mabuses Methode: „Es handelt sich hier also um eine essentiell narzißtische Struktur, bei der ein Dritter den Wechselstrom von Distanz und Begehren sicherstellt. Im Film wird diese Zirkulation des Begehrens jedoch von der Untersuchung des Staatsanwalts gestört: Von Wenk unterbricht buchstäblich die Show, die Cara für Hull aufführt, zerbricht damit das Dreieck Hull-Cara-Mabuse und etabliert jenen Doppelkreislauf des Begehrens, der den Film von nun an durchzieht." Mabuse verschiebt sein Begehren ganz einfach. Die Frau eines Kunstsammlers, die Gräfin Told, wird zum Einsatz in diesem Spiel: Sie beklagt anfangs, dass die Sensationen ausgestorben seien, und spricht von ihrem müden Blut. Aber sie ist es, die schließlich am wenigsten verführbar ist, sodass Mabuse sie in seine Gewalt bringen muss, während die Polizei umgekehrt Mabuses traurige Komplizin Cara Carozza ins Gefängnis bringt. Am Ende sitzen alle fest, der zweite Teil wird zum „Inferno". " (Österreichisches Filmarchiv) Esfir Shub und Sergeij Eisenstein schnitten eine russische Verleihversion unter dem Titel «Vergoldete Fäulnis», die 1924 in der Sovjetunion erschien. (lhg 2009)

Fabrikation der Taschenuhren des System Longines Regie: N. N.,Frankreich - 1914
Produktion: Pathé Frères, Paris - Verleih: Ignaz Reinthaler - Regisseur: N. N. -

Anmerkungen
Die Fabrikation der Taschenuhren System Longines ist ein stringentes Industriebild, eine akkurate Beschreibung industrieller Herstellungsprozesse. Die faszinierende Ästhetik blitzender Feinmechanik, in einigen Close-ups zu eindrucksvoller Deutlichkeit gebracht, beschreibt dieser Film in handwerklicher Perfektion und gibt einmal mehr ein beredtes Zeugnis über die hohe Qualität des französischen Konfektionskinos der 10er Jahre. (Viennale 2002)

Text?Fury (Blinde Wut), Regie: Fritz Lang,USA - 1936
Produktion: Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) - Produzent: Joseph L. Mankiewicz - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Fritz Lang - Bartlett Cormack - Norman Krasna - Nach einer Vorlage von: Norman Krasna "Mob Rule" - Kamera: Joseph Ruttenberg - Musik: Franz Waxman - Schnitt: Frank Sullivan - Architekt: Cedric Gibbons - Darsteller: Roger Gray Stranger - Edwin Maxwell Vickery - George Chandler Milton Jackson - Walter Abel Anwalt - Howard C. Hickman Governor Bur - Jonathan Hale Defense Attorney - Leila Bennett Edna Hooper - Esther Dale Mrs. Whipple - Morgan Wallace Fred Garrett - Arthur Stone Durkin - George Walcott Tom - Spencer Tracy Joe Wilson - Sylvia Sidney Katherine Grant - Edward Ellis Sheriff - Bruce Cabot Kirby Dawson - Walter Brennan Bugs Meyers - Frank Albertson Charlie - Helen Flint Franchette -

Inhaltsangabe
Joe Wilson bekehrt seine ebenfalls arbeitslosen Brüder Charlie und Tom zu einem geregelten Leben und eröffnet mit ihnen eine Tankstelle. Bald hat er genügend Geld verdient, um seiner Verlobten Katherine eine Heirat vorschlagen zu können. Auf der Fahrt zu ihr wird Joe mit einem Kindesentführer verwechselt und verhaftet. Die dürftigen Beweise lassen den Sheriff an Joes Schuld zweifeln. Der redselige Hilfssheriff "Bugs" Meyers verbreitet derweil die Nachricht von Joes Verhaftung in der Stadt und löst eine Kettenreaktion aus. Die Leute geraten über den vermeintlichen Mörder in Rage. Eine Delegation beschwört den Sheriff, mit Joe kurzen Prozess zu machen. Der versucht, seine Mitbürger zu beruhigen, doch der kleine Ganove Kirby Dawson wiegelt die Menge auf, das Gefängnis zu stürmen. Katherine erleidet einen Schock, als sie Joe hinter den Gittern des brennenden Gebäudes sieht. Dem schwer verletzten Joe gelingt jedoch unerkannt die Flucht. Verbittert sinnt er im Verborgenen auf Rache. Mit Hilfe seiner beiden Brüder will er die Rädelsführer wegen Mordes in die Todeszelle bringen. Joe lässt selbst Katherine im Glauben, dass er tot sei, damit sie als glaubwürdige Zeugin vor Gericht auftreten kann. In dem Prozess werden 22 Bürger durch Wochenschaubilder überführt. Doch Joe plagen moralische Skrupel. Kurz vor der Urteilsverkündung erscheint er im Gerichtssaal ... (wdr Presse)
Kritiken
"FURY und YOU ONLY LIVE ONCE, beide von 1936, eine Lynchgeschichte und eine Bonnie-und-Clyde-Version. M nicht wie Mörder, sondern wie Mensch" (Frieda Grafe)
Anmerkungen
"Kann man überhaupt entweder schuldig oder unschuldig sein ? Wenn es eine Antwort in absoluten Ausdrücken gibt, kann es sicherlich nur eine negative Antwort geben" (Fritz Lang)

"Das Schaufenster ist bei Lang ein Ort der Selbsterkenntnis, und seine Helden haben Glück, wenn sie dazu kommen, zweimal hineinzusehen. Beim ersten Mal sehen sie nur die Dinge, die in der Auslage arrangiert sind, in FURY ist dies ein Hochzeitskleid und ein Schlafzimmer für Jungvermählte. Beim zweiten Mal sehen sie denselben Gegenstand, aber sie sind nun imstande, ihn auf sich zu beziehen. Spencer Tracy und Sylvia Sidney sind das Paar dieses Films, der mit einem Abschied beginnt. Die Menschen der dreissiger Jahre waren schon ebenso flexibel wie die heutigen. Sie bauten ihre Beziehungen wie kleine Unternehmen, die erst dann so richtig florierten, wenn die Schulden abgezahlt waren. Um ihre Liebe irgendwann einlösen zu können, trennen sich diese zwei Leute noch einmal für ein Jahr, weil sie ein gutes Gespür für Basis und Überbau haben. Die USA wirken jung in diesem ersten Hollywood-Film Langs, den er für MGM drehte, nicht eben das risikofreudigste Studio. Es ist eine Nation, die Möglichkeiten bereit hält, in der ein Mann auf einer Überlandfahrt aber immer noch das Lagerfeuer anzündet, als wäre er zu Pferd unterwegs wie hundert Jahre davor. Aus dieser Mitte des Landes, aus der Natur, in der sich eine Kleinstadt namens Strand erhebt, kommt aber auch jene anarchische Energie, die FURY sehr rasch an das Ende bringt: Tracy wird eines Kidnappings verdächtigt, inhaftiert, und dann zündet der Mob das Gefängnis an, in dem Tracy sitzt - aber da ist der Film erst bei der Hälfte, und die letzten Blicke, die das Paar austauscht, sind vor Schreck so starr, und so intensive Reminiszenzen an Langs Stummfilme, dass man meinen könnte, es liege mehr als ein phonetisches Spiel in der Analogie des Namens Mabuse zum Mob. FURY besteht also aus zwei Teilen, und beinahe hat es den Anschein, als wollte Lang gleich mehrere Filme in einem drehen. So, wie auch DER MÜDE TOD eine enzyklopädische Form hatte, enthält FURY neben dem Lynchmob-Drama auch noch das Drama eines kleinen Mannes, der sich selbst fremd wird: Er gilt als tot, und er fühlt sich auch so, und er besiegelt diese Erfahrung mit einem Besuch im Kino, wo er die Wochenschau über sein Schicksal sieht. Das Studio wird sicher die Erklärung am Ende plausibel gefunden haben, dass ein Teil von Joe Wilson gestorben ist, als er unter die Menschen von Strand fiel. Die Bilder erzählen aber eine andere Geschichte: Es ist die von Lang, der einen amerikanischen Jedermann am Ende durch eine Erfahrung der Dislozierung und des Geistersehens schickt, die zugleich modern und magisch ist, und an deren Ende er vor einem Schaufenster steht." (Filmarchiv Austria)

Text?Hangmen also die Regie: Fritz Lang,USA - 1943
Produktion: United Artists - Produzent: Fritz Lang - Arnold Pressburger - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Fritz Lang Adaptation - John Wexley - Nach einer Vorlage von: Fritz Lang - Bertolt Brecht - Kamera: James Wong Howe - Musik: Sam Coslow - Hanns Eisler - Schnitt: Gene Fowler jr. - Architekt: William Darling - Kostümbild: Eleanor Behm - Darsteller: Alexander Granach Gestapo Inspektor Alois Gruber - Kurt Kreuger Gestapo Offizier (/xx/) - Margaret Wycherly Ludmilla Novotna - Walter Brennan Prof. Stephen Novotny - Hans Heinrich von Twardowski Reinhard Heydrich - Ludwig Donath Schirmer - Lionel Stander Banya, Taxifahrer - Tonio Selwart Gestapo Chef Kurt Haas - Reinhold Schünzel Gestapo Inspektor Ritter - Billy Roy Beda Novotny - Otto Reichow Gestapo Mann - Brian Donlevy Frantisek Svoboda - Sarah Padden Mrs. Georgia Dvorak - Dennis O'Keefe Jan Horak - Gene Lockhart Emil Czaka - Arno Frey Leutnat - Anna Lee Nasha Novotny -

Inhaltsangabe
1942 in Prag. Der deutsche Reichsprotektor Heydrich (Hans Heinrich von Twardowski) wird ermordet. Täter ist der junge Arzt Franz Svoboda (Brian Donlevy). Er entkommt, nicht zuletzt dank Mascha (Anna Lee), der mutigen Tochter von Professor Novotny (Walter Brennan). Die Gestapo fahndet im grossen Stil. Wahllos nimmt die Geheimpolizei Verhaftungen in der Bevölkerung vor. Auch Professor Novotny wird verhaftet. Svoboda, in Mascha verliebt, will nicht so viel Verantwortung auf sich nehmen. Er ist bereit, sich zu stellen, allerdings nicht lebend. Seine Mitstreiter stimmen ihn um. Inzwischen stösst Gestapo-Inspektor Gruber (Alexander Granach) auf die Spur des Mörders. In letzter Minute wird er von Svoboda und Jan Horak (Dennis O'Keefe), Maschas Verlobtem, umgebracht. Um die Geiseln zu retten, greifen die Widerständler nun zu einer List. Mit falschen Indizien und Zeugenaussagen schieben sie dem reichen Bierbrauer und Kollaborateur Czaka (Gene Lockhart) den Mord an Heydrich unter. Die Gestapo durchschaut zwar das Spiel, richtet Czaka aber dennoch hin. Die Geiseln jedoch kommen nicht frei.... (Presse SF DRS)
Kritiken
"Anschaulicher, düsterer Politthriller von Regisseur Fritz Lang und Autor Bertolt Brecht." (tele)

"Politische Lektion über den tschechischen Widerstand gegen die Nazis, geschickt als schwarzer Thriller verpackt. Trotz einiger Längen auch heute noch sehenswert." (lhg 2004)
Anmerkungen
"Hitler war von Fritz Langs "Metropoli" und von den "Nibelungen" begeistert. Darum schickte er im März 1933 den Propagandaminister Goebbels los und liess dem gefeierten Regisseur die Leitung des deutschen Filmwesens anbieten. Lang aber, ein Halbjude, zog seine Konsequenzen. Er verliess umgehend das Land und war vier Monate später bereits in den USA. Im Unterschied zu vielen anderen Emigranten fand er dort angemessene Beschäftigung. Als siebte Regiearbeit in Amerika drehte er den engagierten Anti-Nazi-Film "Hangman Also Die". Das Drehbuch dazu entwarf er unmittelbar nach der Ermordung von Heydrich Ende Mai 1942 zusammen mit Bert Brecht. Ein dokumentarisches Werk wäre, selbst wenn beabsichtigt, nicht möglich gewesen, weil dazu im fernen und verfeindeten Amerika die Grundlagen fehlten. Um die sprachlichen Probleme auszugleichen, wurde der amerikanische Autor John Wexley beigezogen (der später die alleinige Autorenschaft beanspruchte). Als Regisseur setzte Lang sein filmisches Können, das schon die deutschen Meisterwerke prägte, optimal ein. Er spielte gekonnt mit Bild- und Toneffekten, vertraute auf das hinweisende Detail, animierte die exakt besetzten Darsteller zu Glanzleistungen. Perfekt unterstützt wurde er dabei vom Kameramann James Wong Howe und vom emigrierten Musiker und Brechtfreund Hanns Eisler." (Presse SF DRS)

"Eine Komödie, in der es nichts zu lachen gibt. Lubitschs TO BE OR NOT TO BE ist von diesem Thriller über den Prager Widerstand gegen die Nazis gar nicht so weit entfernt. Eine ganze Stadt ist schliesslich auf den Beinen, um die Nazis mit einer aufwendigen Inszenierung hinters Licht zu führen, und die Gestapo vermag zwar die Regie zu durchschauen, verfügt aber weder über die Schauspieler noch über Ideen, um ihr eigenes Stück auf den Spielplan zu setzen. Zu Beginn hat Heydrich einen kurzen Auftritt als sadistischer Geck, der in den Skoda-Werken für Ordnung sorgen möchte. Tschechen leisten passiven Widerstand, sie sind unproduktiv, und die Schildkröte ist ihr Wappentier. Dann wird Heydrich erschossen, und ein Obststand in den Strassen der Stadt wird zum Drehpunkt des Widerstands: Hier läuft der Attentäter über die Strasse und mitten in das Volk, das sich von nun an zu seiner Verteidigung immer wieder neu formiert, weil sich vom Bild der Schildkröte nicht nur das obstruktive Tempo nahe legt, sondern auch die Idee eines Panzers. Alle Nazis in HANGMEN ALSO DIE sind Karikaturen, sie verfügen über keine Register mehr, während alle Tschechen plötzlich Talente haben, von denen sie noch gar nichts wussten: Da hat dann plötzlich auch eine Kellnerin ihren Auftritt. Über Langs Zusammenarbeit mit Brecht hat Gilles Deleuze geschrieben, dass sie „sehr zweideutig" war: „Beispielsweise geht es zu Beginn des Films um die Frage, ob die Widerstandskämpfer das Recht haben, ihre Landsleute zu gefährden, da die Nazis unschuldige Geiseln nehmen und sie töten: das Mädchen bedrängt den Widerstandskämpfer, sich zu stellen, damit ihr als Geisel festgenommener Vater freikommt. Einige Zeit später akzeptiert sie jedoch ohne Zögern - noch immer, um ihren Vater zu retten - das Opfer einer Händlerin, die sich ihrerseits weigert, sie zu denunzieren. An dieser Stelle gibt es einen spezifisch Brechtschen Prozess, in dem der Zuschauer dazu gebracht wird, sich eines Problems oder eines Widerspruchs bewusst zu werden und auf seine Art zu lösen (Verfremdung). Auf Lang geht ein völlig anderer Prozess zurück: die Art und Weise, wie jemand sich selbst verrät, jedoch derart, dass man dem Schein einen anderen Schein in anderer Beziehung entgegenstellt (nicht nur der Denunziant, der sich durch Ungeschicklichkeit verplappert, sondern auch der Widerstandskämpfer, der sich Lippenstiftspuren aufgetragen hat, diesmal aber zu perfekt, um eine Liebesszene glaubhaft zu machen). Obgleich beide Prozesse ineinander übergehen, zur gleichen Wirkung beitragen, sind sie doch sehr voneinander verschieden." (Filmarchiv Austria)

Text?Harakiri - Die Geschichte einer jungen Japanerin Regie: Fritz Lang,Deutschland - 1919
Produktion: Decla-Film Gesellschaft, Holz & Co., Berlin - Produktionsleiter: Rudolf Meinert - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Max Jungk - Kamera: Max Fassbender - Darsteller: Harry Frank - Joseph Roemer - Nils Prien - Loni Nest - Meinhardt Maur Fürst Matahari - Rudolf Lettinger Karan, Tempeldiener - Lil Dagover O Take San - Käte Küster - Georg John Der Bonze - Erner Hübsch Kin-Be-Araki - Herta Hedén - Paul Biensfeldt Tokuyawa -

Anmerkungen
"In einer zeitgenössischen Kritik hieß es: „Immer mehr zeigt sich, daß (...) sich Geldleute und Künstler in dem Bestreben zusammenfinden, die Filmerei zu veredeln, Wert und Wirkung erschöpfend herauszubringen. Ein solches Werk, mit dem wir getrost den sicherlich nicht zu unterschätzenden Kampf gegen das Ausland aufnehmen können, ist der zweite Film der Decla-Weltklasse HARAKIRI (...). Das Manuskript, frei nach MADAME BUTTERFLY und Hall-Jones GEISHA durch Max Jungk bearbeitet, weiß angenehm zu unterhalten. Es schildert die Liebesgeschichte der früh verwaisten Daimyotochter O-Take-San, die ihr kleines, unerfahrenes Herzchen an einen Europäer verschenkt, sehnsüchtig dessen für ihre Freiheit notwendige Rückkehr erwartet und die sich betrogen sieht, sich genau wie ihr Vater durch Harakiri, d.i. Bauchaufschlitzen, aus dieser grauen Welt in ein besseres Jenseits befördert. Was den Film sonst interessant macht, ist die Arbeit, die unendlich sorgfältige Arbeit des Regisseurs Fritz Lang, des Photographen und der Darsteller. Der Regisseur studierte mit Erfolg die Eigenart, das Wesen jener fremden, kulturell hochstehenden und dennoch an alten, uralten Sitten und Gebräuchen festhaltenden gelben Rasse. Er wußte geschickt dem Filmwerk etwas von jenem Geiste einzuhauchen und nicht nur ein äußerliches asiatisches Prunkgemälde zu schaffen. Das völkerkundliche Museum I.F.G. Umlauff-Hamburg lieferte auf Grund sorgfältigster ethnographischer Studien den bis ins Kleinste wahrheitsgetreuen, malerisch ganz ausgezeichneten Rahmen. Das Innere der Behausungen, die stilvollen Außenaufnahmen, die malerischen Straßen Nagasakis, die farbenprächtigen, blühenden und duftenden Gartenanlagen mit ihren Zierbrückchen und Schwanenteichen - all das sind vollendete, lebende Gemälde. Die Darsteller hatten es recht schwer, das richtige, tiefste Ergebenheit atmende Tempo zu finden. Gemessene Gesten und ein äußerst beherrschtes Spiel waren die ersten Bedingungen. Sie haben ihre Sache brav, wirklich anerkennenswert brav gemacht. In der Hauptrolle kann die reizende Lil Dagover als O-Take-San eine Probe ihrer großen Gestaltungskunst, ihrer beredten Mimik ablegen. Ängstlich, treuäugig, auf das große Glück ergeben wartend, aber stark, fest und beherrscht im Tode, dazu trippelnd und zierlich von Gestalt- so schuf sie in unübertrefflich sympathischer Weise den Typ einer echten Japanerin." Eine ausgezeichnete, noch heute gültige Beschreibung. HARAKIRI ist im wesentlichen ein Ausstattungsfilm, in dem die Schauspieler mit den Dekors um die Wette spielen. " (Österreichisches Filmarchiv)

Text?House by the river (Das Todeshaus am Fluss), Regie: Fritz Lang,USA - 1950
Produktion: Republic Pictures - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Mel Dinelli - Kamera: Edward Cronjager - Musik: George Antheil - Architekt: Boris Leven - Spezialeffekte: Theodore Lydecker - Howard Lydecker - Darsteller: Dorothy Patrick - Lee Bowman John - Margaret Seddon Mrs. Whitaker - Ann Shoemaker - George Taylor - Will Wright Inspector Sarten - Sarah Padden Mrs. Beach - Howard Chamberlain - Peter Brocco - Effie Laird Mrs. Gaunt - Leslie Kimmel Mr. Gaunt - Louis Hayward Byrne - Jody Gilbert Flora Bantam - Kathleen Freeman Effie Ferguson - Jane Wyatt -

Text?Human desire (Lebensgier, Schlafwagen 842), Regie: Fritz Lang,USA - 1954
Produktion: Columbia Pictures Corporation - Produzent: Lewis J. Rachmil - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Alfred Hayes - Nach einer Vorlage von: Emile Zola La bête humaine - Kamera: Burnett Guffey - Musik: Daniele Amfitheatrof - Schnitt: Aaron Stell - Architekt: Robert Peterson - Set Decoration: William Kiernan - Darsteller: Broderick Crawford Carl Buckley - Gloria Grahame Vicki Buckley - Dan Seymour Bartender - Dan Riss - Grandon Rhodes John Owens - Paul Brinegar - John Pickard Matt Henley - Diane DeLaire Vera Simmons - Peggy Maley Jean - Edgar Buchanan Alex Simmons - Kathleen Case Ellen Simmons - Glenn Ford Jeff Warren -

Inhaltsangabe
Jeff Warren, Veteran aus dem Korea-Krieg, nimmt seine Arbeit als Bremser bei der Eisenbahn wieder auf und verliebt sich in die junge, verführerische Vicky. Sie ist die Frau des alten Eisenbahners Buckley, dem gerade die Kündigung droht. Um dies zu verhindern, schläft Vicky mit dem Chef ihres Mannes, der daraufhin von den eifersüchtigen Buckley getötet wird. Obwohl Warren weiss, dass Vicky in den Mord verwickelt ist, beginnt er eine Beziehung mit ihr. Schliesslich verlangt Vicky von Warren, ihren Ehemann zu ermorden. Warren weigert sich und trennt sich von Vicky. Als Buckley vom Mordplan seiner Frau erfährt, tötet er sie im Affekt... (arte Presse)
Kritiken
"Glenn Fords zweiter Versuch eines kleinbürgerlichen Lebens, im dem HUMAN DESIRE in geordnete Bahnen gelenkt ist. Der erste in THE BIG HEAT wurde von aussen zerstört, der zweite in diesem Film unterliegt einem psychologischen Kräftespiel. Die Schienen der Eisenbahn sind dafür das deutliche Bild. Es ist eine Lust für den Heimkehrer aus dem Koreakrieg, wieder auf der Lokomotive zu sein und einfach zu fahren. Die Kraft des Zugs sieht man an dem zufriedenen Lächeln des Mannes, der sich sonst, sagt er, nur im Kino ähnlich wohl fühlt. Jetzt fehlt ihm nur noch eine Frau ,für Herz und Magen", hier aber hat er die Wahl, und niemals sonst hat Lang zwei Frauen so komplementär gezeichnet wie Vicky Buckley (Gloria Grahame) und Kathleen Case (Ellen Simmons): Mehrmals überblendet er die beiden Figuren in Bewegungen, die gegenläufig sind, sodass sie förmlich aufeinander stossen wie Menschen, die aus Unachtsamkeit in einen Spiegel laufen. Ford spielt Jeff Warren, der bei der Familie Simmons Quartier gefunden hat. Es gibt keinen einzigen direkten Verweis darauf, dass Warren noch vom Koreakrieg gezeichnet sein könnte. Allenfalls eine gewissen Ruhelosigkeit ist zu sehen. An Ellen nimmt er zwar wahr, dass sie eine Frau geworden ist, aber er bezieht das nicht auf sich. Vicky Buckley ist eine Verwandte von Mae Doyle aus CLASH BY NIGHT, ihre Beziehung zu dem vierschrötigen Carl ist zu einer Qual geworden, da hilft keine heroische Entscheidung mehr, und Kind hat das Ehepaar keines. HUMAN DESIRE hat eine ziemlich konsequente geometrische Ordnung: Die Eisenbahnfahrt gibt jeweils die Richtung vor, die Handlungen der Menschen sind dazu die Weichenstellungen, sie unterbrechen das Rollen in eine Richtung, und zuletzt gibt es mehrere dramatische Entgleisungen. Die entscheidende Szene spielt dann direkt auf den Schienen, und hier steht für Warren das kleinbürgerliche Glück auf dem Spiel: Wird er sich der Femme fatale überantworten, einer Frau, die keinen Glanz mehr hat, wie auch dieses Drama der Leidenschaften schon ohne die ästhetischen Reize des Noir auskommen muss und seine Schwärze ganz naturalistisch der Umgebung entnehmen muss, dem Russ und dem Rauch aus den Lokomotiven? Oder aber kann er im letzten Moment die Richtung wechseln und wieder nach vorne blicken - ,going straight"? Vielleicht wird Warren einfach davon gerettet, dass er von Glenn Ford gespielt wird, der aus seiner vibrierenden Darstellung in THE BIG HEAT genügend Energien übrig hatte, um schnell noch eine Kleinbürgerexistenz halbwegs in Sicherheit zu bringen." (filmarchiv Austria)
Anmerkungen
"Dieser späte Film Noir von Fritz Lang ist die zweite Verfilmung des Romans "La Bête Humaine" von Emile Zola. Bereits 1938 hatte Jean Renoir unter dem Originaltitel diesen Stoff verfilmt und einen Klassiker des Poetischen Realismus geschaffen. Fritz Lang verlegt die Geschichte in die USA der 50er Jahre und schafft so eine Brücke zwischen der europäischen Literatur und dem Hollywoodfilm. Nach "The Woman in the Window", "Scarlet Street" und "Clash by Night" befasst sich Lang in "Human Desire", so der Originaltitel, erneut mit verhängnisvollen Beziehungen zwischen jungen Frauen und älteren Männern. Typisches Film-Noir-Element ist die Figur der Femme Fatale, die hier eine interessante Variation erfährt. Trotz ihrer verführerischen Schönheit scheitert Vicky bei dem Versuch, Warren zu umgarnen und für den geplanten Mord an ihrem Mann einzuspannen. Regisseur Lang, der 1936 in die USA emigrierte, drehte "Human Desire" zwei Jahre vor seiner Rückkehr nach Deutschland.

Das "Lexikon des Internationalen Films" schreibt: "Die vordergründige Kriminalgeschichte mit perfekt gesteigerter Spannung wird durch die meisterhafte Bildsprache zu einem pessimistischen Gleichnis über die Sehnsucht nach Geborgenheit und einer aufrichtigen Beziehung zwischen Mann und Frau verdichtet." (arte Presse)

"Glenn Fords zweiter Versuch eines kleinbürgerlichen Lebens, im dem HUMAN DESIRE in geordnete Bahnen gelenkt ist. Der erste in THE BIG HEAT wurde von aussen zerstört, der zweite in diesem Film unterliegt einem psychologischen Kräftespiel. Die Schienen der Eisenbahn sind dafür das deutliche Bild. Es ist eine Lust für den Heimkehrer aus dem Koreakrieg, wieder auf der Lokomotive zu sein und einfach zu fahren. Die Kraft des Zugs sieht man an dem zufriedenen Lächeln des Mannes, der sich sonst, sagt er, nur im Kino ähnlich wohl fühlt. Jetzt fehlt ihm nur noch eine Frau „für Herz und Magen", hier aber hat er die Wahl, und niemals sonst hat Lang zwei Frauen so komplementär gezeichnet wie Vicky Buckley (Gloria Grahame) und Kathleen Case (Ellen Simmons): Mehrmals überblendet er die beiden Figuren in Bewegungen, die gegenläufig sind, sodass sie förmlich aufeinander stossen wie Menschen, die aus Unachtsamkeit in einen Spiegel laufen. Ford spielt Jeff Warren, der bei der Familie Simmons Quartier gefunden hat. Es gibt keinen einzigen direkten Verweis darauf, dass Warren noch vom Koreakrieg gezeichnet sein könnte. Allenfalls eine gewissen Ruhelosigkeit ist zu sehen. An Ellen nimmt er zwar wahr, dass sie eine Frau geworden ist, aber er bezieht das nicht auf sich. Vicky Buckley ist eine Verwandte von Mae Doyle aus CLASH BY NIGHT, ihre Beziehung zu dem vierschrötigen Carl ist zu einer Qual geworden, da hilft keine heroische Entscheidung mehr, und Kind hat das Ehepaar keines. HUMAN DESIRE hat eine ziemlich konsequente geometrische Ordnung: Die Eisenbahnfahrt gibt jeweils die Richtung vor, die Handlungen der Menschen sind dazu die Weichenstellungen, sie unterbrechen das Rollen in eine Richtung, und zuletzt gibt es mehrere dramatische Entgleisungen. Die entscheidende Szene spielt dann direkt auf den Schienen, und hier steht für Warren das kleinbürgerliche Glück auf dem Spiel: Wird er sich der Femme fatale überantworten, einer Frau, die keinen Glanz mehr hat, wie auch dieses Drama der Leidenschaften schon ohne die ästhetischen Reize des Noir auskommen muss und seine Schwärze ganz naturalistisch der Umgebung entnehmen muss, dem Russ und dem Rauch aus den Lokomotiven? Oder aber kann er im letzten Moment die Richtung wechseln und wieder nach vorne blicken - „going straight"? Vielleicht wird Warren einfach davon gerettet, dass er von Glenn Ford gespielt wird, der aus seiner vibrierenden Darstellung in THE BIG HEAT genügend Energien übrig hatte, um schnell noch eine Kleinbürgerexistenz halbwegs in Sicherheit zu bringen." (Filmarchiv Austria)

Text?Le Mépris (Die Verachtung), Regie: Jean-Luc Godard,Frankreich, Italien - 1963
Produktion: Les Films Concordia - Produzent: Carlo Ponti - Georges de Beauregard - Produktionsleiter: Carlo Lastricati - Philippe Dussart - Regisseur: Jean-Luc Godard - Regieassistent: Charles Bitsch - Drehbuch: Jean-Luc Godard - Nach einer Vorlage von: Alberto Moravia Roman - Kamera: Raoul Coutard - Musik: Georges Delerue - Schnitt: Agnès Guillemot - Anderes... (94): Suzanne Schiffman - Darsteller: Linda Veras - Michel Piccoli Paul Javal - Jack Palance Jeremy Prokosh - Giorgia Moll Francesca Vanini - Fritz Lang Fritz Lang - Jean-Luc Godard Regieassistent - Brigitte Bardot Camille Javal -

Inhaltsangabe
Der amerikanische Filmproduzent Jeremy Prokosch engagiert den Drehbuchautor Paul Javal, damit dieser dem Regisseur Fritz Lang bei seinem Odysseus-Projekt hilft. Lang dreht zur Zeit in Italien, kommt aber mit dem Film nicht voran - nicht zuletzt deshalb, weil sich der mächtige Prokosch immer wieder in die Produktion einmischt. Nach einer ersten Besprechung lädt Prokosch Javal und dessen Frau Camille in seine Villa ein. Paul lässt Camille mit Prokosch fahren, er selbst verspätet sich wegen eines Unfalls. Camille ist beleidigt und macht Paul zu Hause eine Szene: Sie sagt, ihre Liebe zu ihm sei tot. Das scheinbar so banale Ereignis wird zum Beginn einer schmerzhaften Trennung. Camille glaubt, dass Paul sie an Prokosch verkaufen wollte. Aus diesem Grund empfindet sie für ihn Verachtung. (3Sat Presse)
Kritiken
«Ein Film mit fünf Personen, die - so sagt Godard - sich selbst von der Welt, von der Realität abgeschnitten haben: ungeschick versuchen sie das Licht wieder zu finden, da sie in einem dunklen Zimmer eingeschlossen sind. Und es ist Fritz Lang (der Regisseur spielt sich selbst), der zugleich ausserhalb des Dramas steht. Denn zwei Standpunkte will der Film exponieren, jenen der beteiligten Personen (im besonderen: Paul und Camille) und jenen von Fritz Lang. Deutlich wird dies in der formalen Gestaltung, da Einstellungen aus der von Lang gedrehten ODYSSEE eingeblendet werden: sie sind durch ihre kontrastreichere Farbe und strengere Kadrierung vom Photographischen her verschieden - eine Antireportage -, und zudem sind die Schauspieler stark geschminkt. Sie unterscheiden sich also von jenem Reportagestil der modernen Szenen, dem Godard-Stil. Denn es ist offensichtlich, dass Parallelen zwischen der Odyssee von Homer - die Lang verfilmen will - und jener Haupthandlung bestehen: das Schicksal von Paul, Camille und Prokosch ist nichts anderes als die Odyssee in der Vorstellung der Drehbuchautoren. Penelope hätte Odysseus verachtet, und deshalb sei er in den Trojanischen Krieg gezogen, deshalb sei er erst nach zehn Jahren der Irrfahrt zurückgekehrt. So möchte Paul den Film schreiben, obwohl er überzeugt ist, dass Lang recht hat, dass "man Homer so nehmen muss, wie er ist". Denn Homer und die Kunst der Griechen lebten mit der Natur, nicht gegen sie.
Wie alle Filme Godards ist LE MÉPRIS ein Film über den Tod, ein Motiv, das Godard besonders fasziniert. Truffaut schreibt, dass iin A BOUT DE SOUFFLE der Tod Michel Poiccards eine Notwendigkeit war, weil Godard den Tod Filmen musste. Und in VIVRE SA VIE liest der junge Mann (mit der synchronisierten Stimme des Regisseurs) Edgar Allan Poe: "Brüsk wandte er sich zurück, um seine Geliebte anzuschauen... sie war tot..." In LE PETIT SOLDAT hatte Bruno plötzlich den Eindruck, den Tod zu photographieren, als er Aufnahmen von Veronica machte. Denn der Tod ist - um den Dialog aus der PASSION DE JEANNE D'ARC von Dreyer zu übernehmen - die Erlösung des Menschen. Er ist das einzig Sichere im Leben, und deshalb taucht in Godards Filmen immer wieder dieses Motiv auf.» (Leonhard H. Gmür in film 64, nr 4)

«Wohl über keinen Film der BB ist soviel geschrieben worden wie über diesen, in dem sie sich freizüziger denn je zeigt. Doch es geht Godard gar nicht so sehr um Äusserlichkeiten. Er will in diesem vielschichtigen Film zeigen, wie schnell sich bei einer Frau Liebe in Verachtung verwandeln kann, wenn sie sich nur als Mittel zum Zeck fühlt. Ein Odysseus-Film wird in Rom und Capri (auf Malapartes Villa) gedreht. Und die Krise zwischen dem Drehbuchautor und seiner hüschen Frau wird immer wieder mit dem antiken Geschehen in Beziehung gebracht. Ein überaus interessanter Film, weitab vom billigen Amüsement» (Falter Kinos München)

"Bei viel Sinn für die Möglichkeiten filmischen Ausdrucks ein dem Gehalt nach hohler, durch Plattheiten, die Tiefsinn einschliessen sollen, charakterisierter Streifen" (Filmberater)

"Regisseur Godard versieht die schlichte Handlung mit einer Fülle inszenatorischer Kniffe mit amüsanten Anspielungen und Brechungen" (tele)

Anmerkungen
«Basierend auf dem gleichnamigen Roman des italienischen Schriftstellers Alberto Moravia (1907 - 1990), erzählt "Die Verachtung" die Geschichte einer scheiternden Liebesbeziehung und zugleich das Scheitern eines Filmprojekts ("Die Odyssee"). Godards Film ist zugleich eine raffinierte, vielschichtige Satire auf das Filmgeschäft, mit dem legendären deutschen Regisseur Fritz Lang in der Rolle des Regisseurs Fritz Lang, der von seinen Geldgebern zu künstlerischen Kompromissen gezwungen wird. Vor allem aber ist "Die Verachtung" ein Film für und mit Brigitte Bardot: Sie ist Star und Mittelpunkt der Inszenierung. Godard musste auf Drängen seines Produzenten mehrere Nacktszenen mit Brigitte Bardot einschneiden, um die kommerziellen Chancen des Films zu erhöhen. Trotzdem sind diese Szenen zu den eindringlichsten und schönsten erotischen Liebessequenzen der Filmgeschichte geworden. "Die Verachtung" offenbart seinen inszenatorischen Reichtum nicht in einer spektakulären Handlung, sondern einer Vielzahl von Zitaten und Anspielungen, Dopplungen und Brechungen, die den Film zu einem faszinierenden Dokument unermüdlicher Selbst-Reflexion machen.» (3Sat Presse)

Text?Liliom Regie: Fritz Lang,Frankreich - 1934
Produzent: Erich Pommer - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Fritz Lang - Robert Liebmann - Story : Franz Molnar - Kamera: Rudolph Maté - Louis Née - Musik: Franz Waxman (als Franz Wachsmann !) - Anderes... (94): Bernard Zimmer - Darsteller: Alexandre Rignault - Roland Toutain - Mila Parély - Madeleine Ozeray - Pierre Alcover - Odette Florelle - Charles Boyer - Antonin Artaud - Robert Arnoux - Rosa Valetti -

Text?M (M - Eine Stadt sucht einen Mörder), Regie: Fritz Lang,Deutschland - 1931
Produktion: Nero-Film AG, Berlin - Produzent: Seymour Nebenzahl - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Thea von Harbou - Nach einer Vorlage von: Egon Jacobson - Kamera: Fritz Arno Wagner - Zweite Kamera: Robert Baberske - Darsteller: Rudolf Blümner - Fritz Odemar Der Falschspieler - Ernst Stahl-Nachbaur Der Polizeipräsident - Leonard Steckel - Ellen Widmann Die Mutter - Franz Stein Der Minister - Otto Wernicke Kriminalkommissar Lohmann - Otto Waldis - Peter Lorre Der Mörder - Friedrich Gnass Der Einbrecher - Heinrich Gotho /xx/ - Heinrich Gretler - Gustaf Gründgens Der Schränker - Georg John - Paul Kemp Der Taschendieb - Inge Landgut Das Kind - Theo Lingen Der Bauerfänger - Lotte Loebinger - Theodor Loos Kriminalkommissar Groeber - Julius Eckhoff -

Inhaltsangabe
Hans Beckert (Peter Lorre), ein Lustmörder, der bereits acht Kinder auf dem Gewissen hat, führt rein äusserlich das unauffällige Leben eines unbescholtenen Bürgers im Berlin der 1930er. Als Beckert erneut zuschlägt und sich in einem anonymen Bekennerbrief sogar an die Zeitungen wendet, bricht eine Massenhysterie aus, jeder verdächtigt jeden. Inspektor Karl Lohmann (Otto Wernicke), Kriminalkommissar bei der Mordkommission, setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um den Täter zu fassen. Seine permanenten Razzien in einschlägigen Etablissements führen jedoch nicht zum Erfolg, schrecken aber die Berufsverbrecher auf, die ihre Gaunereien, Einbrüche und Diebstähle unter dem grossen Polizeiaufgebot nicht mehr ungestört durchführen können. Der "Schränker" (Gustaf Gründgens), ein respektabler, wegen mehrfachen Totschlags gesuchter Ganove, setzt sich mit den führenden Köpfen verschiedener Verbrecherorganisationen zusammen und schlägt vor, dass die Unterwelt die Angelegenheit selbst in die Hand nimmt. Die Organisation der Bettler überzieht die Stadt daraufhin mit einem lückenlosen Spitzelnetz, in dem Beckert sich verfängt, nachdem ein blinder Bettler (Georg John) ihn am Pfeifen einer Melodie wieder erkannt hat. In einem improvisierten Gerichtsverfahren tritt der Kindermörder vor das Tribunal der Unterwelt und versucht verzweifelt zu erklären, er sei ein Getriebener, der hilflos einem Mordimpuls folge. Als die aufgebrachten Ganoven den Psychopathen lynchen wollen, erscheint die Polizei... (ARD Presse)
Kritiken
"Ein Klassiker der Filmgeschichte. "M" war Fritz Langs erster Tonfilm, inspirieren liess er sich von Zeitungsmeldungen über Serienmörder. Das beklemmende Werk wurde später von Naziregime als subversiv bezeichnet." (tele)

"Die vom Fall Kürten angeregte Geschichte des Kinderkillers, der eine Stadt in Atem hält und schliesslich von der Unterwelt in konkurrierendem Verbund mit der Polizei gestellt wird, besticht durch ihre Ton- und Bildkomposition. So dient die Grieg'sche,Erkennungsmelodie' des Täters nicht allein als musikalisches Leitmotiv, sie erhöht auch die Spannung. Und die ornamentalen Symbole - der Mörder im Rautenmuster sich in einer Schaufensterscheibe spiegelnder Messer - sind optisches Indiz für die Triebverfallenheit des Verbrechers." ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung" vom 8.12.70)

Anmerkungen
"M" erzählt von einem Mann, der kleine Mädchen mordet. Die ganze Stadt Berlin gerät in helle Aufregung und Panik. Die Polizei sucht nach dem Mörder, den man ein Ungeheuer, eine Bestie nennt. Für die Suchmethoden, die dabei angewandt werden, hat sich heute das Wort "Rasterfahndung" eingebürgert. Damit es nach etwas aussieht, werden Razzien veranstaltet. Abend für Abend. Davon fühlt sich die Berufsverbrecherwelt gestört und beschliesst, den Kinderschänder auf eigene Faust zu finden; auch um zu zeigen, dass sie mit "so einem" nichts zu tun hat. Der Film zeigt die Unterwelt bestens organisiert; eine Geheimgesellschaft, die, wenn es darauf ankommt, die ganze Stadt kontrollieren kann. Fritz Lang rückt staatliche Macht und Verbrecherwelt in eine zweideutige Identität. Die Unterwelt kann die Stadt besser kontrollieren und fasst den Kindermörder. Sie stellt ihn vor ein selbsternanntes Gericht. Gustaf Gründgens, der Anführer und Ankläger, fordert die Todesstrafe. Die versammelten Verbrecher äussern das Empfinden des gesunden Volkes. Die Huren sind gefühlvoll, die Ganoven haben ein unerbittliches Rechtsgefühl. In letzter Sekunde greift die staatliche Macht ein. Fritz Lang spricht 1931 über "die entsetzliche Angstpsychose der Bevölkerung, die Selbstbezichtigung geistig Minderwertiger, Denunziationen, in denen sich der Hass und die ganze Eifersucht, die sich im jahrelangen Nebeneinander aufgespeichert haben, zu entladen scheinen." Dieses gesellschaftliche Schreckensbild, nicht ohne Assoziationen zur Weimarer Republik und dem, was darauf folgen wird, hat zum Zentrum die Figur von Lorres Kindermörder. "M" war Peter Lorres erster grosser Film. Diese Rolle machte ihn berühmt, war der Anfang und das prägende Signum seiner Karriere. Wie er den Mörder spielt - als ängstlich getriebener Mensch, beschränkt, geduckt und gehemmt - das erregt Abscheu und Mitgefühl zugleich. Ein hysterisch überreagierender Gehetzter, der seiner Neurose Menschenopfer bringt und am Ende selbst den Menschen zum Opfer fallen soll. Lorre muss Deutschland 1933 verlassen. Er ist Jude. Bald darauf wird aller Welt bekannt sein, welchen Unterschied es macht, ob einer mit dem Buchstaben "M" auf seinem Mantel umhergeht, oder mit einem nach Gesetzesvorschrift aufgenähten gelben Stern. Die Nazis sollten "M" und Peter Lorre nicht vergessen: Der Film wird verboten, aber in dem Propaganda- und Rechtfertigungsfilm "Der ewige Jude" von Fritz Hippler ist Lorre wieder zu sehen: Als Beweis für die Selbstdarstellung der schmutzigen Verkommenheit und Gemeingefährlichkeit des lebensunwerten jüdischen Untermenschen. "M" steckt voller Fingerzeige." (Roland Johannes, wdr Presse)

"Im Namen des Gesetzes: Das letzte Wort über Hans Beckert sprechen dann doch die Gerichte. Aber einige beunruhigende Sekunden lang bleiben die Sessel leer, auf denen die Vorsitzenden des Verfahrens gegen einen mutmasslich psychisch gestörten Mädchenmörder schliesslich Platz nehmen. Für diese kurze Frist lässt Lang diesen Prozess auf Messers Schneide stehen, bevor er noch beginnt. M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER ist eine Geschichte über die Selbstorganisation einer Gesellschaft, die gerade lernt, mit ihren Institutionen zu leben. Die Menschen glauben noch nicht daran, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Sie wollen die Dinge selbst in die Hand nehmen, und Lang zeigt gleich mit der ersten Szene seines ersten Tonfilms, dass dies zu einer Logik des Ausschliessens führt: Kinder stehen im Kreis, ein Mädchen sagt einen Auszählreim, und mit einem harmlosen Spass sind alle Implikationen dieser Geschichte auf dem Tisch. Hans Beckert (Peter Lorre) ist der Schattenmann, seine Silhouette legt sich über das Wort "MÖRDER", mit dem er auf Plakaten gesucht wird. Licht und Schatten, Stille und Töne sind in "M" gleichwertig. Man kennt sein Gesicht noch nicht, aber das ist gar nicht nötig, denn erkannt wird er schliesslich an einer Melodie, einem Lied, das er pfeift, wenn er unruhig ist. Beckert ist ein Triebtäter, sein letztes Opfer wird Elsie Beckmann, die alleine von der Schule nach Hause gehen muss, weil die Mutter (in einem typischen Berliner Hinterhof) gegen Geld anderer Leute Wäsche wäscht. Der Zeitungsjunge wird zum Unheilsboten: �spannend, aufregend, sensationell" sei, was er zum Lesen bringe. Da ist Elsie bereits überfällig, die Fiktionen halten mit der Wirklichkeit nicht Schritt, auch wenn dies Langs Ziel war. Die Suchaktion nach dem Mörder wird zu einer Parallelaktion der offiziell und der inoffiziell Zuständigen: Die Polizei ist immer einen Schritt langsamer als die Bettlerorganisation, die über die ganze Stadt ausschwärmen kann und an jeder Strassenecke einen Mitarbeiter hat. Kleinkriminelle sind auch dabei, sie betrachten sich als ganz normale Berufstätige, und es passt in die Klassenlogik des Films, dass die Bettler in ein Bürogebäude einbrechen müssen, um einen Mörder zu erbeuten, dem sie dann ein Femegericht bereiten, das schlimmer ist als die Heimsuchung Mabuses durch die Geister. Der Mörder, den Peter Lorre als gepeinigte Kreatur spielt, soll "ausgerottet werden". In letzter Sekunde eröffnet sich ihm der Ausweg einer gerechten Bestrafung auf dem Amtsweg. Nicht nur der Mörder, auch die Stadt ist gemeint in dieser Psychopathologie des Alltagslebens." (Filmarchiv Austria)

"Fritz Langs erster Tonfilm "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" zählt zu den Meisterwerken des deutschen Vorkriegskinos. Durch präzise Alltagsbeobachtungen, klare Figurenzeichnungen und die filmisch virtuose Schilderung der Menschenhatz erzeugt der expressionistische Kriminalfilm bis zuletzt atemlose Spannung - obwohl der einzige Mord nur durch das Rollen eines Balles und das Wegfliegen eines Luftballons angedeutet wird. Zeitungsberichte über den Serienmörder Peter Kürten inspirierten Lang und seine Ehefrau Thea von Harbou zu einem Film über einen seelisch kranken Kindermörder, den Peter Lorre in seiner ersten Filmrolle so eindringlich verkörperte, dass er von diesem Image nie mehr ganz loskam." (ARD Presse)

Text?Man Hunt Regie: Fritz Lang,USA - 1941
Produktion: 20th Century-Fox Film Corporation - Produzent: Kenneth McGowan - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Dudley Nichols - Nach einer Vorlage von: Geoffrey Household novel "Rogue Male" - Kamera: Arthur C. Miller - Musik: Alfred Newman - Schnitt: Allen McNeil - Architekt: Richard Day - Wiard B. Ihnen - Set Decoration: Thomas Little - Kostümbild: Travis Banton - Darsteller: Frederik Worlock Lord Gerald Risborough - William von Brincken Harbor Police Chief (AKA William Vaughn) - Walter Pidgeon Captain Alan Thorndike - George Sanders Major Quive-Smith - Arno Frey Police Lieutenant - Ludwig Stössel Doctor (as Ludwig Stossell) - Holmes Herbert Saul Farnsworthy - Frederick Vogeding Ambassador (AKA Fredrik Vogeding) - Hertlin Thatcher Lady Alice Risborough - Roddy McDowall Vaner - Joan Bennett Jerry Stokes - Egon Brecher Pawnbroker - John Carradine Mr. Jones - Carl Ekberg Adolf Hitler - Adolph Milar German Pigeon Man - Roger Imhof Captain Jensen - Kurt Kreuger German Attaché (/xx/) - Adolf Edgar Licho Little Fat Man (/xx/) - Eily Malyon Lyme Regis Postmistress - Lester Matthews Major - Keith Hitchcock Bobby -

Text?Metropolis Regie: Fritz Lang,Deutschland - 1926
Produktion: Universum-Film AG (UFA), Berlin - Produzent: Erich Pommer - Regisseur: Fritz Lang - Regieassistent: Slatan Dudow Volontär - Drehbuch: Thea von Harbou - Fritz Lang - Story : Thea von Harbou novel - Kamera: Eugen Schüfftan - Günther Rittau - Karl Freund - Helmar Lerski Shufftan-Prozess - Schwenker: Robert Baberske /xx/ - Musik: Giorgio Moroder Neue Version 1984 color - Gottfried Huppertz Originalpartitur - Frank Strobel Rekonstruktion 2010 - Architekt: Karl Vollbrecht - Erich Kettelhut - Otto Hunte - Kostümbild: Aenne Willkomm - Maskenbildner: Otto Genath - Weiteres Team: Horst von Harbou Standfotos - Darsteller: Fritz Rasp Grot - Hilde Woitscheff Frau in den Ewigen Gärten - Hans Leo Reich Marinus - Arthur Reinhardt Arbeiter - Helene Weigel Arbeiterin - Helen von Münchhofen Frau in den Ewigen Gärten - Max Diete Arbeiter - Olaf Storm Jan - Rolf von Groth Sohn in den Ewigen Gärten - Erwin Vater Arbeiter - Theodor Loos Josaphat - Fritz Alberti der Schöpferische Mann - Grete Berger Arbeiterin - Erwin Biswanger Georgy, Nr. 1181 - Olly Böheim Arbeiterin - Ellen Frey Arbeiterin - Gustav Fröhlich Freder Fredersen - Beatrice Garga Frau in den Ewigen Gärten - Heinrich George Contrem - Lisa Gray Arbeiterin - Heinrich Grotto Zeremonienmeister - Brigitte Helm Maria - Anny Hintze Frau in den Ewigen Gärten - Georg John Arbeiter am Moloch - Rudolf Klein-Rogge Rotwang - Walter Kühle Arbeiter - Margarete Lanner Dame im Auto - Rose Liechtenstein Arbeiterin - Alfred Abel Johann Fredersen -

Inhaltsangabe
Johann Fredersen ist der Schöpfer der gigantischen Zukunftsstadt Metropolis. Unerbittlich herrscht er über ein Heer von Arbeitssklaven, die in unterirdischen Fabriken an den Maschinen für das süße Nichtstun der Privilegierten in der Oberstadt schuften. In das Paradies der Reichen verirrt sich eines Tages das Mädchen Maria. Fasziniert von ihrer Schönheit, folgt ihr Fredersens Sohn Freder in die Unterstadt. Er lernt das Elend der Arbeiter kennen und wendet sich gegen den Vater. Fredersen zwingt den Erfinder Rotwang, einen Roboter mit der Gestalt Marias, die von den Arbeitern respektiert, ja verehrt wird, zu schaffen. Dieser Roboter hetzt die Arbeiter auf, sie zerstören ihre Maschinen und bringen sich selbst in höchste Gefahr. Im letzten Moment können Freder und die richtige Maria die Katastrophe aufhalten... (3Sat Presse) "Metropolis": In einer Klassengesellschaft leben die Arbeiter versklavt in unterirdischen Fabriken, die Reichen genießen ein luxuriöses Dasein in der Oberstadt. So auch Freder, der Sohn von Joh Fredersen, dem mächtigsten Mann von Metropolis. Eines Tages begegnet er Maria, die den Arbeitern mit ihren Predigten von Liebe und Klassenlosigkeit Hoffnung schenkt, und folgt ihr in die Unterwelt. Als er die Lebensverhältnisse der Arbeiter sieht, ist er erschüttert und will einer von ihnen werden. Um das zu verhindern und Maria auszuschalten, beauftragt sein Vater den Erfinder Rotwang, eine Doppelgängerin von Maria zu erschaffen, die zu Kampf und Zerstörung aufruft. Rotwang erfüllt diesen Wunsch, doch nicht um Fredersen zu helfen, sondern um ihn und seine Stadt zu vernichten. Der Grund: Rotwang hasst Fredersen, da er an ihn seine Geliebte Hel verloren hat, die dann bei Freders Geburt gestorben ist. Rotwang wollte schon Hel als Menschmaschine wiedererschaffen; nun verleiht er ihr die Gestalt Marias. Fredersens Plan geht zunächst auf. Von Marias Doppelgängerin aufgestachelt, revoltieren die Arbeiter und verwüsten die Unterstadt. Als sie erkennen, dass sie dabei eine Überschwemmung ausgelöst haben und ihre Kinder in Gefahr sind, wollen sie sich an Maria rächen. Die unheilbringende Doppelgängerin wird gefasst und verbrannt, während die wahre Maria mit Freder die Kinder der Arbeiter vor den Wassermassen rettet. Beim Showdown zwischen Freder und Rotwang wird der Erfinder getötet und die Arbeiter erkennen den fatalen Betrug. Die Bewohner von Metropolis sind geeint und der Weg ist frei für eine Welt ohne Klassenunterschiede. (Arte Presse Rekonstruktion 2010)
Kritiken
"METROPOLIS ist nicht ein Film. METROPOLIS sind zwei Filme, Bauch an Bauch aneinanderklebend, aber mit verschiedenen geistigen Beweggründen von extremer Widersprüchlichkeit. Wer das Kino als zurückhaltenden Geschichtenerzähler sieht, wird bei METROPOLIS eine schwere Enttäuschung erleben. Was uns hier erzählt wird, ist trivial, schwülstig, schwerfällig und von überkommenem Romantizismus. Wenn wir aber der Story den Aspekt der plastischen Photogenie vorziehen, wird METROPOLIS alle unsere Erwartungen übertreffen und uns als das herrlichste Bilderbuch begeistern, das man sich nur ausmachen kann. Was für eine begeisternde Symphonie der Bewegung! Das gesamte Kristallwerk der ganzen Welt, romantisch in Reflexe zerlegt, versammelt sich in diesem modernen Kanon des Kinos." (Luis Bunuel) "In einer visionären Zukunftsstadt wird mit gigantischen Mitteln der Kampf zwischen Arm und Reich ausgetragen. Berühmter Stummfilmklassiker mit Nachvertonung" (Falter, Studio München) "In seinem Hang zum Ornamentalen ging Fritz Lang so weit, dass er die Massen selbst da noch in dekorative Muster zwängte, wo sie sich vor der Überschwemmung der Unterstadt verzweifelt zu retten versuchten. Gerade diese Szenen, filmisch geglückt und technisch meisterhaft, wie sie waren, drängten sich dem menschlichen Gefühl als empörend misslungen auf. METROPOLIS beeindruckte das deutsche Publikum. In Amerika schätzte man die technisch hervorragenden Leistungen des Films, in England verhielt man sich kühl; die Franzosen fühlten sich beunruhigt von einem Film, der ihnen als eine Kreuzung von KRUPP und WAGNER und alles in allem als ein warnendes Anzeichen deutscher Vitalität erschien." (Siegfried Kracauer, Von Caligari bis Hitler) "Ich habe neulich den törichsten Film gesehen. Ich glaube nicht, dass es möglich sein könnte, einen noch dümmeren zu machen. Er heisst METROPOLIS, kommt von den grossen UFA-Ateliers in Deutschland, und dem Publikum wird bekanntgegeben, dass seine Herstellung ein enormes Geld gekostet hat. Er verabreicht in ungewöhnlicher Konzentration nahezu jede überhaupt mögliche Dummheit, Klischee, Plattheit und Kuddelmuddel über technischen Fortschritt überhaupt, serviert mit einer Sauce von Sentimentalität, die in ihrer Art einzigartig ist... Das Schlimmste ist, dass dieser phantasielose, verworrene, sentimentale und dummtäuschende Film einige wirklich schöne Möglichkeiten verschwendet. Mein Glaube an den Unternehmungsgeist der Deutschen hat einen Schock erlitten. Ich bin ausserordentlich enttäuscht über den schlauen Schlendrian, der sich hier zeigt. Ich dachte, dass Deutschland selbst in seiner schlechtesten Form sich wenigstens Mühe geben könnte. Ich dachte, man hätte sich dort entschlossen, industriell modern zu sein." (H.G. Wells, Frankfurter Zeitung vom 3. Mai 1927) "Wir haben in METROPOLIS ein Werk, das sowohl in der Kühnheit des Manuskriptes als auch in der technischen Durchführung kaum mit irgendeinem deutschen Erzeugnis verglichen werden kann." (Der Kinematograph Nr. 1039, 16. Januar 1927) "In METROPOLIS entwarf Lang das Schreckensbild einer Zukunftswelt, in der Massen von Sklaven einer Herrenkaste dienen, die für sie an Stelle des Schicksals getreten ist." (Enno Patalas in Abendzeitung, München, vom 4. Mai 1965) «Das expressionistische Meisterwerk setzte mit phantasievoll futuristischer Architektur, Effekten und Montagetechnik Standards für das SF-Genre. Die Revolution der versklavten Arbeiter unter Führung eines weiblichen Roboters mündet in einem schiefen Happy End, aber das tut dem von Fritz Lang mit gewohnt monumentaler Pose präsentierten Epos keinen Abbruch. Unvergessen: Der Roboter nimmt in einem Energiefeld aus wandernden Strahlungsringen die Gestalt des Mädchens Maria an. » (Cinema, 2000) "Nicht nur visuell ein revolutionärer Klassiker..." (tele 10/2009)
Anmerkungen
Thea von Harbou im Vorwort zu Metropolis Dieses Buch ist kein Gegenwartsbild. Dieses Buch ist kein Zukunftsbild. Dieses Buch spielt nirgendwo. Dieses Buch dient keiner Tendenz, keiner Klasse, keiner Partei. Dieses Buch ist ein Geschehen, das sich um eine Erkenntnis rankt: Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein. Thea vo Harbou, METROPOLIS, Berlin 1926
Die Drehzeit des Films betrug 31 Wochen in der Zeit vom 22. März 1925 bis 30. Oktober 1926, Produktionskosten 1'300'000 Mark (Luc Moullet: Fritz Lang) 1984 wurde eine colorierte Version hergestellt, für welche der südtiroler Komponist Giorgio Moroder die Musik schrieb.
"METROPOLIS, Fritz Langs inzwischen 75 Jahre alte Zukunftsvision unserer Welt im Jahre 2000 war seit seiner Entstehung ein Film der Widersprüche, der Extreme: extrem die Produktionszeit, die 17 Monate, von Mai 1925 bis Oktober 1926 dauerte; extrem der Verbrauch an Filmmaterial, unglaubliche 620 Tausend Meter sollen es gewesen sein; extrem auch der beispiellose Aufwand an Ausstattung und Tricktechnik. Ebenso beispiellos wie der Etat: mehr als umgerechnet 50 Millionen Mark hatte die Ufa in ihr bis dahin teuerstes Projekt gesteckt. Und dann wollten den Film nach seiner Berliner Premiere im Januar 1927 gerade mal 15.000 Besucher sehen. Um das totale Fiasko abzuwenden, wurde damals getan, was in solchen Fällen auch heute noch üblich ist: METROPOLIS wurde für weitere Einsätze in Deutschland umgeschnitten und gekürzt. Man orientierte sich dabei weitgehend an einer gekürzten Fassung des Films, die für den US-Markt auf ,normale' Kinolänge zurechtgestutzt worden war. Von den 4189 Metern des Films (das entspricht bei einer Vorführgeschwindigkeit von 24 Bildern pro Sekunde etwa 153 Minuten) blieben nach der Kürzung nur noch ca. 3200 Meter übrig. Das herausgeschnittene Material, so müssen wir heute befürchten, wurde vernichtet. METROPOLIS wurde aber nicht nur gekürzt, sondern auch umgeschnitten. Der amerikanische Theaterautor Channing Pollock, der im Auftrag des US-Verleihs Paramount die gekürzte Fassung hergestellt hatte, sagte, die Urfassung des Films sei schierer Symbolismus gewesen und niemand hätte verstanden, von was der Film eigentlich handeln würde. Pollock verpasste dem Film also sein Verständnis von Handlung, ohne Rücksicht auf inhaltliche Zusammenhänge oder das dramaturgische Gesamtkonzept. Offenbar wurden Fritz Lang und Thea von Harbou nie zu dieser radikalen Umgestaltung befragt, geschweige denn mit einbezogen. Man sieht: Urheberrecht wurde damals beim Film noch nicht so groß geschrieben. Von dem Werk, das Fritz Lang und Thea von Harbou im Winter 1926 abgeliefert hatten, war ein halbes Jahr später nicht mehr als ein Torso übrig. Der Regisseur schäumte. In einem Interview, das Lang im Herbst 1927 einer englischen Zeitung gab, sagte er: "Ich werde nie mehr nach Amerika fahren. Die Amerikaner haben meinen Film ruiniert." METROPOLIS gilt heute als der bekannteste Torso des deutschen Films. Dieser Torso landete aber nicht etwa auf dem Friedhof der Filmgeschichte (wie es die lange Liste vergleichbarer Flops nahe legen würde), sondern dieser Torso erwies sich als extrem lebensfähig. In den 60er Jahren wurde METROPOLIS weltweit wiederentdeckt (in der erwähnten Paramount-Fassung), in den 80er Jahren dann stieg er zum Kultfilm auf - und beflügelt seither die Fantasie von Filmemachern: Die Stadtvisionen von Ridley Scotts BLADE RUNNER wären ohne METROPOLIS nicht denkbar; der Film beflügelt die Fantasie von Architekten, Designern oder Musikern, Musikvideos von Madonna oder Freddy Mercury zitieren aus METROPOLIS oder die Techno-Versionen Jeff Mills. Der Film beschäftigt wegen seiner Unvollständigkeit schon lange die Restauratoren. In den späten 60er Jahren hatte es beim staatlichen Filmarchiv der DDR einen Rekonstruktionsversuch von METROPOLIS gegeben, der aus verschiedenen Überlieferungen des Films zusammengesetzt wurde. Mitte der 80er Jahre hat dann unter Leitung von Enno Patalas das Münchner Filmmuseum eine Fassung hergestellt, die sich an den Vorgaben des Drehbuchs, an der Partitur der Originalmusik von Gottfried Huppertz und an den Zensurkarten orientieren konnte - die alle drei erhalten geblieben sind. Der Film konnte zwar nicht mehr in seine ursprüngliche Länge, doch zumindest in seine ursprüngliche Schnittfolge zurückversetzt werden. Diese Münchner Fassung war Grundlage der neuen von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Auftrag gegebenen Restaurierung, die in diesem Jahr abgeschlossen wurde, und die der Premierenfassung am nächsten kommen dürfte. Die Restaurierung von METROPOLIS ist nur ein - wenn auch sehr prominentes - Beispiel für die Arbeit der Murnau-Stiftung. Seit 35 Jahren engagiert sich die Stiftung für den Erhalt und die Pflege des deutschen Filmerbes, dessen überwiegenden Teil sie besitzt. Zum Rechtebestand zählen neben METROPOLIS die frühen Filme Fritz Langs, darunter DER MÜDE TOD, DIE NIBELUNGEN oder SPIONE, Ernst Lubitschs SUMURUN, MADAME DUBARRY oder ANNA BOLEYN oder die Arbeiten Friedrich Wilhelm Murnaus, dem Regisseur von NOSFERATU, FAUST oder DER LETZTE MANN. Zahlreiche Stummfilme wurden in den vergangenen Jahren mit Unterstützung des Bundesarchivs-Filmarchivs durch Umkopierungen von leicht brennbarem Nitro-Material auf Azetat oder Polyester gesichert und restauriert. Hinzu kommen etwa 1000 Tonfilme aus den Jahren 1930 bis 1960. Die meisten Produktionen der Firmen Ufa, Terra, Tobis oder Bavaria, darunter DER BLAUE ENGEL, DIE DREI VON DER TANKSTELLE oder MÜNCHHAUSEN. Auch sie benötigen ein Bild ohne Laufschrammen, einen besseren Ton oder frische Farben, um auch Zuschauern von heute den Zugang zu diesen besonderen Zeugnissen der Vergangenheit - man könnte auch sagen: zum Gedächtnis des 20. Jahrhunderts - zu erleichtern. Dies ist Denk-mal-pflege im wahrsten Sinne: wenn wir unsere filmischen Zeugnisse nicht pflegen, verlieren wir unser historisches und kulturelles Gedächtnis. Eine besondere Rolle bei der Restaurierung alter Filme spielen die digitalen Techniken. Sie ermöglichen Retuschen, Reparaturen, Stabilisierungen am beschädigten Bild, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären. Diese Verfahren sind sowohl in finanzieller wie in zeitlicher Hinsicht noch sehr aufwändig. Aber diese Verfahren sind eigentlich nicht mehr wegzudenken. Da sich bekanntlich die Leistungsfähigkeit der Rechner etwa alle 18 Monate verdoppelt, ist leicht auszurechnen, wann eine digitale Restaurierung nur noch einen hohen fünfstelligen, statt hohen sechsstelligen Betrag und statt ein Jahr nur noch ein paar Monate Arbeit kosten wird. An einigen Beispielen aus METROPOLIS lässt sich zeigen, mit welcher Art und welchem Ausmaß an Schäden wir bei der Restaurierung von METROPOLIS zu tun hatten und wie sie behoben wurden: Zittriger Bildstand, Laufschrammen, Klebestellen, Beschädigte Perforation, Einzeichnungen, Zerstörte Bildteile, Retuschen von Untertiteln. Das Verfahren der digitalen Restaurierung: Der Originalfilm wird eingescannt, im Computer Bild für Bild bearbeitet, anschließend auf Zelluloidfilm ausbelichtet und ist so wieder vorzeigbar. " (FRIEDEMANN BEYER, Vorstand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, stellte den Film METROPOLIS als deutschen Beitrag zum Memory of the World-Programm anlässlich der Tagung "Kulturelles Gedächtnis - das UNESCO-Programm Memory of the World" am 6. Dezember 2001 im Haus der Geschichte in Bonn vor. - UNESCO Heute)
"Fritz Langs großartiger, einflussreicher Stummfilmklassiker "Metropolis" wurde 2001 als einziger Film ins UNESCO-Register "Memory of the World" aufgenommen. Damit repräsentiert "Metropolis" neben Beethovens 9. Sinfonie, Goethes "Faust" und der Gutenberg-Bibel das schutzwürdige geistesgeschichtliche Erbe Deutschlands. Bei seiner Uraufführung im Januar 1927 hatte "Metropolis", der einflussreiche Filmklassiker von Fritz Lang, eine Länge von etwa 150 Minuten. Für die amerikanische Verleihfassung wurde der Film um fast ein Viertel gekürzt. Auf der Grundlage einer Rekonstruktion von Enno Patalas wurde auf Initiative der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung erstmals eine Fassung hergestellt, in der die Schnittfolge des Films soweit wie möglich wieder hergestellt wurde und eine photographische Qualität erreicht wurde, die dem Bildeindruck der Premierenkopie sehr nahe kommen dürfte. Die neue Fassung wurde auf den Berliner Filmfestspielen 2001 mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Frank Strobel uraufgeführt. Der Auftrag für eine neue "Metropolis"-Musik ging an Bernd Schultheis, der sein Konzept so beschreibt: "Die Musik soll die Gleichzeitigkeit der Ober- und Unterwelt/-schicht von 'Metropolis' vermitteln, den Fluss und den Puls des Films betonen und an Stellen, wo dieser aufgrund fehlender Szenen gefährdet ist, unterstützen." Bernd Schultheis, geboren 1964, gehört international zur ersten Wahl junger Filmkomponisten. Seine Stummfilm-Musiken, international aufgeführt und für ARTE und 3sat aufgezeichnet, vereinen die komplexe Klangsprache Neuer Musik und filmdramaturgische Funktionalität." (3Sat Presse)
"METROPOLIS ist das prototypische offene Kunstwerk der Filmgeschichte: editorisch für immer unabschließbar, hermeneutisch unendlich ergiebig, ideologisch ausgesprochen anfechtbar. Thomas Elsaessers Zwischenbilanz: „Vielleicht übersteht Langs Film die widersprüchlichen Behandlungen, denen er über die Jahrzehnte ausgesetzt war, so gut, weil er die robuste Gestalt eines Märchens hat. Solche Geschichten überstehen raue Behandlungen unversehrt, dank ihrer Redundanzen und archetypischen Konfigurationen. Die Ufa konkurrierte nicht nur in Größe und Spezialeffekten mit dem US-Film, sondern wollte auch eine Romanze für das Zeitalter der Maschinen präsentieren - eine epische Geschichte, wie sie zuvor nur die Amerikaner zu erzählen wußten. Auch wenn METROPOLIS die Hoffnungen der Ufa nicht erfüllte, reproduzierte der Film doch sehr akkurat die doppelte Plot-Struktur der klassischen Hollywood-Narration, in der Märchen und Romanze mit einer Abenteuerhandlung und einer Suche verwoben werden. (...) Neben der Romanze zwischen Freder und Maria gibt es das romantisch-gotische Märchen des Zauberlehrlings: Ein Erfinder erschafft ein künstliches menschliches Wesen, das Zerstörung über alle Beteiligten bringt. Dagegengestellt ist die Intrige um den ,Schmalen' - Auge und Ohr des Herrschers über Metropolis - und der schließlich vereitelte Plan, die Helfer des Helden zu neutralisieren. Die zweite Intrige ist Rotwangs Rache, der versucht, den Sohn des Mannes zu zerstören, der ihm seine Liebe raubte. (...) Neben den Elementen aus Volkserzählungen war weder der Symbolismus von der Jungfrau Maria noch die Aufteilung in Jungfrau und Hure vorherigen Kommentatoren entgangen, doch in der zynischen Berliner Atmosphäre von 1927 wurde die Figur der Maria mit unverhüllter Häme begrüßt. (...) In seinem einflußreichen Essay The Vamp and the Machine nimmt Andreas Huyssen zwei traditionelle Motive der Weimarer Republik auf: den ängstlichen Mann und den technophoben Kulturpessimismus der Intellektuellen. Seine Hauptthese lautet, dass dem Film eine sinnreiche und originelle Lösung dieser beiden Komplexe gelingt, indem eine Geschichte konstruiert wird, in der die kulturell verhältnismäßig junge Furcht vor ,unkontrollierbarer Technologie' auf die archaischere Furcht vor ,unkontrollierbarer weiblicher Sexualität' projiziert wird. Der Stil korrespondiert mit dieser Bewegung auf der ideologischen Ebene: Das expressionistische Pathos in der Sprache der Figuren wird schließlich von der kühlen Maschinenästhetik der Neuen Sachlichkeit begrenzt." (Thomas Elsaesser, Metropolis, 77-81, gekürzt)
Die DVD-Edition von Euroka-Video besticht durch die optische Qualität der sorgfältigen Restaurierung des Films und zeigt den Film in einer wohl einmaligen Brillianz. Höchst interessant sind auch die Beiträge über den 'Fall Metropolis' sowie die Dokumentation über den Restaurierungsprozess. (lhg) 2008 wurden in Argentinien verschollene Fragmente aus der Originalfassen gefunden. Sie sollen restauriert und in einer neuen Version integriert werden.
«Entdeckt wurde diese weltweit einzigartige "Metropolis"-Fassung von Fernando Martín Peña und der Direktorin des Museo del Cine, Paula Félix-Didier, in Argentinien. Im Museo del Cine in Buenos Aires lagerte ein 16-mm-Negativ des Films, das 30 Minuten Filmmaterial enthielt, das in keiner anderen überlieferten Kopie zu sehen war. Dank dieser Szenen vermittelt die aktuelle Restaurierung einen authentischen Eindruck von der ursprünglichen Fassung des Films, auch wenn noch immer etwa 300 Meter fehlen. Die Verstümmelung des Monumentalfilms begann kurz nach seiner Premiere am 10. Januar 1927 im Berliner Ufa-Palast am Zoo. Die Uraufführungsfassung von 4189 Metern lief vier Monate ohne Erfolg, weshalb die Ufa den Film zurückzog und um circa 30 Minuten auf 3241 Meter kürzen ließ. Dabei orientierte sie sich an der amerikanischen Verleihfassung von 1926. Der von Paramount beauftragte Theaterautor Channing Pollock hatte den Film damals um etwa ein Viertel auf die gängige Kinolänge von 3100 Meter gekürzt und alle "kommunistischen Tendenzen" eliminiert. Kurz nach der Premiere und noch vor den Kürzungen erwarb der argentinische Filmverleiher Adolfo Wilson eine Kopie, die er ab 1928 in argentinischen Kinos einsetzte. Nach der kommerziellen Auswertung gelangte diese Kopie in den privaten Besitz des Filmkritikers Manuel Peña Rodriguez, dessen Sammlung später an das Museo del Cine Pablo C. Ducrós Hicken gegeben wurde. In den 70er-Jahren wurde von der inzwischen stark beanspruchten Nitrokopie eine Sicherheitskopie als 16-mm-Negativ gezogen. Das leicht entflammbare Nitromaterial, dessen Beschädigungen im Duplikat nun verewigt sind, wurde anschließend vermutlich vernichtet. Eine der großen Herausforderungen der Filmrestaurierung ist der problematische Zustand des in Argentinien wiederentdeckten 16-mm-Materials, das von einer stark abgenutzten 35-mm-Verleihkopie gezogen wurde. Trotz modernster Restaurierungstechnik wird der Unterschied der wiederentdeckten Teile zur Qualität der Fassung von 2001 immer sichtbar sein. Das 16-mm-Material wurde bei ARRI in München gescannt und unter Einsatz einer individuell entwickelten Software bei alphaω im Einzelbildverfahren retouchiert. Eine weitere Herauforderung lag in der Wiederherstellung der ursprünglichen Montage des Films. Dafür spielt die überlieferte Originalmusik von Gottfried Huppertz eine entscheidende Rolle. Archiviert sind im Filmmuseum Berlin seine handschriftliche Partitur für großes und kleines Orchester sowie ein handschriftliches Particell und der gedruckte Klavierauszug, der 1028 Synchronmarken enthält. Mit Hilfe dieser originalen Musikmaterialien wurde sowohl die Platzierung des wiederentdeckten Materials verifiziert, als auch eine Korrektur der Schnittfassung der bisher kursierenden "Metropolis"-Kopie vorgenommen, die zuletzt 2001 überarbeitet worden war. Für die Rekonstruktion der Musikfassung zeichnet Frank Strobel verantwortlich, der als Dirigent und Musikhistoriker zusammen mit Anke Wilkening (Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung) und Martin Koerber (Deutsche Kinemathek) die aktuelle Restaurierung betreut hat. Parallel liefen die Vorbereitungen zur Wiederaufführung und Musikeinspielung, koordiniert von der Filmredaktion ZDF/ARTE in Zusammenarbeit mit dem RSB, Deutschlandradio und der Europäischen Filmphilharmonie. Dabei entstand ein komplett neuer Notensatz auf der Grundlage der überlieferten handschriftlichen Musikmaterialien, der von der Filmphilharmonie sowohl als Urtextausgabe wie auch als kritisch-editorische Aufführungsausgabe veröffentlicht wird. Restauriert wurde "Metropolis" von der in Wiesbaden ansässigen Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Kooperation mit ZDF und ARTE, gemeinsam mit der Deutschen Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen (Berlin) und in Zusammenarbeit mit dem Museo del Cine Pablo C.» (Nina Goslar, Presse ZDF / Arte, Februar 2010)

Text?Ministry of Fear Regie: Fritz Lang,USA - 1944
Produktion: Paramount Pictures - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Seton I. Miller - Nach einer Vorlage von: Graham Greene novel - Kamera: Henry Sharp - Musik: Victor Young - Schnitt: Archie Marshek - Architekt: Hans Dreier - Hal Pereira - Darsteller: Helene Grant - Percy Waram - Erskine Sanford - Marjorie Reynolds - Dan Duryea - Alan Napier - Aminta Dyne - Ray Milland - Carl Esmond - Thomas Louden - Mary Field - Hillary Brooke -

Text?Operacija «Y» i drugie prikljuchenija Shurika Regie: Leonid Gajdaj,UdSSR - Sowjet Union - 1965
Produktion: Mosfilm - Regisseur: Leonid Gajdaj - Drehbuch: Moris Slobodskoj - Leonid Gajdaj - Jakov Kostjukovskij - Kamera: Konstantin Brovin - Musik: Aleksandr Zacepin - Architekt: Artur Berger - Darsteller: Georgij Vizin - Vladimir Vladislavskij - Vladimir Rautbart - Valentina Berezutskaja - Zoja Fjodorova - Jevgenij Morgunov - Jurij Nikulin - Viktor Pavlov - Natalja Selezneva - Vladimir Basov - Mikhail Pugovkin - Aleksej Smirnov - Aleksandr Demjanenko - Marija Kravchunovskaja -

Anmerkungen
«Šurik, angelehnt an die großen Stummfilmkomiker, ist ein schmächtiger, tollpatschiger, aber in den entscheidenden Momenten mutiger und gewitzter Held, der es meist – wie es nicht anders sein kann – mit wesentlich Stärkeren zu tun bekommt. Mit seinen in Russland bis heute beliebten Komödien zählte Leonid Gajdaj in den 1960er und 1970er Jahren zu den erfolgreichsten Regisseuren in der Sowjetunion. Der Witz bewegte sich immer am Rand des Erlaubten. In OPERATION «Y» ist es sogar möglich, sich über das heiligste Gebiet der staatlichen Fürsorge, den Wohnbau, lustig zu machen.

LEONID GAJDAJ
Geboren 1923 in Svobodnyj, Russland. Sohn eines Eisenbahners. Während des zweiten Weltkriegs tritt er freiwillig in die Armee ein und wird schwer verwundet. 1955 absolviert er die Moskauer VGIK (Allrussisches Staatliches Institut für Kinematographie). Autor zahlreicher überaus populärer Komödien der Sechziger bis Achtziger Jahre. Stirbt 1993 in Moskau.» (filmarchiv.at)

Text?Poddubenskie chastushki Regie: Herbert Rappaport,UdSSR - Sowjet Union - 1957
Produktion: Lenfilm - Regisseur: Herbert Rappaport - Kamera: Moisej (Mikhail) Magid - L Sokolskij - Musik: N Agafonnikov - Schnitt: L Lander - Architekt: V Volin - Kostümbild: L Shildknekht - Tonmeister: E Nesterov - Darsteller: S Kokovkin - G Mochalova - E Vinichenko - V Timofejev - E Orlova - E Baskakov - R Suvorova - A Mazurina - M Mudrov - S Karpinskaja - Je Rokotova - L Stepanov - Ju Pugachevskaja -

Anmerkungen
«Das durchgestaltete In- und Miteinander der Künste sollte die (post)stalinistische Gesellschaft einer einzigartigen Form der Kultur zuführen: einer, die den Unterschied von E/U, Hochkultur/Folklore, Stadt/Land oder jung/alt nicht kennt. Im kongenialen DER TRAUM EINES FUSSBALLFANS tanzen also Sportler Ballett oder umgekehrt: Volkstänzer spielen Fußball. Die ČASTUŠKI AUS PODDUBKI wiederum, freche Sing-Sang-Reime frecher Kolchosenarbeiterinnen (auf ihren verbohrten Vorsitzenden zum Beispiel oder den Traktoristen Griša), werden von Laien dargeboten: Kolchosalltag im Leningrader Kirov-Palast der Kultur!» (filmmuseum.at)

Text?Professor Mamlok (Professor Mamlock), Regie: Adolf Minkin,UdSSR - Sowjet Union - 1938
Produktion: Lenfilm - Regisseur: Adolf Minkin - Herbert Rappaport - Drehbuch: Herbert Rappaport - Friedrich Wolf - Adolf Minkin - Nach einer Vorlage von: Friedrich Wolf Play - Kamera: Georgij Filatov - Musik: Nikolaj Timofejev - Jurij Kochurov - Darsteller: S Nikitina - Oleg Zhakov - I Sonne - Semjon Mezhinskij - Nina Shaternikova Doktor Inge - Vasilij Merkurjev - Vladimir Chestnokov -

Anmerkungen
«Rappaports Regie-Debüt, die Friedrich- Wolf-Adaption PROFESSOR MAMLOK, ist ein Anti-Nazi-Film und eine qualvoll analytische, nackt inszenierte Studie des Antisemitismus, in der sämtliche Abstufungen von Erniedrigung-Degradierung-Auslöschung in eisigem Schwarz-Weiß durchdekliniert werden. Einst Heimstätte des renommierten Chirurgen Mamlok wird die Klinik zum Hort des Spotts und der Entfremdung. Am Ende muss Mamlok gehen, um den Hals ein «Jude»-Schild. Einst glaubte er an Aufklärung, Forschung und liberale Werte, hatte mit den Kommunisten ein Problem, wich der Klassenfrage aus. Nun steht er der Rotzbande und ihrer «Rassentheorie» gegenüber. Im Buch nimmt er sich das Leben; der Film ruft zur Revolution. Rotfront!» (filmarchiv.at)

Text?Rancho Notorious (Engel der Gejagten), Regie: Fritz Lang,USA - 1952
Produktion: RKO Radio Pictures - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Daniel Taradash - Story : Sylvia Richards - Kamera: Hal Mohr - Musik: Hugo Friedhofer - Emil Newman - Darsteller: William Frawley - Arthur Kennedy - Mel Ferrer - Jack Elam - Marlene Dietrich -

Inhaltsangabe
Gerade erst ist der Cowboy Vern Haskell (Arthur Kennedy) aus der Stadt geritten, da wird der Laden, in dem seine Braut Beth (Gloria Henry) arbeitet, brutal überfallen. Entsetzt muss Vern bei seiner Rückkehr erfahren, dass seine Verlobte von den Verbrechern vergewaltigt und ermordet wurde. Von Hass erfüllt, schliesst er sich dem Suchtrupp des Sheriffs an, nur ein Ziel vor Augen: die Mörder zur Strecke zu bringen. Während der Sheriff und dessen Männer an der Grenze zum nächsten Verwaltungsgebiet aufgeben und umkehren, reitet Vern fest entschlossen alleine weiter. Unterwegs findet er einen der Gangster, den schwer verletzten Whitey (John Doucette), der von seinem gierigen Kompagnon Kinch (Lloyd Gough) niedergeschossen wurde. Whiteys letzte Worte bringen Vern auf die Spur der mysteriösen Bardame Cora Keane (Marlene Dietrich). Cora gewann einst mit Hilfe des Revolverhelden Frenchy Fairmont (Mel Ferrer) ein kleines Vermögen beim Glücksspiel und leitet inzwischen eine Farm nahe der mexikanischen Grenze. Dort bietet sie gejagten Verbrechern gegen einen entsprechenden Anteil an der Beute Unterschlupf. Vern findet heraus, dass Frenchy im Gefängnis sitzt. Er provoziert seine eigene Verhaftung und verhilft dem lässigen Revolverhelden zur Flucht. Der Plan scheint aufzugehen: Frenchy freundet sich mit seinem Retter an und führt ihn zu Coras Farm mit Namen "Cheerio". Vern ist nun sicher, dort unter den zahlreichen Ganoven auch Beths Mörder zu finden. Die schöne, abgebrühte Cora lässt sich auf einen Flirt mit Vern ein und spürt sehr schnell, dass er kein gewöhnlicher Bandit ist. Sie bittet Frenchy, den Cowboy nicht in kriminelle Machenschaften hineinzuziehen - ohne Erfolg. Kinch hat den Neuankömmling erkannt und überredet Frenchy, Vern zu einem geplanten Banküberfall mitzunehmen. Vern weiss noch nicht, wen er in Kinch vor sich hat - und dass der ihn während des Überfalls erschiessen will. (ARD Presse)
Anmerkungen
"She wasn't spared anything": Mit diesen Worten wendet sich ein Arzt an Vern Haskell, einen Mann, der seine Verlobte im entscheidenden Moment nicht beschützen konnte. Als er zurückkommt, ist der Mörder und Vergewaltiger bereits wieder aus der Stadt, und RANCHO NOTORIOUS bekommt die Dramaturgie einer Suche. Ein Lied bildet das Leitmotiv zu dieser Western-Moritat: "This is the story of Chuck-a-Luck. Listen to the wheel of fate; as round and round with a whisperin' sound it spins, it spins the old, old story of HATE, MURDER AND REVENGE." Das Chuck-a-Luck ist ein Glücksspiel, verwandt dem Glücksrad in heutigen Fernsehshows. In den Saloons des Westens ist im Boden ein Hebel eingelassen, der das Glück berechenbar macht. Haskell hat für seine Suche nach dem Mörder nur ein Schlüsselwort: "Chuck-a-Luck". Eine Weile läuft es in seinem Glücksspiel ganz gut, er kommt voran, hört viele Geschichten, und bald ist ein neuer Name im Spiel: Altar Keane soll irgendwo an der Grenze in den Süden eine Ranch betreiben, die den Namen Chuck-a-Luck trägt. Gesetzlose suchen dort Zuflucht, während in der nahe gelegenen Stadt eine Bürgerbewegung für "law and order" die Wahlen triumphal für sich entscheidet. Lang verfolgt dieses Motiv nicht weiter, er beschränkt sich ganz auf das Geschehen rund um Altar Keane, sobald Haskell auf ihrer Farm angekommen ist. Er ist in Begleitung von Frenchy Fairmont, dem Favoriten von Altar. Und er weiss, dass einer von Altars Männern der Mörder ist. Haskell bringt das Misstrauen auf die Ranch, auf der vorher durch die Autorität von Altar Keane alles ruhig gewesen war. Das Bild, mit dem Lang diese Frau im Film etabliert, könnte anschaulicher nicht sein: Ein Mann erinnert sich an ein Pferderennen in einem Saloon, bei dem Männer die Pferde und Frauen die Jockeys waren. Es ist ein hysterisches Vergnügen, aber spannend ist es nicht: Altar Keane peitscht den Mann unter sich zuerst über die Ziellinie. Auf der Ranch hat Haskell vorerst keine Verbündeten, nur die mexikanischen Pferdehirten wechseln ein paar Worte mit ihm: Sie sind aus der Ordnung der Outlaws wie aus der Ordnung des Dorfes ausgeschlossen, und Lang würdigt ihre Rolle mit einem ausdrücklichen Dialog über ihren Aussenseiterstatus. Dann zerfällt die Bande langsam, weil Altar ihr Begehren nicht mehr kontrolliert: Sie verliebt sich in Haskell, und im Showdown kommen Outlaw-Motive, erotische Kränkungen und der Racheplan eines Einzelnen in einen dramatischen Widerspruch. Ursache und Wirkung, Motiv und Gerechtigkeit klaffen rettungslos auseinander in diesem heillosen, grossen Western." (Filmarchiv Austria)

Zusammenstösse gab es auch bei Rancho Notorious (1951). Der Film war auf Marlene Dietrich zugeschnitten: Lang wollte ihr helfen, das Image vom männermordenden Vamp behutsam an die Realität des Alters anzupassen. In dem Western sollte sie eine Saloon-Dame spielen, deren verruchte Schönheit schon brüchig ist. Mir schwebte ein Film vor über eine nicht mehr ganz junge, aber immer noch höchst begehrenswerte Frau in einem Tanzlokal und einen alten Revolverhelden, dessen Reaktionsvermögen nachgelassen hat. Die Dreharbeiten verliefen alles andere als harmonisch, und gegen Ende sprachen Regisseur und Hauptdarstellerin kein Wort mehr miteinander. Aus Langs Bericht ist unschwer herauszuhören, dass eine indirekte Konkurrenzsituation die Atmosphäre vergiftete - Konkurrenz zu jenem Regisseur, der diesen Star geformt hatte. Oft konnte ich mich mit der Art, wie sie etwas anpackte, schlechterdings nicht einverstanden erklären. Sie stand immer noch sehr unter Sternbergs Einfluss. «Sternberg hätte das so und so gemacht», sagte sie jeweils. «Schon möglich», sagte ich, «aber ich heisse Lang.» Sternberg ist intelligent und ein guter Regisseur; mit Marlene hat er ein paar ausgezeichnete Filme gemacht. Es war alles höchst unerfreulich.
Rancho Notorious zeigt eine Welt, in der Männerfreundschaft und ein Ehrenwort noch etwas gelten: Im klassischen Western herrscht eine sehr einfache und sehr notwendige Ethik. Ein Mann verfolgt den Mörder seiner Braut; die Spur führt in die Berge nahe der mexikanischen Grenze, zur Farm «Chuck-a-Luck», wo Banditen Zuflucht gewährt wird. Mittelpunkt des Verbrechernests ist eine ehemalige Saloon-Dame, und bald mischen sich Liebe und Eifersucht in den Racheakt. Die alte Geschichte. Ausserdem interessierte mich ein technisches Detail sehr: der Versuch, ein Lied als dramaturgisches Mittel einzusetzen. Eine Ballade pointiert die Erzählung aus vergangenen Zeiten; sie fordert dazu auf, zuzuhören, wie der Faden des Schicksals aus Hass, Mord und Rache gesponnen wird. Chuck-a-Luck nennt sich ein altes Glücksspiel, das Lang in einer mexikanischen Grenzstadt kennenlernte; Chuck-a-Luck ist der Titel des Liedes und der Name der Ranch, und so sollte auch der Film heissen. Aber der Produzent befand, Chuck-a-Luck könne man in Europa nicht verstehen und änderte ohne weitere Diskussion den Titel.
Rancho Notorious, so meinte wiederum die deutsche Verleihfirma, sei ein zugkräftiger Titel; in deutschen Kinos lief der Film als Engel der Gejagten, und bei der Synchronisation machte man aus der Glücksformel Chuck-a-Luck in der Ballade ein Cheerio. (Michael Töteberg: Fritz Lang, rororo 1989, S. 113-115)

«Nach seiner Emigration in die USA inszenierte der deutsche Meisterregisseur Fritz Lang ("Metropolis") in Hollywood eine Reihe aussergewöhnlicher Genre-Filme. "Engel der Gejagten" etwa folgt den dramaturgischen Regeln des Western-Genres, unterwandert sie jedoch zugleich, indem er beinahe unmerklich eine Frau zum eigentlichen Zentrum des Interesses macht. Mit dem Rache- und Selbstjustiz-Motiv greift Lang zudem eines der zentralen Themen seines Gesamtwerks auf. Auch die atmosphärische Darstellung einer Parallelwelt, die nur aus Gaunern und Verbrechern besteht, kennt man aus Lang-Filmen wie "M - Eine Stadt sucht einen Mörder". Neben der legendären Marlene Dietrich ("Der blaue Engel") sind in den männlichen Hauptrollen Mel Ferrer ("Lili Marleen") und Arthur Kennedy ("Verdammt sind sie alle") zu sehen.» (ARD Presse)

«"Engel der Gejagten" von Meisterregisseur Fritz Lang zeigt Marlene Dietrich in einer ihrer schönsten Rollen. Den männlichen Hauptpart spielen Arthur Kennedy und Mel Ferrer. Nach seiner Emigration in die USA inszenierte der deutsche Meisterregisseur Fritz Lang ("Metropolis") in Hollywood eine Reihe außergewöhnlicher Genre-Filme. "Engel der Gejagten" etwa folgt den dramaturgischen Regeln des Western-Genres, unterwandert sie jedoch zugleich, indem er beinahe unmerklich eine Frau zum eigentlichen Zentrum des Interesses macht. Mit dem Rache- und Selbstjustiz-Motiv greift Lang zudem eines der zentralen Themen seines Gesamtwerks auf. Auch die atmosphärische Darstellung einer Parallelwelt, die nur aus Gaunern und Verbrechern besteht, kennt man aus Lang-Filmen wie "M - Eine Stadt sucht einen Mörder". Neben der legendären Marlene Dietrich ("Der blaue Engel") sind in den männlichen Hauptrollen Mel Ferrer ("Lili Marleen") und Arthur Kennedy ("Verdammt sind sie alle") zu sehen.» (rbb Presse)

Text?Scarlet Street (La strada scarlatta), Regie: Fritz Lang,USA - 1945
Produktion: Universal Pictures - Diana Productions - Produzent: Fritz Lang - Walter Wanger - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Dudley Nichols - Nach einer Vorlage von: Georges de la Fouchardière novel "La Chienne" - Kamera: Milton Krasner - Musik: Hans J. Salter - Architekt: Alexander Golitzen - Spezialeffekte: John P. Fulton - Darsteller: Vladimir Sokolov AKA Vladimir Sokoloff - Edward G. Robinson Christopher Cross - Arthur Loft Dellarowe - Margaret Lindsay Millie Ray - Joan Bennett Katharine 'Kitty' March - Rosalind Ivan Adele Cross - Samuel S. Hinds Charles Pringle - Dan Duryea Johnny Price - Jessica Barker David Janeway -

Text?Secret beyond the door... (Das Geheimnis hinter der Tür), Regie: Fritz Lang,USA - 1948
Produktion: Diana Productions - Universal Pictures - Produzent: Fritz Lang - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Stanley Cortez - Sylvia Richards - Nach einer Vorlage von: Rufus King novel Museum Piece Nr. 13 - Musik: Miklós Rózsa - Schnitt: Arthur D. Hilton - Architekt: Max Parker - Darsteller: Annabel Shaw - Anne Revere - James Seay Bob Dwight - Natalie Schafer - Rosa Rey Paquita - Michael Redgrave - Barbara O'Neil - Mark Dennis David - Paul Cavanagh - Joan Bennett -

Text?Skazanije om zemlje Sibirskoj (Das Lied von Sibirien, Die Mär vom sibirischen Land, Sibirische Sinfonie), Regie: Ivan Pyrjev,UdSSR - Sowjet Union - 1947
Produktion: Mosfilm - Regisseur: Ivan Pyrjev - Drehbuch: Ivan Pyrjev - Nikolaj Rozhkov - Jevgenij Pomeshchikov - Kamera: Valentin Pavlov - Musik: Nikolaj Krjukov - Schnitt: Anna Kulganek - Architekt: Konstantin Urbetis - Artur Berger - Boris Chebotarev - Kostümbild: Konstantin Urbetis - Darsteller: Vladimir Uralskij Nosov - Grigorij Shpigel Grigorij Gelajda - Vasilij Zajchikov Vadim Sergejevich - Mikhail Sidorkin - Vladimir Zeldin Boris Olenich - Jelena Savitskaja Kapitolina Kondratyevna - Marina Ladynina Natasha Pavlovna Malinina - Vladimir Druzhnikov Andrei Nikolayevich Balashov - Boris Andrejev Yakov Zakharonovich Burmak - Vera Vasiljeva Nastenka Petrovna Gusenkova - Sergej Kalinin Kornei Nefedovich Zavorin - Tatjana Barysheva -

Inhaltsangabe
Andrej Balashov. ein junger Pianist, der während des Krieges eine Verletzung erlitt, beschliesst, die Musik aufzugeben und Moskau, seine Freunde und seine Braut zu verlassen, um in seine Heimat Sibirien zurückzukehren. Er wird Industriezeichner und spielt noch manchmal in Kneipen. Im Kontakt mit seinen Mitbürgern und der grandiosen Landschaft findet er indes die Inspiration wieder und komponiert ein Oratorium, "Das Wort Sibiriens". - Der lyrische Film kann als "orthodoxes" Werk der Stalinzeit betrachtet werden. (Jay Leyda) [Katalog Filmfestival Locarno 2000, pg 211]
Kritiken
«(...) Ein Frontheimkehrer nach 1945, der wegen einer Kriegsverwundung nicht mehr als Pianist arbeiten kann und sich zudem von der geliebten Sängerin aufgegeben fühlt, taucht deprimiert in Sibirien unter. Dort findet er als Komponist zu neuer Lebenskraft. Der preisgekrönte Film propagiert deutlich das fortschrittlich "moderne" Sibirien, bietet eindrucksvolle Passagen und stimmungsvolle Landschaftsbilder....» (www.das-capitol.de/ueber-uns/historie_details.php?year=1952&s=2)

Anmerkungen
«Wie in vielen Kriegsheimkehrerdramen dieser Zeit erhofft sich der Held, ein Pianist aus Moskau, Heilung durch ein Leben in Abgeschiedenheit und Einfachheit. Er zieht nach Sibirien, wo es für Entwurzelte wie ihn Platz und Aufgaben gibt. Ivan Pyr‘ev hatte bereits in den 1930er Jahren die sowjetische Musikkomödie begründet, die mit Leichtigkeit, Witz und romantischem Dekor staatliche Ansprüche und privates Glück, altrussische Traditionen und sowjetische Modernisierung vereinte.

IVAN PYR’EV
Geboren 1901 in Kamen, Russland. 1922 bis 1923 Schauspieler am Proletkult Theater, Schüler von Sergej Eisenstein, später Schüler und Darsteller bei Vsevolod Meyerhold. 1929 Debüt als Regisseur. Einer der profiliertesten Regisseure musikalischer Filmlustspiele in der Sowjetunion. Langjähriger Leiter der Mosfilm-Studios. Stirbt 1968 in Moskau.» (filmmuseum.at)

Start des Films in der DDR am 1. Oktober 1948

Text?Son Bolelshchika (Der Traum eines Fussballfans), Regie: Herbert Rappaport,Schweiz - 1960
Regisseur: Herbert Rappaport - Darsteller: Staatliches Volkstanz- Ensemble der UdSSR -

Anmerkungen
«Das durchgestaltete In- und Miteinander der Künste sollte die (post)stalinistische Gesellschaft einer einzigartigen Form der Kultur zuführen: einer, die den Unterschied von E/U, Hochkultur/Folklore, Stadt/Land oder jung/alt nicht kennt. Im kongenialen DER TRAUM EINES FUSSBALLFANS tanzen also Sportler Ballett oder umgekehrt: Volkstänzer spielen Fußball. Die ČASTUŠKI AUS PODDUBKI wiederum, freche Sing-Sang-Reime frecher Kolchosenarbeiterinnen (auf ihren verbohrten Vorsitzenden zum Beispiel oder den Traktoristen Griša), werden von Laien dargeboten: Kolchosalltag im Leningrader Kirov-Palast der Kultur!» (filmarchiv.at)

Text?Spione (Der Spion n. 77), Regie: Fritz Lang,Deutschland - 1928
Produktion: Universum-Film AG (UFA), Berlin - Fritz Lang Film - Produzent: Erich Pommer - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Fritz Lang - Thea von Harbou - Kamera: Fritz Arno Wagner - Architekt: Otto Hunte - Karl Vollbrecht - Darsteller: Ferdinand von Alten - Louis Ralph Hans Morrier - Sherry Craighall Burton Jason - Lupu Pick - Gerda Maurus - Rudolf Klein-Rogge - Paul Hörbiger - Willy Fritsch - Lien Deyers Kitty - Grete Berger -

Inhaltsangabe
Ein Raubmord auf offener Straße - der Handelsminister erschossen, wichtige Dokumente gestohlen, von den Tätern keine Spur. Hinter der unauffälligen Fassade der Haghi-Bank arbeitet die Zentrale einer international aktiven Spionageorganisation. Der im Rollstuhl sitzende Bankdirektor Haghi hat sich auf Erpressung, Raub, Mord und Handel mit geheimen Akten spezialisiert. Wichtige Institutionen wie der Geheimdienst werden von seinen Leuten unterwandert. So soll etwa die geheimnisvolle, russische Schönheit Sonja Barranikowa in Haghis Auftrag dem osteuropäischen Oberst Jellusic militärische Interna entlocken. Währenddessen setzt Jason, Chef des von der Öffentlichkeit als unfähig verspotteten Geheimdienstes, seinen cleveren Agenten "No. 326" auf die "unbekannten, bösen Mächte" an. Dabei trifft dieser auf Sonja, die ihrerseits geschickt wurde, No. 326 aus dem Weg zu schaffen. Doch statt sich gegenseitig zu bespitzeln und zu beseitigen, verlieben sich die beiden ineinander. Die Barranikowa verweigert Haghis Auftrag, woraufhin dieser sie verhaften lässt. Die nächste verbrecherische Aktion Haghis ist bereits angelaufen: Dem japanischen Diplomaten Dr. Matsumoto wird das Exemplar eines wichtigen, streng geheimen Schutzabkommens entwendet. Es droht Krieg. Mal wieder bemüht sich der Geheimdienst mit Hochdruck und No. 326 um Aufklärung, tappt aber erneut im Dunkeln. Zwischenzeitlich verspricht Haghi Sonja die Freiheit und ein Wiedersehen mit ihrem geliebten Agenten, wenn sie ihm dafür einen letzten Kurierdienst erweist und Kopien des japanischen Geheimabkommens außer Landes schafft. In Wahrheit aber soll No. 326 einem inszenierten Eisenbahnunglück zum Opfer fallen. Doch der Anschlag misslingt, Haghis Zentrale wird von Sonja verraten und die gesamte Bande nach einer dramatischen Razzia verhaftet. Nur Haghi ist spurlos verschwunden. Schließlich findet ihn die Polizei verkleidet in einer gänzlich unerwarteten Rolle, an einem völlig unerwarteten Ort ... (arte Presse)
Anmerkungen
«Fritz Lang (1890-1976) prägte die deutsche Filmgeschichte und setzte insbesondere in der Ära des Stummfilms und des frühen Tonfilms neue ästhetische und technische Maßstäbe. Seine frühen Filme erzählen zumeist utopische und fantastische Geschichten, die der Ausnahmeregisseur auf expressionistisch düstere Weise inszenierte. Neben "Metropolis" (1927) gehört auch Fritz Langs "M. - Eine Stadt sucht einen Mörder" (1931) zu den Meilensteinen der Filmgeschichte. Verglichen mit dem kurz zuvor erschienenen "Metropolis", ebenfalls produziert von Erich Pommer, wurde "Spione" mit bescheidenen Mitteln und geringem Budget hergestellt. Dennoch war auch Langs Agentenstummfilm ein enormer kommerzieller Erfolg. Gerda Maurus, die weibliche Hauptdarstellerin in der Rolle der "Sonja Barranikowa", wurde zum neuen Stummfilmstar, nicht nur aufgrund ihrer allseits bewunderten Schönheit und ihrer Affäre mit Fritz Lang. Der Regisseur selbst war verheiratet mit Thea von Harbou, der Autorin der gleichnamigen Romanvorlage sowie des Drehbuchs für "Spione". Harbou, ebenfalls eine berühmte Theaterschauspielerin, zählt zu den bedeutendsten Frauen des frühen deutschen Films. Stilistisch erinnert "Spione" an Langs Vorgängerfilm "Dr. Mabuse, der Spieler" (1922), jedoch entwickelte der Regisseur bei seinem späteren Werk das Genre des Spionagethrillers in entscheidendem Maße weiter. Die Ikonographie des hermetisch atmosphärischen Spionagefilms inspirierte Regisseure wie Hitchcock ebenso wie die Macher der James Bond-Filme. In den Jahren 2003 und 2004 wurde der Stummfilm von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung restauriert.» (arte Presse)

Text?The Big Heat (Heisses Eisen), Regie: Fritz Lang,USA - 1953
Produktion: Columbia Pictures Corporation - Produzent: Robert Arthur - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Sydney Boehm - Nach einer Vorlage von: William P. MacGivern serial in the Saturday Evening Post - Kamera: Charles Lang jr. - Musik: Daniele Amfitheatrof - Architekt: Robert Peterson - Darsteller: Gloria Grahame Debby Marsh - Carolyn Jones Doris - Dorothy Green Lucy Chapman - Chris Alcaide George Rose - Howard Wendell Police Commissioner Higgins - Adam Williams Larry Gordon - Robert Burton Det. Gus Burke - Willis Bouchey Lt. Ted Wilks - Jocelyn Brando Katie Bannion - Glenn Ford Detective Sergeant Dave Bannion - Jeanette Nolan Bertha Duncan - Lee Marvin Vince Stone - Alexander Scourby Mike Lagana -

Inhaltsangabe
En enquêtant sur le suiicide d'un de ses collègues, un inspecteur de Police, Bannion, se heurte au puissant gang de Lagana, maître de la ville. Il perd sa femme, tuée dans un attentat et la venge en arrêtant les malfaiteurs. Il met aussi fin à la corruption de la ville et à la complicité de la police.
Kritiken
«Gediegener Film-noir-Klassiker mit starken Darstellern...» (tele 25/2011)
Anmerkungen
"Eine Pistole liegt auf dem Schreibtisch, eine Hand greift danach, im Off fällt ein Schuss, und ein Mann schlägt schwer auf die Tischplatte. Die Szene wird allerdings erst komplett, als eine Frau zum Telefon greift, und dann nicht die Polizei, sondern einen Mr. Lagana anruft. „Melden Sie, die Witwe von Tom Duncan möchte ihn sprechen." Die Pistole und das Telefon sind die Utensilien des Verbrechens bei Lang, die Geräte stehen zueinander in einem Verhältnis wie Mr. Lagana und sein Handlanger Vince: Lagana beherrscht den Schreibtisch (und die Stadt), Vince beherrscht den Spieltisch (und seine Freundin Vicki). Der Polizist Dave Bannion hingegen bewegt sich durch seine Welt mit der vollkommenen Sicherheit eines Mannes, der seinen Platz unangefochten glaubt: Er ist nur ein kleines Rad im Sicherheitsapparat, er wird deswegen auch schlecht bezahlt, aber er hat ein Heim. Die Familienszenen zwischen Glenn Ford und Jocelyn Brando zählen zu den zärtlichsten Szenen einer Ehe, die das Hollywood-Kino kennt, und selten lässt Lang so viel Sex zwischen seinen Schauspielern zu, wie in den wenigen Gesten und Blicken zwischen Küche und Kinderzimmer, für die hier noch Zeit ist. Das Glück endet abrupt. Dies ist ein Film unter Erwachsenen: Sie haben alle schon zuviel erlebt. Lucy Chapman, der die Jahre als „barfly" ins Gesicht geschrieben stehen. Vicky, die ihre Tage in schlechter Gesellschaft mit Whiskey betäubt. Tom Duncans Witwe, die sich für ihr Schweigen bezahlen lässt. Die Frauen sind „sisters in mink", sie werden in Naturalien bezahlt. Die Männer stehen sowieso alle auf der „payroll", und wenn Vince auf den Balkon seines Penthouses geht, dann leuchtet von gegenüber jenes Neuyork, von dem Lang 1924 so begeistert war. Wie in METROPOLIS wird diese Stadt auch von oben unterwandert, und Dave Bannion agiert aus der Position des Herzens der Stadt. Er spricht mit den einfachen Menschen, und er bekommt seine Antworten. Der verbrecherische Zusammenhang ist aber so durchdringend, dass er Unterstützung durch eine Miliz braucht, was eine deprimierende Konsequenz ist und ein wenig an die Bettlerarmee aus „M" erinnert. Aber die Pointe ist, dass diese Männer mit ihren Waffen nicht viel zu tun haben. THE BIG HEAT endet damit, dass der Verbrechenszusammenhang zu total wird: Er implodiert am Ende, die kriminellen Energien richten sich gegeneinander, und eine sterbende Gangsterbraut lässt sich von dem Witwer Dave Bannion die schönsten Erinnerungen einer glücklichen Ehe mit in den Tod geben. Dem Mann bleibt die Arbeit, und der Kaffee muss schon wieder warm gestellt werden." (Filmarchiv Austria)

Text?The blue Gardenia (Gardenia - Eine Frau will vergessen, Eine Frau will vergessen), Regie: Fritz Lang,USA - 1953
Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Charles Hoffman - Nach einer Vorlage von: Vera Caspary short story - Kamera: Nicholas Musuraca - Musik: Raoul Kraushaar - Schnitt: Edward Andrew Mann - Architekt: Danny Hall - Spezialeffekte: Willis Cook - Darsteller: Anne Baxter Norah Larkin - Richard Erdman - Jeff Donnell - Richard Conte Casey Mayo - Nat King Cole - Raymond Burr - Ann Sothern Crystal Carpenter -

Inhaltsangabe
Die Männer würden einiges dafür geben, um mit der attraktiven Norah Larkin auszugehen, doch die treue Seele wartet geduldig auf die Rückkehr ihrer grossen Liebe George, der als Soldat in Korea stationiert ist. Als er ihr eines Tages brieflich mitteilt, dass er eine andere kennen gelernt hat, ist Norah zutiefst enttäuscht und nimmt, um ihren Kummer zu vergessen, spontan eine telefonische Einladung zum Abendessen an, die eigentlich ihrer umtriebigen Mitbewohnerin Crystal galt. Prompt gerät die mit Männern unerfahrene Telefonistin an den Schürzenjäger Harry Prebble, einen halbseidenen Kunstmaler, der sie in das pikfeine Restaurant "Blue Gardenia" ausführt. Von hochprozentigen Cocktails beschwippst, lässt Norah sich dazu überreden, Prebble in seine Wohnung zu begleiten, wo er schliesslich aufdringlich wird. Norah greift zu einem Schürhaken und versucht sich zu wehren. Beim Ausholen zertrümmert sie einen Spiegel, in dessen Scherben das entsetzte Gesicht des Wüstlings erscheint. An mehr kann Norah sich nicht erinnern, als sie am nächsten Morgen zu Hause mit einem Brummschädel erwacht und entsetzt in den Schlagzeilen liest, dass Harry Prebble erschlagen wurde. Die Polizei findet am Tatort ein Paar Damenschuhe und eine blaue Blüte. Der Starreporter Casey Mayo wendet sich in einem offenen Brief an die unbekannte Mörderin, die er "die blaue Gardenie" nennt. Der Reporter verspricht ihr den besten Anwalt, falls sie ihm die Exklusivrechte an ihrer "Story" zusichert. Norah, von bohrenden Zweifeln geplagt, ob sie tatsächlich eine Mörderin ist, will auf sein Angebot eingehen. Aber ist Mayo wirklich aufrichtig?... (wdr Presse)
Kritiken
"Wie bei A WOMAN IN THE WINDOW beginnt auch dieser Alptraum mit dem Bild einer Frau. In diesem Fall aber ist jene Frau die Hauptfigur, die sich der Abbildung entzieht: Norah Larkin lässt ihren Freundinnen den Vortritt. Harry Prebble, der bekannte Zeichner von Kalendergirls, sucht seine Modelle in einer Telefonzentrale. Sein Notizbuch ist mit Telefonnummern gut gefüllt, wie auch das des Reporters Casey Mayo. Im Erdgeschoss eines grossen Gebäudes treffen diese Menschen alle zusammen: Die Telefonistinnen, der Künstler, der Journalist. Alle arbeiten sie in vermittelnden Berufen, und ihre Modernität erweisen sie in der Kommunikationsform, in die sie ihre Hoffnungen setzen: Sally lebt von einem Pulp-Roman zum nächsten, Crystal hofft auf einen Anruf von Homer, nur Norah Larkin (Ann Baxter) erfährt ihr Schicksal durch einen Brief. Er enthält Nachricht von ihrem Freund, der in Korea kämpft und in der Etappe eine Krankenschwester kennen gelernt hat. Norah liest diesen Brief, beginnt zu weinen, und dann klingelt das Telefon. Die ersten zehn Minuten sind die schönsten des Films, sie entwerfen eine Welt der knappen Mittel und der genau abgestimmten Wege, in der die drei Frauen auf engem Raum ihren Alltag und ihre Vollzüge elegant aufeinander abgestimmt haben. Norah verbringt einen Abend mit Harry Prebble in der „Blue Gardenia". Es gibt chinesische Küche und viele Cocktails, und dann noch eine Party im Atelier, bei der Norah der einzige Gast ist. Auf dem Plattenteller liegt Nat King Coles Lied von der „Blue Gardenia", mit der Schallplatte kommt noch ein Massenmedium ins Spiel. THE BLUE GARDENIA hat eine Struktur, als hätte man die Verirrungen von Edward G. Robinson aus "A WOMAN IN THE WINDOW einfach umgestülpt, denn Norahs Drama ist nicht ihr Traum, sondern ihre Amnesie. Sie ist darauf angewiesen, eine plausible Erinnerung für die Stunden zu finden, in denen Harry Prebble ermordet wurde, und gleich noch eine Deckerinnerung dazu, in der nach Möglichkeit der richtige Täter vorkommt. In A WOMAN IN THE WINDOW fügen sich die Details mit einer schönen Traumlogik schliesslich so zueinander, dass am Ende ein Nullsummenspiel steht. Hier verhält sich die Sache ähnlich, aber Norah Larkins Gedächtnisverlust ist schliesslich nur die Leerstelle, an die ein anderes Subjekt tritt. Es gibt häufig Szenen bei Lang, die noch nicht ganz bei sich sind und erst im Lauf des Films, wie bei einem Memory-Spiel, durch eine andere Szene aufgedeckt werden - hier liefern sich die Medien und die Polizei einen Wettlauf um die Erinnerungen einer Frau, die einige Stunden nicht sie selbst war." (Filmarchiv Austria)
Anmerkungen
Hintergrundinformationen:
Altmeister Fritz Langs hochkarätig besetzter Film Noir ist eine originelle Mischung aus subtilem Psychothriller und gefühlvollem Kriminalmelodram. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau auf der Suche nach ihrer verlorenen Erinnerung bleibt dank einer ausgeklügelten Lichtregie bis zur letzten Minute spannend.
Drehbuch nach der Kurzgeschichte "Gardenia" von Vera Caspary (wdr Presse)

Text?The Return of Frank James (Rache für Jesse James), Regie: Fritz Lang,USA - 1940
Produktion: 20th Century-Fox Film - Produzent: Darryl F. Zanuck - Associate Producer: Kenneth Macgowan - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Sam Hoffman - Kamera: George Barnes - William V. Skall - Musik: David Buttolph - Schnitt: Walter Thompson - Architekt: Wiard B. Ihnen - Richard Day - Set Decoration: Thomas K. Little - Darsteller: Jackie Cooper Clem - Frank Shannon - J. Edward Bromberg George Runyan - Frank Sully - Charles Tannen Charlie Ford - Gene Tierney Eleanor Stone - Ernest Whitman Pinky - Stynnie Beard - George Barbier - Irving Bacon - Barbara Pepper - William Pawley - Donald Meek McCoy - Lloyd Corrigan - Henry Fonda Frank James - Eddie Collins - Henry Hull Major Rufus Cobb - Davison Clark - George Chandler - John Carradine Bob Ford - Louis Mason - Edward McWade - Victor Lilian -

Inhaltsangabe
Bob Ford (John Carradine), ein ehemaliger Komplize der Gebrüder James, hat Jesse verraten und will sich den Judaslohn mit seinem Bruder teilen. In einer dennoch angesetzten Gerichtsverhandlung werden beide aus politischen Gründen freigesprochen. Frank James (Henry Fonda), der mit dem Neger Pinkie und dem halbwüchsigen Clem eine kleine, einsam gelegene Farm bewirtschaftet, hört von diesem Freispruch und entschliesst sich, seinen Bruder zu rächen. Da er hierzu Geld braucht, beschliesst er, die Kasse jener Eisenbahngesellschaft zu plündern, deren Geld für Jesses Ermordung bezahlte. Nach einem wüsten Feuergefecht können er und Clem mit der Beute entkommen. Der Stationsvorsteher wurde dabei von Franks Verfolgern irrtümlich erschossen. Frank nimmt unter fremdem Namen die Spur der Gebrüder Ford auf. Als er nach Denver kommt, trifft er auf die hübsche Reporterin Eleanor Stone (Gene Tierney), die ein von seinem Freund ausgestreutes Gerücht, Frank James sei tot, in ihrer Zeitung meldet. Die Fords, die sich in Sicherheit wiegen, tauchen aus ihrem Versteck auf. Als Frank sich ihnen zu erkennen gibt, fliehen sie; bei der Flucht findet einer der Brüder den Tod in einer Felsschlucht, während der andere, Bob Ford, die Flucht fortsetzt. Inzwischen hat man den Neger Pinkie des Mordes an dem Stationvorsteher angeklagt - man will ihn hängen. Frank lässt von der Verfolgung ab, geht nach Liberty, Missouri, zurück und stellt sich. Nach einer dramatischen Verhandlung, der auch die Reporterin Eleanor beiwohnt, wird Frank freigesprochen. Frank nimmt die Verfolgung wieder auf. Bob Ford, der inzwischen einen weiteren Mord begangen hat, ist dabei getroffen worden und rettet sich in eine Scheune, wo er stirbt. Frank ist dadurch der Rache enthoben... (ARD Presse)
Kritiken
"Man vergleiche zu diesem Wildwester 'JESSE JAMES, MANN OHNE GESETZ', der vorliegende Film ist seine Fortsetzung. Die Handlung knüpft an die Ermordung des populären Bankräubers Jesse James an und erzählt das blutige Ende seiner beiden Mörder, der Gebrüder Ford, die Jesse aus Gewinnsucht umbrachten. Hauptfigur ist Jesses totgeglaubter Bruder Frank. Er nimmt die Rache an den Brüdern in eigene Hände, nachdem diese von einem korrupten Gericht freigesprochen sind - Regie führt der nach Übersee ausgewanderte Deutsche Fritz Lang; seine berühmte Filmhandschrift ist allerdings in diesem wenig originellen stellenweise stark gelängten Streifen nicht wieder zu erkennen. Die Schauspieler legen sich wacker ins Zeug, auch der Kameramann leistete gute Arbeit, aber als Ganzes ist RACHE FÜR JESSE JAMES nur ein mageres Serienabenteuer im ausgelaugten Wildwestmilieu. Ethisch sind die gleichen Einschränkungen zu machen, die schon in Nr. 929 (d.i. Henry King's JESSE JAMES, 1939) erwähnt wurden. Scheindramatik mit teilweise falsch akzentuierter Auffassung von Recht und Unrecht. Da an der Seite des Rächers diesmal ein revolverlustiger Habwüchsiger ficht, erhöht sich die Gefahr einer Selbstidentifizierung für jugendliche Zuschauer. - Mittelmässiger Wildwestfilm mit doppelbodiger Rechtsauffassung, deshalb nur für Erwachsene mit Vorbehalten." (Katholischer Filmdienst, 1952) "Vielleicht war es gerade die Alltäglichkeit des Stoffes, die Fritz Lang dazu verlockte, seinen persönlichen Gestaltungswillen zur Geltung zu bringen. Denn was er aus diesem Film gemacht hat, ist in der Tat sehenswert. Sein Einfluss offenbart sich in der Vermeidung billiger Effekte, namentlich in der Auffassung der Schlusszene. Pointierte Dialoge sprühen von echtem Humor, der sich zu überraschender Satire und Persiflage steigert. Die Verhandlung über den angeblichen Mörder ist eine wirklich köstliche Parodie auf die Gerichtsverhältnisse der Achtziger Jahre." (Wiesbadener Kurier, 2. August 1952) "Aus der wahren Geschichte der Brüder James nahm Lang nur einen Song. Gefundene Realität interessiert ihn nur als bereits Geformtes, Formen prägende Form, Matrize." (Enno Patalas) "Die Inszenierung durch Fritz Lang ist von einer Präzision, die an Abstraktion grenz. Beim Schnitt überwiegt die Intelligenz die Sensibilität. Fritz Lang interessiert sich mehr für eine Szene im Ganzen als für eine Detaileinstellung, wie Hitchcock es beispielweise macht. Ein einziges Bild definiert bereits die Lang'sche Ästhetik: ein Polizist stellt einen flüchtigen Banditen, um ihn zu töten. Um den unabänderlichen Aspekt der Szene zu unterstreichen, setzt Lang auf das Gewehr ein Zielfernrohr, wie man es bei Präzisionswaffen findet; der Zuschauer fühlt sofort, dass der Polizist nicht vorbeitreffen kann und dass der Flüchtende mit mathematischer Sicherheit sterben muss. Wenn THE RETURN OF FRANK JAMES mit einem Happy-End aufhört, im Gegensatz zu sehr vielen anderen Filmen Langs, sollte man darin keine Konzession an die amerikanische Zensur sehen. Hinter dem moralischen findet Fritz LAng den sündigen Menschen, was seine Bitterkeit erklärt. Aber jenseits des Sünders ist es die Studie des regenerierten Menschen, der den germanischsten der amerikanischen Regisseure am meisten berührt. Wenn der scheue Individualist Frank schliesslich sein Glück findet, dann nur nachdem er erst moralisch für seine Schmerz entschädigt worden ist." (Jean-Luc Godard, Fiche UFOLEIS, 1956)
Anmerkungen
"Vergessen Sie nicht, dass der Western nicht bloss die Geschichte dieses Landes ist, er ist, was die Nibelungen-Saga für die Europäer ist." (Fritz Lang) Der erste Western und erste Farbfilm von Fritz Lang, Fortsetzung von Henry Kings JESSE JAMES aus dem Jahre 1939 "Das Gesetz der Serie: Lang beginnt mit einer direkten Rückblende auf Henry Kings Film, in dem Jesse James beim Aufhängen eines Bildes in seinem Haus von hinten erschossen wurde. Die Tatsache wird durch die Schlagzeilen der Zeitungen bekräftigt, und Frank James hat allen Grund, sich verborgen zu halten. Er lebt mit dem jungen Clem und dem Schwarzen Pinky auf einer Farm, rechtschaffen den Boden bestellend. Das Urteil über die Younger-Brüder wird das Gericht sprechen. 'Ist das Gesetz in Ordnung?" Für die armen Menschen gibt es kein Recht in Missouri, heißt die Antwort darauf. Die Younger-Brüder werden begnadigt, und nun ist es für Clem ein Leichtes, sein Vorbild Frank James zu einer Reaktion zu provozieren. Es ist die alte Geschichte von einem Mann, der noch einmal aus der Mythologie heraustreten muss, weil eine Sache noch "unforgiven" ist. Die Geschichte verläuft im Kreis: Einmal in den Westen, in die Legende, und dann wieder zurück nach Missouri und neuerlich vor Gericht. In Dallas treffen Frank James und Clem auf eine Journalistin namens Eleanor Stone (Gene Tierney), die sich bereitwillig einen Bären aufbinden läSSt: Frank James ist tot, druckt sie exklusiv. "Print the legend", das ist nur fair gegenüber jenen Geschäftemachern, die den Tod von Jesse James als Theaterstück zur Aufführung bringen. Jesse wird gespielt wie eine Memme, aber als die echten Younger-Brüder, die eitel genug sind, sich selbst zu spielen, auf die Bühne treten, erkennen sie auf dem ersten Rang in einer Loge Frank James: Dieser Blick ist Langs Königsidee für den Film, hier macht er Ernst mit seiner Auffassung, dass in den Fiktionen immer das Gegenwärtige verhandelt wird. Es kommt zum Tumult, und zur Flucht in die Berge, wie es später in Missouri zum Tumult kommt, wenn sich Frank James dem Gericht stellt. Der Weg in die Natur ist nur ein Umweg, entschieden wird diese Sache in der Stadt. Der Staat Missouri ist in der Hand der Eisenbahngesellschaft, ein gewisser McCoy hat alle Fäden in der Hand. Missouri ist aber auch ein Staat des Südens, und schnell lassen sich die alten Ressentiments gegen die Yankees wieder beleben. Es gibt noch kein sicheres Terrain für das Recht, in Missouri wird es von beiden Parteien gleichermaßen reklamiert, leidenschaftlich von den Parteigängern des Südens, zynisch und kalkuliert von den Wirtschaftstreibenden. Deswegen gibt es einen Urteilsspruch, und trotzdem einen Schusswechsel. Für Frank James und seine Idee einer bürgerlichen Existenz muss dann, wie so oft im Western, ein Stellvertreter sterben, denn die alten Rechnungen müssen beglichen werden." (Filmarchiv Austria) "Wenn etwas dem amerikanischen Filmpublikum heilig ist, so sind es seine Westerner, d.h. jene Filme, die die grosse historische Zeit der Erorberung dieses Landes, das Pioniertum der Vorfahren und die Anfänge der Städte und der Gesellschaft behandeln...Nach dem grossen Erfolg von Jesse James, einer Art Michael Kohlhaas ausColorado, entschloss sich Fox, die Geschichte weiterzudrehen und den Bruder des berühmten Outlaw noch einmal in Aktion treten zu lassen. Frank kehrt zurück, um den Verrat an dem Gefährten seiner Abenteuer zu rächen. Dies zu zeigen, beauftragte man Fritz Lang. Die Fachpresse tobte: Was...ein Europäer...ein Mann, der so psychologisch durchgearbeitete Filme wie einst M und dann hier Fury und You and me gedreht hatte, sollte die Atmosphäre des alten Westens zu begreifen imstande sein? Nun, Fritz Lang hat sich in geradezu phantastischer Weise eingefühlt." (zitiert aus: Fritz Lang im Wilden Westen. "The Return of Frank James", Aufbau v. 30.8.1940, hier in: Helmut G. Asper: "Etwas Besseres als den Tod..." Filmexil in Hollywood. Porträts, Filme, Dokumente. Schüren Verlag Marburg 2002, ISBN 3-89472-362-9, S. 631) "Mit der Fortsetzung des Henry-King-Films "Jesse James - Mann ohne Gesetz" (1939) drehte der große Meister des Stummfilms, Fritz Lang, seinen ersten Western und gleichzeitig auch seinen ersten Farbfilm. Der inzwischen restaurierte Film ist von einer so verblüffenden Farbqualität, dass er viele Produktionen der 1950er und 1960er Jahre weit in den Schatten stellt. Gene Tierney (1920 - 1991) gab in Fritz Langs Western ihr Leinwanddebüt." (3 Sat Presse) "Selbst in einem so scheinbar uramerikanischen Genre wie dem Western lebt unverändert Langs Themen- und Motivkreis. Die skeptische Frage, ob ein europäischer Regisseur Western drehen dürfe, wies Lang zurück: Ich habe niemals geglaubt, daß der Wilde Westen, so wie er in Filmen gezeigt wird, jemals existiert hat. Die Legende des alten Westens ist das amerikanische Gegenstück zu den deutschen Mythen, wie ich sie z. B. in den «Nibelungen» abgebildet habe. Gern erzählte er, ein Veteranenclub habe ihm attestiert, die Welt des Wilden Westens authentisch gestaltet zu haben - Lang wußte, daß man trotz einiger realistischer Details nicht die historische Wahrheit, sondern einen Traum inszeniert hatte. Fritz Langs erster Western entstand 1940: The Return of Frank James. Der deutsche Verleihtitel Rache für Jesse James deutet an, was den Western mit den Nibelungen verbindet. Rache und Rebellion, Kampf gegen Vorurteile und eine verlogene Justiz beherrschen auch Langs Western. Das Milieu ist ja nur ein Vorwand. Vor seinem Hintergrund können Konflikte gezeigt werden, die «tabu» wären, wenn sie im Kostüm unserer Tage verfilmt würden. Noch 1956, als der Film in die deutschen Kinos kam, meldete der katholische «Film-Dienst» Bedenken an: «Wildwestfilm mit doppelbödiger Rechtsauffassung, deshalb nur für Erwachsene mit Vorbehalten.» The Return of Frank James ist ein Fortsetzungsfilm, der unmittelbar an Henry Kings «Jesse James» anschließt. Fritz Lang faszinierte an der Figur Frank James der Kriegsheimkehrer als Outlaw, das Problem dessen, der Geschmack am Töten bekommen hat, dem man ein Gewehr in die Hand gedrückt hat, damit er in den Krieg zieht, und der weiterkämpft, lange nach Einstellung der Feindseligkeiten. Das Individuum gegen das Gesetz oder gegen die Konventionen: das interessiert mich. In seiner Filmanalyse schreibt Jean-Luc Godard: «Ein einziges Bild definiert bereits die Langsche Ästhetik: Ein Polizist stellt einen flüchtigen Banditen, um ihn zu töten. Um den unabänderlichen Aspekt der Szene zu unterstreichen, setzt Lang auf das Gewehr ein Zielfernrohr, wie man es bei Präzisionswaffen findet; der Zuschauer fühlt sofort, daß der Polizist nicht vorbeitreffen kann und daß der Flüchtende mit mathematischer Sicherheit sterben MUß.» Erwähnenswert an Langs beiden Western, zweifellos Nebenprodukte in seinem Schaffen, ein paar Einzelheiten: Die Erkundungsfahrten im ersten Amerika-Jahr hatten den Regisseur auch zu den Navajos und zu den Hopis geführt. Deren Sitten und Gebräuche hatte er auf Schmalfilm festgehalten; in Western Union (1941) zeigte er erstmals im Film Indianer in Kriegsbemalung. The Return of Frank James war Langs erster Farbfilm und bot Gelegenheit, spezielle Farbwirkungen auszuprobieren, die das Auge des Zuschauers auf signifikante Details lenken. Ich war etwas, was in Hollywood überall verhaßt ist - ein Perfektionist, gestand Lang. In deutschen Filmstudios umgab ihn eine selbstverständliche Autorität (angeblich wurde er dort mit «Meister» angesprochen), in Hollywood respektierten ihn Schauspieler und Techniker nicht im gleichen Maße. Bei den Dreharbeiten zu Fury gab es Zusammenstöße mit dem Hauptdarsteller Spencer Tracy. Henry Fonda, der in You Only Live Once und The Return of Frank James Hauptrollen spielte, meinte später in Interviews, Lang habe die Darsteller wie Marionetten behandelt: «Er war ein Künstler, aber es ging nicht in seinen Kopf, dass der Schauspieler auch versuchte, ein Künstler zu sein. Er war ein meisterhafter Puppenspieler, aber ohne jedes Gefühl, und er konnte sehr brutal sein. Er war völlig absorbiert von der Kamera - was ja sein gutes Recht ist -, aber er war zu sehr damit beschäftigt, wie alles mögliche aussah.» Worüber sich Fonda mokiert ist Langs Detailbesessenheit. Viele Anekdoten erzählen davon, wie der Regisseur für Stunden die Dreharbeiten unterbrechen ließ, um unwesentlich erscheinende Ausstattungselemente stimmig zu arrangieren. Die Fähigkeit der Kamera, das Detail einzufangen, äußerte Lang, unterscheide den Film vom Theater. Der Daumen des Trampers, der vergeblich ein Auto anzuhalten versucht, die Bewegung der geballten Hand, die ein Glas leert und vom Barmann ein neues fordert, ein braun gebranntes Gesicht mit vom Wind zerzausten Haaren, diese Bilder sind das Ergebnis langer Bemühungen. Im Kino kann Spontaneität und Atmosphäre nur durch eine Anhäufung von Details geschaffen werden. Gemeint ist eine kalkulierte Spontaneität - Lang ging nie ins Studio, um mit den Schauspielern zu improvisieren. Sondern er kam mit präzisen Vorstellungen, wie eine Szene zu spielen sei, und wußte sogar, in welchem Einstellungswinkel sie aufgenommen werden müsse. Billy Wilders spöttische Beschreibung mag übertrieben sein, sie kennzeichnet aber Langs Inszenierungsstil: «Lang zum Beispiel, der war jeden Morgen um sechs im Studio, bevor die Schauspieler kamen, und dann ist er da rumgegangen und hat Zahlen auf den Boden gemalt: 1, 2, 3, 4 ... Und zu den Schauspielern hat er dann hinterher gesagt: Also, du kommst hier rein, bleibst bei 1 kurz stehen und blickst dich um. Dann gehst du zu 2 und sagst den Dialog. Auf dem Weg zu 4 legst du bei 3 die Zigarre in den Aschenbecher...»" (Michael Töteberg: Fritz Lang, rororo 1989, S. 90 - 95) "Die Adaption ist recht frei: Frank James wird idealisiert in seinen Bezügen zur Realität. Vielleicht Absicht bon Lang, dessen Hauptthema wir wiederfinden: die Rache. Frank hat, wie der Held in FURY, die besten Motive, seinen Bruder zu rächen, aber seine moralische Redlichkeit lässt ihn weiter seinen Beruf als Farmer ausüben, der sich nichts aus den Anfechtungen seiner alten Widersacher macht. Erst muss sich die Justiz als unfähig erweisen, damit er die Gebrüder Ford verfolgt. Er stellt sich dem Sheriff, um seinen schwarzen Diener zu retten. Als er nach vollendeter Rache heimgekehrt ist, kann er endlich sagen: 'Heute kann ich micht ohne zu erröten im Spiegel betrachten.' Zweifellos wird Frank hier zum moralischen Exempel. Er folgt seinem Verhalten, das der persönlichen Reflexion verpflichtet ist und nicht von äusseren Gegebenheiten wie Rechtssicherheit oder ewigem Rebellentum. Die moralische Ehrlichkeit erscheint also als eine Art von Heroismus, wo sich der Mensch ständig zwischen zwei Feuern, zwei Gruppen befindet, die die damit verbundene Rache notwendigerweise auflöst." (Luc Moullet, Fritz Lang)

Text?Ubijcy vykhodjat na dorogu (Die Mörder machen sich auf den Weg), Regie: Jurij Tarich,UdSSR - Sowjet Union - 1942
Produktion: Tsoks - Regisseur: Vsevolod Pudovkin - Jurij Tarich - Drehbuch: Vsevolod Pudovkin - Manuel Bolshintsov - Nach einer Vorlage von: Bertolt Brecht play "Furcht und Elend des Dritten Reiches" - Kamera: Era Saveljeva - Boris Bolchek - Musik: Nikolaj Krjukov - Architekt: Artur Berger - Darsteller: Aleksandr Violinov - Georgi Svetlani - Sofija Magarill - Olga Zhiznjeva - Oleg Zhakov - Aleksandra Danilova - Boris Vladimirovich Blinov - Mikhail Astangov - Ada Vojtsik Marta -

Anmerkungen
«Eine Studie über die Entfaltung des nationalsozialistischen Terrors im Privaten. Der Film, von Bert Brechts Drama Furcht und Elend des Dritten Reiches inspiriert, wurde von Pudovkin in Alma Ata realisiert. In die kasachische Hauptstadt waren im Herbst 1941 die Moskauer Studios vor den herannahenden deutschen Truppen evakuiert worden. Nach seiner Fertigstellung wurde DIE MÖRDER MACHEN SICH AUF DEN WEG allerdings verboten. Offiziell, weil er zu sehr Mitgefühl für die Opfer und zu wenig Hass auf die Täter erzeugen würde. Ohne Schwierigkeiten konnte der Terror aber auch als Entlarvung der eigenen Verhältnisse gelesen werden.

VSEVOLOD PUDOVKIN
1893 in Pensa, Russland. Ab 1920 Studium an der Moskauer Filmhochschule. 1922 wird Lew Kulešov sein Lehrer. Seit 1925 Regisseur. Einer der wichtigsten russischen Filmtheoretiker. Stirbt 1953 in Riga. Filme (Auswahl): DIE MUTTER (1926), STURM ÜBER ASIEN (1928)

JURIJ TARIČ
Geboren 1885. Studium an der Moskauer Universität. Regiedebüt 1925. Leitung des Studios Mongolkino 1943 bis 1945.» (filmarchiv.at)

Text?Vier um die Frau (Kämpfende Herzen), Regie: Fritz Lang,Deutschland - 1920
Produktion: Decla-Bioscop AG., Berlin - Produzent: Erich Pommer - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Fritz Lang - Thea von Harbou - Story : Rolf E. Vanloo - Kamera: Otto Kanturek - Architekt: Hans Jacoby - Ernst Meiwers - Darsteller: Hermann Böttcher Florence's Vater - Gerhard Ritterband Zeitungsboy - Edgar Pauly unauffälliger Herr - Paul Morgan Hehler - Erika Unruh Dirne - Lisa von Marton Margot - Hans Lüpschütz Strolch - Gottfried Huppertz Oberkellner - Paul Rehkopf Gauner - Leonhard Haskel Gauner - Harry Frank Bobby - Carola Toelle Florence Yquem - Robert Forster-Larrinaga Meunier - Rudolf Klein-Rogge Upton, Hehler - Anton Edthofer Werner Krafft / William - Ludwig Hartau Harry Yquem, Makler - Lilli Lohrer erste Zofe -

Text?Western Union (Überfall der Ogalalla), Regie: Fritz Lang,USA - 1941
Produktion: 20th Century-Fox Film - Produzent: Harry Joe Brown - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Robert Carson - Story : Zane Grey novel - Kamera: Edward Cronjager - Musik: David Buttolph - Architekt: Thomas K. Little - Kostümbild: Travis Banton - Darsteller: Randolph Scott Vance Shaw - Slim Summerville Herman - Robert Young Richard Blake - Chill Wills Homer - Minor Watson - Victor Kilian - Dean Jagger Edward Creighton - Russell Hicks - Virginia Gilmore - George Chandler - John Carradine Doc Murdoch - J. Edward Bromberg - Barton MacLane -

Kritiken
"Ein Schlüsselbild: der Blick nach vorn durch das Gerät des Landvermessers. Da erscheint die Prärie nicht als freier, unbekannte Hoffnung oder Gefahr verheissender Raum, sondern in der Perspektive eines Mannes mit einem Ziel, eines Konstrukteurs. Dass in dieselbe Form auch der Blick des Todesschützen gefasst wird, verwundert nicht bei Lang." (Enno Patalas)
Anmerkungen
"Ein Western über die Erschließung der Prärien durch den Telegrafen, also an sich ein Thema für Lang, dem er aber nicht allzu viel abgewinnt: WESTERN UNION ist stärker ein Randolph-Scott-Vehikel als ein „Fritz-Lang-Film", wie Lang häufig seinen selbstbewussten Anspruch auf Autorenschaft schon in die Inserts des Beginns legte. Die Farben, das Licht und eine sanfte Liebesgeschichte verleihen dem Film einen heiteren Grundton, der nur durch die Indianerhandlung und durch die Melancholie des Kundschafters Vance Shaw (Scott) getrübt wird: „Ich habe falsch gelebt", sagt er an einer Stelle zu Virginia Gillmore (Sue Creighton), um deren Gunst er wirbt. Robert Young (Richard Blake), ein Mann von der Ostküste, aber mit Westernformat, ist sein Konkurrent. Zu Beginn ist der Tross noch in der Stadt Omaha. Man genießt die zivilisatorischen Vorzüge, die Männer sitzen auf den Zäunen, die Frauen gehen mit einem Lächeln vorüber. Eine Mannschaft wird zusammengestellt, die in den Westen zieht, aber schon am Abend des ersten Tages reiten sowohl Shaw als auch Young zurück in die Stadt, wo sie in Gegenwart von Virginia aufeinandertreffen. Die Situation ist ein Patt, und obwohl dies ein Pionierwestern ist, hat er doch eher die Form einer Kreisbewegung, in der die Menschen ein wenig auf der Stelle treten: Shaw wird von seiner Vergangenheit eingeholt, er ist für den großen Treck der falsche Mann. Die Indianer werden durch eine kuriose Demonstration von der Macht der Telegrafie überzeugt: Sie erleiden zum ersten Mal in ihrem Leben einen Stromstoß und fügen sich in ihr Schicksal als Randfiguren der Geschichte. Das Bild eines Telegrafenarbeiters, der - von einem Pfeil durchbohrt - von einem Masten hängt, ist berühmt geworden - es spielt vielleicht sogar auf die Eröffnung des ersten Mabusefilms an, in der ein Mann auf einem Telegrafenmasten den Raub der Tasche mit dem Geheimvertrag weitermeldet. Lang vermeldet mit diesem Bild, dass dies nicht sein angestammtes Terrain ist, und es enthält auch die Wahrheit des Films, denn der Pfeil wurde nicht von einem Indianer abgefeuert, sondern von Weißen, die aus dem Fortschritt der Ingenieure, der auch das Gesetz durchsetzen wird, noch ein paar Kriegsgewinne schlagen wollen. Die Leitungen sind noch gar nicht gelegt, aber die Schiebereien gehen schon los, und den größten Spaß haben die Viehdiebe, wenn sie eine gestohlene Herde an ihren ursprünglichen Besitzer zurückverkaufen können. Vance Shaw gehört dieser Organisation durch Blutsverwandtschaft an, deswegen ist sein Schicksal auch tragisch in einem ganz klassischen Sinn." (Filmarchiv Austria)

Text?While the city sleeps Regie: Fritz Lang,USA - 1956
Produktion: RKO Radio Pictures - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Casey Robinson - Kamera: Ernest Laszlo - Musik: Herschel Burke Gilbert - Darsteller: Dana Andrews - George Sanders - Vincent Price - Thomas Mitchell - Ida Lupino - Rhonda Fleming - Vladimir Sokolov -

Anmerkungen
"Der Prolog zeigt das grausame Ende einer kleinbürgerlichen Idylle, deren fragile Konstellation schon die Zerstörung vorwegnimmt: Eine schöne Frau, die sich ein Bad einlässt, schickt einen alten Mann weg, einen guten Geist wie den jüdischen Hausmeister in YOU AND ME. Er hat ihr eben noch die Sanitäranlagen repariert. Dann kommt ein junger Mann mit einer Lieferung vom Drugstore, und erhascht einen Blick auf die Frau, die sich gerade auszieht. Er manipuliert das Türschloss, und geht wieder. Das Hauptthema sind der Wettlauf der Medien und die Karrieremuster der Medienmenschen, denn zu Beginn der eigentlichen Handlung stirbt ein Mogul. Sein Sohn, der in dem Loft mit Sodagläsern Minigolf spielt, während seine Frau im Bikini tanzt, lobt ganz offiziell ein Rennen zwischen vier Männern aus, von denen der Fernsehstar Ed Mobley (Dana Andrews) mangels Ehrgeiz nicht mitmachen will. Es herrscht eine große moralische Laxheit, und die Figuren scheinen von sich gar nichts zu wissen, allen voran George Sanders, der im Glaskasten seiner Sekretärin um die Schulter langt, worauf Mobley, der alles sieht, sofort anruft und interveniert. Die Büroarchitektur ist eine Fortsetzung der Berufszelle, in der Edward G. Robinson in SCARLET STREET gefangen saß. Mehrere Motive überlagern sich: Der Informationsvorsprung geht in Lockvogelaktivitäten über, als Mobley den Mörder in seiner Fernsehsendung direkt anspricht. Das Prinzip der Synergie zwischen den verschiedenen Medien (Abendzeitung, Abendnachrichten, Nachrichtenagentur) wird am Ende erst entdeckt, und Dana Andrews ist mit seiner Provokation des Täters ein Vorbild jener Medien, die ihre Geschichten am liebsten selbst inszenieren würden. Lang hat immer auf die Zeitgenossenschaft des Kinos gepocht, dieser extrem kalte Film ist wohl der Ausdruck seiner Resignation. Bei Carlo in der Bar sind sie alle ganz bei sich, hier herrscht eine müde, geile Stimmung, die Menschen lungern herum wie an einer Börse, an der sich nicht viel tut. Sie sind alle irgendwie aufeinander angesetzt. Am Ende geht Lang in die Totale, wenn auch der Chef einmal kommt, und dann sagt ihm Mobley die Meinung. In kleinbürgerlichen Absteigen planen diese Menschen ihre schäbigen Intrigen, am Ende wird es für den Mörder völlig egal, bei welcher Nummer er klopft. Auch hier schließen sich am Ende die Türen zur Wahrheit, die aber einen ganzen Film lang gähnend weit offen stehen: Geklärt wird nur ein Mordfall, im Leben aber wird alles so weitergehen wie bisher, und selbst in Florida ist man vor einem neuen Angebot des Herausgebers nicht sicher." (Filmarchiv Austria)

Text?Woman in the Window (Gefährliche Begegnung, Die Frau im Fenster), Regie: Fritz Lang,USA - 1944
Produktion: International Pictures - RKO Radio Pictures - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Nunnally Johnson - Nach einer Vorlage von: J.H. Wallis novel «Once off guard» - Kamera: Milton Krasner - Musik: Arthur Lang - Schnitt: Gene Fowler jr. - Marjorie Johnson - Architekt: Duncan Cramer - Set Decoration: Julia Heron - Kostümbild: Muriel King - Spezialeffekte: Vernon L. Walker - Tonmeister: Frank McWhorter - Darsteller: Harry Hayden - Wedgwood Nowell Man at Club (/xx/) - Bobby Blake - Joan Bennett Alice Face - Iris Adrian Strassenmädchen - Arthur Loft Claude Mazard - Frank Dawson Collins , der Kellner - Edmund Breon Dr.Michael Barkstane - Raymond Massey Frank Lalor - Dan Duryea Heidt/Tim , der Portier - Thomas E. Jackson Inspector Jackson, Mordkommission - Dorothy Peterson Mrs. Wanley - Edward G. Robinson Prof. Richard Wanley - Carol Cameron -

Inhaltsangabe
Richard Wanley ist Psychologieprofessor mit einem bevorzugten Thema: der Zusammenhang zwischen Freud'schen Begierden und Kriminaltaten. Als er eines Tages in einem Schaufenster das Bildnis einer wunderschönen Frau entdeckt, trifft ihn die Liebe wie ein Blitz. Und dann steht ihm die schöne Unbekannte plötzlich leibhaftig gegenüber. Ohne nachzudenken folgt Wanley der Frau, die ihn mit weiblicher Verführungskraft bis in ihre Wohnung lockt. Glücklich, dem Objekt seiner Begierde so nah zu sein, lässt er sich gerne auf die eindeutigen Absichten der Frau ein. Doch die Situation kippt schlagartig, als plötzlich der Liebhaber der Femme Fatale zur Tür reinplatzt. Gepackt von eifersüchtiger Mordlust, wird dieser zur tödlichen Bedrohung für Wanley. Ohne lange zu zögern greift der sonst so besonnene Professor zum nächstliegenden Gegenstand, mit dem er sich gegen den Mann zur Wehr setzt - und ihn ungewollt ermordet. Aus Angst vor den Folgen seiner Tat entscheidet Wanley, nicht die Polizei zu rufen. Als Vollblut-Kriminologe weiss er selbst allzu gut, wie ein Mörder sich verrät, und beseitigt darum minutiös alle Spuren seines Verbrechens. Danach verfolgt er angstvoll die Ermittlungen der Polizei, die sich auf die Suche nach dem Mörder macht. Noch kann er nicht ahnen, welche überraschende Wendung "sein" Fall nehmen wird... (arte Presse)
Kritiken
«In weiten Teilen spannendes Werk des amerikanischen film noir, fesselt THE WOMAN IN THE WINDOW durch die Dichte der Atmosphäre der schwarz-weiss Photographie, geschickte Steigerung der verknoteten Handlungsstränge und die präsente Schauspielerleistungen von Edward G. Robinson und Joan Bennett. Das Ende lässt einen aber doch eher konsterniert zurück.» (lhg 2006)

«Über diesem Film thront Lang wie ein Hellseher, der genüsslich die Karten legt, dann aber selbst erschrickt ob der bösen Omen, und am Ende alles wieder zusammenräumt: War nicht so gemeint! Es trifft natürlich Edward G. Robinson, den geduckten Kleinbürger, der hier nicht wie in SCARLET STREET unter einer übermächtigen Ehefrau leidet, sondern glücklich verheiratet ist, einem schönen Beruf als Universitätslehrer nachgeht und seine Strohwitwerlaune ein wenig nach Vorschrift bekommt - weil sich das eben so gehört unter Philistern, wenn die Frau mit den Kindern verreist ist. „The Woman in the Window" ist das Bild, das vor dem Eingang zum Club zu sehen ist. Die männlichen Fantasien entzünden sich daran, und einmal zeigt Lang ein Schaufenster, in dem keine Waren zu sehen sind, sondern nur ein Bild, zu dem sich das Vorbild erst finden muss. Der Auftakt entbehrt nicht einer gewissen Deutlichkeit, wenn Professor Wanley in einem Hörsaal über Freuds Theorie der Libido und der Ambivalenz doziert. Die Logik des Traums liegt dann auch über den Abwegen, auf die Wanley während der Abwesenheit seiner Frau gerät. Er trifft die Frau auf dem Bild, die sich in die Wirklichkeit hinein verdoppelt, und folgt ihr nach Hause. Dort wird er von ihrem Liebhaber überrascht und tötet ihn im Reflex. Als er wieder einen klaren Kopf hat, erkennt er, dass sich die Spuren des Verbrechens beseitigen lassen, und dass nichts in seinem bisherigen Leben auf eine Verwicklung in das Verschwinden eines Geschäftsmannes hinweisen würde. Jedes Detail und jede Figur hat von nun an Entsprechungen, denn Lang baut die Geschichte (Tom Gunning spricht von „paranoid plotting") entlang der Überlagerung von Indizien: Zuerst lässt Wanley Spuren verschwinden (dabei hinterlässt er neue), dann macht Lang den Professor zum Zeugen der Ermittlungen gegen den Verdächtigen, als den Wanley sich selbst weiss; dann sieht er sich mit Alice Reed zum zweiten Mal in eine Komplizenschaft gezwungen, an deren Ende er resigniert: Alle seine Schritte haben das Schlamassel nur vergrössert, und erst jetzt, als er ausweglos verloren ist, geschieht etwas, das ihn rettet: Die falschen Annahmen der Polizei breiten über Wanleys Irrweg eine Deckerinnerung, aber der erlösende Anruf erreicht ihn nicht mehr. Die letzten Einstellungen dieses Films versammeln alle Bestandteile des Lang-Fatalismus: Die Uhr, das Wasser, das Telefon. Keine wissenschaftliche Hypothese vermag den Professor mehr zu erreichen, rettungslos ist er in der Ambivalenz des Daseins verloren. Dann zieht Lang noch eine Karte - zurück.» (filmarchiv Austria)

«... WOMAN IN THE WINDOW gehört zur Schwarzen Serie wegen seiner Hell-Dunkel-Technik und seiner Nachtszenen - wie die Entdeckung der Leiche des Erpressers, zusammengekrümmt unter einer Steintreppe, die in einen Keller führt - und ebenso durch seine steigende Spannung, die dem Werk trotz seiner unerbittlichen Logik einen albtraumhaften Rhythmus gibt...» (Borde - Chaumeton)

«... Der Film geht in kleinen Schritten voran, häuft kleine realistische Details im Dialog, im Spiel, die dem Film Rhythmus und Einheit geben. Diese Details sind in eine 'Aura' eingebettet, die sie unterstreicht wie in HANGMEN ALSO DIE und die sich in Form eines beängstigenden Schweigens einstellen kann, das einem interessanten Satz folgt, oder in einer Einstellung, die ein Detail falsch wiedergibt und einer Reihe allgemeiner Einstellungen folgt, oder in einer Montage, die den Zuschauer überfällt. Die Kraft des Films liegt in seiner natürlichen, harmlosen, realistischen Sicht der gezeigten Details. Mit Ausnahme eines plötzlichen Gewitters und dem nächtlichen Spiel der Lichter auf den Strassen von New York bleibt alles recht einfach. Das Phantastische, der bedrückende Charakter des Filmse ntstehen aus übergrosser Klarheit der Ausleuchtung, einer übergrossen Nacktheit des Decors, einem zu langsamen Tempo. Die Schablonen des Horrorfilms werden hier durch ihr Gegenteil ...

Diese moderne Phantastik, die Langs Konzeption der Welt auf unser alltägliches Leben anwendet, markiert den Schlusspunkt seiner Kunst: DIE NIBELUNGEN, M und THE MINISTRY OF FEAR und ihr Exotismus, ihre Fremdehit uns Aussergewöhnlichkeit lagen dem fern, der sich an die vordergründigen Erscheinungen unseres Lebens hält. Aber hier werden wir alle durch den alten Professor anvisiert. Der Realismus akzentuiert nur die Identifikation mit dem Helden und erklärt den Erfolg bei der Kritik, den einzigen - zusammen mit HANGMEN ALSO DIR - den Lang zu jener Zeit erreichte...» (Luc Moullet: Fritz Lang)

«... Als es aber höchst tragisch wird, und der Selbstmord des Professors unwiderruflich scheint, geht das ganze geschickt in die Wirklichkeit der Rahmenhandlung über - das heisst, der Professor hat das böse Abenteuer nur geträumt. Der liebenswürdige Schluss löst mit seinem launigen Augenzwinkern ein befreites Lachen aus...." (Katholischer Film Dienst, Nr. 700)
Anmerkungen
«Der Name Sigmund Freuds, in der Vorlesung des Professors für Kriminalpsychologie, Richard Wanley, groß auf der Tafel zu lesen, setzt den Ton für diesen raffinierten Film noir. Als Wanley, wie so oft, sehnsüchtig das Gemälde einer schönen Frau in einem Schaufenster betrachtet, steht diese plötzlich neben ihm. Doch die erfüllte Männerfantasie entwickelt sich zum Alptraum, der Professor verheddert sich in einem Gespinst aus Leidenschaft, Gewalt und Schuld und kann am Ende froh sein, dass es aus seinem Wunschtraum ein Erwachen gibt.» (filmarchiv.at)

«Die Geschichte eines amerikanischen "Professor Unrat" auf Abwegen basiert auf J.H. Wallis' Roman "Once Off Guard". "Gefährliche Begegnung" ist ein Film Noir, der nicht die Frage nach der Identität des Mörders in den Mittelpunkt stellt, sondern die Strategien, mit denen die Polizei einem Verbrecher auf die Schliche kommt. Von Beginn an streut das Gemeinschaftsprojekt von Fritz Lang und Drehbuchautor Nunnally Johnson Hinweise auf den Konflikt, in den die Hauptfigur Richard Wanley im Laufe des Films gerät. Für den Drehbuchautor Nunnally Johnson, der 1944 eine eigene Filmproduktionsfirma gründet, stellt "Gefährliche Begegnung" eines seiner ersten Projekte dar. Sein Einfluss ist dem Film deutlich anzumerken, was diesen zu einer interessanten Variante in Fritz Langs Werk macht.
Fritz Lang wird 1890 in Wien geboren und gilt als Revolutionär des Films, der mit seinen Regiearbeiten sowohl die Stummfilm- als auch die Anfänge der Tonfilmzeit bereicherte. Durch eine dem Regisseur eigene Ästhetik und eine oft expressiv-düstere Atmosphäre wurden Filme wie "Dr. Mabuse" (1922), "Metropolis" (1926) oder "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" (1931) zu Meilensteinen der Filmgeschichte. Als die Nationalsozialisten nach der Machtübernahme 1933 "Das Testament des Dr. Mabuse" verboten, wandert Lang erst nach Frankreich, später in die USA aus, wo er bis 1956 lebt und arbeitet. Sein letztes Projekt stellt in Zusammenarbeit mit Jean-Luc Godard Anfang der 60er Jahre der Film "Die Verachtung" (1963) dar, in dem Lang sich selbst als Filmregisseur inszeniert.» (ARTE Presse)

«Als ich WOMAN machte, wurde ich von den Kritikern gescholten, ihn als Traum enden zu lassen. Ich bin nicht immerobjektiv meinem Werk gegenüber, aber in diesem Fall war meine Entscheidung bewusst. Wenn ich die Geschichte in ihrer logischen Konklusion festgesetzt hätte, wäre ein Mensch gefangen und exekutiert worden, wegen eines Mordes, den er beging, weil er einen Moment "off guard" war. Selbst wenn er nicht wegen des Verbrechens verurteilt worden wäre, wäre sein Leben verpfuscht gewesen. Ich wies dieses logische Ende zurück, weil es mir defätistisch erschien; eine Tragödie um nichts, von einem unversöhnlichen Schicksal herbeigeführt - ein negatives Ende für ein nicht universales Problem, eine wirkungslose Traurigkeit, die ein Publikum nicht annehmen würde. WOMAN erfreute sich eines beachtlichen Erfolges, und während es meinerseits Rückschau (Erfahrung) ist, glaube ich, dass der Erfolg des Films mit einem anderen Ende geringer gewesen wäre.» (Fritz Lang)

Text?You and me (Du und Ich), Regie: Fritz Lang,USA - 1938
Produktion: Paramount Pictures, Inc. - Produzent: Fritz Lang - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Virginia van Upp - Nach einer Vorlage von: Norman Krasna novel - Kamera: Charles Lang - Musik: Boris Morros - Kurt Weill - Darsteller: Willard Robertson - Sylvia Sidney - George E. Stone - Guinn Williams - Carol Page - George Raft - Paul Newland - Barton MacLane - Harry Carey - Robert Cummings - Cecil Cunningham - Vera Gordon - Roger Gray - Bernadene Hayes - Warren Hymer - Roscoe Karns - Egon Brecher -

Anmerkungen
Joe und Helen, zwei der von Kaufhausbesitzer Morris grossherzig engagierten Ex-Sträflinge, verlieben sich und heiraten, doch Joe weiss nichts von Helens Vergangenheit. Damit ist für Drama gesorgt in einem Film, der überdies mühelos musicalhafte Songs von Kurt Weill, Film noir und augenzwinkernde Ironie verbindet. Und der in einer so hochmoralischen wie hochkomischen Szene kulminiert, in der die «schweren Jungs» nach misslungenem Einbruch brav in der Kinderabteilung in ihren Tretautos sitzen und Helen es ihnen an der Tafel vorrechnet: «Crime doesn’t pay». (filmarchiv.at)

Text?You only live once (Gehetzt), Regie: Fritz Lang,USA - 1936
Produktion: United Artists - Produzent: Walter Wanger - Regisseur: Fritz Lang - Drehbuch: Graham Baker - Kamera: Leon Shamroy - Musik: Alfred Newman - Architekt: Paul Webster - Lois Alter - Darsteller: Guinn Williams - Henry Taylor - Jean Stoddard - Sylvia Sidney - John Wray - Jack Carson (/xx/) - Barton MacLane - Ward Bond - Wade Botcher - Walter de Palma - Jean Dixon Bonnie Graham - Henry Fonda - William Gargan - Jonathan Hale - Ben Hall - Margaret Hamilton - Warren Hymer - Charles Chic Sale Ethan (AKA Chic Sale) -

Kritiken
"Die Idee, dass niemand das Recht hat, irgendwen zu verurteilen, dass alle schuldig sind und alle Opfer, illustriert mit hartnäckigem Genie das Werk Fritz Langs, in dem YOU ONLY LIVE ONCE einer der wichtigsten Angelpunkte ist. Der Film ist zugleich aufrührerisch und menschlich." (Francois Truffaut)
Anmerkungen
Der Kleinkriminelle Eddie will nach seiner Haft mit Joan, die auf ihn gewartet hat, ein neues Leben beginnen. Doch da sei die Unerbittlichkeit einer Gesellschaft vor, die ihm keine Chance gibt, bis er sich diese selbst verbaut. Er wird auf tragische Weise schuldig und flieht mit Joan, die bis in den gewaltsamen Tod bedingungslos zu ihm hält. Ein früher Film noir von expressionistischer Ausdrucksstärke, mit Schatten so scharfkantig wie die Kritik an der selbstgerechten Gnadenlosigkeit der nie gestrauchelten braven Bürger. (filmarchiv.at)

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